Klinischer und Gesundheitspsychologe
Psychotherapeut (Verhaltenstherapie und Systemische Familientherapie)
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Die Angst vor Krankheit verstehen und bewältigen.
Hans Morschitzky & Thomas Hartl
Kreuz-Verlag, Stuttgart: Januar 2009
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Teil 1: Krankheitsängste – normale Sorge und krankhafte Angst um die Gesundheit
Krankheit gehört zur Lebensrealität
Krankheit ist unangenehm – eine Bedrohung des Lebens und des Wohlbefindens
Übersteigerte Krankheitsängste und Krankheitsverleugnung – zwei ungünstige Bewältigungsstile
Krankheitsängste einst und jetzt
Vom hypochondrion zum Hypochonder – Körperregionen als Ausgangspunkt von Krankheitsängsten
Von der körperlichen Krankheit zur psychischen Störung – die Hypochondrie als Störung des Geistes
Krankheitsängste im Wellness-Zeitalter
Die Schattenseiten des Gesundheitszeitalters – Krankheitsängste auf dem Vormarsch
Gesundheitswahn, Fitnesskult und Ernährungsstress – Gesundheitsstreben aus Krankheitsfurcht
Hightech-Medizin bei Alltagssymptomen – endlose Ausschlussdiagnostik als Gesundheitsgarantie
Krankheitsängste können jeden treffen
„Der eingebildete Kranke“ von Molière – der berühmteste Hypochonder der Weltliteratur
Krankheitsängste von Prominenten – auch erfolgreiche Leute sind davon geplagt
Die Verbreitung von Krankheitsängsten – Diagnosekriterien bestimmen die Häufigkeit
Krankheitsängste können selbst zur Krankheit werden
Krankheitsängste als somatoforme Störung – körperbezogene Fixierungen
Krankheitsphobie – die Furcht vor Krankheit
Hypochondrie – die Überzeugung, krank zu sein
Krankheitswahn – die unkorrigierbare Überzeugung, unheilbar krank zu sein
Krankheitsängste im Rahmen verschiedener Krankheiten – erschwerte Bewältigung anderer Störungen
Zehn Gesichter von Krankheitsangst
Die Angst vor lebensgefährlicher Krankheit – Herzinfarkt, Krebs und AIDS als Bedrohung des Lebens
Die Angst vor körperlicher Behinderung – Schlaganfall und Multiple Sklerose als bleibende Beeinträchtigung
Die Angst vor Leiden und Schmerzen – schmerzbetonte Krankheiten als Ausdruck von Hilflosigkeit und Ohnmacht
Die Angst vor unerklärlichen Alltagssymptomen – Schwindel und Übelkeit als Anlass zu einem Ärzte-Marathon
Die Angst vor Ansteckung – Wasch- und Reinigungszwänge als Mittel der Angstbewältigung
Die Angst vor umweltbedingten Schädigungen – Umweltgifte und falsche Ernährung als Gefährdung der Gesundheit
Die Angst vor psychischem Zusammenbruch – Schizophrenie und Depression als gesellschaftliche Stigmatisierung
Die Angst um den Verstand – Alzheimer-Krankheit als Verlust der Selbstverfügbarkeit
Die Angst vor Rückfall oder Krankheitsverschlimmerung – sekundäre Hypochondrie als nicht verarbeitete Krankheitserfahrung
Die Angst vor dem Älterwerden und körperlichem Verfall – das Alter als gefürchtetes Krankheitsrisiko
Teil 2: Krankheitsängste – wie sie entstehen und das Leben beeinträchtigen
Zwanzig häufige Ursachen für Krankheitsängste
„Sicherheit und Geborgenheit hat es in meinem Leben nicht wirklich gegeben“ – mangelnde Bindungssicherheit von klein auf
„Mein Körper hat schon viel mitgemacht“ – unbewältigte traumatische Erlebnisse
„Frühere Erkrankungen haben das Vertrauen zu meinem Körper zerstört“ – Verlust des unbekümmerten Vertrauens in das körperliche Funktionieren
„Bei mir oder bei einem Elternteil wurde schon einmal etwas übersehen“ – mangelndes Vertrauen in die ärztliche Kunst
„Mein Vater hat sich auch schon immer vor Krankheiten gefürchtet“ – Modelllernen bei Krankheitsängsten
„Zieh dich warm an!“ – krankheitsängstliche Sozialisation von Seiten der Eltern
„Meine erkrankte Bekannte tut mir furchtbar leid“ – großes Mitgefühl mit dem Leid anderer Menschen
„Ich bin ganz geschafft“ – psychosozialer Stress als Auslöser
„Mich ärgern nur meine Symptome“ – mangelnde Wahrnehmung von Gefühlen
