Klinischer und Gesundheitspsychologe
Psychotherapeut (Verhaltenstherapie und Systemische Familientherapie)
A-4040 Linz, Hauptstraße 77 Tel. 0043 732 77 86 01 E-Mail: morschitzky@aon.at
Telefonische Anmeldung täglich 17.00 - 17.30 (ansonsten Anrufbeantworter)
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(nur kostenpflichtige telefonische Online-Beratung) Seite aus: www.panikattacken.at
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alles rasch besorgt durch Anklicken

LESERBRIEFE
Von Sommer 2003 bis März 2008 habe ich
Leserbriefe in der "Sprechstunde" der österreichischen Wochenzeitung "Die Ganze Woche"
beantwortet. In der Reihenfolge ihrer Erstellung
finden Sie hier meine Antworten.
Depression oder
Alzheimer-Erkrankung?
Mein Vater, 63 Jahre alt,
leidet seit dem Tod meiner Mutter vor einem Jahr unter massiven
Konzentrationsstörungen, starker Vergesslichkeit und Gleichgültigkeit gegenüber
der Umwelt. Könnte er eine beginnende Alzheimer-Erkrankung haben?
Ihr Vater hat höchstwahrscheinlich
keine Alzheimer-Erkrankung, sondern eine Depression, denn eine Demenz als
Ausdruck eines langsamen, aber kontinuierlichen geistigen Abbaus beginnt nicht
so plötzlich. Eine Depression äußert sich in körperlichen Symptomen wie
Schlafstörung, Appetitlosigkeit, Magen- oder Darmbeschwerden, sozialer
Auffälligkeit wie Rückzug von der Umwelt oder gar Abbruch früherer Kontakte,
psychischen Symptomen wie Freudlosigkeit, Energielosigkeit,
Wertlosigkeitsgefühlen oder Lebensunlust und kognitiven Symptomen wie Konzentrations-
und Merkfähigkeitsstörung. Viele Depressive glauben angesichts des erlebten
Leistungsabfalls völlig unbegründet, unter einer beginnenden
Alzheimer-Erkrankung zu leiden, was nicht selten ihre depressive Symptomatik
verstärkt.. Nach einer Aufhellung der Depression werden Aufmerksamkeit,
Konzentration und Gedächtnis wieder so wie früher, was eben bei einer Demenz
nicht der Fall ist. Wenn Ihr Vater nicht selbst zum Arzt geht, sollten Sie den
Hausarzt in seine Wohnung bestellen. Durch die modernen Antidepressiva kann ihm
wirksam geholfen werden.
Herzinfarkt durch Stress?
Ich bin ein 49-jähriger
Techniker mit viel Stress im Beruf und in der Familie. Ich habe gelesen, dass
man durch Stress einen Herzinfarkt bekommen kann und fürchte mich nun davor.
Trotz jahrzehntelanger Forschung und
vielfachen Behauptungen in populären Büchern gibt es bis jetzt keine
ausreichenden wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Stress und psychische
Faktoren allein zu einem Herzinfarkt führen. Allgemein anerkannt ist jedoch,
dass lang andauernder Stress einer von mehreren Risikofaktoren ist, der eine
koronare Herzkrankheit bewirken kann. Durch die ständige Dauerbelastung kommt
es zu einer Erregung des (aktivierenden) sympathischen Nervensystems und zu
einer Hemmung des (entspannenden) parasympathischen Nervensystems, was
langfristig und in Verbindung mit anderen Risikofaktoren wie Rauchen,
Bewegungsmangel, Übergewicht, ungünstigen Ernährungsgewohnheiten, zu viel
Cholesterin, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, erhöhter Harnsäurekonzentration im
Blut und Veränderung der Blutplättcheneigenschaften eine Arteriosklerose
begünstigen und damit die Herzinfarktgefahr erhöhen kann. Als Stress gelten
gewöhnlich emotionale Probleme, berufliche Überbeanspruchung, lebensverändernde
Umstände, mangelnde soziale Unterstützung und ungünstige sozioökonomische
Bedingungen. Heute ist fast jeder „im Stress“. Krank machend ist Stress erst
dann, wenn man den Einfluss und die Kontrolle bezüglich seiner Lebenssituation
verloren hat.
Angst vor einem Schlaganfall
Ich bin 69 Jahre alt und
habe große Angst vor einem Schlaganfall, obwohl ich laut regelmäßigen
Untersuchungen völlig gesund bin und keine Risikofaktoren habe.
Viele ältere Menschen haben Angst
vor einem Schlaganfall. Im Gegensatz zum Herzinfarkt ist damit die Vorstellung
verbunden zu überleben, aber behindert zu sein und zu bleiben. Hinter dieser
Angst stecken oft recht einfühlbare Befürchtungen: die Angst vor der
Abhängigkeit von anderen Menschen, wenn man halbseitig gelähmt ist; die Angst
vor dem Verlust der geistigen Klarheit, wenn das Denkvermögen beeinträchtigt
ist; die Angst vor dem Verlust der menschlichen Würde, wenn man nicht mehr
alleine auf die Toilette gehen kann; die Angst, den Angehörigen ausgeliefert zu
sein, wenn sie einen in ein Altersheim stecken, weil sie einen nicht pflegen
wollen als Dank dafür, was man früher einmal für sie getan hat; die Angst vor
der eigenen Hilflosigkeit in einer Weise, wie man dies in seinem ganzen Leben
niemals war. Ältere Menschen haben oft viel mehr Angst vor Behinderung und
Ausgeliefert-Sein als vor dem Tod, während jüngere Menschen oft mehr den Tod
fürchten, weil sie darin das Ende ihrer nicht verwirklichbaren Träume sehen.
Angst zeigt, was wichtig ist: Ältere Menschen verlieren durch eine schlaganfallbedingte
Behinderung Ihre Unabhängigkeit und Selbständigkeit, jüngere Menschen verlieren
durch einen plötzlichen Herztod das, was ältere Menschen oft erleben durften.
Psycho-Berufe
Psychiater
– Psychologe – Psychotherapeut – Psychoanalytiker – Wer macht was?
Psychiater sind Ärzte, die nach dem
Medizinstudium eine Facharztausbildung zum Psychiater absolviert haben. Nur sie
und keine anderen Psycho-Berufe dürfen Medikamente verschreiben.
Psychologen haben ein Psychologiestudium und
anschließend die Ausbildung zum Klinischen Psychologen und/oder zum
Gesundheitspsychologen abgeschlossen.
Psychotherapeuten haben eine Ausbildung in einer der
19 in Österreich anerkannten Psychotherapiemethoden durchlaufen, z.B.
Verhaltenstherapie, systemische Familientherapie oder Psychoanalyse. Die
Ausbildung zum Psychotherapeuten können nicht nur Ärzte und Psychologen
nebenberuflich machen, sondern auch bestimmte andere Akademikergruppen, aber
auch verschiedene nichtakademische Berufsgruppen wie Lehrer, Sozialarbeiter,
Ergotherapeuten oder Gesundheits- und Krankenpfleger.
Psychoanalytiker sind Psychotherapeuten mit
Ausbildung in Psychoanalyse.
Die Krankenkassen übernehmen bei
Kassenpsychiatern alle Therapiekosten, zahlen bei Psychotherapeuten nur einen
bescheidenen Kostenzuschuss und bei einer klinisch-psychologischen Behandlung
leider keinen einzigen Cent.
Psychosomatische Schmerzen
Mein
Arzt sagt, meine Rückenschmerzen seien psychosomatisch. Was heißt das?
Rückenschmerzen
sind die häufigsten Schmerzen, gefolgt von Kopf- und Gesichtsschmerzen, danach
folgen Gelenkschmerzen. Bei Befragungen berichten 80 % der Bevölkerung über
Schmerzen in den letzten 12 Monaten. Nach einer neuen Studie leiden gegenwärtig
21 % der Österreicher unter chronischen Schmerzen. Man unterscheidet zwischen
akuten und chronischen Schmerzen (länger als sechs Monate dauernd). Vor allem
bei chronischen Schmerzen spielen neben körperlichen auch psychosoziale
Faktoren eine große Rolle. „Psychosomatisch“ kommt vom Griechischen psyche =
Seele und soma = Körper und bezeichnet die Wechselwirkungen zwischen Körper und
Seele. Psychische und soziale Faktoren können entweder Ursache oder Folge
körperlicher Krankheiten sein. Man geht heute von einem bio-psycho-sozialen
Schmerzverständnis aus: Organisch begründete Schmerzen können durch psychische
Faktoren wie Angst, Ärger, Wut, depressive Verstimmung, Kontrollverlust über
das Leben oder mangelnde Stressbelastbarkeit sowie durch psychosoziale
Belastungsfaktoren wie familiären oder beruflichen Stress ausgelöst,
aufrechterhalten oder verschlimmert werden. Neben einer medizinischen ist daher
oft auch eine psychologisch-psychotherapeutische Behandlung zur vollen oder
bestmöglichen Gesundung erforderlich.
Platzangst
Meine Frau leidet unter
Schwindel. Laut Hausarzt hat sie eine Platzangst. Was kann sie tun?
Menschen
mit Platzangst (Agoraphobie) fürchten und vermeiden Situationen wie
Menschenmengen, öffentliche Plätze, allein Reisen oder weite Reisen. Sie haben
Angst, in eine Situation zu geraten, wo sie nicht jederzeit fliehen können oder
wo keine Hilfe da ist. Die Betroffenen haben letztlich nicht Angst vor
bestimmten Orten oder Situationen, sondern vor den unkontrollierbar
erscheinenden Symptomen ihres eigenen Körpers wie Herzrasen, Atemnot,
Schwindel, Zittern, Schweißausbruch, Ohnmachtsangst, Angst verrückt zu
werden oder
„auszuflippen“. Die Angst vor der Angst führt zu einer immer größeren
Bewegungseinschränkung. Platzangst ist oft die Folge einer Panikattacke oder
von Schwindel. Im Hintergrund stehen oft lang dauernde Belastungssituationen
mit daraus folgender körperlicher Verspannung, die sich auch in einem
Gleichgewichtsschwindel äußern kann. Ihre Gattin muss wieder langsam alle
gefürchteten Situationen aufsuchen lernen und erleben, dass ihr nichts
passiert. Sie muss auch die zugrunde liegenden Belastungs- und
Konfliktsituationen bewältigen. Ein Verhaltenstherapeut kann sie dabei
unterstützen.
Panikattacken
Ich
leide unter Panikattacken und habe Angst verrückt zu werden oder auszuflippen.
Kann ich dadurch schizophren oder kriminell werden?
Panikattacken
sind subjektiv sehr bedrohliche, objektiv jedoch völlig ungefährliche
Angstanfälle. Die Betroffenen bekommen plötzlich körperliche Symptome wie
Herzrasen, Atemnot, Schweißausbrüche, Schwindel, Übelkeit oder Zittern, sie
können aber auch geistig-psychische Symptome erleben wie Angst vor
Kontrollverlust, verrückt zu werden und auszuflippen oder Entfremdungsgefühle gegenüber
sich selbst bzw. der Umwelt. Es besteht dabei nur ein großer innerer
Gefühlsdruck oder eine Störung des gefühlsmäßigen Erlebens, was überhaupt
nichts zu tun mit einer geistigen Verwirrtheit im Sinne einer Schizophrenie. Im
Laufe der Zeit haben sich meist verschiedene Belastungssituationen und große
gefühlsmäßige Anspannungen ergeben, die sich dann unter bestimmten Umständen in Form von
Panikattacken äußern. Sie verlieren dadurch weder die Kontrolle über Ihr Denken
(und kommen deshalb auch nicht in die Psychiatrie) noch über Ihr Verhalten (und
kommen deswegen auch nicht in ein Gefängnis wegen eines vermeintlichen
Amoklaufs).
Angststörung oder Depression?
Ich
bin 36 Jahre alt und leide seit 8 Jahren unter psychischen Problemen. Was habe
ich wirklich? Mein Psychiater meint: eine Depression; mein Psychotherapeut:
eine Angststörung.
Man kann
auch beides haben! Wer unter beidem leidet, hat zuerst meist die Angststörung
und nach langer Dauer bzw. erfolgloser Behandlung auch eine Depression als
Ausdruck der Resignation entwickelt. Bei Jüngeren ist gewöhnlich zuerst die
Angststörung, bei über 40jährigen die Depression entstanden. In jedem Fall muss
zuerst die Depression und dann die Angststörung behandelt werden. Für eine
Depression sprechen ständige Traurigkeit, Interessenverlust, Freudlosigkeit,
Antriebsmangel, rasche Ermüdbarkeit, Konzentrationsstörungen, fehlendes
Selbstwertgefühl, pessimistische Zukunftsperspektive, Durchschlafstörungen,
Morgentief, Appetitmangel, Gewichtsverlust, sexuelle Lustlosigkeit und
Verlangsamung im Denken und Handeln. Bei einer Angststörung stehen eher
Verlustängste, Todesängste oder Bedrohungsgefühle in Bezug auf den Körper oder
den Verstand im Vordergrund, vor allem Herzrasen, Atemnot, Schwindelgefühle,
Ohnmachtsgefühle, phobisches Vermeidungsverhalten, Einschlafstörung,
„Übernervosität“, innere Anspannung, Entfremdungsgefühle und Angst verrückt zu werden
oder auszuflippen. Und
noch etwas: Depressionen haben oft zu tun mit nicht bewältigten Problemen aus
der Vergangenheit, Ängste haben naturgemäß zu tun mit Bedrohungssituationen in
der Zukunft, die man abwenden möchte. In beiden Fällen können bestimmte
Antidepressiva in Verbindung mit einer Psychotherapie eine anhaltende Besserung
bewirken.
Organisches Psychosyndrom
Ich leide seit einem
Autounfall mit schwerer Kopfverletzung unter einem organischen Psychosyndrom.
Was verstehen Fachleute eigentlich darunter?
