Dr. Hans Morschitzky

Klinischer und Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut (Verhaltenstherapie und Systemische Familientherapie)

A-4040 Linz, Hauptstraße 77              Tel. 0043 732 77 86 01          E-Mail: morschitzky@aon.at 

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Problem- und Zielanalyse bei Angststörungen

 

 

Zu Beginn einer Psychotherapie erfolgen eine genaue Analyse des Problemverhaltens (in der Verhaltenstherapie „Verhaltensanalyse“ bzw. „Problemanalyse“ genannt) sowie eine Auflistung der konkreten Therapieziele.

 

 

 

Individuelle Verhaltensanalyse

 

 

l            Können Sie Ihre Ängste aufzählen, genau beschreiben und nach der Stärke reihen? Welche körperlichen Zustände, Verhaltensweisen und Gedanken treten auf, wenn Sie Angst haben?

 

l            Seit wann - wann - wo - wie - mit welchem Ablauf - wie oft - wie stark - mit wem zusammen - mit welchen unterschiedlichen Erscheinungsformen und Schwankungsbreiten treten Ihre Ängste auf?

 

l            In welchen Situationen treten Ihre Ängste derzeit vorwiegend auf?

 

l            Gibt es auch Ausnahmen? Gibt es Zeiten und Umstände, wo Ihre Ängste nicht oder kaum auftreten? Wenn ja, wie erklären Sie sich das

 

l            Unter welchen Umständen sind Ihre Ängste entstanden?

 

l            Welche damaligen Umstände sind auch heute noch vorhanden? Welche davon haben auch jetzt noch eine ursächliche Bedeutung, welche dagegen nicht mehr?

 

l            Durch welche gegenwärtigen Umstände werden Ihre Ängste aufrechterhalten?

 

l            Durch welche Einstellungen werden Ihre Ängste geprägt und verstärkt?

 

l            Angenommen, Sie möchten Ihre Ängste ärger machen, was müssten Sie da tun? Wenn dies tatsächlich möglich ist, was kann man daraus lernen?

 

l            Vermeiden ist das zentrale Symptom bei einer Agoraphobie. Was genau möchten Sie am liebsten vermeiden? Welche Symptome Ihres Körpers fürchten Sie am meisten? Was haben die gefürchteten Situationen miteinander gemeinsam?

 

l            Wenn Sie sich einmal entschlossen haben, eine Angst machende Situation durchzustehen, was führt schließlich doch dazu, dass Sie die betreffende Situation verlassen? Welche körperlichen Zustände, Gedanken und Gefühle haben Sie da?

 

l            Falls Sie Ihre Ängste schon längere Zeit haben, was genau macht die Situation gerade jetzt so belastend, dass Sie eine Psychotherapie beginnen möchten?

 

 

 

Kontextuelle (systemische) Verhaltensanalyse

 

 

l            Welche Zusammenhänge könnten zwischen Ihren Ängsten und Ihrer familiären bzw. partnerschaftlichen Situation bestehen?

 

l            Welche Zusammenhänge könnten zwischen Ihren Ängsten und Ihrer beruflichen oder schulischen Situation bestehen?

 

l            Hat ein Elternteil auch Ängste? Wenn ja: Dieselben wie Sie oder andere?

 

l            Hat Ihr Partner auch Ängste? Wenn ja: Dieselben wie Sie oder andere?

 

l            Haben andere Verwandte oder Bekannte ähnliche Ängste wie Sie selbst?

 

l            Wenn Eltern oder Partner auch Ängste haben: Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen den Ängsten eines Elternteils bzw. des Partners und Ihren Ängsten? Wenn ja, welchen?

 

l            Was sind die wichtigsten Einstellungen, Lebensregeln und Wertvorstellungen, die Ihnen Ihre Eltern im Laufe der Erziehung vermittelt haben? Welche gelten für Sie auch jetzt noch? Wie könnten diese mit Ihren Ängsten zusammenhängen?

 

l            Welche Umstände, die mit Ihren Ängsten zusammenhängen, können weder durch Sie noch durch eine Psychotherapie verändert werden, sodass Sie besser damit leben lernen müssen?

 

l            Welche Folgen hätte die Angstbewältigung für Ihre Eltern bzw. Ihren Partner?

 

l            Wären Ihre Eltern bzw. Ihr Partner bereit, bei Bedarf an einer Psychotherapie teilzunehmen?

