Dr. Hans Morschitzky

Klinischer und Gesundheitspsychologe

Psychotherapeut (Verhaltenstherapie und Systemische Familientherapie)

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Diagnose einer depressiven Episode

Der folgende Fragebogen stammt aus meinem Buch "Somatoforme Störungen".

Eine depressive Episode wird nach dem internationalen Diagnoseschema ICD-10 anhand des Vorhandenseins ganz bestimmter Symptome festgestellt. Markieren Sie im Folgenden alle zutreffenden Merkmale aus 18 Bereichen.

1.

depressive Stimmung deutlichen Ausmaßes, die meiste Zeit, fast jeden Tag, im Wesentlichen unbeeinflusst von den jeweiligen Umständen und seit mindestens zwei Wochen anhaltend

O

2.

Verlust des Interesses oder der Freude an Aktivitäten, die normalerweise angenehm waren

O

3.

verminderter Antrieb oder gesteigerte Ermüdbarkeit

O

4.

Verlust des Selbstvertrauens oder des Selbstwertgefühls

O

5.

unbegründete Selbstvorwürfe oder ausgeprägte, unangemessene Schuldgefühle

O

6.

wiederkehrende Gedanken an den Tod oder an Selbstmord bzw. ein Selbstmordversuch

O

7.

Klagen über oder Nachweis eines verminderten Denk- oder Konzentrationsvermögens, Unschlüssigkeit oder Unentschlossenheit

O

8.

psychomotorische Agitiertheit (große motorische Unruhe) oder Hemmung (starke motorische Blockierung des Verhaltens)

O

9.

Schlafstörungen jeder Art

O

10.

Appetitverlust oder gesteigerter Appetit mit entsprechender Gewichtsveränderung (meist Gewichtsabnahme, manchmal auch -zunahme)

O

11.

deutlicher Interessenverlust oder Verlust der Freude an normalerweise angenehmen Aktivitäten

O

12.

mangelnde Fähigkeit, auf Ereignisse oder Aktivitäten emotional zu reagieren, auf die Sie früher normalerweise reagiert haben

O

13.

Früherwachen, zwei Stunden oder mehr, vor der gewohnten Zeit

O

14.

Morgentief

O

15.

ausgeprägte psychomotorische Hemmung oder Agitiertheit, beobachtet von anderen Personen (d.h. auch andere Menschen erkennen Punkt 8.)

O

16.

deutlicher Appetitverlust

O

17.

Gewichtsverlust (5 % oder mehr des Körpergewichts im vergangenen Monat)

O

18.

deutlicher Libidoverlust (starkes Nachlassen des sexuellen Verlangens)

O

·         Leichte depressive Episode: mindestens 2 Hauptsymptome 1.-3. sowie 1-2 Zusatzsymptome 4.-10. – insgesamt maximal 4 Symptome aus 1.-10. 

·         Mittelschwere depressive Episode: mindestens 2 Hauptsymptome 1.-3. sowie einige Zusatzsymptome 4.-10. – insgesamt 5-7 Symptome aus 1.-10.

·         Schwere depressive Episode: alle 3 Hauptsymptome 1.-3. sowie zusätzlich mindestens 5 Zusatzsymptome 4.-10. – insgesamt mindestens 8 Symptome aus 1.-10. 

·         Depressive Episode mit somatischem Syndrom: zusätzlich mind. 4 Symptome aus 11.-18.

                                 

Depression (Depressive Episode) nach dem ICD-10

 

F 32   Depressive Episoden

Eine depressive Episode besteht aus folgenden Symptomen:

1.     depressive Stimmung, in einem für die Betroffenen deutlich ungewöhnlichen Ausmaß, die meiste Zeit des Tages, fast jeden Tag, im wesentlichen unbeeinflusst von den Umständen und mindestens zwei Wochen anhaltend,

2.     Interessen- und Freudeverlust an Aktivitäten, die normalerweise angenehm sind,

3.     verminderter Antrieb oder gesteigerte Ermüdbarkeit.

Häufige zusätzliche Symptome sind:

1.     verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit,

2.     vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen,

3.     Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit (sogar bei leichten depressiven Episoden),

4.     negative und pessimistische Zukunftsperspektiven,

5.     Suizidgedanken, erfolgte Selbstverletzung oder Suizidhandlungen,

6.     Schlafstörungen,

7.     verminderter Appetit.