Unter einem organischen
Psychosyndrom nach einem Schädelhirntrauma versteht man die geistigen,
psychischen und sozialen Folgen einer schweren Kopfverletzung mit
anschließender Bewusstlosigkeit. Die Betroffenen leiden unter Kopfschmerzen,
Schwindel, rascher Erschöpfung, Schlafstörungen, verminderter Alkoholtoleranz,
Geräuschempfindlichkeit, leichter Reizbarkeit und emotionaler Labilität,
depressiver Verstimmung und/oder erhöhter Ängstlichkeit, ständigen Sorgen um
ihrem Gesundheitszustand und verminderter kognitiver Leistungsfähigkeit, das
heißt die geistigen Fähigkeiten sind beeinträchtigt. Hier wiederum bestehen
typischerweise Störungen des Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit und
Konzentration sowie spezieller Fertigkeiten wie etwa der Denk- und
Planungsfähigkeit, der Wahrnehmung, der Sprache, der Schrift- und
Zahlenverarbeitung, der Fähigkeit verschiedene Verhaltensweisen auszuführen
oder bestimmte Dinge wiederzuerkennen. Mit Hilfe der klinisch-psychologischen
Diagnostik durch klinische Psychologen können derartige Beeinträchtigungen
erhoben und in ihrem Ausmaß eingeschätzt werden. Nach einem Schädelhirntrauma
sollte möglichst rasch eine Rehabilitationsmaßnahme zur Verbesserung der
geistigen Leistungsfähigkeit einsetzen und eine
psychologisch-psychotherapeutische Hilfestellung zum besseren Umgang mit den
emotionalen und sozialen Auswirkungen angeboten werden.
Klinisch-psychologische
Diagnostik
Ich bin 55 Jahre alt und
leide seit drei Jahren unter einer Depression mit Konzentrations- und
Merkfähigkeitsstörungen. Mein Psychiater hat mich zu einem klinischen
Psychologen zur testpsychologischen Untersuchung geschickt. Was erwartet mich
da?
Klinisch-psychologische Diagnostik
bei bestimmten klinischen Psychologen wird seit 1995 von der Krankenkasse
bezahlt – leider nur die Psychodiagnostik und nicht auch eine
klinisch-psychologische Behandlung! Es handelt sich bei dieser psychologischen
Untersuchung um eine Unterstützung bei der ärztlichen Diagnosestellung. Bei
Ihnen kann man mit Hilfe verschiedener Leistungstests das Ausmaß der
angegebenen Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörung erheben und mit
bestimmten Fragebögen und einem längeren Gespräch auch die Art und das
Ausmaß Ihrer Depression erfassen. Darüber hinaus kann man im Bedarfsfall
beurteilen, ob die erfassten Beeinträchtigungen tatsächlich durch die
Depression allein erklärbar sind oder ob der Verdacht auf eine zusätzliche
Beeinträchtigung durch eine Minderleistung des Gehirns geäußert werden muss,
was dann durch verschiedene Kopfuntersuchungen wie CT und MR überprüft werden
kann. Stellen Sie sich darauf ein, dass eine testpsychologische Untersuchung
mehrere Stunden dauern kann, denn schließlich soll auf diese Weise Ihre
Belastbarkeit überprüft werden. Sie brauchen sich davor nicht zu fürchten, wenn
Sie die Untersuchung als weiteren Schritt zur besseren Behandlung Ihrer
aktuellen Beeinträchtigung verstehen.
Anmerkung: Dieser Text bezieht sich auf die Situation in Österreich
Sozialphobie
In
der Arbeit fürchte ich mich ständig vor Kritik, Schwitzen, Zittern oder
Rotwerden, obwohl ich fachlich gut bin. Was habe ich nur?
Albträume
Ich habe oft schlimme Albträume, wo ich umgebracht werde. Was kann ich dagegen tun?
Bei
Albträumen geht es oft um eine Bedrohung für Leib und Leben, der man nur durch
Wechsel der Realität, also durch Munter-Werden, entkommen kann. Stark verzerrt
spiegeln sich in den Trauminhalten unverarbeitete Erlebnisse in der
Vergangenheit wie etwa ein Autounfall oder eine Vergewaltigung, starke
Belastungen in der Gegenwart wie etwa Partner- oder Berufsprobleme sowie
diffuse Befürchtungen für die Zukunft wie etwa Krankheiten oder
Verlusterlebnisse wider. Nächtliche Horrortrips treten bevorzugt bei jenen
Menschen auf, die auf diverse Stresssituationen mit Angespanntheit, Nervosität,
Unruhe, Schlaflosigkeit und fehlendem Appetit reagieren. Beschäftigen Sie sich
bei Tag bewusst mit den Trauminhalten und erfinden Sie einen positiven Ausgang,
träumen Sie also bei Tag den Traum in sehr bildhafter Weise zu Ende, indem Sie
mehrere Lösungen entwickeln. Üben Sie dies täglich mindestens zwei Wochen lang
und schreiben Sie hinterher Ihre Albträume auch auf. Fragen Sie sich: Was
verfolgt und bedroht mich wirklich, welche ungelösten Konflikte plagen mich?
Sie werden Ihre Albträume bei Nacht umso weniger fürchten, je mehr Sie bei Tag
den Ausgang bestimmen lernen.
Flugangst
Ich
möchte den Sommer-Urlaub in der Türkei verbringen, fürchte mich aber vor dem
Fliegen. Was kann der Grund dafür sein?
Menschen
wie Sie haben gewöhnlich nicht mehr Angst vor einem Flugzeugabsturz als andere
Leute, fürchten jedoch das Gefühl des Ausgeliefertseins beim Fliegen:
ausgeliefert unbekannten Piloten und nicht beeinflussbarer Technik, vor allem
jedoch ausgeliefert verschiedenen körperlichen Angstreaktionen wie Herzrasen,
Atemnot, Schwindel, Übelkeit, Ohnmachtsneigung und dem Gefühl „durchzudrehen“
angesichts einer Situation, wo man nicht entkommen kann. Flugangst-Patienten
haben meist dasselbe Problem wie Platzangst-Patienten am Boden: sie fürchten
sich für einer Panikattacke oder einer panikähnlichen Reaktion. In diesem Fall
besteht dann oft nicht nur eine Flugangst, sondern auch eine Angst, in der
Ferne festzusitzen und nicht jederzeit nach Hause kommen zu können, wenn es
einem schlecht geht. Entwickeln Sie attraktivere Fantasien, die Sie zum Flug
motivieren, und vergegenwärtigen Sie sich so die Chancen des Türkei-Urlaubs.
Gehen Sie den Flug in sehr lebendigen Vorstellungsbildern bis zum erfolgreichen
Ende durch. Bei reiner Flugangst können Sie Ihre Erfolgserwartung auch stärken
durch einen kleinen Rundflug in Österreich
Kontrollzwänge
Ich,
35-jährige Hausfrau, kontrolliere seit drei Jahren täglich stundenlang Ofen,
Kaffeemaschine, elektrisches Licht, Wasserleitung, Türen und Fenster, damit
nichts passiert. Was kann mir helfen?
Sie leiden
unter sehr belastenden Kontrollzwängen. Die fast immer gegebene Einsicht in die
Sinnlosigkeit derart übertriebener Kontrollmaßnahmen reicht nicht aus,
Routinehandlungen rascher zu beenden. Kontrollzwänge stellen den Versuch dar,
bei großen Ängsten vor Katastrophen wie Einbruch, Überschwemmung, Brand und
damit gegebener potenzieller Gefährdung anderer Menschen keine persönliche
Schuld auf sich zu laden. Trotz zunehmender Kontrollen steigt die
Verunsicherung so stark an, dass die Betroffenen schließlich den Partner zu
ihrer Beruhigung fragen müssen – und dadurch erst recht ihr Selbstvertrauen
schwächen! Zwangskranke wissen, dass alles in Ordnung ist, sie spüren es aber
nicht und können mit einem minimalen Restrisiko nicht leben. Kontrollieren Sie
wie andere Menschen höchstens einmal, schieben Sie die jeweils nächste
Kontrolle immer weiter hinaus und lernen Sie die auftretende innere Unruhe zu
ertragen! Psychotherapie, vor allem eine Verhaltenstherapie, stellt eine
wirksame Hilfe dar. Bei starken Zwängen und depressiver Erschöpfung bewirken
auch bestimmte hoch dosierte Antidepressiva eine wesentliche Erleichterung.
Somatisierungsstörung
Ich
leide seit Jahren unter zahlreichen körperlichen Symptomen ohne organische
Ursachen. Was könnte ich haben?
Wenn eine
Depression und eine Angststörung ausgeschlossen sind, haben Sie wahrscheinlich
eine Somatisierungsstörung, früher vegetative Dystonie genannt. Seelische
Belastungen, negative Denkmuster und soziale Konflikte führen zu somatischen
Beschwerden. Bei ständigem innerem oder äußerem Stress bewirkt das Nervensystem
viele körperliche Symptome wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Aufstoßen, Durchfall,
Atemnot, Brustschmerzen, Harndrang, Kribbelgefühle oder Schmerzen. Die
Betroffenen laufen oft erfolglos von Arzt zu Arzt, haben anfangs meist kein
Verständnis für Körper-Seele-Zusammenhänge und wehren sich infolgedessen gegen
psychologisch-psychotherapeutische Maßnahmen. Medikamente zur Symptomlinderung
sind jedoch nur eine vorübergehende Lösung. Überlegen Sie, was Sie belasten
könnte, und versuchen Sie dies zu bewältigen! Krank machend sind oft nicht die
Umstände an sich, sondern wie Sie Ihre Situation bewerten und erleben. Eine
Psychotherapie kann eine wirksame Hilfe zur Problembewältigung darstellen.
Erlernen Sie auch Entspannungsmethoden wie Autogenes Training und betätigen Sie
sich regelmäßig körperlich ohne übermäßiges Schonverhalten!
Händezittern
Unter Leuten zittern
meine Hände, obwohl ich gesund bin. Was kann ich dagegen tun?
Ein
psychogener Tremor in Form des Händezitterns tritt in sozialen Situationen
immer dann auf, wenn man ein Glas, eine Tasse, einen Löffeln oder einen
Kugelschreiber halten soll. Die Betroffenen fürchten sich gewöhnlich, von
anderen Menschen als nervenkrank abgestempelt zu werden. Sie beobachten sich
daher ständig und achten ängstlich darauf, dass ihre dominante Hand auf keinen
Fall zittert. Sie sind aus Erwartungsangst schon vor jeder Handlung verspannt,
sichtbares Zittern kommt dagegen kaum oder nur geringfügig vor. Die Symptomatik
hat häufig mit einem einmaligen, sehr unangenehm erlebten Händezittern beim
Anstoßen oder Unterschreiben begonnen. Dieses Problem drückt eine soziale
Unsicherheit und Angst vor Kritik vonseiten anderer aus. Meist handelt es sich
dabei um den Spezialfall einer sozialen Phobie. Oft wird ein Beta-Blocker wie
Inderal zur Verminderung der psychovegetativen Verspannung verschrieben:
weniger Anspannung bedeutet weniger Selbstbeobachtung. Besser ist jedoch
folgender Tipp: Beobachten Sie sich nicht ständig, weil Sie dadurch immer
verspannter werden, sondern konzentrieren Sie sich ganz auf Ihren
Gesprächspartner. Denn in Anwesenheit anderer sich ständig selbst zu
beobachten, bedeutet, seine Spontaneität zu verlieren.
Schwindel
Ich,
eine 37-jährige Angestellte, bin ständig schwindlig und benommen und traue mir
immer weniger zu aus Angst umzufallen, doch die Ärzte finden nichts außer einer
Nackenverspannung.
Sie leiden vermutlich unter einem
psychogenen Schwindel, den man oft auch „Angstschwindel“ nennt. Der
Angstschwindel ist ein eher diffuser Schwindel, häufig erlebt als Benommenheit,
Abgeschlagenheit, Leere im Kopf, Unsicherheit auf den Beinen, mangelnde
Standfestigkeit, Schweben wie auf Wolken, wie wenn man den Kontakt zum Boden
verloren hätte, oft verbunden mit Unruhe, manchmal auch mit Übelkeit. Die
Betroffenen fühlen sich bei normalem Gang wie betrunken schwankend – einfach
„nicht geerdet“, ohne Halt und Verankerung im Boden. Haltungsveränderungen
beeinflussen diese Schwindelform kaum. Es handelt sich dabei um einen
Schwankschwindel, um einen nichtorganischen Gleichgewichtsschwindel, der durch
körperliche Verspannung ausgelöst wird. Diese wiederum hängt gewöhnlich mit
lang dauerndem Stress im Beruf und in der Familie zusammen. Die völlig
unberechtigte Angst umzufallen verstärkt die chronische Muskelverspannung und
das Gefühl der Gleichgewichtsstörung. Dies führt häufig zu einer Einschränkung
des Bewegungsspielraums, zu einer Platzangst (Agoraphobie) und einer
zunehmenden Unselbständigkeit und Abhängigkeit von anderen Menschen. Vermeiden
Sie nichts, denn Sie sind laut Ärzten körperlich gesund! Bewegen Sie sich
zukünftig mehr statt weniger, vor allem auch allein, um ihr Selbstvertrauen
wieder aufzubauen, lernen Sie aber auch einen anderen Umgang mit verschiedenen
Stressfaktoren.
Posttraumatische
Belastungsstörung
Was ist eine
posttraumatische Belastungsstörung nach schlimmen Erlebnissen?
Eine posttraumatische
Belastungsstörung umfasst alle Zustände nach („post“) einer schweren seelischen
Verwundung („Trauma“). Man versteht darunter sehr belastende oder
außergewöhnliche Erlebnisse mit Bedrohungscharakter wie Verkehrsunfall,
Vergewaltigung, Überfall, Kriegserlebnis, Geiselnahme oder Folter, aber auch
Naturkatastrophen (Sturmflut, Großbrand oder Lawinen), technische Katastrophen
(Explosion, Chemieunfall u.a.) oder berufsbedingte Katastrophen (im
Dienst bei Rettung, Feuerwehr, Polizei oder Militär). Die emotional sehr
belastenden Erinnerungen, Bilder und Gedanken drängen sich später immer wieder
bei Tag und bei Nacht ganz lebendig auf, als würden sie neuerlich stattfinden.