„Gesund bin ich nur dann, wenn ich meinen Körper nicht spüre“ – unpassende Gesundheitsvorstellungen
„Ich beschäftige mich viel mit Krankheiten und deren Abwehr“ – zunehmende Einengung der Aufmerksamkeit auf Krankheitsthemen
„Das ist bestimmt gefährlich“ – Fehlinterpretation harmloser körperlicher Symptome als lebensbedrohlich
„Ich muss meinen Körper ständig kontrollieren“ – vermehrte Körperbeobachtung verstärkt die Angst
„Ich habe unerträgliche Angst vor dem Tod“ – lebensbedrohliche Krankheiten als existenzielle Krise
„Ich habe Angst davor, pflegebedürftig zu werden“ – chronische Krankheiten als Verlust der Selbstständigkeit
„Ich habe Angst vor medizinischer Dauerbehandlung“ – schwere Krankheiten als ständiges Angewiesensein auf Ärzte und Pflegepersonal
„Was wird aus meiner Familie ohne mich?“ – lebensgefährliche Krankheiten als Bedrohung des Sozialgefüges
„Mein Leben ist ohne Sinn und Plan“ – Krankheiten und Inanspruchnahme des Gesundheitssystems als Lebensstrukturierung
„Wenn ich wenigstens gesund wäre“ – ständige Körperfixierung als Problemumlenkung zur Vermeidung der wahren Lebensprobleme
„Krankheit sichert mir Zuwendung“ – die umstrittene Theorie vom sekundären Krankheitsgewinn
Zehn häufige Folgen von Krankheitsängsten
„Wie sicher sind die Untersuchungsergebnisse?“ – ständiges Bedürfnis nach neuerlichen Untersuchungen
„Sag mir, dass ich gesund bin“ – anhaltende Suche nach Rückversicherung bei Ärzten
„Vielleicht haben die Ärzte doch etwas übersehen“ – medizinische Literatur und Internet als Mittel der Selbstdiagnostik
„Ich meide alles, was mich beunruhigen könnte“ – chronisches Vermeidungsverhalten als Gegenmittel zur Krankheitsfixierung
„Ich muss mich schonen, um mich nicht zu überfordern“ – ständiges körperliches Schonverhalten als ungewollte Angstverstärkung
„Mich interessiert jetzt nur noch meine Gesundheit“ – Vernachlässigung der sozialen Umwelt und anderer Interessen durch die Körperfixierung
„Jetzt bin ich auch noch depressiv“ – psychiatrische Folgestörungen bei chronischen Krankheitsängsten
„Ich kann so nicht mehr arbeiten und fortgehen“ – Beeinträchtigung der beruflichen, sozialen und privaten Funktionsfähigkeit
„Meine Angehörigen müssen oft den Arzt ersetzen“ – vermehrte Zuwendung oder Ärger von Seiten der sozialen Umwelt
„Alle halten mich für einen Hypochonder“ – die Erfahrung sozialer Ablehnung
Teil 3: Krankheitsängste – wie Sie erfolgreich damit umgehen lernen
Fachkundige Behandlung – erfolgreiche verhaltenstherapeutische Konzepte
Selbsthilfe – ein Programm in sieben Schritten
Schritt 1: Selbstanalyse – erforschen Sie Ihre Krankheitsängste
Schritt 2: Kognitive Therapie – ändern Sie Ihre Denkmuster
Schritt 3: Vertrauensförderung – stärken Sie Ihr Vertrauen in Ihren Körper
Schritt 4: Aufmerksamkeitstraining – lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit
Schritt 5: Mentales Training – konfrontieren Sie sich mit Ihren schlimmsten Krankheitsängsten in der Vorstellung
Schritt 6: Konfrontationstherapie – stellen Sie sich Ihren Krankheitsängsten in der Realität
Schritt 7: Gesundheitstraining – fördern Sie Ihre körperliche und seelische Gesundheit
Ratschläge für Angehörige – damit das Familienleben nicht zum Albtraum wird
Ratschläge für Ärzte – weniger ist mehr
Persönliches Schlusswort
Literaturverzeichnis
Vorwort
Wir wünschen einander zu vielen Gelegenheiten alles Gute, vor allem auch Gesundheit – zu jedem Geburtstag, zu jedem Jahresbeginn, selbst bei jedem Niesen. Gesundheit ist für jeden Menschen ein zentrales Thema. Mittlerweile hat sich eine ganze Industrie rund um die Thematik der Gesundheit angesiedelt. Schlagworte wie Wellness, Fitness, biologische Ernährung u.a. drücken den zunehmenden Stellenwert eines gesunden Lebens aus. Selbst die Krankenkassen bezeichnen sich immer häufiger als Gesundheitszentren. Dennoch: Eine mögliche Krankheit bleibt eine ständige Bedrohung unseres Wohlbefindens und unseres Lebens.