 

 

 

Auswirkungen

 

 

l            Wie beeinträchtigen Ihre Ängste ganz konkret Ihr Leben? Welche Einschränkungen und Behinderungen sind damit verbunden? Nehmen Sie eine Rangreihung Ihrer Ängste nach dem Ausmaß der Belastungen und negativen Auswirkungen vor.

 

l            Was sind die derzeit negativsten Folgen Ihrer Ängste für Ihre Lebenssituation?

 

l            Welche Folgen hätte es für Ihre Lebenssituation, wenn Ihre Ängste bestehen bleiben sollten? Worauf müssten Sie verzichten?

 

l            Was könnte ohne Psychotherapie schlimmstenfalls passieren, wenn es so weiter ginge wie bisher? Wie nahe sind Sie dieser Situation im Moment schon?

 

l            Angenommen, es geschieht über Nacht ein Wunder: Sie wachen am Morgen auf und haben keinerlei Ängste mehr. Welche positiven und negativen Auswirkungen hätte dies auf Ihr Leben? Was würden Sie dann tun (sofort, in der nächsten Zeit, mittelfristig)? Woran würden die anderen erkennen, dass ein Wunder geschehen ist?

 

 

 

Reaktion der Umwelt

 

 

l            Wie reagieren Ihre Angehörigen und Arbeitskollegen auf Ihre Ängste?

 

l            Was tun Ihre Angehörigen, um Ihre Ängste zu reduzieren bzw. im Gegenteil zu verstärken?

 

l            Welche Reaktionen der Umwelt haben Ihnen bisher am meisten geholfen, welche am meisten geschadet?

 

 

 

Positive Aspekte

 

 

l            Kann man an Ihren Ängsten auch irgendetwas Positives sehen? Wofür können sie vielleicht ganz gut sein? Welche Funktion könnten Ihre Ängste haben?

 

l            Welche schönen Dinge des Lebens können Sie trotz Ihrer Ängste derzeit noch erleben und genießen?

 

l            Was von den geliebten Dingen, die Sie gerne tun möchten, aber derzeit nicht tun können, geht Ihnen am meisten ab?

 

 

 

Bisherige Problemlösungsstrategien

 

 

l            Welche Vermeidungsstrategien angesichts von Angstsituationen haben Sie bisher gewählt? Was tun Sie, um Panikattacken möglichst zu vermeiden?

 

l            Verwenden Sie Alkohol oder Beruhigungsmittel zur Angstbewältigung? Wenn ja, welche Mittel in welcher Menge? Welche Folgen hatte die Einnahme dieser Mittel?

 

l            Was haben Sie bisher bereits selbst unternommen, um Ihre Ängste zu bewältigen?

 

l            Was davon hat Ihnen am meisten geholfen, was am wenigsten, was geschadet?

 

l            Welche Ratschläge und Warnungen würden Sie gleichfalls Betroffenen erteilen?

 

l            Was sollten Sie aufgrund zumindest vorübergehender Erfolge weiterhin tun?

 

l            Falls Sie bisher bereits ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen haben, was davon hat Ihnen am meisten geholfen, was war wirkungslos?

 

 

 

Erklärungsversuche

 

 

l            Welche Erklärungsversuche für Ihre Ängste haben Sie bisher selbst entwickelt?

 

l            Was genau halten Sie für die zwei oder drei wesentlichsten Ursachen Ihrer Ängste?

 

l            Was glauben Sie, warum Ihre Ängste auch jetzt noch, vielleicht nach vorübergehender Besserung, bestehen bleiben?

 

l            Wenn Sie einigermaßen überzeugende Erklärungsversuche für Ihre Ängste entwickelt haben, können Sie dann vorhersagen, unter welchen Bedingungen Ihre Ängste nach vorübergehender Besserung wieder stärker auftreten müssten?

 

l            Wie sehr erwarten Sie von einer Psychotherapie (weitere) Erklärungsversuche, wie sehr Hilfestellungen für konkrete Änderungsmöglichkeiten?

 


 

l            Falls Sie schon einmal ähnliche Ängste gehabt und vollständig überwunden haben, wie erklären Sie sich, dass diese Ängste jetzt wieder auftreten und von Ihnen nicht mehr erfolgreich bewältigt werden können?

 

l            Welche Erklärungsversuche und Änderungsvorschläge für Ihre Ängste kommen vonseiten Ihrer Angehörigen und Bekannten? Wie stehen Sie dazu?

 

l            Welche Erklärungsversuche und Änderungsvorschläge für Ihre Ängste haben Sie bisher von Fachleuten (Ärzten, Psychologen, Psychotherapeuten) erhalten?