Die Betroffenen sind ständig übererregt und leiden unter Schreckhaftigkeit,
Schlafstörungen, psychosomatischen Symptomen, vermehrter Reizbarkeit,
Gefühlsschwankungen und Konzentrationsstörungen. Sie vermeiden alles, was mit
dem Trauma zu tun, oder entwickeln – gleichsam als Schutz vor ständiger
Überflutung durch die nicht bewältigbaren Ereignisse – eine gefühlsmäßige Abstumpfung
mit allgemeinem Rückzug, Interesselosigkeit und innerer Teilnahmslosigkeit.
Eine Psychotherapie zur besseren Verarbeitung des Erlebten ist unbedingt
anzuraten.
Kleptomanie
Mein Bekannter hat
angeblich eine Kleptomanie. Was ist eigentlich krankhaftes Stehlen?
Unter Kleptomanie versteht man
krankhaftes Stehlen ohne Bereicherungsabsicht und ohne sonstige persönliche
Vorteile. Vor der Tat besteht eine starke innere Anspannung und ein hoher
emotionaler Druck, während des Diebstahls und kurz danach überwiegt ein Gefühl
der Befriedigung und der Entspannung. Krankhaftes Stehlen ist ein untauglicher
Versuch, psychische Probleme durch Umlenkung der Aufmerksamkeit auf ein
kurzfristiges „Erfolgserlebnis“ zu bewältigen. Der Diebstahl erfolgt allein in
Geschäften oder anderen Orten. Mögliche Schuldgefühle verhindern nicht den
späteren Rückfall. Die gestohlenen Güter – gewöhnlich Kleinkram wie etwa
Toilettenartikel – werden oft weggeworfen oder zu Hause angehäuft und nicht
verwendet. Sie werden jedenfalls nicht Gewinn bringend verkauft, denn das Ziel
ist nicht der Nutzen, sondern der durch das Stehlen erreichte Höhepunkt mit
nachfolgender Spannungsabfuhr. Die Betroffenen benötigen eine Psychotherapie,
oft in Form einer gerichtlichen Therapieauflage, die nur über Anzeigen
ausgesprochen werden kann, weshalb „Zudecken“ und Nachsicht keine echte Hilfe
darstellen, denn die Betroffenen sind Wiederholungstäter.
Placebo
Was macht die
psychologische Wirksamkeit eines Placebo-Medikaments aus?
Ein „Placebo“ ist ein
Scheinmedikament ohne medizinische Wirksamkeit, ein Leerpräparat mit harmlosen
Stoffen (Stärke, Milchzucker oder Kochsalzlösung). Vor der Zulassung wird jedes
neue Medikament auf seine Wirksamkeit im Vergleich zu einem Placebo geprüft. Es heißt
dann z.B.: „Das neue Mittel hat 65% der Personen der Versuchsgruppe geholfen,
dagegen hat das Placebo nur bei 35% der Kontrollgruppe Wirkung gezeigt. Im
Durchschnitt wirken Placebos bei 30-50% der Patienten; bei psychisch Erkrankten
oft dauerhaft, bei körperlich Erkrankten zumindest vorübergehend. Der
psychologische Effekt eines Placebo-Präparats beruht auf dem Glauben an die
Wirksamkeit ärztlicher Hilfestellungen, wodurch die Selbstheilungskräfte des
Menschen aktiviert werden. Ein Placebo bestärkt etwa die Hoffnung auf Besserung
bzw. Heilung. Selbst Pharmafirmen anerkennen, dass bei einer Placebogruppe eine
Symptomreduktion gegenüber einer unbehandelten Kontrollgruppe eintritt. Der
Effekt des neuen Medikaments muss nur größer sein als der Placeboeffekt. Die
psychologisch bedingte Wirksamkeit von Placebos bedeutet nicht, dass bestimmte
organisch begründete Beschwerden wie Schmerzen deshalb rein psychisch bewirkt
wären, es zeigt sich hier nur der zumindest kurzfristig schmerzlindernde Effekt
psychischer Faktoren, die sich positiv auf die körperliche Befindlichkeit
auswirken können. Die Wirksamkeit von Placebos beruht letztlich auf den
komplizierten Zusammenhängen zwischen Psyche, Nerven- und Immunsystem.
Zwanghaft
Mein Partner ist sehr
pedantisch-zwanghaft, alles muss stets nach seinem Willen geschehen. Wie kann
ich ständigen Streit vermeiden?
Menschen mit einer zwanghaften
(anankastischen) Persönlichkeitsstruktur können mit ihren perfektionistischen,
eigensinnigen und nach ihren Standards ausgerichteten Bestrebungen anderen Menschen
das Leben zur Hölle machen. Sie möchten andere Menschen ständig ihren eigenen
Gewohnheiten unterwerfen und diktieren ihre Umwelt nach ihren rigiden Regeln,
ohne sich jemals nach den Wünschen der anderen zu richten. Was Ordnung und
Genauigkeit ist, bestimmen ausschließlich sie selbst. Wenn nicht alles nach
ihrem Kopf abläuft, werden sie sehr unruhig und unzufrieden. Wenn Sie Streit
vermeiden wollen, indem Sie sich den Vorstellungen Ihres Partners anpassen,
werden Sie bald ganz unter das Diktat Ihres Partners geraten. Sie haben
dieselben Rechte wie Ihr Partner! Gehen Sie Ihren Weg, machen Sie alles auf
Ihre Art und Weise, verteidigen und rechtfertigen Sie sich nicht ständig, denn
dies allein macht Sie schon unterlegen! Machen Sie sich bewusst: Ihrem Partner
geht es nur gut auf Ihre Kosten! Sie können es ihm niemals völlig recht machen,
wenn Sie auch auf Ihre berechtigten Wünsche und Bedürfnisse achten möchten.
Wenn Sie mit Ihrem Partner halbwegs erträglich zusammenleben möchten, wird es
Ihnen nur dann besser gehen, wenn Sie aus selbst heraus bestimmen, wie genau,
gewissenhaft und geplant sie alle Dinge erledigen möchten. Es sollte nicht
primär um das Vermeiden von Streit gehen, sondern um die Wahrnehmung Ihrer
Interessen, auch wenn diese von Ihrem Partner nicht anerkannt werden.
Schmerzen und Depression
Ich habe seit Jahren Kopf- bzw. Rückenschmerzen und Depressionen. Kann beides zusammenhängen?
Eindeutige Antwort: Ja! Chronische Schmerzen wirken sich nicht nur körperlich, sondern auch seelisch sehr belastend aus. Die Schmerzen sind umso folgenschwerer, je mehr sie das Erleben und Verhalten der Betroffenen bestimmen. Früher recht lebensfrohe Menschen werden durch die ständigen Schmerzen entnervt, inaktiv, interesse-, lust- und hoffnungslos. Depressionen wiederum verstärken die vorhandenen Schmerzen, weil dadurch das Immunsystem geschwächt wird. Es kommt zu einem sich aufschaukelnden Teufelskreis zwischen Schmerzen und Depressionen. Trotz der körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen ist es notwendig, in dosierter Form wieder Aktivitäten aufzunehmen, um durch die Zuwendung zur Umwelt und zu bestimmten Aufgaben einerseits mehr Lebenssinn zu finden und andererseits von den körperlich und seelisch negativen Selbsterfahrungen abgelenkt zu sein. Bei chronischen Schmerzen steht nicht mehr die Beseitigung, sondern die bessere Bewältigung und die Veränderung des Schmerzerlebens im Sinne eines anderen Umgangs mit den Schmerzen im Vordergrund. In Österreich leiden 21 % der Bevölkerung unter chronischen Schmerzen. Man spricht dann von einer Schmerzstörung, die oft auch psychologisch behandelt werden muss.
Hyperventilation
Meine 17-jährige
Enkeltochter leidet unter Hyperventilation. Was kann sie dagegen tun?
Unter „Hyperventilation“ versteht
man eine zu rasche Atmung, ohne dass der übermäßig eingeatmete Sauerstoff
tatsächlich verbraucht wird. Man befindet sich dabei nicht in körperlicher
Aktion, wohl aber in einer starken psychischen Erregung, vor allem in großer
Wut oder Angst. Während der Sauerstoffanteil im Blut ansteigt, fällt der
Kohlendioxidanteil zu stark ab, was mit einer Verringerung des freien Kalziums
im Blut einhergeht, das für die Geschmeidigkeit der Muskulatur notwendig ist.
Es kommt es zu einer Muskelverkrampfung mit verminderter Durchblutung. Typische
Symptome sind: Druck und Engegefühl im Brustkorb, Atemnot trotz übermäßiger
Atmung, Erstickungsängste, Herzrasen, Kribbeln in der Mundregion,
Gefühllosigkeit, kalte Hände und Füße, Zittern der Arme und Beine bis hin zu
starken Krämpfen („Tetanie“), Benommenheit und Unwirklichkeitsgefühlen. Ihre
Tochter muss lernen, mit den psychischen und sozialen Hintergründen ihrer
Hyperventilation zurechtzukommen; das sind gewöhnlich Konflikte mit den Eltern
bzw. dem Freund oder auf dem Arbeitsplatz in Verbindung mit Emotionen wie Wut,
Ärger, Enttäuschung oder Angst. Eine Psychotherapie kann sehr hilfreich sein,
Beruhigungsmittel oder eine ständig griffbereite Papiertüte zur Rückatmung der
Ausatemluft sind keine Dauerlösung.
Intelligenzquotient (IQ)
Was versteht man unter
dem Intelligenzquotienten (IQ)?
Es gibt keine allgemein gültige
Intelligenz-Definition. Intelligenz wird heute allgemein mit Denkfähigkeit,
Problemlösefähigkeit und Informationsverarbeitungsfähigkeit gleichgesetzt,
soweit es um das Bildungspotential geht, und mit dem Erwerb von
Kulturtechniken, soweit es den Bildungsstand betrifft. Unter dem IQ
(Intelligenzquotient) versteht man die intellektuelle Leistungsfähigkeit eines
Menschen, bezogen auf eine repräsentative Vergleichsgruppe. Diese wird gemessen
anhand verschiedener Tests, die entweder die logische Denkfähigkeit oder das
Wissen zu sprachlichen, rechnerischen und sonstigen Bereichen erfassen. Als
durchschnittlich gelten – je nach Maßstab – die mittleren 50 % bzw. die
mittleren 84 %. Dies entspricht einem IQ-Wert zwischen 90 und 110 bzw. zwischen
85 und 115. Werte darüber bezeichnen eine überdurchschnittliche, Werte darunter
eine unterdurchschnittliche Leistungsfähigkeit. Die lebenspraktische
Intelligenz wird mit den traditionellen Intelligenztests nicht erfasst. Viele
Fähigkeiten, die für die erfolgreiche Bewältigung von Alltagssituationen
erforderlich sind, stehen in keinem Zusammenhang mit der Intelligenz im Sinne
des gemessenen IQs.
Lügendetektor
Wie verlässlich ist ein
Lügendetektor?
Ein Lügendetektor ist ein
Biofeedbackgerät, mit dem die körperlichen Reaktionen auf Stress gemessen
werden, insbesondere Veränderungen von Atmung, Blutdruck, Hautwiderstand und
Puls. Dieser Apparat wurde in der Vergangenheit vor allem in den USA zur
Wahrheitsprüfung der Aussagen von Angeklagten eingesetzt. Anhand der messbaren
Reaktionen bei Befragungen (z.B. „Wo waren Sie zum Zeitpunkt der Tat?“) wurde
auf die Glaubwürdigkeit der Angaben des Verdächtigen geschlossen.
Lügendetektor-Ergebnisse zum Ausmaß der körperlichen und emotionalen Erregung
stellen keine verlässlichen Daten zur Wahrheitsfindung dar. Deswegen sind sie
bei uns auch nicht als Beweismittel bei Gericht zugelassen. In Deutschland
wurde erst in den letzten Jahren der Einsatz bei Gericht mit folgenden
Argumenten abgelehnt: Es ist nicht möglich, eindeutige Zusammenhänge zwischen
emotionalen Zuständen eines Menschen und hierfür spezifischen Reaktionsmustern
im vegetativen Nervensystem zu erkennen. Die Veränderung des Blutdrucks beruht
nicht einfach auf einer Entdeckungsfurcht, sondern kann völlig andere Ursachen
haben. Andererseits muss der zu Unrecht Verdächtigte nicht unbedingt emotional
gelassener reagieren als der Täter. Die verbreitete Bezeichnung des so
genannten „Polygraphen“ als "Lügendetektor" entbehrt daher jeder
Grundlage.
Hypochondrie
Meine Gattin leidet unter
Hypochondrie. Ist das heilbar?
Eine hypochondrische Störung ist
charakterisiert durch ständige Krankheitsängste in so belastendem Ausmaß, dass
die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt ist. Die Betroffenen haben entweder
„nur“ die Befürchtung bzw. Überzeugung, krank zu sein, oder sie haben – was
mehrheitlich der Fall ist – harmlose körperliche Symptome, die sie als
gefährlich fehlinterpretieren, häufig nach schweren Erkrankungen in der Familie
(z.B. Krebserkrankung der Mutter oder Herzinfarkt des Vaters). Sie bezweifeln
die Versicherung der Ärzte, dass sie gesund sind und verlangen immer neue
medizinische Untersuchungen, weil sie mit einem gewissen Restrisiko nicht umgehen
können. Ähnlich wie Zwangskranke verschiedene Dinge ihrer Umwelt kontrollieren,
möchten Hypochonder ständig ihren Gesundheitszustand überprüfen lassen und
nerven damit Ärzte und Angehörige. Eine Hypochondrie ist zwar meist nicht ganz
heilbar und kann in Krisenzeiten immer wieder verstärkt ausbrechen, kann aber
durch ein bestimmtes medizinisches und psychologisches Management wesentlich
gebessert werden, z.B. keine Untersuchungen aufgrund von emotionalem Druck,
sondern nach ärztlich sinnvollen Verlaufskontrollen.