Typische Merkmale des somatisierten Syndroms sind:

1.     Interessenverlust oder Verlust der Freude an normalerweise angenehmen Aktivitäten,

2.     mangelnde Fähigkeit, auf eine freundliche Umgebung oder freudige Ereignisse emotional zu reagieren,

3.     frühmorgendliches Erwachen; zwei oder mehr Stunden vor der gewohnten Zeit,

4.     Morgentief,

5.     der objektive Befund einer psychomotorischen Hemmung oder Agitiertheit (beobachtet oder von anderen berichtet),

6.     deutlicher Appetitverlust,

7.     Gewichtsverlust, häufig mehr als 5% des Körpergewichts im vergangenen Monat,

8.     deutlicher Libidoverlust.

 

F32.0   Leichte depressive Episode

Eine leichte depressive Episode besteht aus

l     mindestens zwei der drei Symptome einer depressiven Episode

l     bis zu vier der sieben zusätzlichen Symptome.

Kein Symptom ist besonders ausgeprägt. Die Mindestdauer für die gesamte Episode beträgt etwa 2 Wochen.

Der Betreffende leidet unter den Symptomen und hat Schwierigkeiten, seine normale Berufstätigkeit und seine sozialen Aktivitäten fortzusetzen, gibt aber die alltäglichen Aktivitäten nicht vollständig auf.

Mit der fünften Stelle kann das Vorkommen des somatischen Syndroms gekennzeichnet werden:

F32.00  ohne somatisches Syndrom

                Die Kriterien für eine leichte depressive Episode sind erfüllt; es sind keine oder nur wenige somatische Symptome vorhanden.

F32.01   mit somatischem Syndrom

                Die Kriterien für eine leichte depressive Episode sind erfüllt; vier oder mehr somatische Symptome sind vorhanden (bei zwei oder drei ungewöhnlich schweren Symptomen dieser Art kann die Verwendung dieser Kategorien ebenfalls gerechtfertigt sein).

 

F32.1   Mittelgradige depressive Episode

Eine mittelgradige depressive Episode besteht aus

l     mindestens zwei der drei Symptome einer depressiven Episode,

l     mindestens drei (besser vier) der zusätzlichen Symptome, wobei einige Symptome in ihrem Schweregrad besonders ausgeprägt sind, oder es ist durchgehend ein besonders weites Spektrum von Symptomen vorhanden. Die Mindestdauer für die gesamte Episode beträgt etwa 2 Wochen.

Ein Patient mit einer mittelgradigen depressiven Episode kann nur unter erheblichen Schwierigkeiten soziale, häusliche und berufliche Aktivitäten fortsetzen.

Mit der fünften Stelle kann das Vorkommen des somatischen Syndroms gekennzeichnet werden:

F32.10  ohne somatisches Syndrom

                Die Kriterien für eine mittelgradige depressive Episode sind erfüllt, es sind keine oder nur wenige so somatische  Symptome vorhanden.

F32.11  mit somatischem Syndrom

                Die Kriterien für eine mittelgradige depressive Episode sind erfüllt und vier oder mehr somatische Symptome sind vorhanden (bei zwei oder drei ungewöhnlich schweren Symptomen dieser Art kann die Verwendung dieser Kategorie ebenfalls gerechtfertigt sein).

 

F32.2    Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome

Eine schwere depressive Episode besteht aus

l     allen drei Symptomen einer depressiven Episode,

l     mindestens vier der zusätzlichen Symptome, von denen einige besonders ausgeprägt sind.

In einer schweren depressiven Episode zeigt der Patient meist erhebliche Verzweiflung und Agitiertheit, es sei denn, Hemmung ist ein führendes Symptom. Verlust des Selbstwertgefühls, Gefühle von Nutzlosigkeit oder Schuld sind meist vorherrschend, in besonders schweren Fällen besteht ein hohes Suizidrisiko. Es wird vorausgesetzt, dass des somatische Syndrom bei schweren depressiven Episoden praktisch immer vorhanden ist.

