Dr. Hans Morschitzky

Klinischer und Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut (Verhaltenstherapie und Systemische Familientherapie)

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Wenn Platzangst das Leben einengt. Agoraphobie bewältigen.

Ein Selbsthilfeprogramm. Ostfildern: Patmos Verlag

Inhalt

 

Teil 1  Agoraphobie – was sie ist und wohin sie führt

 

Die Furcht vor draußen oder drinnen – eine phobische Angststörung 

Von der Furcht zur Phobie 

Agoraphobie – eine multiple Situationsphobie 

Agoraphobie hat viele Gesichter

 

Zwei Grundformen von Agoraphobie: der Einfluss von Panikattacken 

Agoraphobie mit Panikstörung

Agoraphobie ohne Panikstörung

 

Was eine Agoraphobie schlimmer macht – wenn falsche Strategien das Problem verschärfen 

Sicherheitsstrategien statt Selbstvertrauen

Abhängigkeit von Vertrauenspersonen statt Autonomie

Agoraphobie als falscher Problemlösungsversuch

 

Was unterscheidet eine Agoraphobie von anderen psychischen Störungen?

Sozialphobie – Vermeidung aus Angst vor sozialer Kritik

Generalisierte Angststörung – Vermeidung wegen ständiger Sorgen über alles Mögliche

Zwangsstörung – Vermeidung aus Angst vor schuldhaftem Verhalten

Depressionen – Vermeidung aus Antriebs- und Lustlosigkeit

Posttraumatische Belastungsstörung – Vermeidung aus Angst vor Wiedererinnerung an ein Trauma

Körperliche Erkrankungen – Vermeidung aus Angst vor neuerlicher Krankheit

 

Welche Störungen treten häufig zusammen mit einer Agoraphobie auf? 

Depression – wenn Antriebs- und Lustlosigkeit das Vermeidungsverhalten verstärken

Soziale Phobie – wenn Beurteilungsängste eine Agoraphobie verschlimmern 

Generalisierte Angststörung – wenn ständige Sorgen das Leben immer mehr einengen

Posttraumatische Belastungsstörung – wenn ein Trauma zur Agoraphobie führt

Trennungsangststörung – wenn jede Reise Trennungsängste aktiviert

Persönlichkeitsstörung – wenn Probleme mit sich selbst den Aktionsradius einschränken

Somatoforme Störungen – wenn anhaltende körperliche Symptome ein Vermeidungsverhalten begünstigen

Schädlicher Gebrauch von Alkohol und Beruhigungsmitteln – wenn Reisen nur unter Substanzeinfluss möglich ist

 

Wie verbreitet ist Agoraphobie? 

 

Teil 2  Agoraphobie – wie sie entsteht und immer mehr ausufert

 

Welche biologischen Ursachen sind bedeutsam? 

Die Angst- und Kontrollzentren im Gehirn

Vier körperliche Reaktionsmöglichkeiten bei Bedrohung

 

Welche lebensgeschichtlichen Ursachen sind typisch?

Stress durch nachwirkende Sozialisationsbedingungen aus der Kindheit oder Jugendzeit

Stress durch traumatisierende Lebenserfahrungen

Stress in Partnerschaft und Familie

Stress im Beruf

 

Welche personenspezifischen Ursachen sind bekannt? 

Zentrale Problembereiche von Menschen mit Agoraphobie

Das Bedürfnis nach Kontrolle als Hauptproblem bei Agoraphobie

 

Typische Auslöser und Verstärker einer Agoraphobie

Häufige Auslöser einer Agoraphobie

Häufige Verstärker einer Agoraphobie

 

Teil 3  Agoraphobie überwinden – ein Selbsthilfeprogramm in sieben Schritten 

 

Schritt 1: Selbstdiagnostik: Erfassen und analysieren Sie Ihre Agoraphobie

Diagnostizieren Sie die Art Ihrer Agoraphobie

Analysieren Sie die Auslöser und Verstärker Ihrer Agoraphobie

Analysieren Sie die tieferen Ursachen Ihrer Agoraphobie

Erfassen Sie alle bisherigen Folgen Ihrer Agoraphobie

 

Schritt 2: Ziel- und Werteklärung: Planen Sie Ihr Leben jenseits von Ängsten und Körperbeschwerden 

Entwickeln Sie aufgrund Ihrer Werte motivierende Ziele trotz Ihrer Agoraphobie

Entwickeln Sie motivierende Ziele jenseits Ihrer Agoraphobie

Erstellen Sie einen schrittweisen Plan zur Überwindung Ihrer Agoraphobie.