Mentales Training
Was ist Mentales Training
bei Sportlern?
Mentales
Training wird bei Leistungssportlern bereits seit mehr als drei Jahrzehnten
eingesetzt mit dem Ziel, bestimmte körperliche Fertigkeiten nicht nur real,
sondern auch mental einzutrainieren. Ursprünglich verstand man darunter also
ein mentales Bewegungstraining, das heißt ein planmäßig wiederholtes
Sich-Vorstellen der zu erlernenden oder zu verbessernden Bewegungsabläufe. Die
Wirksamkeit dieser Technik beruht auf dem Umstand, dass bildhafte Vorstellungen
über das Gehirn zur Aktivierung der entsprechenden Körperteile führen.
Heutzutage wird das mentale Training im Spitzensport viel umfassender
verstanden, sodass sich folgende typische Einsatzmöglichkeiten bieten: rasche
Einübung komplexer Bewegungen, zeit- und energiesparendes Leistungstraining,
mentale Bewältigung vergangener oder befürchteter Krisensituationen, Bestärkung
des Glaubens an die Erreichbarkeit des Ziels und besseres Durchhalten in der
Kampfsituation durch konkrete Vorstellungen des Gelingens, angstfreiere
Wettkampfvorbereitung von „nervösen“ Sportlern. Mithilfe entsprechender Bücher
und Trainer kann heute jedermann seine sportlichen Fähigkeiten verbessern.
Zu den Opfern der
Flutkatastrophe in Asien
Wie können die Betroffenen nach der
Flutkatastrophe ihre Erlebnisse verarbeiten?
In der ersten Zeit nach der Flutkatastrophe in Asien
stehen viele Opfer unter einem sinnvollen Schock, der sie von den dramatischen
Ereignissen distanziert, während andere sofort vom Horror überwältigt werden.
Glücklicherweise heilen die seelischen Wunden bei vielen Betroffenen im Laufe
der Zeit, bei 20 bis 30 Prozent entwickelt sich jedoch eine posttraumatische
Belastungsstörung, typischerweise charakterisiert durch drei Symptomenkomplexe:
ungewolltes Wiedererleben der Ereignisse durch lebendige Erinnerungen,
Albträume und alle möglichen Situationen, die mit dem traumatischen Geschehen
in Zusammenhang stehen; Vermeiden aller Reize, die mit den schrecklichen
Erlebnissen zu tun haben; ständige körperliche, seelische und geistige
Überaktivierung, die zu chronischer Erschöpfung führt. Das Gedächtnis spiegelt
den Betroffenen vor, als würden sie die Katastrophe immer wieder neu erleben.
Sie müssen daher – am besten durch eine Psychotherapie – die unauslöschlichen
Erlebnisse so verarbeiten lernen, dass sie Vergangenheit sind. Vorerst jedoch
brauchen die Betroffenen interessierte Zuhörer, die an ihrem Schicksal
teilnehmen und sie in jeder Weise bei der Rückkehr ins frühere Leben unterstützen.
Zur Behandlung der häufig auftretenden Schlafstörungen und depressiven Zustände
sind die modernen Antidepressiva zu empfehlen.
Entstellungsangst -
Dysmorphophobie
Meine hübsche Freundin bildet sich ein, entstellt zu sein. Was können wir
tun?
Entstellungsängste
(Fachausdruck Dysmorphophobie) kommen bei 4 % der Frauen und 1 % der Männer im
Laufe des Lebens vor. Die Betroffenen sind bei normaler Figur überzeugt, durch
verschiedene Körpermerkmale so entstellt und hässlich zu sein, dass sie
entweder chirurgische Maßnahmen wünschen oder aus Angst vor Auffälligkeit einen
sozialen Rückzug antreten. Eine Psychotherapie wird meist abgelehnt, weil die
Angst vor sozialer Kritik nur auf das unveränderliche äußere Erscheinungsbild
zurückgeführt wird. Vermeintliche Entstellungsmerkmale sind z.B.: zu kleiner
oder zu großer Busen, zu breites Becken, „dicker“ Bauch, unförmige Beine, zu
große Nase, kleine Narben oder sonstige Hautauffälligkeiten. Sichtbare
„Schönheitsfehler“ werden durch verschiedene Mittel (Schminke, bestimmte
Kleidung usw.) zu überdecken versucht. Die Betroffenen stehen oft stundenlang
vor dem Spiegel, um ihren Körper kritisch zu prüfen und vernachlässigen dadurch
die schulischen, beruflichen und sozialen Aktivitäten. Entstellungsängste
kommen auch bei Essstörungen oder Depressionen vor. Vermitteln Sie Ihrer
Freundin das Gefühl, das Sie sie wirklich mögen, auch wenn sie sich selbst
nicht akzeptieren kann. Engen Sie Ihre Gespräche nicht auf dieses Thema ein,
sondern achten Sie auf regelmäßige soziale Aktivitäten. Am besten wäre ein
gemeinsamer Besuch bei einem Psychologen oder Psychotherapeuten.
Arbeitssucht
Wann
spricht man von Arbeitssucht?
Arbeitssucht
ist dann gegeben, wenn die Arbeit so sehr zum Dreh- und Angelpunkt des Lebens
geworden ist, dass aufgrund der permanenten Überforderung im Laufe der Jahre
körperliche und seelische Beschwerden auftreten und eine zunehmende
Vernachlässigung der privaten und sozialen Interessen erfolgt. Wenn Arbeit zur
Sucht geworden ist, gibt sie den Betroffenen einen derartigen Kick, bedingt
durch den ständigen Adrenalinstoß, dass dies bei Abwesenheit der „Droge“ Arbeit
mit psychischen Entzugserscheinungen einhergeht, ähnlich wie bei
stoffgebundenen Süchten der Fall ist. Wie bei einer anderen Sucht ersetzt das
Suchtmittel Arbeit etwas, das ausschließlich auf diesem Weg nicht erreicht
werden kann, nämlich ein stabiles Selbstwertgefühl und eine allgemeine soziale
Anerkennung. Wegen der großen Bedeutung einer überdurchschnittlichen
Leistungsfähigkeit in unserer leistungsorientierten Gesellschaft erfahren
Arbeitssüchtige nicht nur aufgrund de Suchtdynamik, sondern auch aufgrund der
sozialen Verstärkung und Anerkennung anfangs eine ausgesprochene Fixierung auf
ihr einseitiges Leistungsstreben, sodass sie das Ausmaß ihrer gesundheitlichen
Gefährdung lange nicht erkennen.
Mobbing
Was genau versteht man unter Mobbing?
Mobbing –
früher „Psychoterror im Beruf“ genannt – bezeichnet den Umstand, dass Kollegen
oder Vorgesetzte einen bestimmten Arbeitnehmer, der sich aufgrund verschiedener
Schwächen häufig ungewollt anbietet, über einen längeren Zeitraum hinweg in
eine unterlegene Position bringen und sich ihm gegenüber so verhalten, dass sie
ihn anfeinden, ausgrenzen, schikanieren und diskriminieren, seine Rechte
schmälern, seine Verhaltensmöglichkeiten einengen und seine berufliche Position
untergraben. Mobbing umfasst alle böswilligen Handlungen wie hinterhältige
Anspielungen, Verleumdungen, Demütigungen, Drohungen, Quälereien oder sexuelle
Belästigungen mit dem Ziel, einen Mitarbeiter systematisch fertig zu machen und
aus dem Betrieb hinauszuekeln. Führungsschwächen von Chefs stellen einen guten
Nährboden von Mobbing dar, weil bestimmte Arbeitnehmer in der Abteilung dadurch
Macht und Einfluss auf andere in einem Ausmaß bekommen, wie ihnen dies nicht
zusteht. Bei gut einem Drittel aller bekannt gewordenen Mobbing-Attacken steht
der Chef dahinter. Mobbing führt zu verschiedenen psychischen und
psychosomatischen Störungen. Je nach Studie klagen 10 bis 20 % der
Beschäftigten über Mobbing am Arbeitsplatz.
Hilfreiche Angst
Wann ist Angst normal und hilfreich?
Angst
aktiviert unseren Körper und unseren Geist in Bedrohungssituationen und bewahrt
unser Leben und unsere Gesundheit vor Gefahren und bestimmten
Selbstüberschätzungen. Sinnvolle Ängste stellen eine Schutzfunktion für jeden
Menschen dar und verhindern das gefährliche Gefühl einer Scheinsicherheit;
absolute Angstfreiheit ist daher kein erstrebenswertes Ziel. Nicht die Angst an
sich, sondern deren Folgen bestimmen, ob Angst beschützend und aktivierend oder
schädlich und blockierend ist. Angst ist eine Kraft, die uns angesichts
individueller und gesellschaftlicher Bedrohungssituationen zum Handeln
motiviert und damit den persönlichen Reifeprozess und den gesellschaftlichen Fortschritt
begünstigt. Nützlich und leistungssteigernd ist jene Angst, die uns hilft, im
Hier-und-Jetzt effizient zu handeln. Wir beherrschen unsere Angst dann, wenn
wir sie als antriebssteigernde und schützende Energie zu unserem Vorteil
einzusetzen gelernt haben. Angst mittleren Ausmaßes verstärkt unsere
Anstrengungen und unsere Konzentration in Leistungssituationen. Ein dosiertes
Angstausmaß erhöht die Aufmerksamkeit, Wachheit, intellektuelle und motorische
Leistungsbereitschaft. Ängstliche Menschen können durch ihre Selbstkritik und
ihren Perfektionismus beruflich durchaus sehr erfolgreich sein.
Burnout
Was genau versteht man unter Burnout?
Burnout ist eine körperliche und seelische Erschöpfung
als Folge einer ständigen Überforderung, die durch äußere Umstände (Familie,
Beruf, soziale Umwelt, gesellschaftliche Normen) und/oder innere Faktoren
(Idealismus, soziales Engagement, hohes Anspruchsniveau, Mitleid) entstanden
ist. Ein Burnout bekommen vor allem jene, die in beruflichen und familiären
Überlastungssituationen ständig überhöhte Erwartungen an sich stellen. Sie
verleugnen ihre eigenen Bedürfnisse aus Angst zu versagen oder nicht gut genug
zu sein. Angesichts der ständigen Fürsorge für andere ist die Fürsorge für sich
selbst in Form einer angemessenen Regenerationsphase völlig zu kurz gekommen.
Je nach Autor werden vier bis zwölf Burnout-Phasen angeführt. Man kann
mindestens drei Phasen unterscheiden. 1. Phase: Übermäßige Begeisterung
bestimmt den Einsatz. Wer ausgebrannt ist, hat einmal gebrannt, war einmal
Feuer und Flamme für bestimmte Aufgaben oder Menschen, hatte einmal hohe Ziele
und ein überdurchschnittliches Engagement. 2. Phase: Erste Selbstzweifel und
leichtere körperliche und seelische Symptome treten auf, werden jedoch
überfahren. 3. Phase: Es kommt zur totalen physischen und psychischen
Erschöpfung. Der zunehmende Frust führt zur Resignation sowie zu
Angststörungen, Depressionen, Substanzmissbrauch oder psychosomatischen
Störungen.
Bulimie
Warum
haben heute so viele Frauen eine Ess-Brech-Sucht?
Eine
Ess-Brech-Sucht (Fachausdruck Bulimie) besteht in wiederholten
Heißhungeranfällen mit anschließender Beseitigung der Nahrung durch Erbrechen
und/oder Abführmittel aus Angst vor Gewichtszunahme. Über eine Essstörung
werden verschiedene Probleme zu lösen versucht, die sich so nicht lösen lassen.
Hinter einer Bulimie stehen gewöhnlich folgende Probleme: mangelndes
Selbstwertgefühl, Unsicherheit im weiblichen Körper und in der weiblichen
Rolle, sexuelle Probleme, Beziehungsprobleme, Ärger oder Wut über bestimmte
Personen, in Situationen des Allein-Seins Langeweile und Unfähigkeit der
Tagesstrukturierung. Frauen mit Bulimie versuchen über wenig Essen oder gar
Hungern eine bessere Figur und damit mehr Selbstbewusstsein zu erreichen,
provozieren jedoch durch den längeren Nahrungsentzug ungewollt und anfangs auch
unwissend erst recht Heißhungeranfälle. Sie können ihre inneren Zustände oft
nicht richtig wahrnehmen und interpretieren jede Anspannung als Hungergefühl,
während ihr Körper sich tatsächlich nach etwas anderem sehnt. Bulimikerinnen
neigen bei Anspannungen jeder Art zum Essen, weil dadurch eine kurzfristige
Entspannung gelingt; die nachfolgende Anspannung wird durch Erbrechen zu
beseitigen versucht, was eine plötzliche kurzfristige Entspannung bewirkt. Eine
Psychotherapie oder klinisch-psychologische Behandlung hilft diesen
Teufelskreis zu durchbrechen.
Binge-eating-Störung
Was ist eine „binge-eating“-Störung?