Allerdings ist es möglich, dass besonders agitierte oder gehemmte Patienten viele Symptome nicht in allen Einzelheiten beschreiben wollen oder können. In solchen Fällen ist eine zusammenfassende Einschätzung als schwere Episode dennoch gerechtfertigt. Die depressive Episode soll mindestens 2 Wochen dauern; wenn die Symptome jedoch besonders schwer sind, und sehr rasch auftreten, kann es gerechtfertigt sein, die Diagnose nach weniger als 2 Wochen zu stellen.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Patient während einer schweren depressiven Episode in der Lage ist, soziale häusliche und berufliche Aktivitäten fortzuführen, allenfalls sehr begrenzt.

 

F32.3   Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen

Eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen besteht aus

l     den Kriterien für eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome

l     entweder 1. oder 2.:

1.     Wahnideen oder Halluzinationen, jedoch andere als die typisch schizophrenen Symptome. Am häufigsten sind depressiver Schuld-, hypochondrischer, nihilistischer, Beziehungs- oder Verfolgungswahn.

2.     Depressiver Stupor.

 

Das depressive Syndrom:  psychisches Erscheinungsbild  (Faust und Wolfersdorf, 1982)

 

Symptomatik

Psychisches Erscheinungsbild

 

 

Freudlosigkeit

Genussunfähig, überdrüssig, lustlos, unfähig sich zu freuen oder überhaupt etwas zu empfinden, ja sogar zu trauern bzw. zu weinen

Energielosigkeit

Passiv, schwach, kraftlos, leicht und rasch erschöpfbar, ohne Initiative, Schwung und Antrieb, willenlos, welk, matt, ja apathisch, lethargisch, bisweilen stuporös (regungslos)

Innere Unruhe

Nervös, fahrig, vibrierend, getrieben, gespannt, jammerig, klagsam, anklammernd

Mutlosigkeit

Verzagt, ratlos, schwernehmend, leicht irritierbar, pessimistisch, negative Sichtweise, Überbewertung aller Probleme, destruktive Lebenseinstellung, unbeirrbare Suche nach Negativem

Minderwertigkeitsgefühle

Allgemeine Unsicherheit, mangelndes Selbstwertgefühl, negative Selbsteinschätzung, Kleinheitsgefühle (dabei aber andererseits überhöhte Selbstanforderungen mit unkritischer Selbstüberschätzung und damit Gefahr des vorprogrammierten Versagens, Entweder-oder-Mentalität)

Angstzustände

Gefühl, unerwünscht oder im Wege zu sein, nicht geliebt oder akzeptiert bzw. verlassen zu werden, Zwangsbefürchtungen (Phobien) oder unbegründete Ängste

Zwänge

Zwangsgedanken, Zwangshandlungen, Zwangsbefürchtungen

Selbstmordgefahr

Schwernehmende Lebenseinstellung bis hin zur Lebensverneinung, Wunsch nach Abstand, Vergessen, Ruhe, Pause: Nicht-mehr-leben-Wollen

Empfindlichkeit

Sensibel, leicht verletzlich, kränkbar, unzufrieden, vorwurfsvoll, Gefühl, nicht verstanden zu werden, zu wenig Zuwendung, Fürsorge oder Liebe zu bekommen, rasch und unvermittelt mit Verzweiflung reagierend

Reizbarkeit

Missgestimmt, mürrisch, aufbrausend oder gar aggressiv, z.B. bei depressiven Verfolgungsideen

Konzentrationsstörungen

Langsames, umständliches, zähflüssiges, mühsames Denken, Haften bleiben, Merk- und Konzentrationsstörungen

Grübelneigung

Gedankenkreisen, Grübelsucht, immer die gleichen Denkinhalte, aber auch Sprunghaftigkeit, nicht am Problem bleiben, nichts zu Ende denken können

Entscheidungsunfähigkeit

Zwiespältigkeit (Ambivalenz), Hin-und-Her-Gerissen-Sein, gleichzeitig gegensätzliche Bestrebungen haben, ohne sich entscheiden zu können aus Angst vor Fehlentscheidungen, ängstlich abwiegend, alles bis zum Ende durchdenken wollen, fruchtlose Diskussionsansätze

Schuldgefühle

Überbewertung früherer oder aktueller Ereignisse, meist geringfügiger Verfehlungen, häufig maßlos überzogen, nicht selten grundlos, schuldhaftes Verarbeiten des krankheitsbedingten Nicht-Könnens oder Versagens, an allem Schuld sein, Versündigungsideen