Die meisten von uns beruhigen sich wieder, wenn sie vorübergehend der Möglichkeit einer schlimmen Krankheit ausgesetzt sind und nach gründlicher medizinischer Untersuchung eine Entwarnung erhalten. Die Besorgtheit um die Gesundheit erreicht bei zahlreichen Menschen jedoch ein Ausmaß, dass sie das Leben übermäßig dominiert und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt.
Die Thematik der Krankheitsängste umfasst zwei zentrale Aspekte: einerseits die Angst oder Überzeugung, an einer lebensgefährlichen bzw. unheilbaren Krankheit zu leiden (Hypochondrie), sodass ständige medizinische Untersuchungen der harmlosen Symptome die vermeintliche Lebensbedrohung abwenden oder mildern sollen, andererseits die Angst, eine gefährliche Krankheit zu bekommen (Krankheitsphobie), sodass alles vermieden wird, was zu Beunruhigung oder Gefährdung führen könnte. Die häufigsten Krankheitsängste sind die Angst vor Krebs bzw. Gehirntumor, Schlaganfall, Herzinfarkt, Alzheimer-Krankheit, schädlichen Umwelteinflüssen und medial vermittelten Krankheiten (AIDS, Vogel-Grippe u.a.). Hinter einem heutzutage oft anzutreffenden übertriebenen Gesundheitsverhalten (Fitnesskult, überängstliche Ernährungsgewohnheiten u.a.) können ebenfalls Krankheitsängste stecken.
Hypochondrische Patienten verursachen dem Gesundheitssystem durch ihr ständiges Drängen nach ambulanten und stationären Untersuchungen oft höhere Kosten als viele körperlich kranke Personen. Krankheitsphobische Menschen dagegen neigen im Extremfall zu einer derartigen Verdrängung ihrer Ängste, dass sie gerade dadurch sinnvolle oder gar notwendig gewordene medizinische Untersuchungen vermeiden und sich damit tatsächlich gesundheitlich gefährden und schließlich schwere Krankheiten bekommen, die sie durch laufende Kontrolluntersuchungen hätten vermeiden können. Unser Gesundheitssystem leidet somit unter einem medizinischen Paradoxon: Aus Angst vor Krankheit gehen einen gehen zu oft, die anderen zu spät zum Arzt.
Hypochondrische Patienten werden oft belächelt, als Simulanten, Mittelpunktsstreber oder Mimosen abqualifiziert, sie leiden jedoch wirklich unter ihrer Befürchtung bzw. Überzeugung, schwer krank zu sein. Mit Appellen an die Vernunft der Betroffenen lassen sich hypochondrische Befürchtungen nicht abstellen. Früher galt die Hypochondrie als chronische, kaum erfolgreich behandelbare psychische Störung. In den letzten 15 Jahren haben neue verhaltenstherapeutische Behandlungsmethoden die begründete Hoffnung auf wesentliche Besserung erweckt. Diese aussichtsreichen Behandlungsmöglichkeiten sind jedoch selbst den meisten Fachleuten noch nicht bekannt, geschweige denn den Betroffenen.
Es gibt eine Unmenge von Büchern über normale und krankhafte Ängste, erstaunlicherweise jedoch kein einziges Selbsthilfe-Buch über Krankheitsängste und Hypochondrie, sodass mit diesem Ratgeber Neuland betreten wird. Erstmals werden in einem allgemein verständlichen Ratgeber die einer kleinen Fachwelt vertrauten diagnostischen und therapeutischen Konzepte einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht.
Unser Buch beschreibt im 1. Teil die verschiedenen Gesichter normaler und krankhafter Krankheitsängste, veranschaulicht im 2. Teil deren Ursachen und Folgen und bietet im 3. Teil zahlreiche Hilfestellungen für Betroffene, aber auch Ratschläge für deren Angehörige sowie für medizinisches Personal zum besseren Umgang mit diesen Patienten. Es kann in schweren Fällen eine Psychotherapie nicht ersetzen, jedoch gut vorbereiten oder verkürzen.
Als Autoren wünschen wir allen von Krankheitsängsten geplagten Leserinnen und Lesern sowie deren Angehörigen, aber auch allen Fachleuten und sonstigen Interessierten eine Gewinn bringende Lektüre unseres Buches.
Hans Morschitzky
Thomas Hartl