Der
englische Fachausdruck „binge eating“-Störung bezeichnet eine Form der Essstörung,
bei der die Betroffenen mindestens an zwei Tagen pro Woche über sechs Monate
hindurch ein attackenartiges Essverhalten entwickeln, jedoch ohne die
anschließende Beseitigung der Nahrung durch Erbrechen oder Abführmittel, wie
dies bei der Ess-Brech-Sucht (Bulimie) der Fall ist. Das Essen erfolgt
wesentlich schneller als normal, führt zu einem unangenehmen Völlegefühl,
umfasst große Nahrungsmengen ohne Hungergefühl, findet aus Scham allein statt
und begründet Ekel- und Schuldgefühle. Die Patienten werden von ihrer Umwelt
oft jahrelang nicht als solche erkannt, entwickeln häufig ein Übergewicht und
bestehen – im Gegensatz zu den anderen Essstörungen – zu einem Drittel aus
Männern. Rund 2 % der Bevölkerung leiden unter dieser Störung, bei der innere
Spannungen, die mit Hunger nichts zu tun haben, über attackenartiges
Essverhalten abgeführt werden. Rund die Hälfte der Patienten war vorher
depressiv. Diätprogramme führen nicht zur Bewältigung, sondern nur zur
Verschärfung der Symptomatik. Die unkontrollierbaren Essanfälle können dazu
führen, dass die Betroffenen nicht mehr zur Arbeit oder zur Schule gehen und
ein soziales Abseits droht. Diese bislang unterschätzte und in der
Öffentlichkeit noch zu wenig bekannte Essstörung erfordert zu ihrer Bewältigung
oft eine psychotherapeutische Behandlung. Neben der Normalisierung des
Essverhaltens ist eine Behandlung der zugrunde liegenden seelischen Konflikte
erforderlich.
Positives Denken
Wie hilfreich ist positives Denken?
Die Bücher zum positiven Denken von Murphy und Peale
mögen zwar viele Menschen in schwierigen Zeiten aufgerichtet haben, sie führen
jedoch oft zu einem Denken, das reale Probleme und „negative“ Gefühle nicht
ausreichend ernst nimmt. Positives Denken, bei dem alles Friede, Freude,
Eierkuchen ist, begünstigt ein leichtfertiges Harmoniedenken, das Konflikte
unter den Tisch kehrt und das Leid der Welt relativiert nach dem Motto, dass
alles noch viel schlimmer sein könnte. Allzu positives Denken, das die Möglichkeit des Versagens
ausschließt, bereitet nicht auf Gefahren und mögliches Scheitern vor. Gesunder
Optimismus, der für das psychische Wohlbefinden eine große Rolle spielt, ist
etwas anderes, als die Bücher zum positiven Denken vorgaukeln. Es ist nicht alles
gut und es wird auch nicht alles gut im Leben. Der ständige Blick durch die
rosarote Brille verharmlost Gefühle wie Angst, Trauer, Enttäuschung, Wut oder
Schmerz und hilft nicht bei deren Bewältigung. Es geht vielmehr darum, die
vorhandenen Gefühle anzunehmen und konstruktiv zu verarbeiten sowie mit den
realen Schwierigkeiten und den möglichen Problemen gegenwärtig und zukünftig
besser zurechtzukommen. Man soll nicht einmal die kleinen Probleme durch
positive Umfärbeversuche leugnen, denn es könnten große daraus werden.
Positives Denken ist nur dann hilfreich, wenn es zu positivem Tun und Verhalten
führt, anderenfalls bleibt es ohne lebensverändernde Konsequenzen.
Sich selbst erfüllende Prophezeiungen
Was versteht man unter sich selbst erfüllenden Prophezeiungen?
Wir entwickeln aufgrund unserer Einstellungen und
Erfahrungen bestimmte Erwartungshaltungen; unsere Hoffnungen oder Befürchtungen
werden aufgrund entsprechender Verhaltensweisen im Laufe der Zeit zur Realität.
Dies nennt man „sich selbst erfüllende Prophezeiungen“. Der Begriff wird
gewöhnlich im negativen Sinn verstanden: Wer Fehlschläge und Enttäuschungen
erwartet, verhält sich ungewollt so, dass diese tatsächlich eintreten; wer
befürchtet, etwas nicht zu schaffen, fördert den Misserfolg; wer glaubt, von
den anderen abgelehnt zu werden, verhält sich allzu leicht so, dass dies
wirklich passiert. Diesen Teufelskreis können Sie am besten auf zweifache Weise
unterbrechen, und zwar durch eine Änderung Ihres Denkens und Ihres Verhaltens.
Analysieren Sie zuerst einmal Ihre negativen Denkmuster: Was halten Sie von
sich und der sozialen Umwelt? Woher kommen Ihre Überzeugungen und was hat sie
derart verfestigt? Nutzen Sie Ihre Erkenntnisse dann zur gezielten Änderung
Ihrer Verhaltensweisen. Akzeptieren Sie einerseits die Möglichkeit des
Misserfolgs, konzentrieren Sie sich jedoch andererseits ganz darauf, den Erfolg
zu fördern. Sagen Sie sich: "Ich kann mit mir zufrieden sein, weil ich
tue, was ich vermag. Ich gebe mein Bestes, das Weitere wird sich zeigen. Es
können unerwartete Ereignisse auftreten, ich werde jedoch versuchen, diese so
gut als möglich zu bewältigen. Die Zukunft mag unsicher sein, ich kann Sie
jedoch mitgestalten.“
Arbeit und
Erholung
Ich arbeite zu viel. Soll ich mich mehr schonen?
Das gesunde und erfolgreiche Leben
besteht in der optimalen Mischung von Anspannung und Entspannung, von Arbeit
und Erholung, von Energieeinsatz und Energieaufbau. Arbeiten Sie weiter mit
voller Motivation und ganzer Kraft, achten Sie dabei jedoch mehr als bisher auf
die rechtzeitige Erholung durch andersartige Aktivitäten, die Ihrer
Regeneration dienen und keinen neuerlichen Stress darstellen. Das Gegenteil von
Arbeit ist nicht einfach Faulenzen oder untätig herumliegen, sondern die
Stärkung Ihrer Persönlichkeit und Ihrer Ressourcen durch Aktivitäten, die Ihnen
ganz allein gut tun. Wenn Sie rechtzeitig auch an sich denken, bekommen Sie
wieder jene Kraft, die Sie im Einsatz für andere Menschen oder für Ihre beruflichen
Aufgaben benötigen. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, wo es illusorisch
ist, langfristig ohne Nachteile einfach nur zurückzuschrauben.
Spitzenleistungen und berufliche Erfolge setzen weiterhin Ihre volle
Einsatzbereitschaft voraus. Unrealistische Ausstiegsträume aus dem
Alltagsstress sind wenig hilfreich zur Bewältigung der vorgegebenen Aufgaben in
der Familie und im Beruf. Erholung ist nicht Schwäche, sondern die notwendige
Voraussetzung weiterer Leistungsfähigkeit. Was jeder von uns als Erneuerung und
Erweiterung seiner Energiereserven ansieht, ist verschieden – der eine setzt
auf Entspannungsübungen, Meditation oder Yoga, der andere geht lieber Wandern,
Radfahren oder Tanzen. Überarbeitung bewältigen Sie also nicht einfach mit
Schonung, sondern mit gezieltem Energieaufbau durch Lieblingsbeschäftigungen
ohne Stress.
Selbstwirksamkeit
Was heißt Selbstwirksamkeit?
Der auf Deutsch im ersten Moment
befremdend wirkende Begriff „Selbstwirksamkeit“ ist die wörtliche Übersetzung
des amerikanischen Ausdrucks „self-efficacy“. Diese Bezeichnung ist zu einem
Lieblingswort vieler Psychologen geworden. Er beschreibt das Vertrauen in
unsere Leistungsfähigkeit, den Glauben an unser Können, die Überzeugung, einer
Aufgabe gewachsen zu sein. Wie Menschen sich in einer bestimmten Situation
verhalten, lässt sich meist besser vorhersagen auf der Basis dessen, was sie
sich zutrauen, als durch das, was sie tatsächlich können. Ein ausgeprägtes
Gefühl der Selbstwirksamkeit ist die Basis für unseren Erfolg, macht unser Selbstvertrauen
aus, in neuen und unbekannten Situationen fähig zu sein, die gestellten
Anforderungen erfüllen zu können. Wenn wir uns für kompetent halten, denken,
fühlen und handeln wir anders als Menschen, die sich ständig als unfähig
erleben und bestimmte Herausforderungen aus Angst zu versagen vermeiden. Die
Überzeugung der Selbstwirksamkeit entwickelt sich aufgrund positiver
Erfahrungen in der Kindheit. Wer aufgrund ungünstiger Lebensumstände
diesbezüglich benachteiligt war, kann auch im späteren Leben durch regelmäßige
Auseinandersetzung mit Aufgaben mittleren Schwierigkeitsgrades sein
Erfolgserleben und damit seinen Selbstwirksamkeitsglauben fördern. Vermeiden
aus Angst zu scheitern schwächt unser Selbstbewusstsein. Neue Herausforderungen
erfolgreich bewältigen stärkt unser Selbstwirksamkeitsgefühl. Denn: Nichts
macht so erfolgreich wie der Erfolg. Auf diese Weise können wir negative
Erfahrungen aus der Kindheit zumindest teilweise kompensieren.
Flow
Was versteht man unter „Flow“?
Der amerikanische Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi
beschreibt in seinen Büchern über das Flow-Erlebnis eine allgemein menschliche
Erfahrung: Wir gehen ganz auf in bestimmten erfüllenden Tätigkeiten (z.B.
Spiel, Sport, Musik, Tanz, Hobby, Sex, Essen), ohne reflektierendes Betrachten
und Bewerten. Wir befinden uns in einem Zustand fokussierter Aufmerksamkeit,
bei dem wir ausschließlich auf eine Handlung konzentriert sind und uns selbst
und die Umwelt gar nicht bewusst wahrnehmen. Alles, was wir tun, ist von
alleine im Fluss, ist stimmig und emotional befriedigend, ohne dass wir ständig
darüber nachdenken müssen. Wir sind gefordert ohne Überforderungsgefühle. Wir
sind ganz mit der Situation verschmolzen, Raum und Zeit verblassen. Es handelt
sich um ein harmonisches Fließen bei Tätigkeiten, bei denen sich Anforderungen
und Fähigkeiten im Gleichgewicht befinden. Bei höchster Konzentration auf
Dinge, die wir gerade mit großer Begeisterung tun, sind wir gleichzeitig
entspannt und zufrieden, weil wir von allen Problemen völlig distanziert sind.
Wir haben das Gefühl der totalen Kontrolle über die Situation und unser
Verhalten, ohne dass wir uns bewusst darum bemühen müssen. Wir verzichten auf
die Kontrolle der Umwelt, die wir völlig ausblenden. Wir können sogar bei
anstrengenden Tätigkeiten voll entspannt sein, die von anderen Menschen als
Belastung angesehen werden. Erfülltes Tun kann also genau so erholsam sein wie
entspanntes Nichts-Tun.
Trainingsweltmeister
Was versteht man unter einem
„Trainingsweltmeister“?
„Trainingsweltmeister“ erbringen im Training regelmäßig
Höchstleistungen, im Wettkampf versagen sie. Sie sind dem seelischen Stress und
dem wachsenden Druck durch die Medien nicht länger gewachsen. Wenn Sportler
ihre Nervosität kontrollieren können, gehen sie zuversichtlich in einen
Wettkampf. Die besten Sportler können sich auf ihr Selbstvertrauen auch dann
verlassen, wenn es ernst wird. Sie kennen ihre sportliche Kompetenz. Sie sind
sich ihrer sozialen Anerkennung sicher – unabhängig vom Ergebnis eines
sportlichen Wettkampfs. Sie sagen sich: „Ich werde den Wettkampf gewinnen, wenn
ich mich jetzt anstrenge.“ „Trainingsweltmeister“ zweifeln an ihrem
Können. Sie gehen in einen Wettkampf, ohne an eine gute Platzierung zu glauben.
Solche Sportler müssen im Training lernen, ihren Fähigkeiten zu vertrauen. So
können sie mit Selbstbewusstsein in den Wettkampf gehen. „Trainingsweltmeister“
müssen zur Überzeugung gelangen, dass sie ihr Können unter allen Umständen
erfolgreich einsetzen können. Erfolgsmotivierte
Sportler betrachten den Wettkampf als Herausforderung. Sie freuen sich auf ein
Erfolgserlebnis. Sie glauben an ihre Fähigkeiten und hoffen auf eine gute
Platzierung. Sie können sich aber auch das Verlieren erlauben, weil sie
höchsten Einsatz geben. Sportler, die Misserfolg vermeiden wollen, gehen
gehemmt an den Start. Sie fürchten sich, weil sie sich keine Niederlage
erlauben. Bei einem Versagen würden sie vor aller Augen als schwach und unfähig
dastehen.
Überverantwortlichkeit
Ich verhalte mich als Mutter und Partnerin ständig
überverantwortlich. Was kann ich tun?
Handeln Sie verantwortungsbewusst, jedoch nicht
überverantwortlich. Es ist nicht Ihr Versagen, wenn andere ihre ureigenste
Verantwortung nicht wahrnehmen oder Fehler begehen. Erkennen Sie hinter Ihren
ständigen Sorgen und Befürchtungen um andere Menschen Ihre latente
Schuldbereitschaft, wenn diese ihren Verpflichtungen nicht gerecht werden.
Selbst wenn Sie anderen Menschen helfen, bleibt die Verantwortung für das
Versagen doch bei den anderen. Als Mutter sind Sie „nur“ dafür verantwortlich,
dass Kinder und Jugendliche das ihnen zumutbare Ausmaß an Verantwortung
erlernen – und nicht dafür, wenn Ihre Schützlinge Fehler machen, weil sie etwas
erst lernen müssen. Erkennen Sie den für Sie gefährlichen Teufelskreis: Je mehr
Sie sich als Retterin anbieten oder bereithalten, umso mehr verlassen sich die
anderen darauf. Sie brauchen sich dann nicht zu wundern, warum Sie immer wieder
einspringen müssen, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Die anderen haben
erkannt, wie sie ihr eigenes potenzielles Versagen zu Ihrem persönlichen
Scheitern machen können, wenn Sie nicht eingreifen, um zu retten, was zu retten
ist. Je mehr Hilfe Sie leisten, desto hilfloser verhalten sich die anderen. Tun
Sie nichts, was die anderen selbst tun könnten, außer Sie haben es aus
bestimmten Gründen eine Zeitlang so vereinbart.
Erektionsprobleme
Kann
man wirklich nur durch Stress Erektionsstörungen bekommen?