Beziehungsstörungen

Verlust emotionaler Beziehungen und Gefühle zu den anderen, ängstliches Registrieren einer wachsenden Distanz zur Umwelt, dabei jedoch zunehmende Anspruchshaltung auf viel Zuwendung und Liebe, fehlender Blickkontakt, körperlich abweisende Haltung

Verarmungsideen

Nichts vorweisen können, nichts haben, durch seine Krankheit nur Geld verbrauchen, Krankenkasse schädigen, Familie der Not aussetzen, Verarmungsideen mitunter hin bis zum Verarmungswahn

Innere Leere

Absterben aller Gefühle, Gefühl der Gefühllosigkeit, alles wie leer, benommen, versteinert, ausgebrannt, körperlich traurig, innerlich tot, nicht einmal mehr weinen können

Hypochondrische Befürchtungen

Überschätzung vorhandener und/oder nicht-existenter seelischer, vor allem aber körperlicher Beschwerden bis hin zum krankhaften Erleben abstruser Veränderungen

Mangelndes Krankheitsgefühl

Trotz massiver Störungen vielfach keine Krankheitseinsicht, insbesondere bei dominierenden Schuldgefühlen (Schuldwahn), eher warten auf Strafe „von oben“, Ablehnung der Behandlung („schuldig - nicht krank“)

Paranoide Fehldeutungen

Beziehungsideen: Angst vor Tuscheleien, üblen Nachreden, Misstrauen, Verfolgungsideen (eher ängstlich und gedrückt), gelegentlich der Stimmungslage entsprechende Sinnestäuschungen, vor allem akustischer Art („innere Stimme“, „Stimme des Gewissens“, aber auch Bilder und Erscheinungen)

Entfremdungserlebnisse

Depersonalisation („ich bin nicht mehr“), Derealisation (alles unwirklich, fremd, abgerückt, irreal), Zeitdehnung (alles dauert so endlos lang, dass das Gefühl der Endlosigkeit kaum zu ertragen ist)


Symptomatik

Körperliches Erscheinungsbild

 

 

Schlafstörungen

Trotz Müdigkeit Ein- und Durchschlafstörungen, frühes Erwachen, unruhiger, zerhackter Schlaf, schwere Träume, gelegentlich auch gesteigertes Schlafbedürfnis (häufiger aber Flucht ins Bett)

Appetitstörungen

Appetitlos mit Gewichtsverlust, manchmal rapide in kurzer Zeit; gelegentlich auch Appetitzunahme (und starker Durst), ja sogar Heißhunger bis zum Verlust der Kontrollfähigkeit

Magen- und Darm-Beschwerden

Übelkeit, Brechreiz, Völlegefühl, Blähungen, Darmgase, Sodbrennen, Schluckauf, saures Aufstoßen, Trockenheit im Hals, belegte Zunge, Magendruck, spastische Magen-Darm-Beschwerden, bandartige oder diffus wechselnde Druckschmerzen im Baumraum, Verstopfung und/oder Durchfall

Blasenstörungen

erschwerte (scherzhafte) Harnentleerung, häufiger Harndrang, Ziehen und Druckgefühle in der Blase, Harninkontinenz (unfreiwilliger Harnabgang)

Kopfschmerzen

Diffuser Kopfdruck oder Kopfschmerzen unterschiedlicher Lokalisation: meist Druck über den Augen, Stirn- oder Hinterhauptdruck, Spannungsschmerz mit Muskelverspannung im Nacken-Kopf-Bereich bis in die Stirn, „Helmgefühl“

Augen

Beschwerden über angebliche Kurzsichtigkeit, Klagen über falsche oder nicht ausreichende Sehkorrekturen, chronische Entzündung der vorderen Augenabschnitte, schlechtes Sehen ohne objektiven Befund, Lichtempfindlichkeit, Muskelabweichungen, Doppelbilder

HNO-Symptomatik

Globus- oder Würgegefühl im Hals („Knödel“), Druckgefühl auf beiden Ohren, Ohrengeräusche (Klingeln, Sausen), Schmerzen, Verminderung des Hörvermögens ohne organischen Befund, verstärkt bei vorliegender Schwerhörigkeit, Geräuschempfindlichkeit

Zahnbereich

Zahnschmerzen trotz unauffälligen Befunds, insbesondere „unverändert schlecht sitzender Zahnersatz“ (trotz mehrfach überprüfter Prothese)