 

Schritt 3: Absenkung der Grundanspannung: Verbessern Sie Ihr Allgemeinbefinden

Stressreduktion: Vermindern Sie psychosoziale Belastungssituationen

Psychisches Wohlbefinden: Finden Sie einen besseren Umgang mit Ihren Gefühlen

Körperliches Wohlbefinden: Fördern Sie Ihre körperliche Fitness

Entspannungstechniken: Finden Sie die passende Methode

Achtsamkeit: Nehmen Sie den Augenblick wahr ohne ängstliche Bewertung

 

Schritt 4: Mentales Training: Bereiten Sie sich auf agoraphobische Situationen vor wie Spitzensportler auf den Wettkampf

Stellen Sie sich mental allen gefürchteten Situationen

Nutzen Sie die Strategie des mentalen Kontrastierens

Nutzen Sie die bekannten Techniken des mentalen Trainings

Nutzen Sie die Bildschirmtechnik als mentale Konfrontationstherapie.

 

Schritt 5: Verhaltensexperimente: Trainieren Sie den Umgang mit gefürchteten körperlichen und psychischen Symptomen außerhalb von agoraphobischen Situationen

Provozieren Sie bewusst die am meisten gefürchteten Symptome

Provozieren Sie Panikattacken in unterschiedlichen Situationen

Paradoxe Wirkung: das Geheimnis hinter Provokationsstrategien

 

Schritt 6: Konfrontationstherapie: Stellen Sie sich erfolgreich allen gefürchteten Orten und Situationen

Vier Formen von Konfrontationstherapie – nicht alles passt für jeden

Konfrontationstherapie nach dem klassischen Konzept: für viele Betroffene weiterhin ausreichend

Neuere Formen der Konfrontationstherapie: So erhöhen Sie Ihre Erfolgschancen

Optimierung der Konfrontationstherapie aus neurowissenschaftlicher Sicht

 

Schritt 7: Erfolgreich trotz verschiedener Probleme: Was Sie bei einer Konfrontationstherapie berücksichtigen sollten

So gehen Sie bei einer Mehrfacherkrankung vor

Wenn die Konfrontationstherapie keine Wirkung zeigt

Wenn erst nach einer erfolgreichen Konfrontationstherapie die wahren Probleme sichtbar werden

 

Schluss

Anmerkungen

Literatur

 

Vorwort

Die Angst vor bestimmten Orten und Situationen kann den Aktionsradius und damit das ganze Leben in sehr belastender Weise einschränken. Viele Menschen haben Angst vor großen, weiten Plätzen, vor allem unter vielen Leuten, oder vor engen und geschlossenen Räumen, wie etwa einem Aufzug oder einer Saunakabine. Derart konkrete, situationsbezogene Ängste werden im Normalfall als Furcht und im krankheitswertigen Zustand als Phobie bezeichnet. Bis vor einiger Zeit war im allgemeinen Sprachgebrauch, aber auch bei Fachleuten völlig klar: Die Furcht vor weiten Plätzen ist eine Agoraphobie, die Furcht vor engen Räumen eine Klaustrophobie – und so finden Sie diese Unterscheidung oft auch noch in zahlreichen Büchern und Artikeln sowie im Internet.

In der modernen Diagnostik gilt dagegen der Fachausdruck Agoraphobie als Überbegriff für beides: für die Angst vor der Weite und für die Angst vor der Enge. In diesem Sinne werden die Bezeichnungen „Agoraphobie“ und „Platzangst“ auch im vorliegenden Buch als Überbegriff für beide Formen der krankheitswertigen Einschränkung des Aktionsradius verwendet und Hilfestellungen im Umgang damit angeboten.

Eine Agoraphobie besteht in der krankhaften Furcht vor bestimmten Orten oder Situationen, in denen eine Flucht nur schwer möglich erscheint oder keine Hilfe zur Verfügung steht. In agoraphobischen Situationen dominiert das Gefühl des Ausgeliefertseins, der Eindruck, in der Falle zu sitzen, egal, ob es sich dabei um weite Plätze mit Tausenden von Menschen handelt wie bei einem Open-Air-Konzert oder um enge Räume, die man allein oder nur mit wenig anderen Menschen aufsucht, wie etwa bei einem Aufzug.

Die Angst vor der Angst, konkret in Form der Furcht vor einer Panikattacke oder einzelnen unkontrollierbaren Symptomen – etwa Herzklopfen, Schwitzen, Atemnot, Schwindel, Ohnmachtsneigung, Übelkeit, Harn- oder Stuhldrang – bestimmt das ganze Leben. Alles dreht sich um das Bedürfnis nach verlässlicher Kontrolle. Das Vertrauen in den eigenen Körper sowie in unbekannte oder subjektiv unsichere Orte und Situationen ist erschüttert.

Hinter der Furcht vor äußeren Gegebenheiten steht die Angst vor sich selbst – vor den eigenen Körperempfindungen, Gefühlen und Gedanken. Was nicht sicher genug erscheint, wird vermieden oder nur mit diversen Tricks und Sicherheitsstrategien zu bewältigen versucht. Bei einem solchen Verhalten bleibt eine Agoraphobie – unabhängig von den Ursachen – vor allem auch deshalb weiterhin bestehen, weil durch ständige Flucht- und Vermeidungstendenzen positive Erfahrungen mit dem eigenen Körper und der Umwelt ausbleiben.

