Dr. Hans Morschitzky

Klinischer und Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut (Verhaltenstherapie und Systemische Familientherapie)

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Angststörungen

Diagnostik, Konzepte, Therapie, Selbsthilfe.

Wien:  Springer Verlag    

4., erweiterte und überarbeitete Auflage erschienen im August 2009

 

Inhalt
• Normale und krankhafte Ängste
• Angststörungen
• Ängste bei anderen Grunderkrankungen
• Häufigkeit und Verlauf von Angststörungen 
• Erklärungsmodelle für Angststörungen
• Verhaltenstherapie bei Angststörungen
• Psychoanalyse bei Angststörungen
• Selbsthilfe bei Angststörungen
• Ratschläge für Angehörige
• Medikamentöse Behandlung bei Angststörungen
• Pflanzliche Hilfen bei Angststörungen

 

Angst ist ein menschlicher Gefühlszustand wie Freude, Ärger oder Trauer und hat eine Signalfunktion wie Fieber oder Schmerz. Angst wird zur Krankheit, wenn sie über einen längeren Zeitraum das Leben so stark einengt, dass man darunter leidet.

9 Prozent der Bevölkerung leiden unter einer behandlungsbedürftigen Angststörung, im Laufe des Lebens sind es 15-25 Prozent. Angststörungen stellen bei Frauen die häufigste, bei Männern die zweithäufigste psychische Störung dar. Das Buch beschreibt recht anschaulich die 11 Angststörungen nach dem amerikanischen psychiatrischen Diagnoseschema DSM-IV:

  1. Panikstörung ohne Agoraphobie

  2. Panikstörung mit Agoraphobie

  3. Agoraphobie ohne Panikstörung in der Vorgeschichte

  4.  Soziale Phobien (spezifische Sozialphobie und  generalisierte Sozialphobie)

  5.  Spezifische Phobien

  6. Generalisierte Angststörung

  7. Posttraumatische Belastungsstörung

  8. Akute Belastungsstörung

  9.  Zwangsstörung (Zwangshandlungen und Zwangsgedanken/-impulse)

  10. Angststörung aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors

  11. Substanzinduzierte Angststörung

Das Buch vermittelt auch die diagnostischen Kriterien des international verbindlichen ICD-10 und  bietet einen Überblick über die Forschungsbefunde zu Häufigkeit und Verlauf sowie zu biologischen und psychologischen Ursachen der verschiedenen Angststörungen. Im Mittelpunkt des therapeutischen Teils stehen die Verhaltenstherapie bei den häufigsten Angststörungen, Selbstbehandlungsmöglichkeiten, sowie medikamentöse und pflanzliche Behandlungsmethoden.

Das Buch wendet sich an Ärzte, Psychotherapeuten, Psychologen, an alle anderen Fachleute im Gesundheitsbereich, an die psychosozialen und pädagogischen Berufsgruppen, an die Studenten dieser Berufsgruppen sowie an Angstkranke und deren Angehörige.

 

 Persönliches Schlusswort

Die Erfahrungen in der stationären und ambulanten Behandlung von mehreren Hundert Patienten mit Angst- und Panikstörungen haben meine Auffassung bekräftigt, dass die beste, schnellste und erfolgreichste Therapie von Ängsten in einem individuellen, auf den Betroffenen abgestimmten Vorgehen besteht. Als Verhaltenstherapeut bin ich skeptisch gegenüber allen Standardtherapieprogrammen, von denen ich mich mit zunehmender Erfahrung immer mehr entfernt habe.  

Das Ziel einer Angstbewältigungstherapie ist nicht einfach, belastende Angstzustände und Panikattacken mit den effizienten Techniken der Verhaltenstherapie „wegzumachen“, sondern das Vertrauen der Betroffenen zu sich selbst (zu ihrem Körper, ihren Gefühlen, ihren Gedanken) und zur Bewältigbarkeit ihrer Lebenssituation wieder aufzubauen. Angstbewältigung gelingt nicht durch die Unterdrückung und Abspaltung Angst machender Erfahrungen, sondern nur durch die Integration dieser Erlebnisse in die Gesamtpersönlichkeit und in das Gedächtnis als Basis der Lebenskontinuität.

Angstpatienten haben einmal, mehrfach oder vielmals die Kontrolle verloren über

l     ihren Körper (Panikattacken mit todesähnlicher Erfahrung),

l    ihren Geist (Angst verrückt zu werden und nie mehr klar und „normal“ denken zu können, unkontrollierbare Sorgen und Befürchtungen über alles Mögliche),

l    ihre Gefühle (Angst, die Emotionen nicht im Griff zu haben und öffentlich heftig zu weinen,  laut zu schreien oder herumzuhauen),

l    ihre Lebenssituation (Angst vor dem Zerbrechen der Partnerbeziehung, real erlittene Verlusterlebnisse durch Trennung oder Tod, Bedrohung des Arbeitsplatzes).

Wenn nicht grundsätzlich eine ängstlich-vermeidende, dependente oder zwanghafte Persönlichkeitsstruktur gegeben ist, ist das Leben vieler Angst- und Panikpatienten von dem Motto geprägt: „Nichts ist mehr so, wie es einmal war“.

Das sinnvolle Gegenteil von Angst ist nicht „keine Angst mehr haben“, sondern Vertrauen, Mut und Zuversicht. Alles, was geeignet ist, das Vertrauen der Betroffenen zu sich selbst zu stärken, sodass wieder mehr Mut zu bestimmten Taten möglich ist, fördert die Zuversicht, dass die vorhandene Angststörung mehr oder weniger vollständig bewältigbar ist und die weiteren Lebenspläne umsetzbar sind.