Atmung

Enge im Brustkorb bis in den Hals reichend, Druck auf der Brust, „Reifengefühl“, Atemenge, Atemnot, Lufthunger, flache Atmung, unregelmäßige Atemfrequenz, schweres Atmen, Hustenreiz

Herzsensationen

Schmerzen in der Herzgegend (Stechen, Brennen, Klopfen, Druck), Angstgefühl, das in der Herzgegend verspürt wird, Herzrasen (Tachykardie), unregelmäßiger Herzschlag, Extrasystolie (außerhalb des regulären Grundrhythmus vorzeitig oder verspätet auftretende Herzschläge)

Kreislaufstörungen

Flimmern vor den Augen, Schwindel, Koordinationsstörungen, „weiche Knie“, Kollapsneigung

Muskulatur und Skelettsystem

Muskuläre Verspannungen im Schulter- und Armbereich, Rücken- und vor allem Nackenschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen

Allgemeine Missempfindungen

Ziehen, Zerren, Reißen, wie Stechen von Nadeln, Kribbeln, „dumpfes Gefühl“ teils diffus, teils lokalisiert, teils wandernd am ganzen Körper, Schweregefühl oder Unruhe in den Beinen, Gefühl, ein dauerndes Gewicht nachzuschleppen

Haut- und Schleimhäute

Zungenbrennen, unangenehmer Geschmack, übler Mundgeruch, Trockenheit von Nase (Neigung zu Nasenbluten) und vor allem Mund (schon vor der Antidepressiva-Einnahme, die häufig zu Mundtrockenheit führt), Hautüberempfindlichkeit, unklarer Juckreiz, reduzierter Spannungszustand des Gewebes, Haut trocken und blass, welker und müder Gesichtsausdruck, nach außen fallende Oberlidfalte, Haar spröde, struppig, glanzlos, Haarausfall

Vegetativum

Hitzewallungen, Kälteschauer, Zittern, erhöhte Empfindlichkeit gegen Temperaturschwankungen, insbesondere Wärme, aber auch Kälte, leichtes Erröten („hektische Flecken“), kalte Extremitäten, erniedrigte Körpertemperatur, herabgesetzter Grundumsatz, Blutdruckschwankungen (vor allem hypotone Kreislaufregulationsstörungen, d.h. Neigung zu niedrigem Blutdruck)

Sexualität

Libido- und Potenzstörungen, Frigidität, Erektionsstörungen, Scheidenausfluss, Genitalbeschwerden, Menstruationsbeschwerden bis hin zum Aussetzen der Regel, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Allgemeiner Eindruck

Leise, monotone Stimme, vornübergebeugt, kraftlose Motorik, schleppende Schritte,allgemein reduzierte Körperkraft und Leistungsfähigkeit

Tränen- und Schweißsekretion

Versiegen der Tränenausscheidung (glanzlos-verschleierter Blick: „tränenlose Trauer“), verminderte Schweißsekretion, zwischendurch aber auch lokale und generalisierte Schweißausbrüche

 

Das depressive Syndrom:  soziale Folgen

Zwischen-menschlich

Rückgang zwischenmenschlicher Kontakte: Partner, Kinder, Nachbarn, Berufskollegen, dadurch Gefahr emotionaler Vereinsamung, Rückzug der Umwelt, vor allem bei klagsam-jammerigen und hypochondrischen Patienten, Probleme mit Ehepartnern, Kindern, Verwandten, Vorgesetzten

Isolationsgefahr

Neigung zu Rückzug, Abkapseln, Abbruch alter Kontakte

Beruf

Leistungsabfall, teils aufgrund psychomotorischer Hemmungen, aber auch durch leere Aktivität bei agitierten Depressiven, die vieles anfangen und nichts vollenden, Gefahr der Versetzung, Herabstufung oder gar Verlust des Arbeitsplatzes durch Kündigung vom Arbeitgeber oder Patienten selbst (krankheitsbedingte Minderwertigkeits- und Schuldgefühle)

 

Unterscheidungsmerkmale zwischen Depression und Demenz  (nach Volker Faust: Schwermut, 1999)

Merkmal

Depression

 

Demenz

Beginn

Zeitlich eingegrenzt, eher rascher Beginn.