Ja, Männer
können durch Stress derart lustlos werden, dass ihr sexuelles Verlangen
nachlässt – oder sie möchten mit ihrer Partnerin Sex haben, erreichen jedoch
keine anhaltende Erektion. Oft beginnt erst durch die Angst, neuerlich zu
versagen, jener Stress, der zu weiteren sexuellen Misserfolgen führt. Viele
Männer können Liebe, Erotik und Zärtlichkeit nicht mehr genießen, weil sie
ständig nur mehr daran denken, wie sie im Bett die nötige „Leistung“ erbringen
können. Sie machen ihren Selbstwert ganz von ihrer sexuellen Leistungsfähigkeit
abhängig. Allzeit fähig und bereit zu sexueller Aktivität – das bestimmt das
Selbstbild vieler Männer. Hohe Leistungsfähigkeit im Beruf und
Funktionstüchtigkeit des Geschlechtsorgans beim Sex gelten oft leider als die
zwei einzigen Säulen der Männlichkeit. Die wichtigsten psychischen Ursachen für
Erektionsstörungen neben Stress sind: Versagensängste, ängstliche
Selbstbeobachtung, ablenkende Gedanken, sexuelle Lustlosigkeit, Unsicherheit,
männliche Selbstwertprobleme, Partnerschaftsprobleme und psychische
Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen. Eine Depression ist viel
häufiger die Ursache für Erektionsstörungen als alle körperlichen Faktoren
(inklusive Diabetes) zusammen. Ein Tipp: Vermeiden Sie aus Angst zu versagen
keinesfalls die körperliche Begegnung, verzichten Sie jedoch für den Zeitraum
von sechs Wochen auf den Geschlechtsakt, um über die Nähe zu Ihrer Partnerin
ohne Stress Ihr sexuelles Selbstvertrauen wieder aufbauen zu können.
Hysterie
Ist Hysterie eine
Krankheit oder ein Schimpfwort?
„Hysterie“ war früher ein
Sammelbegriff für verschiedene psychische Störungen. Von Sigmund Freud wurde in
ungebührlicher Verallgemeinerung ein sexuelles Problem als Ursache angenommen.
Als hysterische Neurose bezeichnete man körperliche Funktionsstörungen, wo ein
innerer, unlösbarer Konflikt zu einer körperlichen Symptomatik führt, wie etwa
bei einer hysterischen Gangstörung, Blindheit, Taubheit, Sprachstörung,
Schluckstörung, Körperunempfindlichkeit oder einem hysterischen Anfall. Man
sprach auch von hysterischem Dämmerzustand sowie hysterischer Gedächtnisstörung
und Halluzination, wo die geistigen Fähigkeiten durch psychische Probleme
beeinträchtigt sind. Eine hysterische Persönlichkeitsstörung hatte jemand mit
einem übererregbaren, emotional labilen, suggestiblen und theatralischen Wesen
und starkem Mittelpunktsstreben. Im Laufe der Zeit wurde jedoch aus der
Hysterie als Krankheitskategorie ein Schimpfwort, vor allem von Männern über
Frauen, sodass man diesen Ausdruck aus dem Diagnoseschema gestrichen hat.
Insbesondere wurde auch die einseitige Ursachenerklärung durch sexuelle
Probleme in Frage gestellt. Die körperlichen und geistigen Störungen auf der
Basis eines inneren Konflikts bezeichnet man heute als dissoziative Störungen,
wo bestimmte emotional belastende Aspekte aus dem Bewusstsein ausgeblendet,
abgespalten, werden. Aus der hysterischen Persönlichkeitsstörung wurde die
histrionische Persönlichkeitsstörung, wo das theatralische Verhalten im
Mittelpunkt steht. Das Wort „Hysterie“ ist in der Medizin und Psychotherapie
zwar gestrichen, die angeführten Symptome sind jedoch nach wie vor vorhanden
und behandlungsbedürftig.
Stress
Kann Stress wirklich
krank machen?
Krank machend ist nicht der Stress
an sich, sondern das Unvermögen, damit zurecht zu kommen. Wir sind heute alle
einem großem Druck ausgesetzt: im Beruf durch die Arbeitsmenge, den Zeitdruck,
die Vorgesetzten und die Arbeitskollegen, in Partnerschaft und Familie durch
die Probleme des Zusammenlebens, in der Freizeit durch Über- oder Unterforderung
an Aktivitäten, in ökonomischer Hinsicht durch die Kosten des alltäglichen
Lebens, in Bezug auf die Umwelt durch Lärm, Abgase oder Temperaturschwankungen.
Körperlich und seelisch krank machend ist vor allem jener Stress, bei dem wir
mit starken Gefühlen der Angst, Wut, Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit, ganz
allgemein also mit einem Gefühl von Kontrollverlust reagieren. Dabei wird unser
Organismus durch die Stresshormone ebenso aktiviert wie durch äußere
Anforderungen; wir reagieren jedoch nicht wie die Menschen in früherer Zeit mit
anhaltender körperlicher Aktivität und bauen damit die Anspannung nicht im
angemessenen Ausmaß ab. Dies kann vor allem zu zahlreichen psychosomatischen
Störungen führen. Zur besseren Stressbewältigung helfen ein gesundes Selbstbewusstsein
mit der Fähigkeit, Nein zu Überforderungen zu sagen, mehr Achtsamkeit auf die
eigenen Bedürfnisse, eine stabile Unterstützung vonseiten der sozialen Umwelt,
ausreichende Regenerationspausen, eine gute Zeitplanung und eine Änderung der
Einstellungen, vor allem neben dem äußeren Stress sich nicht auch noch
innerlich ständig zu stressen durch überhöhte Anforderungen an sich selbst.
Psychotherapiemethoden
Welche
der verschiedenen Psychotherapiemethoden würden Sie mir bei seelischen
Problemen am ehesten empfehlen?
Es gibt in
Österreich derzeit 21 staatlich anerkannte Psychotherapiemethoden. Die am
häufigsten eingesetzten Verfahren sind: Systemische Therapie, Klienten- bzw.
Personenzentrierte Psychotherapie, Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Integrative
Gestalttherapie, Existenzanalyse und Logotherapie. Viele erfahrene
Psychotherapeuten arbeiten integrativ, d.h. sie berücksichtigen in ihrer Arbeit
verschiedene psychotherapeutische Konzepte. Jede Psychotherapiemethode hebt
unterschiedliche Aspekte bei denselben Problemen und Symptomen hervor und geht
bei deren Bewältigung auch unterschiedlich vor. Es gibt verschiedene Wege, wie
man Leidenszustände überwinden kann. Man kann lernen, seine Einstellungen zu
ändern und seine Gefühle besser wahrzunehmen, auszudrücken und zu verarbeiten,
man kann aber auch einfach damit beginnen, neue Verhaltensweisen und
Lösungsmöglichkeiten auszuprobieren. Die Therapie kann je nach Dringlichkeit
bei gegenwärtigen Schwierigkeiten oder unverarbeiteten Erlebnissen in der Vergangenheit
ansetzen. Man kann bei Bedarf aber auch zuerst familiäre, partnerschaftliche
oder berufliche Probleme klären. Bei verschiedenen Schulen sind die Therapeuten
bewusst sehr zurückhaltend, bei anderen dagegen aktiv und unterstützend. Es
kommt darauf an, welche Bedürfnisse bei Ihnen im Vordergrund stehen – und mit
welchem Therapeuten Sie besser zurechtkommen.
Psychotherapiekosten (in
Österreich)
Wie viel kostet eine
psychotherapeutische Behandlung?
Psychotherapie
ist in Österreich seit 1991 der ärztlichen Hilfeleistung gleichgestellt und
damit eine Pflichtleistung der Krankenkassen. Seit 1992 zahlen alle
Arbeitnehmer 0,6 % der Sozialversicherungsbemessungsgrundlage für
Psychotherapie. Damit werden offensichtlich die Löcher der Krankenkassen gestopft.
Denn nach dem Scheitern der Kassenvertragsverhandlungen im Jahr 2000 gibt es
nach wie vor keine Psychotherapie auf Krankenschein für alle Versicherten. Seit
1992 zahlen alle Krankenkassen für jede anerkannte Psychotherapiemethode bei
einer Diagnose denselben Kostenzuschuss, nämlich nur € 21,80. Eine Änderung ist
in nächster Zeit leider nicht ersichtlich. Vor allem die Gebietskrankenkassen
bauen notdürftig eine psychotherapeutische Grundversorgung für die ärmeren
Bevölkerungsschichten auf – in Zusammenarbeit mit Vereinen, die wiederum mit
zahlreichen Psychotherapeuten zusammenarbeiten. Der gesetzliche Auftrag,
nämlich Kassenverträge mit einzelnen Psychotherapeuten, ähnlich wie bei Ärzten,
wird damit nicht erfüllt. Diese regional unterschiedlichen Lösungen sind unter
Psychotherapeuten sehr umstritten, denn die Aussichten auf eine kostenlose
Psychotherapie für alle bedürftigen Versicherten – und dies sind immerhin 2,5
bis 5 % der Bevölkerung – werden durch diese Provisorien möglicherweise
vermindert. Eine Psychotherapiestunde kostet etwa € 60,00 bis 150,00 – je
nachdem, zu wem man geht.
Kopfschmerzen
Warum habe ich oft Kopfschmerzen, obwohl alle Untersuchungen normal sind?
Sie
leiden höchstwahrscheinlich unter so genannten „Kopfschmerzen vom Spannungstyp“.
Dies sind die häufigsten Kopfschmerzen, die bei 15-20 % der Bevölkerung
vorkommen, bei Frauen häufiger als bei Männern. Es handelt sich dabei um eine
Sammelbezeichnung für alle Kopfschmerzen ohne Organbefund. Im Gegensatz zu
Migräne treten derartige Kopfschmerzen gewöhnlich auf beiden Seiten von Kopf
und Nacken auf. Früher sprach man von Spannungskopfschmerzen, weil man die
Ursache in einer Anspannung der Stirn- und Nackenmuskulatur sah. Derartige
muskuläre Verspannungen sind oft, aber nicht immer die Ursache dieser
Kopfschmerzform; sie können vielmehr auch deren Folge sein. Die Beschwerden
können nämlich mit einer Veränderung der Schmerzempfindlichkeit durch bestimmte
Botenstoffe des Gehirns zusammenhängen. Kopfschmerz-Patienten weisen eine
niedrigere Schmerzschwelle und -toleranz auf, sowohl während der Kopfschmerzen
als auch in schmerzfreien Intervallen. Als mögliche Ursachen gelten z.B.
psychosozialer Stress, zwischenmenschliche Probleme, Arbeitsdruck,
Angststörungen, Depressionen, Schlafdefizite bzw. Schlafstörungen. Derartige
Kopfschmerzen werden durch Aktivität nicht schlimmer. Dosierte Bewegungen bei
frischer Luft können vielmehr zur Linderung beitragen, ebenso wie
Entspannungsübungen, Biofeedback und die psychologisch-psychotherapeutische
Bewältigung der Grundprobleme.
Atypische Essstörung
Was ist eine atypische
Essstörung?
Es handelt
sich dabei um eine Magersucht (Anorexie) oder Ess-Brech-Sucht (Bulimie), die
nicht alle Merkmale dieser Diagnose erfüllt. Bei einer atypischen Anorexie
können Schlüsselsymptome, wie etwa deutliche Angst vor dem zu Dicksein oder das
Ausbleiben der Menstruation fehlen. Bei einer atypischen Bulimie können
wiederholte Essanfälle und übermäßiger Gebrauch von Abführmitteln auftreten
ohne erhebliche Gewichtsveränderungen, oder es fehlt die typische übertriebene
Sorge um Körperform und Gewicht. Eine atypische Anorexie besteht am häufigsten
bei Frauen mit einer Depression, die ohne die Grundangst zu dick zu sein oder
zu werden und ohne Einschränkung der Nahrungsmitteln aus Kaloriengründen
beispielsweise bewusst oder unbewusst abnehmen mit dem Ziel, auf ihre Lage
aufmerksam zu machen. Eine atypische Bulimie kann ohne die Angst um die Figur
und ohne ständige Beschäftigung mit dem Essen erst seit einigen Wochen bestehen
mit dem Ziel, momentane innere Spannungen durch Essen auf einen Höhepunkt zu
bringen, um anschließend das angenehme Gefühl der Entspannung in einer aktuell
schwierigen Situation zu erleben. Eine atypische Bulimie kann etwa auch bei
Menschen auftreten, die unter bestimmten Umständen sehr impulsiv reagieren und
über die Bulimie ihre Anspannung über eine bulimische Attacke abbauen. Ein
Fressanfall ohne Erbrechen (binge-eating behavior) ist keine atypische, sondern
eine „nicht näher bezeichnete“ Essstörung.
Psychische Erkrankungen
Wie häufig sind
psychische Krankheiten?
Gegenwärtig leidet mindestens
jeder Zweite, im Laufe eines Jahres jeder Dritte, im Laufe des Lebens sogar
jeder Zweite unter einer psychischen Störung. Aktuell weisen 10 % der
Bevölkerung eine Depression und 9 % eine Angststörung auf. Jeder Dritte geht
zum Arzt mit körperlichen Symptomen, die keine oder keine ausreichende
organische Ursache haben, oft stehen psychische und psychosoziale Probleme
dahinter. Jeder Vierte klagt über Schlafstörungen, mindestens jeder Dritte über
sexuelle Funktionsstörungen. In der westlichen Bevölkerung haben irgendwann in
ihrem Leben – je nach Studie – 20-30 % eine Depression, 15-25 % eine
Angststörung, 17 % eine Alkoholabhängigkeit oder einen schädlichen Alkoholgebrauch,
2-5 % eine posttraumatische Belastungsstörung, 2-3 % eine Zwangsstörung, 1 %
eine Schizophrenie. Depressionen sind weltweit im Vormarsch. Im Jahr 2020
werden die Depressionen nach den Herzkreislauf-Erkrankungen die zweithäufigsten
Krankheiten sein. Frauen bekommen 2-3mal häufiger Depressionen und
Angststörungen als Männer. Während die Krankenstände insgesamt im Sinken
begriffen sind, sind die psychisch bedingten Krankenstände stark ansteigend,
ebenso die psychisch bedingten vorzeitigen Pensionierungen. Die Mehrzahl der
psychisch Kranken ist sowohl medikamentös als auch psychotherapeutisch
unterbehandelt.