 

 

 

Globale Therapieziele

 

 

l            Welche positiven Dinge oder Verhaltensweisen müssen zusätzlich zur Angstbewältigung noch erreicht werden, damit es Ihnen auf Dauer gut gehen kann?

 

l            Welche positiven Auswirkungen auf Ihre zwischenmenschlichen Beziehungen erwarten Sie sich durch die Beseitigung Ihrer Ängste?

 

l            Was alles möchten Sie tun, wenn Sie Ihre Ängste nicht mehr haben?

 

l            Was davon könnten Sie eigentlich bereits jetzt zu tun versuchen, was müssen Sie bis zur Überwindung Ihrer Ängste aufschieben?

 

l            Was möchten Sie in absehbarer Zeit erreichen (a) in privater Hinsicht, (b) in familiärer/partnerschaftlicher Hinsicht, (c) in beruflicher Hinsicht?

 

l            Können Sie alle Ihre Ziele in kurz-, mittel- und langfristige Ziele einteilen, sodass Sie im Laufe der Zeit die Effektivität Ihrer Veränderungsbemühungen beurteilen können?

 

 

 

Spezifische Therapieziele

 

 

l            Wenn Sie wählen können, in welcher Reihenfolge möchten Sie Ihre Ängste überwinden (welche zuerst, welche später)? Erstellen Sie eine Rangreihe Ihrer Ängste nach dem Ausmaß der Dringlichkeit ihrer Bewältigung.

 

l            Was genau soll anders werden (Denkmuster, Gefühle, Verhaltensweisen, körperliche Reaktionsweisen, Lebensbedingungen, Sozialbeziehungen)?

 

l            Möchten Sie bestimmte Fähigkeiten und Verhaltensweisen entwickeln bzw. ausbauen, wenn Sie Ihre Ängste überwunden haben (z.B. sich besser durchsetzen lernen, bestimmte Dinge erleben und genießen lernen)?

 

 

 

Kriterien für Therapiefortschritte

 

 

l            An welchen vielleicht unscheinbar kleinen Dingen würden Sie zuerst erkennen, dass Ihre Ängste geringer werden?

 

l            Woran, an welchen Verhaltensweisen würden Ihre Angehörigen zuerst erkennen, dass Ihre Ängste zurückgehen?

 

l            Woran würden Sie zuerst erkennen, dass sich Ihre Ängste nach anfänglicher Besserung wieder zu verschlechtern beginnen?

 

l            Wenn die Bewältigung Ihrer Ängste nur stufenweise möglich sein sollte, welche kleinen Teilschritte und Teillösungen können Sie sich da vorstellen?

 

l            Mit welchen Verbesserungen könnten Sie bereits zufrieden sein, falls keine optimale Lösung möglich ist?

 

l            Welche Verbesserungen erwarten Sie ganz konkret bereits für die nächsten drei Monate?

 

 

 

Motivationsanalyse

 

 

l            Warum streben Sie gerade jetzt eine Bewältigung Ihrer Ängste an und wie wichtig ist Ihnen diese Änderung?

 

l            Wie weit möchten Sie selbst etwas ändern und wie weit, damit andere (Partner, Eltern, Bekannte) zufrieden sind?

 

l            Wann würden Sie den Aufwand für die in diesem Buch vorgeschlagene Therapie lohnenswert finden?

 

l            Versuchen Sie letztlich, sich mit Ihrer jetzigen Situation irgendwie zu arrangieren?

 

 

 

 

Verhaltensanalyse bei Panikattacken

 

 

Panikattacken gelten als die „Angst aus heiterem Himmel“. Durch kontinuierliche Beobachtung und Analysen können Sie oft selbst Licht ins Dunkel bringen, wenn aus den oben angeführten Fragen noch immer keine Klarheit resultieren sollte.

 

Dokumentieren Sie alle Panikattacken möglichst genau, um später daraus Schlussfolgerungen ziehen zu können. Legen Sie ein Angst-Tagebuch an und protokollieren Sie jede auftretende Panikattacke nach folgenden Kriterien:

 

 

l            An welchem Tag und über welchen Zeitraum tritt die Panikattacke auf?

 

l            Welche Situation ist auslösend für die Panikattacke?

 

l            Welche Paniksymptome treten auf?

 

l            Mit welchen Symptomen beginnt die Panikattacke?

 

l            Welche Symptome sind besonders belastend?

 

l            Wie stark ist die Panikattacke (subjektive Bewertung von 0-10)?