Das Ziel der Therapie bei Angststörungen besteht nicht in der Beseitigung von Ängsten  im Sinne des Wegtherapierens aller Angstgefühle, wie dies viele Betroffene zu Beginn der Therapie erwarten („Ich möchte wieder alles ohne Angst und Panik tun können“), sondern im Erwerb von Kompetenzen im Umgang mit jeder Form von Angst- und Panikstörung, sodass mehr Selbstkontrolle und Kontrollierbarkeit in Angst machenden Situationen gegeben ist und das Leben wieder lebenswerter wird. Dies kann für jeden Patienten etwas anderes bedeuten in Abhängigkeit von dem, was er los werden möchte und dem, was er hinzugewinnen möchte.

Ich bemühe mich, jeden Patienten dort abzuholen, wo er steht, und dorthin zu führen, wohin er will. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mir dies im Rahmen von Einzeltherapien viel rascher und effizienter gelingt als über Gruppentherapien (obwohl diese sehr nützlich sein können, wenn gleichzeitig auch eine Einzeltherapie angeboten werden kann), sodass ich im Krankenhaus und in meiner Praxis nur Einzeltherapien mache, bei Bedarf und Möglichkeit erweitert durch die Einbeziehung von Angehörigen.

Ich sage meinen Patienten gewöhnlich: die bekannten Verhaltenstherapiemethoden helfen 60-80% der Angstpatienten, zu mir scheinen jedoch oft die anderen zu kommen.

Grundsätzlich achte ich bei einer Verhaltenstherapie von Menschen mit Angst- und Panikstörungen auf folgende Aspekte:

l    Aufbau einer guten Therapiebeziehung. Das Vertrauen zum Therapeuten und die Erwartung von Erfolg sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass die Betroffenen an ihre baldige Selbstkompetenz glauben können. Wie groß der Placeboeffekt im Sinne einer Selbstheilungstendenz ist, habe ich in den letzten Jahren an dem Umstand erkannt, dass viele Angstpatienten – noch ohne mich persönlich zu kennen – aufgrund dieses Buches und meiner Homepage unter www.panikattacken.at die Hoffnung auf Erfolg entwickelt haben.    

l    Vermittlung störungsspezifischer Informationen. Ein besseres Verständnis der Symptome und Dynamiken einer Angststörung ist bereits ein erster Schritt zu deren Bewältigung. Die Erkenntnis der Körper-Seele-Zusammenhänge, wie sie durch die bekannten psychophysiologischen Modelle vermittelbar ist, beendet die fruchtlosen Diskussionen, was biologisch (und daher nur mit Psychopharmaka) und was psychodynamisch (und daher nur durch eine lange Psychotherapie) veränderbar ist.

l    Genaue Problem- und Verhaltensanalyse. Die genaue Kenntnis der individuellen (körperlichen, emotionalen und kognitiven) Faktoren und der systemischen (partnerschaftlichen, familiären und beruflichen) Faktoren, die die Angststörung bewirkt haben und gegenwärtig aufrechterhalten, erlauben präzisere und effektivere Interventionen als die blinde Anwendung von Techniken und Strategien, die angeblich bereits aus sich selbst heraus wirksam sind.

l    Vermittlung eines besseren Selbstverständnisses hinsichtlich der Zusammenhänge zwischen der spezifischen Angststörung und der persönlichen Lebenssituation. Viele Angstpatienten sind erst dann für verhaltenstherapeutische Interventionen offen, wenn sie plausible Antworten bekommen haben auf Fragen wie „Warum gerade ich?“, „Warum gerade jetzt?“, „Warum hat bisher noch nichts geholfen?“

l    Individueller Therapieplan. Das konkrete Vorgehen richtet sich primär nach den Ergebnissen der Verhaltensanalyse und den Zielen des Patienten.

l    Stellenwert behavioraler Techniken. Die Konfrontationstherapie wird als sehr wichtig dargestellt und durch konkrete Hilfestellungen vorbereitet, erfolgt jedoch immer ohne Therapeutenbegleitung. Die Erfahrung hat mich gelehrt, wenn Agoraphie- und Panikpatienten nicht zu einer heftigen Panikattacke bereit sind (wie dies anfangs oft der Fall ist), hat eine massierte Konfrontationstherapie wenig Sinn. Wichtiger sind mir dagegen mentale und körperbezogene Übungen im Therapieraum.

l    Kognitive Therapie. Oft reichen, wie meine langjährige persönliche Erfahrung zeigt, kognitive Interventionen aus, was durch die neueste Therapieforschung bestätigt ist.

l    Systemische (interaktionelle, psychosoziale) Aspekte. Die Berücksichtigung partnerschaftlicher, familiärer und/oder beruflicher Probleme hat sich als entscheidender Faktor für einen raschen Therapierfolg herausgestellt.

l    Sonstige Hilfen (Psychopharmakotherapie, Phytotherapie). Es ist das Idealziel, die jeweilige Angststörung ohne Medikamente zu bewältigen, wenn die Betroffenen dies wünschen, ich unterstütze jedoch als Psychologe die vorübergehende Einnahme von chemischen oder pflanzlichen Mitteln und fördere die nötige Compliance.

l    Therapiedauer. Es gilt das Motto: „So kurz wie möglich, so lange wie notwendig“. Als Verhaltenstherapeut in Österreich, wo es keine Kassenverträge, sondern für alle Patienten nur einen Kostenzuschuss gibt, muss ich unter Berücksichtigung der begrenzten finanziellen Ressourcen vieler Patienten mit noch weniger Stunden auskommen, als dies für eine Verhaltenstherapie ohnehin typisch ist.