Bio-psycho-soziales
Krankheitsmodell
Was versteht man unter dem bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell?
Alle physischen und psychischen Krankheiten haben
körperliche, seelische und soziale Aspekte. Schwere körperliche Erkrankungen,
wie etwa Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs haben neben den
körperlichen Ursachen und Folgen oft auch psychische Folgen, wie etwa
depressive oder ängstliche Zustände, Verminderung des Selbstwertgefühls, oder
soziale Folgen, wie etwa Verlust des Arbeitsplatzes, sozialer Abstieg,
ökonomische Nachteile, notwendige, aber ungewollte Pensionierung. Es können
aber auch seelische und soziale Probleme zur Auslösung, Aufrechterhaltung oder
Verschlimmerung primär körperlicher Krankheiten beitragen, wie etwa bei vielen
Hautkrankheiten, sodass rein medizinische Behandlungen nicht jene
Behandlungserfolge bringen, wie diese sonst zu erwarten sind. Bei
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs wirken sich psychosoziale Faktoren wie
eine gute soziale Unterstützung durch Angehörige oft sehr positiv auf die
Genesung aus. Psychische Störungen können wiederum durch soziale Faktoren
ausgelöst oder verschärft werden, wie etwa eine Scheidung, der Tod eines
geliebten Menschen oder eine Kündigung nach langer Betriebszugehörigkeit.
Selbst ursprünglich rein psychisch bedingte körperliche Fehlfunktionen oder
Muskelverspannungen können später zu hartnäckigen körperlichen Störungen
führen. Bei vielen körperlichen und psychischen Erkrankungen ist daher
gleichzeitig eine medizinische, psychotherapeutische oder
klinisch-psychologische Behandlung erforderlich.
Sport und Psyche
Hilft Sport bei seelischen Problemen?
Regelmäßige
Bewegung ist nicht nur gut für die Figur, das Herz-Kreislaufsystem und die
Kondition im Allgemeinen, sondern auch für die Psyche. Es ist mittlerweile
durch zahlreiche Studien erwiesen, dass Sport und jede Form von körperlicher
Betätigung bei psychischen Problemen sehr hilfreich sein kann, ausgenommen
natürlich Phasen völliger körperlicher Erschöpfung. Bei psychischen Störungen
bestehen aufgrund des ständigen Grübelns und der gefühlsbedingten inneren
Anspannung oft schon chronische muskuläre Verspannungen, die durch regelmäßige
Bewegung abgebaut werden können. Die mit dem Sport einhergehenden Vorgänge im
Gehirn führen zur Verbesserung der Stimmung, der seelischen Belastbarkeit und
der Schmerztoleranz. Ausdauersport ist hilfreich bei Angststörungen. Depressionen,
psychosomatischen Störungen, Suchtproblemen und Schmerzstörungen. Das positive
körperliche Selbsterleben stärkt auch das Selbstwertgefühl. Viele Depressive
und Angstpatienten denken „Sobald ich mich besser fühle, werden ich wieder
aktiver sein“. Es gilt vielmehr der umgekehrte Spruch: „Betätigen Sie sich
regelmäßig körperlich, und Sie werden sich auch seelisch wieder besser fühlen!“
Die körperliche Verausgabung bei sportlicher Betätigung führt bald zu mehr
Vitalität als vorher. Bei leichteren psychischen Störungen kann regelmäßige
sportliche Betätigung so hilfreich sein wie eine Psychotherapie oder eine
medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva.
Altersdepression
Was ist eine Altersdepression?
Rund 15 % der über 60-Jährigen leiden unter einer Altersdepression, die die
häufigste psychiatrische Erkrankung der älteren Bevölkerung darstellt. Vor
allem bei Männern wird die Störung nicht rechtzeitig erkannt, weil viele
Betroffene eher missmutig, ärgerlich und aggressiv wirken. Wenn ältere Menschen
recht apathisch-teilnahmslos erscheinen, werden sie von den Angehörigen nicht
selten als dement fehlbeurteilt. Viele Betroffene gehen auch aber bei rascherer
Diagnose nicht gerne zu Ärzten, um eine hilfreiche Behandlung zu erhalten. Die
zentralen Kriterien einer Depression gelten auch für ältere Menschen, doch
stehen oft spezielle Beschwerden und Ursachen im Vordergrund. Typische Symptome
sind Antriebsmangel, Freudlosigkeit, Schlaflosigkeit, Gewichtsverlust,
Gliederschmerzen, Verlust der geistigen Fähigkeiten wie Merkfähigkeit und
Konzentration, Versiegen von Mimik und Gestik, Verfolgungsgefühle in Verbindung
mit sozialem Rückzug. Die Ursachen liegen vor allem in Vereinsamung, Verlust
von Bezugspersonen, sozialen Rollen, Aufgaben und eigener Wohnung sowie in
zermürbenden körperlichen Erkrankungen. Eine kombinierte Therapie mit
Antidepressiva, Psychotherapie und sozialen Integrationsbemühungen bietet
Aussicht, die Lebensqualität zu steigern.
Nichtstoffgebundene Süchte
Was versteht man unter „nichtstoffgebundenen
Süchten“?
Oft werden den stoffgebundenen Süchten (Alkohol-,
Drogen-, Medikamenten-, Nikotin- und Koffeinabhängigkeit), die heute als
„Substanzabhängigkeit“ bezeichnet werden, die nichtstoffgebundenen Süchte
gegenübergestellt: Esssucht, Arbeitssucht, Spielsucht, Kaufsucht, Sexsucht,
Fernseh-, Computer- und Internetsucht. Die „Sucht ohne Drogen“ weist –
abgesehen von den körperlichen Entzugserscheinungen und den körperlichen
Folgewirkungen mit Organschäden bei chronischem Drogenkonsum – durchaus einige
Gemeinsamkeiten mit den substanzgebundenen Süchten auf: Kontrollverlust, Gewöhnung mit
nachlassender Wirkung und Steigerung der Häufigkeit, psychische
Entzugserscheinungen, Einengung der Interessen mit dem Suchtmittel als
zentralem Lebensinhalt, negative soziale Folgen (finanzieller Ruin, zerrüttete
Sozialbeziehungen, schulische und berufliche Leistungsstörung). Stoffgebundene
Süchte kann man durch vollständigen Verzicht darauf überwinden, während bei
stoffungebundenen Süchten der richtige Umgang damit erlernt werden muss, z.B.
mithilfe einer Psychotherapie. Die Betroffenen müssen herausfinden, welche
Bedürfnisse und Motive hinter ihrer Sucht stehen, um gesunde Alternativen
entwickeln zu können.
Dysthymie
Meinem Mann geht es seit Jahren dauernd
psychisch schlecht. Er hat jetzt die Diagnose „Dysthymie“ erhalten, die wir
noch nie gehört haben.
Die erst seit einigen Jahren gebräuchliche Diagnose
„Dysthymie“ ist nur eine neue Bezeichnung für eine altbekannte Erkrankung, die
früher „neurotische Depression“ (mit einer Dauer von mehr als zwei Jahren)
genannt wurde. Es handelt sich dabei um eine lang dauernde depressive
Verstimmung, die nicht so ausgeprägt ist, dass sie die Kriterien für eine
rezidivierende (wiederholte) depressive Störung erfüllt. Sie beginnt gewöhnlich
im frühen Erwachsenenalter und dauert mindestens mehrere Jahre, manchmal
lebenslang an. Während eine typische Depression episodenhaft (mit abgrenzbaren
Phasen) verläuft, ist eine Dysthymie eine chronische depressive Verstimmung mit
nur kurz (maximal einige Wochen) dauernden Stimmungsaufhellungen. Die
Betroffenen haben einen verminderten Antrieb, eine depressive Stimmung ein
geringes Selbstvertrauen, grübeln viel, weinen leicht, sind pessimistisch,
haben oft Konzentrationsstörungen, sind ständig müde und bei Anstrengungen
rasch überfordert, schlafen schlecht und leben sozial zurückgezogen, können
aber die wichtigsten Anforderungen des Alltagslebens ohne Krankenstand
erfüllen. Psychotherapie und Antidepressiva sind gleichermaßen hilfreich.
Sexuelle
Funktionsstörungen
Wie kann Angst eine sexuelle Funktionsstörung bewirken?
Angst
haben bedeutet, sich vor etwas in der nahen Zukunft zu fürchten, anstatt ganz
in der Gegenwart zu leben und alles weitere vertrauensvoll auf sich zukommen zu
lassen. Angst ist in diesem Sinn der Gegenspieler der Lust. Mit allen Sinnen
genießen, entspannt sein, sich fallen lassen, im Augenblick verweilen, im Hier
und Jetzt aufgehen, sich voll und ganz auf den Partner bzw. die Partnerin
konzentrieren steht im Gegensatz zu dem, was sexualängstliche Personen
regelmäßig tun, nämlich sich vorstellen, wie man sexuell versagen und sich
damit blamieren wird, vielleicht sogar vom Partner abgelehnt wird. Die
Betroffenen beschäftigen sich ständig damit, wie sie richtig funktionieren und
sexuelles Versagen vermeiden können, d.h. sie kreisen ständig um sich selbst
und ihren Körper, anstatt sich auf die Reize des Gegenüber einzulassen. Die
ständige negative Selbstbeobachtung führt zu einer allgemeinen körperlichen
Anspannung, die sich in sexueller Hinsicht so auswirkt, dass durch die
muskuläre Verspannung im Genitalbereich der Blutzufluss vermindert wird. Die
vermehrte Durchblutung der Geschlechtsorgane ist aber gerade die Voraussetzung
für das Gefühl der sexuellen Erregung. Viele sexualängstliche Männer, die ohne
medizinische Notwendigkeit ein Potenzmittel einnehmen, „funktionieren“ aufgrund
eines Placebo-Effekts: Der Glaube an die Wirksamkeit des Mittels erleichtert
die Konzentration auf die Gegenwart und die Partnerin.
Ursachen von Panikattacken
Ich bin organisch gesund,
rauche und trinke nicht. Wie kann ich meine Panikattacken erklären?
Panikattacken sind oft
Nach-Stress-Phänomene. Sie entstehen gewöhnlich nach länger dauerndem Stress,
meist in Form einer Kombination von psychosozialen und körperlichen
Belastungen. Familiäre bzw. partnerschaftliche Konflikte sowie berufliche
Überforderungen haben zu einer Daueranspannung geführt, die in der Ruhephase in
eine plötzliche körperliche Entladung übergeht, begleitet von Gedanken, dass die
erlebten körperlichen Zustände von Herzrasen, Atemnot oder Schwindel
lebensgefährlich sein könnten. Manchmal ist gleichzeitig auch ein
leichtes körperliches Unwohlsein gegeben, das den Körper zusätzlich geschwächt
hat. Panikattacken treten daher erstmals oft am Abend, beim Einschlafen, am
Wochenende, in den ersten Urlaubstagen, beim angenehmen Sitzen vor dem
Fernsehapparat zu Hause, beim erholsamen Bummeln im Supermarkt oder beim an
sich entspannenden Autofahren auf der Autobahn auf. Häufig sind Panikattacken
auch Ausdruck von Wut und Ärger, der nicht ausgedrückt wird, um soziale
Anspannungen zu vermeiden. Die objektiv ungefährlichen, subjektiv jedoch als
bedrohlich erlebten Symptome führen später häufig zur ständigen Angst vor der
Angst – und damit zu einer Daueranspannung.
Unnötige Angst
Wie besiege ich meine
Angst, wenn ich weiß, dass sie unnötig ist?
Emotionen, aber auch krankhafte
Gefühle, wie etwa Angststörungen und Depressionen, lassen sich nicht einfach
durch unseren Verstand und unseren Willen steuern. Dies hängt mit der Struktur
unseres Gehirns zusammen, das im Wesentlichen aus drei Teilen besteht. Der
untere Teil des Gehirns steuert die Wachheit, die Instinkte und automatischen
Reaktionen: Alles Neue und Ungewohnte alarmiert uns reflexhaft, bis wir uns
durch Gewöhnung beruhigen. Im mittleren Teil des Gehirns werden unsere Gefühle
aktiviert, z.B. bei Erinnerung an unangenehme Erlebnisse oder angesichts
ungewohnter Situationen. Der obere Teil des Gehirns enthält das spezifisch
menschliche Hirn mit seinem Denk- und Selbststeuerungsvermögen. Aufgrund der
biologischen Grundlagen können Sie Angst. nie besiegen oder beseitigen, sondern
nur bewältigen lernen. Nach einer reflexhaften Angstreaktion und einer
körperlichen Aktivierung durch Ihre Gefühle sagt Ihnen Ihr Großhirn, dass Sie
sich nicht zu fürchten brauchen. Dann werden Sie schnell ruhig. Sie müssen also
lernen, die erste Angstreaktion zu tolerieren und gleichzeitig das zu tun, was
Sie möchten, ohne ständig gegen Ihre Angst zu kämpfen.
Schmerzstörung
Ich bin 49 Jahre alt und leide seit langem unter Kopf-, Rücken- und
Gliederschmerzen mit wechselnder Stärke, doch die Ärzte finden nichts. Wie ist
dies möglich?