 

l            Welche negativen Gedanken haben Sie beschäftigt?

 

l            Wie haben Sie auf die Panikattacke reagiert?

 

 

 

Angst-Tagebuch

 

 

Datum

Zeit

Situation/

Auslöser

Panik-symptome

 

Intensität

0-10

Negative

Gedanken

Folgen

15.4.1998

17.45-17.55

Geschäft,

noch rasch Einkaufen.

Schwindel, Atemnot,

Herzrasen

8

Ich falle um.

Alle schauen her. 

Ich renne aus dem Geschäft.

 

 

Aus der Beschreibung der Panikattacken können Sie im Idealfall erkennen, welche Zusammenhänge zwischen den Umständen bzw. Auslösern der Panikattacke, den Paniksymptomen, den negativen Gedanken und den Folgen der Panikattacke bestehen. Unterscheiden Sie zwischen den Ursachen der ersten Panikattacke (z.B. chronischer Stress, Verlusterlebnisse) und späteren Auslösern (z.B. Hitze, plötzliche Entspannung).

 

 

Zur detaillierten Dokumentation der körperlichen Symptome bei einer Panikattacke können Sie die folgende Symptomliste verwenden. 

 

 

 

Liste der möglichen Symptome bei einer Panikattacke

 

 

Symptome und deren Ausprägung

zur Selbstbeantwortung

(Zutreffendes ankreuzen)

überhaupt nicht

 

1

leicht,

aushaltbar

 

2

mittel-

stark

 

3

stark, kaum aushaltbar

 

4

Schwindel

 

 

 

 

Ohnmachtsangst

 

 

 

 

Druckgefühl im Kopf

 

 

 

 

Kopfschmerzen

 

 

 

 

Ohrensausen

 

 

 

 

Taubheit/Kribbeln/Pelzigkeit im Gesicht

 

 

 

 

Muskelzucken im Gesicht

 

 

 

 

Rotwerden im Gesicht

 

 

 

 

Sehstörungen

 

 

 

 

Mundtrockenheit

 

 

 

 

Engegefühl im Hals („Knödelgefühl“)

 

 

 

 

Atemnot oder Kurzatmigkeit

 

 

 

 

Erstickungsgefühl

 

 

 

 

Verspannung/Schmerzen im Nacken

 

 

 

 

Druck oder Engegefühl in der Brust

 

 

 

 

Herzstiche

 

 

 

 

Herzklopfen/Herzjagen

 

 

 

 

Unregelmäßiger Herzschlag

 

 

 

 

Übelkeitsgefühl

 

 

 

 

Brechreiz

 

 

 

 

Flaues Gefühl im Magen

 

 

 

 

Magenschmerzen

 

 

 

 

Durchfall

 

 

 

 

Harndrang

 

 

 

 

Taubheit/Kribbeln in den Armen

 

 

 

 

Taubheit/Kribbeln in den Beinen

 

 

 

 

Zittern in den Beinen

 

 

 

 

Schwächegefühl in den Beinen

(„Weiche Knie“)

 

 

 

 

Schwitzen

 

 

 

 

Hitzewallungen

 

 

 

 

Kälteschauer

 

 

 

 

Gefühle der Unwirklichkeit/des

Losgelöstseins

 

 

 

 

Umwelt schaut verändert aus

 

 

 

 

Angst, die Kontrolle zu verlieren

 

 

 

 

Angst, verrückt zu werden

 

 

 

 

Angst zu sterben (Todesangst )

 

 

 

 

 

 

Panikpatienten glauben oft, ihre Anfälle seien grundlos. Tatsächlich treten zahlreiche Angst machende „Was wäre, wenn“-Fragen ohne Antwort auf. Dies führt zu anhaltender Beunruhigung und körperlicher Anspannung, sodass derartige Gedanken und Vorstellungsbilder unterdrückt werden. Das Zulassen aller Gedanken, Gefühle und Empfindungen fördert dagegen die Selbstwahrnehmung und die Panikbewältigung.

 

 

 

Analysieren Sie, welche Faktoren bei Ihnen eine Panikattacke auslösen können:

 

 

·           Körperliche Beschwerden: Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Übelkeit, Hitze usw.

 

·           Verhalten: das Aufsuchen der Angstsituation, z.B. das Betreten eines Supermarkts.

 

·           Bildhafte Vorstellungen: Phantasien über bevorstehende Angstsituationen.

 

·           Gedanken: bestimmte Angst machende Denkmuster.