Beginn schwer erkennbar, eher langsam,

einschleichend und täuschend.

Krankheitsdauer

Relativ kurze Dauer, nicht länger als einige Monate, im höheren Lebensalter ev. länger.

Lange Dauer, keine dauerhafte Rückbildung erkennbar.

Verlauf

Depression wird relativ schnell schwerer

Langsame und schleichende Zunahme der Krankheitszeichen.

Seelische Störungen

Seelische Störungen schon in früheren Jahren, z.B. Depressionen, Angstzustände, Schlafstörungen.

Seelische Störungen früher eher selten, vor allem kaum Depressionen und Angst.

Selbstwahrnehmung und Einstellung zur Krankheit

Patient ist sehr betroffen über seinen Zustand. Er ist sich des Verlustes seiner geistigen Fähigkeiten schmerzlich bewusst.

Patient erkennt seine geistigen Einbußen anfangs kaum. Er nimmt selbst Gedächtnislücke nicht (mehr) wahr oder bemüht sich, sie durch erfundene Geschichten zu überspielen.

Ursachenbewertung

Patient klagt sich selbst an und übertreibt seine angeblichen Fehler (ausgeprägtes Klagen über die Beschwerden).

Patient fühlt sich nicht schuld, beschwert sich eher über andere Menschen und missliche Umstände. Eher Neigung, alles zu verharmlosen oder zu vertuschen.

Selbstsicherheit

Patient ist unsicher anderen gegenüber.

Keine spürbare Unsicherheit anderen gegenüber trotz oft teilweise peinlicher Einbußen.

Schwankungen

Morgens oft schlechter als nachmittags, aber sonst weitgehend gleichbleibende Gemütsstörung

Vor allem nächtliche Unruhe mit Verwirrtheitszuständen

Belastbarkeit

Patient fühlt sich durch alles überfordert.

Patient bemüht sich, weitere Aufgaben zu übernehmen, obwohl er schon mit den alten nicht fertig wird.

Gedächtnis

Wenn „Gedächtniseinbußen“, dann allgemeiner Art.

Erinnerungsschwäche für Ereignisse kurz zuvor ist ausgeprägter als für weiter zurückliegende.

Konzentration

Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit können letztlich, wenn auch mühsam, erhalten bleiben.

Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit gehen langsam, aber unbeeinflussbar zurück.

Gespräch

Typische Antwort: Ich weiß es nicht mehr.

Beinahe richtige Antworten häufen sich, aber immer öfter am Thema vorbei.

Orientierung

Patient findet sich in seiner Umgebung zurecht.

Patient verirrt sich zunehmend, selbst in vertrauter Umgebung.

Angst

Angstzustände, vor allem Zukunftsangst und Versagensängste, häufen sich.

Keine Versagensängste, später eher ängstliche Verwirrtheit.

Schuldgefühle

Schuldgefühle, besonders wegen angeblicher Versäumnisse und Leistungseinbußen.

Fast nie Schuldgefühle, eher Neigung zur Verharmlosung, Beschönigung oder Beschuldigung anderer

Soziale Kontakte

Zunehmende Rückzugsneigung und Isolationsgefahr.

Patient versucht, die sozialen Kontakte unverändert aufrechtzuerhalten.

Schlafstörungen

Schlafstörungen, aber keine nächtliche Verwirrtheit (morgens oft schlechter)

Zunehmend nächtliche Unruhe bis zur Verwirrtheit.

Freude

Patient empfindet trotz gelungener Aufgaben und Erfolge keine „rechte Freude“.

Freude bei selbst einfachsten Aufgaben, mitunter fast peinlich.

Organpathologische Befunde

Trotz vielfältiger Klagen kein krankhafter Organbefund.

Relativ wenig gezielte Klagen über Einbußen, aber zunehmende organische Beeinträchtigungen: Sprache, Bewegung, Lesen, Schreiben, Rechnen, ev. Muskelkrämpfe, epileptische Anfälle u.a.

Antidepressiva

Depressives Beschwerdebild bessert sich unter antidepressiven Medikamenten.

Keine wesentliche und dauerhafte Besserung unter antidepressiven Medikamenten.

Schlafentzug

Therapeutischer Schlafentzug führt zumindest zu vorübergehender Besserung.

Therapeutischer Schlafentzug verschlechtert das Krankheitsbild.