Eine ausgeprägte Agoraphobie mit oder ohne Panikstörung bewirkt unbehandelt, zumindest im Laufe von mehreren Jahren, eine zunehmende Einschränkung der Bewegungsfreiheit, eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität sowie der schulischen, beruflichen, sozialen und sonstigen Funktionsfähigkeit. Sie führt zu weiteren psychischen Störungen, vor allem zu Depressionen oder schädlichem Gebrauch von Alkohol oder Beruhigungsmitteln.

Eine Agoraphobie tritt bei etwa vier Prozent der Bevölkerung auf. Sie geht mit einem großen individuellen Leidensdruck einher, aber auch mit hohen volkswirtschaftlichen Kosten in Form von Langzeitkrankenständen, Langzeitarbeitslosigkeit und Frühberentungen, vor allem, wenn die genannten Begleit- und Folgestörungen vorliegen.

Dieses Buch möchte Betroffenen und ihren Angehörigen helfen, die Symptomatik einer Agoraphobie besser zu verstehen, um sie in Anschluss daran leichter bewältigen zu können. Es kann aber auch Personen mit medizinischen, psychologischen, psychotherapeutischen, sozialen und pädagogischen Berufen bei einem besseren Umgang mit den Betroffenen unterstützen.

Als Klinischer Psychologe und Psychotherapeut in freier Praxis behandle ich in Linz, Österreich, seit mehr als 30 Jahren Menschen mit Agoraphobie mit und ohne Panikstörung, zusätzlich viele Jahre lang auch in stationär-psychiatrischem Kontext. Auf der Basis der Verhaltenstherapie vertrete ich ein integratives Behandlungskonzept, das neben der Behandlung der Symptome auch auf die Förderung der Persönlichkeit und die Bewältigung familiärer und beruflicher Stressfaktoren abzielt.

Es ist meine Hoffnung, dass dieses Buch bei leichter bis mittelschwerer Agoraphobie eine Psychotherapie unnötig macht und bei dringender Behandlungsbedürftigkeit die erforderliche Psychotherapie hilfreich unterstützt und möglicherweise verkürzt.

Teil 1 beschreibt die Symptomatik der Agoraphobie in allen möglichen Details und Folgen.

Teil 2 erläutert die tieferen Ursachen, typischen Auslöser und problemverschlimmernden Verstärker einer Agoraphobie.

Teil 3 bietet eine Anleitung zur erfolgreichen Selbstbehandlung für Betroffene, die aber auch Angehörigen zur Orientierung und bestmöglichen Unterstützung dienen kann.

Ich bedanke mich bei Frau Dr. Christiane Neuen vom Patmos Verlag für die Einladung zu diesem Buch, für zahlreiche stilistische Verbesserungen, vor allem jedoch für ihre sehr engagierte Auseinandersetzung mit dem Inhalt und der daraus resultierenden Optimierung und besseren Verständlichkeit meiner Ausführungen.

Für einen Selbsthilfe-Ratgeber ist dieses Buch phasenweise sicherlich auf relativ hohem Niveau geschrieben. Mir ist es jedoch sehr wichtig, Betroffene und Angehörige von den neuesten theoretischen und therapeutischen Entwicklungen in Bezug auf Agoraphobie mit und ohne Panikstörung möglichst fundiert zu informieren – Entwicklungen, die noch nicht einmal allen Fachleuten bekannt sind.

Stellen Sie an sich selbst nicht den Anspruch, dass Sie alles gleich beim erstmaligen Lesen verstehen müssen. Nach einem ersten Überblick kann das spätere gründliche Durcharbeiten mehr bringen, als wenn Sie gleich zu Anfang schon bei einem bestimmten Thema oder Gedankengang hängen bleiben. 

Nutzen Sie die Chance, durch die Überwindung Ihrer Agoraphobie mehr aus Ihrem Leben zu machen, als dies zuletzt möglich war, und lassen Sie nicht zu, dass Platzangst Ihr Leben auch in Zukunft weiterhin so einengt wie in der Vergangenheit.

Mit diesem Buch setze ich die langjährige Zusammenarbeit mit dem Patmos Verlag fort, aus der bisher bereits fünf Bücher entstanden sind, und zwar zu Angststörungen ganz allgemein sowie zu speziellen Ängsten, namentlich Versagensängsten, sozialen Ängsten und Krankheitsängsten, aber auch zu psychosomatischen Störungen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit geht weiter: Ein Ratgeber zur generalisierten Angststörung wird folgen.

Für Rückmeldungen zu diesem Buch bin ich Ihnen dankbar. Meine Kontaktdaten finden Sie auf meiner Homepage www.panikattacken.at.

 

Hans Morschitzky