 

 

 

Folgende Denkmuster sind oft Auslöser oder Verstärker von Panikattacken:

 

 

·           Mein Herz beginnt schon wieder zu rasen, gleich bekomme ich einen Anfall.

 

·           Ich bekomme keine Luft mehr, alles schnürt sich zusammen, jetzt muss ich sterben.

 

·           Mir wird so schwindlig, gleich falle ich bewusstlos um und wache nicht mehr auf.

 

·           Ich habe auf der einen Körperseite so komische Empfindungen, gleich bekomme ich einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt.

 

·           Wenn die Ärzte nicht bald herausfinden, woher meine Attacken kommen, dauert mein Leben bestimmt nicht mehr lange.

 

·           Ich habe Angst zu sterben, Angst vor den Symptomen eines qualvollen Todes.

 

·           Wenn ich nochmals solche Symptome bekomme, sterbe ich bestimmt, weil mein Körper dies nicht mehr aushält.

 

·           Es wäre arg, wenn ich ähnlich schnell und unerwartet sterben sollte wie ein Bekannter oder Verwandter, der bis zuletzt völlig gesund war.

 

·           Ich habe Angst, wie mein Vater zu früh an einem Herzinfarkt zu versterben.

 

·           Ich bekomme bestimmt Brustkrebs (Magenkrebs), so wie meine Mutter.

 

·           Ich darf jetzt auf keinen Fall sterben, weil mich meine Kinder unbedingt brauchen.

 

·           Wenn mich mein Partner verlassen/betrügen würde, würde ich das nicht aushalten.

 

·           Wenn mein Partner stirbt (durch Unfall oder Krankheit), ist alles sinnlos.

 

·           Ich könnte es nicht überleben, wenn meinem Kind etwas passieren würde.

 

·           Mein Partner (Kind) ist noch immer nicht zu Hause. Ist ihm etwas passiert?

 

·           Ich wäre verzweifelt, wenn ein Elternteil sterben sollte.

 

·           Es wäre alles aus, wenn ich meinen Beruf verlieren sollte.

 

·           Wenn ich allein bin, dann heißt das, dass mich niemand mag.

 

·           Ich darf nie die Kontrolle verlieren, weil ich sonst nicht weiß, was mit mir passiert.

 

·           Wenn ich die Kontrolle verliere und etwas Schlimmes tue (ein Familienmitglied unabsichtlich verletze), komme ich in die Psychiatrie oder ins Gefängnis.

 

·           Wenn ich jetzt beim Autofahren wieder so einen Anfall bekomme, könnte ich leicht einen Unfall verursachen und alle Mitfahrer gefährden.

 

·           Ich muss jede Situation fest im Griff haben, weil ich für alles verantwortlich bin.

 

·           Ich muss immer alle Aufgaben bewältigen können und muss immer der Beste sein.

 

·           Wenn ich das nicht kann, bin ich ein Versager. Niemand wird mich mehr mögen.

 

·           Wenn ich diese Prüfung nicht schaffe, sind alle meine Chancen dahin.

 

·           Ich muss mich zusammenreißen, damit niemand auffällt, wie schlecht es mir geht.

 

·           Wenn die anderen um meine Panikattacken wissen, halten sie mich für verrückt.

 

·           Wenn ich neuerlich einen Anfall bekomme, muss ich wieder in ein Krankenhaus, werde ich krank geschrieben, mache ich mich lächerlich, verliere ich meine Arbeit.

 

·           Wenn ich umfalle, schauen alle auf mich her, stehen um mich herum und holen die Rettung, die mich in ein Krankenhaus bringt, obwohl ich dies nicht will.

 

·           Wenn ich umfalle, bleibe ich liegen und keiner hilft mir.

 

·           Wenn ich durch meine Symptome unangenehm auffalle, kann ich mich bei meinen Verwandten, Freunden, Nachbarn, Arbeitskollegen usw. nicht mehr blicken lassen.

 

·           Ich darf an keinen Anfall denken, sonst geht es gleich los wie immer.

 

·           Ich bin voller Wut über meinen Partner, sage jedoch lieber nichts, sonst zahlt er es mir wieder zurück.

 

·           An meiner Arbeitsstelle fühle ich mich ausgenützt, mich ärgert das alles sehr, aber aufzubegehren bringt nichts, weil dann wird alles nur noch schlechter, sodass ich meinen Ärger hinunterschlucken muss.

 

·           Meine Schwiegermutter ärgert mich sehr, aber das kann ich ihr nicht sagen, sonst ist sie mir wieder böse oder ich bekomme Spannungen mit meinem Partner.

 

 

 

Panikattacken mit dem Gefühl des Kontrollverlusts, vor allem wenn dies vor anderen Menschen geschieht,

 

·           erinnern nicht selten an frühere deprimierende Lebensfahrungen des völligen Ausgeliefert seins („Niemals mehr so ausgeliefert sein wie im Elternhaus; wie beim früheren Partner; wie in der Schule oder an einer früheren Arbeitsstelle, wo Mobbing herrschte, usw.“),

·           spiegeln bestimmte Werthaltungen (Denkmuster, Glaubenssysteme) wider,

·           drücken ungünstige Einstellungen gegenüber Gefühlen und körperlichen Zuständen ganz allgemein aus,

 

sodass es kein Wunder ist, warum die Betroffenen auch dann noch immer wieder „in Panik“ geraten, wenn sie eigentlich gar keine großen Ängste vor Panikattacken mehr haben:

 

 

Niemals mehr so abhängig sein wie zu Hause gegenüber dem Vater bzw. der Mutter.


Niemals mehr einem Partner so ausgeliefert sein, wie dies früher einmal der Fall war.


Keine Schwäche zeigen, sonst machen sie Dich fertig.


Immer fit sein, den Arbeitsplatz hast Du sonst rasch verloren.


Blieb immer misstrauisch, denn Du kannst einfach nicht vergessen, wie Du seinerzeit von einem vermeintlich gutgesinnten Freundeskreis ausgenutzt wurdest.

Nichts von Deinen Gefühlen und körperlichen Reaktionen zeigen, denn sonst gewinnen die andere durch ihr Wissen Macht über Dich.

Zeig keine körperlichen Symptome, auch wenn sie ganz normal sind, denn dann glauben die anderen, dass Du psychisch krank, nervenschwach, psychisch nicht belastbar bist.

Lass keine Gefühle zu, nicht einmal innerlich, denn sie könnten Dich in der Auseinandersetzung mit anderen irritieren und schwächen.

Sei vor allem als Frau besonders stark, sei eine Power-Frau und schüchterne lieber im Sinne einer Flucht nach vorne die anderen ein, damit sie es nicht umgekehrt mit Dir probieren.

Niemals so schwach sein und sich so gehen lassen wie ... (meine Mutter usw.), denn das ist für andere kaum auszuhalten.

Unternimm nichts, wo Du vielleicht andere dazu brauchst, denn dies könnte Dich von anderen abhängig machen.

Tue nichts, was Du nicht wirklich gut kannst, denn Du könntest es niemals ertragen, schwach und unvollkommen zu sein.

Lass Dich niemals schwach irgendwo hineinfallen, Du könntest sonst nicht mehr herauskommen.

Du musst immer auf Deinen eigenen Füßen stehen und darfst Dich nie mehr im Leben an jemand anderen anlehnen, auch wenn Du Dich noch so sehr danach sehnst, denn dies könnte Dich emotional abhängig und bedürftig machen.

Keine Panikattacken vor anderen Leuten mehr, das früher Erlebte ist noch immer peinlich genug, hängt Dir noch immer nach usw.

Halte Dir immer einen Fluchtweg offen, denn wenn Du nicht aus kannst, könnte Dir etwas passieren, sodass permanente Fluchtbereitschaft die einzige Form ist, möglichst lange in einer Situation bleiben zu können.

Die anderen werden Dich nur lieben, wenn Du immer alle Leistungserwartungen erfüllst.

Schau darauf, dass Du niemand im Leben für irgend etwas dankbar sein musst, denn dies könnte in Dir das unerträgliche Gefühl der Abhängigkeit auslösen.

Niemals sich gehen lassen, nie schwach sein, denn dies schwächt auch den Glauben daran, dass Du durchaus stark bist und führt nur zu Demütigung und Selbstzweifeln, die Du schon überwunden geglaubt hast.

Wenn Du Angst hast, darfst Du sie nicht zulassen, denn dann wird sie so stark, dass sie Dich überwältigt.

 

Wer nichts erwartet, kann auch nicht enttäuscht werden.

 

Wer weint, zeigt Schwäche.

 

 

 

Wenn die Angstbewältigung trotz der richtigen Technik nicht gelingen will

 

 

Mangelhafte oder ausbleibende Übungserfolge bei der Bewältigung der Agoraphobie, insbesondere wenn diese in bester Absicht und „technisch“ richtiger Weise angestrebt wurden, sollten Anlass sein, nach den Gründen zu suchen.

 

 

Stellen Sie sich folgende Fragen:

 

l            Welche Vorteile könnte ich mit dem Verlust der Agoraphobie ebenfalls verlieren?

 

l            Welche anderen Probleme vermeide ich durch meine Agoraphobie?

 

l            Welche Auswirkungen hätte die Bewältigung meiner Ängste auf mein Leben, insbesondere auf meine familiäre und berufliche Situation?

 

l            Was möchte ich nach Beseitigung meiner Ängste tun, und wie wichtig ist mir dies?

 

 

Ihre Ängste können die Funktion haben, Sie vor noch größeren Problemen als Ihre Agoraphobie oder Panikattacken zu bewahren. Werden Sie die wiedergewonnene Freiheit auf Anhieb tatsächlich nützen können? Hinter einer Agoraphobie kann die Angst vor Verantwortung und Freiheit stehen. Wenn die Fesseln und Ketten der Ängste abgeworfen sind, kann eventuell die Bürde der Verantwortung und der Freiheit sowie der Zwang zur Entscheidung zwischen verschiedenen Alternativen auf Sie warten.

 

 

Nach der Beseitigung der Ängste können Sie vielleicht vor der Situation stehen,

 

l            verschiedene Annehmlichkeiten zu verlieren (ständiges Umsorgt werden, viel Zuwendung und Nachsicht, Unterstützung bei der Arbeit) und vieles wieder selbst erledigen zu müssen;

 

l            als Mutter weiterhin bei den Kindern zu Hause zu bleiben oder berufstätig zu werden, wo man doch am liebsten beides in bestmöglicher Weise miteinander verbinden möchte und sich dabei überfordert sieht;

 

l            den Arbeitsplatz wegen Unzufriedenheit zu wechseln und dabei das Risiko einzugehen, dies hinterher zu bereuen;

 

l            sich scheiden zu lassen und neben den Problemen der Partnerschaft auch deren Vorteile zu verlieren;

 

l            sich als Frau dem Partner gegenüber einerseits besser durchsetzen zu können, andererseits aber deswegen Angst haben zu müssen, seine Liebe zu verlieren;

 

l            als Jugendlicher von zu Hause auszuziehen und ein selbständiges Leben zu beginnen oder weiter unter den Einengungen durch das Elternhaus zu leiden.

 

 

 

  Meiner Erfahrung nach treten bei Konfrontationstherapien oft Endlostherapien mit durchaus sichtbaren Erfolgen auf, die Erfolgserlebnissen bleiben jedoch noch immer unzureichend. Dies ist gewöhnlich unter folgenden Bedingungen der Fall:

 


1. Fehlende Bereitschaft zu einer Panikattacke.

Die Betroffenen stellen sich zwar allen Situationen, jedoch nur so, dass sie dabei auf keinen Fall eine Panikattacke erleben. Dies allein hält bereits eine Daueranspannung aufrecht. Ohne die echte Bereitschaft zu einer heftigen Panikattacke wird immer wieder ein Dauerstress bestehen bleiben, weil man ja ständig Vermeidungs- und Unterdrückungsmechanismen anwenden muss.
Die "Angst vor der Angst" ("Was wäre, wenn ...") hält ständige Erwartungsängste aufrecht.


2. Ärgste Angst wird nicht erkannt oder nicht zugelassen (Was ist die ärgste Angst bei einer Konfrontation?)


Die wichtigsten Fragen bei einer Konfrontation lauten meiner Meinung nach:
- Was fürchte ich am meisten, wenn ich mich allen Situationen stelle?
- Welche Situationen fürchte ich am meisten, sodass ich ihnen jetzt noch immer auszuweichen versuche, soweit es geht?
- Welche Symptome fürchte ich am meisten, sodass alles auftreten kann, nur nicht diese?


3. Perfektionismus als Mittel der Angstbewältigung.

- Jeder Perfektionismus ("Wenn schon, dann muss ich alles super schaffen") ist bei einer Konfrontationstherapie schädlich, weil er von der kognitiven Seite her den Stress erhöht.
- Der Versuch, erlebte positive Erfahrungen mit der Angstbewältigung zu generalisieren auf andere Situationen scheitert an der mangelnden Fähigkeit zur Generalisierung von Erfahrungen, d.h. der hoffnungsvollen Übertragung des Gelernten auf neue Situationen. Der Grund liegt im Perfektionismus: "Es ist jetzt schon 20 mal gut gegangen, doch wer sagt, dass nicht beim 21. mal etwas passieren könnte?"


4. Sozialphobische Züge in einer agoraphobischen Situation.

Sozialphobische Komponenten halten bei einer Konfrontationstherapie eine ständige Anspannung aufrecht:
- Was werden sich die anderen denken, wenn sie meine Symptome bemerken?
- Wenn ich tatsächlich auffalle, bin ich dann "nervenschwach", "psychisch nicht belastbar", ein Schwächling, weniger liebenswert, weil schwach?

5. Die Einnahme oder Verwendung besti
mmter Mittel

- Keine Tranquilizer einnehmen oder mitführen!
- Keinen Alkohol als Pillenersatz verwenden!
- Keine Notfallstropfen, denn es besteht kein Notfall!
- Kein Handy, denn es besteht keine Lebensgefahr!
- Kein Verlass auf andere Personen (nicht das Vertrauen auf sich selbst durch das Vertrauen auf andere ersetzen!)

6. Ständige Ablenkungsversuche statt Zuwendung.

Man wird komischerweise eher ruhig, wenn man sich nicht pausenlos abzulenken versucht, sondern sich zu seinen Symptomen hinwendet: "Ich spüre jetzt meinen Schwindel, mein Herzklopfen, meine weichen Knie usw., ich gehe aber dennoch in die Situation und bleibe so lange ich will und nicht so lange mich die Symptome lassen."

7. Sekundärer Krankheitsgewinn.

Gibt es letztlich auch Vorteile aus der Agoraphobie?
- Was will ich eigentlich vermeiden?
- Welchen anderen Konflikten gehe ich aus dem Weg, die sofort und unweigerlich auftreten, wenn ich alle Situationen problemlos meisten kann?  

 

  8. Aktuell depressive Symptomatik oder depressive Verstimmung

Eine depressive Symptomatik ist u.a. charakterisiert durch eine körperliche und psychische Kraftlosigkeit. Man sollte es daher in einer depressiven Phase gar nicht versuchen, durch eine derartige Aktivierung, wie sie bei einer massierten Konfrontationstherapie erforderlich ist, sein Selbstwertgefühl aufzubauen, denn es kann nur zu einem Misserfolg kommen, der die depressive Symptomatik noch weiter verstärkt. Eine Konfrontationstherapie ist daher höchst ungeeignet, das schwache Selbstbewusstsein in der Depression aufzubauen, weil wieder alles auf Leistung und Durchhalten ausgerichtet ist - was oft genau die Gründe waren, warum es zu einer "Erschöpfungsdepression" gekommen ist.   

 

  9. Partnerprobleme

  Oft stehen hinter einer Agoraphobie mit Panikstörung latente oder offene Partnerprobleme, die anfangs häufig nicht in Zusammenhang mit der Angststörung gesehen werden. Eine Agoraphobie stellt dann eine Pattsituation dar, die den unbefriedigenden gegenwärtigen Zustand aufrecht erhält. Dies ist so lange eine durchaus sinnvolle Problemlösung auf der Symptomebene, als man noch keine Entscheidung darüber getroffen hat, wie es mit der Partnerschaft weiter gehen wird, wenn die Agoraphobie überwunden ist. 

10. Mangelnde Veränderungsziele nach der Konfrontationstherapie

   Meine „Wunder-Frage“ nach Steve DeShazer lautet in der Psychotherapie oft: „Stellen Sie sich vor, Sie wachen morgen in der Früh auf und sind völlig gesund. Was würden Sie da tun? Was würde sich in Ihrem Leben dann ändern?“ Viele Angstpatienten haben vordergründig oft keine anderen Ziele, als ständig nur gegen ihre Ängste zu kämpfen. Stellen Sie sich doch einmal folgende Fragen:

- Was will ich eigentlich im Leben erreichen, wenn ich keine Symptome habe? Wenn es einem nicht mehr schlecht geht, dann muss es einem noch lange nicht gut gehen!
- Wofür loht sich der ganze Aufwand?
- Was würde ich sofort, in einem Monat, in sechs Monaten, in einem Jahr tun, wenn ich keine Ängste (Agoraphobie, Panikattacken) mehr hätte?

 

 

Dieser Text stammt aus meinem Buch „Angststörungen“. Wenn Ihnen dieser Text gefallen hat, empfehle ich Ihnen den Kauf des ganzen Buches (Bestellung durch Anklicken des Buchtitels):

Morschitzky, H. (2009). Angststörungen. Diagnostik, Konzepte, Therapie, Selbsthilfe. Wien: Springer. 731 S. € 69,90.