Sie leiden
wahrscheinlich unter einer so genannten „anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung“. Darunter versteht man andauernde, schwere und quälende
Schmerzen ohne bzw. ohne ausreichende organische Ursachen, die seit mindestens
einem halben Jahr bestehen. Schmerz gilt grundsätzlich als Symptom für eine
Krankheit. Wenn die Schmerzen jedoch selbst zum Problem geworden sind, spricht
man von einer Schmerzstörung. Derartige Schmerzen sind keineswegs eingebildet
und können genau so wehtun wie organisch bedingte Schmerzen. Sie entstehen
meist durch Verspannung der Muskulatur und durch eine erhöhte
Schmerzsensibilität der Betroffenen und werden oft durch eine gleichzeitig
gegebene Depression verstärkt. Die Schmerzen hängen meist mit psychosozialen
Problemen (Familie, Beruf) oder emotionalen Faktoren (z.B. Ärger, Traurigkeit)
zusammen. Neben einer medizinischen Behandlung sollten Sie unbedingt auch eine
psychosomatische Behandlung an einer psychosomatischen Abteilung machen, wo
alle möglichen Aspekte, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten berücksichtigt
werden. Derartige Schmerzen erfordern eine multiprofessionelle Behandlung durch
ein stationäres oder ambulantes Behandlungsteam.
Konzentrationsstörungen
Warum kann ich mich oft nicht konzentrieren, auch wenn ich dies unbedingt
möchte?
Eine
Konzentrationsstörung ist immer eine Überkonzentration auf zu vieles zugleich
statt einer Einengung der Aufmerksamkeit auf nur das, was gerade jetzt zu tun
ist. Anders formuliert: Es fällt schwer, im Moment unpassende, irrelevante
Reize auszublenden. Der Filter zur Abschirmung gegenüber störenden inneren und
äußeren Reizen funktioniert nicht richtig. Bei Depressionen, Angstzuständen,
Schmerzen oder großem Stress beschäftigen uns viele negative Gedanken,
ängstliche Vorstellungen, belastende oder aufwühlende Gefühle, unangenehme
körperliche Zustände und psychosoziale Belastungen, die die Lenkung der
Aufmerksamkeit auf die aktuelle Tätigkeit, wie z.B. Zeitung lesen, Fernsehen
oder ein Gespräch führen, erschweren. Überlegen Sie, was Sie erheblich belasten
könnte. Haben Sie Sorgen oder Befürchtungen? Grübeln Sie viel über alles
Mögliche? Eine erhebliche Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörung lässt sich
nicht einfach durch einen starken Willen überwinden, sondern erfordert eine
Behandlung der Ursachen. Verbessern Sie Ihre Konzentration durch leises
Mitsprechen beim Lesen, reden Sie aber auch einmal mit einem Klinischen
Psychologen oder Psychiater über ihr Problem.
Chronisches
Erschöpfungssyndrom
Ich bin ständig müde und rasch erschöpft, aber weder körperlich noch
seelisch krank. Was kann ich tun?
Wenn
Sie nach ärztlicher Beurteilung tatsächlich keine körperliche Erkrankung und
auch keine psychische Störung haben, vor allem keine Depression, aber auch kein
reines Burn-out, könnten Sie unter einer raschen Ermüdbarkeit bei nur
geringfügiger körperlicher oder geistiger Tätigkeit leiden. Fachleute
bezeichnen heute als „chronisches Erschöpfungssyndrom“ (englisch „chronic
fatigue syndrome“), was früher „Neurasthenie“ (Nervenschwäche) genannt wurde.
Die Betroffenen weisen eine erhöhte Sensibilität gegenüber jeder Form von
Stress auf. Nach vielen anderen Experten, vor allem in den USA, handelt es sich
bei rascher Ermüdbarkeit um keine eigenständige Krankheit, sondern um eine
Variante der so genannten undifferenzierten Somatisierungsstörung. Dabei stehen
verschiedene körperliche Symptome ohne eindeutige organische oder psychische
Ursache im Vordergrund. Achten Sie anstelle von ständiger Schonung auf dosierte
körperliche Betätigung und stellen Sie sich auch wieder geistigen
Herausforderungen, jedoch mit mehr Pausen. Unterforderung ist ebenso schlecht
wie Überforderung.
Kaufsucht
Mein Mann meint, dass ich, eine 43-jährige Mutter, kaufsüchtig bin, weil
ich besonders vor Weihnachten für alle möglichen Leute viel mehr Geld ausgebe,
als ich verdiene. Stimmt das?
Kaufsucht
ist ein relativ häufiges Phänomen. Es betrifft 5 % der Erwachsenen, davon sind
80 % Frauen. Weihnachten ist nicht Ursache einer Kaufsucht, sondern eine
Gelegenheit dazu. Vermehrte Weihnachtseinkäufe machen aber noch lange keine
Kaufsucht aus. Bei einer Kaufsucht geht es im eigentlichen Sinne des Wortes um
süchtiges Erleben. Der Akt des Kaufens ermöglicht einen „Kick“, einen
Rauschzustand wie eine Droge, ein Hochgefühl, ein euphorisches Glücksgefühl,
eine Stärkung des Selbstwertgefühls, eine persönliche Befriedigung, eine
Stimulierung in einem sonst oft wenig befriedigenden Leben, ein Ausfüllen einer
inneren Leere, einen Abbau innerer Anspannungen, eine Flucht vor einem Gefühl
der Ohnmacht in eine Fantasie von Macht und Einfluss, nicht selten eine Abwehr
depressiver Stimmungen. Im Mittelpunkt einer Kaufsucht steht das Kaufen selbst,
nicht das spätere Genießen der gekauften Produkte, schon gar nicht die Freude
am geplanten Verschenken an andere. Erkennen Sie sich da wider? Wenn nein, dann
sollten Sie überlegen, warum Sie anderen Menschen über Ihre finanziellen
Möglichkeiten hinaus so viel schenken möchten. Haben Sie vielleicht eher „die
Sucht, gebraucht zu werden“, das Bedürfnis, dass Sie alles tun müssen für das
Wohlergehen der anderen?
Generalisierte
Angststörung
Ich habe als Mutter ständig Angst, dass im Lebensalltag oder in meiner
Familie irgendetwas Unvorhersehbares passieren könnte. Wie kann ich mich
beruhigen?
Sie sind in guter Gesellschaft! Viele Frauen leiden unter
derartigen Ängsten, die als „Generalisierte Angststörung“ bekannt sind, wenn
sie ein krankheitswertiges Ausmaß erreichen. Die Betroffenen haben dann
mindestens ein halbes Jahr lang andauernde, übertriebene, unrealistische und
unkontrollierbare Sorgen, Ängste und Befürchtungen in Bezug auf vielfältige
Aspekte des Lebens. Die häufigsten Sorgen beziehen sich auf die Familie, die
Arbeit, die Ausbildung, die finanzielle Lage oder die Gesundheit. Andere Menschen
haben durchaus ähnliche Befürchtungen, leiden aber hinsichtlich Zeitdauer und
Intensität nicht so darunter wie jene, die einen permanent erhöhten Angstpegel
haben. Dieser bewirkt zahlreiche geistige und körperliche Symptome wie etwa
Konzentrationsstörungen, Schlafstörung, Schwindel, Benommenheit, Atemnot,
Herzrasen, Schwitzen, Hitzewallungen oder Frösteln, muskuläre Verspannung oder
Magen-Darm-Beschwerden. Viele Betroffene werden als depressiv
fehldiagnostiziert, was bei länger dauernden Angstzuständen durchaus noch
dazukommen kann. Seien Sie sich bewusst, dass Sie das Beste getan haben, um
sich bei unerwarteten Ereignissen nicht schuldig fühlen zu müssen. Führen Sie
Ihren inneren Angstfilm zu Ende: Lassen Sie den Katastrophengedanken zu,
akzeptieren Sie, dass immer etwas schief gehen kann und entwickeln Sie mit
Ihrer bildhaften Vorstellungskraft mindestens drei positive Ausgänge.
Krankheitsängste
Was kann man Menschen mit Krankheitsängsten
raten?
Man kann mindestens zwei Gruppen von Menschen mit Krankheitsängsten
unterscheiden, für die jeweils unterschiedliche Ratschläge gelten.
Krankheitsängstliche Personen mit phobischem Vermeidungsverhalten weichen oft
allen krankheitsbezogenen Informationen und Untersuchungen aus – aus Angst, sie
könnten sich nur unnötig erregen. Vor allem Männer halten sich an das Motto:
„Es wäre schlimm, wenn ich krank wäre, nur nicht daran denken.“ Sie verdrängen
ihre Besorgtheit um die Gesundheit und weichen sinnvollen medizinischen
Untersuchungen und Vorsorgemaßnahmen aus, weil sie der Krankheitsgefahr nichts
in Angesicht blicken möchten. Dieser Personengruppe muss man empfehlen, bei
Symptomen und ab einem bestimmten Alter zum Arzt zu gehen – lieber einmal zu
viel als gar nicht! Krankheitsängstliche Personen mit zwanghaftem Kontrollverhalten
des Körpers – gewöhnlich als „Hypochonder“ bezeichnet“ – sind das Gegenteil
davon. Sie nehmen das medizinische Versorgungssystem ständig wegen derselben
oder wechselnder Krankheitsängste in Anspruch, indem sie verschiedene
Allgemeinmediziner, Fachärzte und Krankenhäuser aufsuchen – nach dem Motto:
„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“. Sie können der Versicherung der
Ärzte, gesund zu sein, nur kurzzeitig glauben. Dieser Personengruppe muss man
raten, medizinische Untersuchungen nur in dem Ausmaß vornehmen zu lassen, als
die aufgesuchten Ärzte dies für notwendig erachten.
Gefühle rauslassen?
Soll man seine Gefühle immer rauslassen, damit man nicht psychosomatisch
krank wird?
Heute heißt es oft: „Lass deine Gefühle raus, sonst wirst
du psychisch oder psychosomatisch krank.“ Sicherlich führt die Verdrängung oder
Unterdrückung von Gefühlen häufig zu psychosomatischen Störungen. In der
angeführten Vereinfachung stimmt dieser Satz jedoch sicher nicht. Seine Wut
ungehemmt rauslassen kann durch die Überflutung des Körpers mit Stresshormonen
den Zustand der negativen Emotionen und der körperlichen Verspannung
verschlimmern und verlängern. Mehr weinen als bisher kann sich seelisch noch
negativer auswirken. Anstelle der Abreaktion kann sich im Gehirn eine
Verstärkung der negativen Gefühle ergeben, wie aus der Gehirnforschung bekannt
ist. Seinen Ärger ungebremst anderen Menschen gegenüber zu äußern, führt
außerdem zu unnötigen Beziehungsproblemen. Gefühle sind ein Signal: sie weisen
uns auf etwas hin, wollen uns zum Handeln bewegen und drücken eine bestimmte
Befindlichkeit anderen Menschen gegenüber aus. Es ist daher sehr wichtig, die
momentanen Gefühle wahrnehmen und verarbeiten zu lernen. Tagebuch schreiben
oder innerlich mit sich sprechen können diesbezüglich hilfreiche Wege sein.
Danach kann man entscheiden, welche negativen Gefühle man konstruktiv
rauslassen will. Neben der Verminderung der „negativen“ Gefühle wie Wut, Angst
und Trauer ist die Vermehrung der positiven Emotionen wie Freude, Zufriedenheit
und Glücksgefühle für die psychische Gesundheit mindestens ebenso wichtig.
Welche Therapie?
Ich, 41, weiblich, verheiratet, leide unter Depressionen und
Partnerproblemen. Soll ich eine Einzel- oder Paartherapie machen?
Nach
dem Sprichwort „Viele Wege führen nach Rom“ sind beide Wege zielführend. Bei
erheblicher Depression empfiehlt sich zuerst jedoch meist eine Einzeltherapie,
am besten in Verbindung mit Antidepressiva, um eine rasche Stabilisierung zu
erreichen. Auf diese Weise erreichen Sie zuerst einmal eine bessere Beziehung
zu sich selbst als Voraussetzung für eine bessere Beziehung zu Ihrem Partner.
Wenn Sie wieder wissen, was Sie wert sind, was Sie wollen und können und
was nicht, was Sie für sich selbst mehr tun sollten als bisher, sind Sie besser
in der Lage, dies Ihrem Partner gegenüber auch auszudrücken. Bei leichterer
Depression bzw. hoher Bereitschaft Ihres Partners ist bereits zu Beginn eine
Paartherapie aussichtsreich, ohne dass Sie daneben Antidepressiva und hinterher
auch noch eine Einzeltherapie brauchen würden. Dennoch ist es öfter auch
zielführend, nach einer kürzeren Paartherapie bei Bedarf anschließend auch eine
Einzeltherapie zu machen, um Probleme zu bewältigen, die nicht primär mit der
Partnerschaft zusammenhängen. Von einer gleichzeitigen Einzel- und Paartherapie
ist wegen möglicher Komplikationen eher abzuraten.
Platzangst und abhängige Persönlichkeitsstörung
Ich, 36, weiblich, bin wegen Platzangst in Psychotherapie. Laut Therapeutin
habe ich eine dependente Persönlichkeitsstörung. Was bedeutet das für die
Behandlung?
Menschen
mit Platzangst (Fachausdruck „Agoraphobie“) waren früher durchaus sehr
selbstständig und haben das Leben alleine gemeistert. Sie haben jedoch im Laufe
der Zeit – oft als Folge von Panikattacken – ihre Bewegungsmöglichkeiten
eingeschränkt, weil sie fürchten, es könnte ihnen etwas passieren, wenn sie
allein unterwegs sind. Durch die Platzangst sind sie von der Anwesenheit von
Vertrauenspersonen abhängig geworden. Menschen mit einer abhängigen oder dependenten
Persönlichkeitsstörung haben unabhängig von Ängsten deutliche Abweichungen im
Wahrnehmen, Denken, Fühlen und in Beziehungen zu anderen Menschen und
waren oft schon seit vielen Jahren auf zentrale Bezugspersonen angewiesen. Sie
haben Schwierigkeiten, das Alleinsein zu ertragen, eigenständige Entscheidungen
für ihr Leben zu treffen, auf sich selbst gestellt zu leben, ihre Bedürfnisse
angemessen zu äußern und trotz Angst vor Verlassenwerden auch durchzusetzen.
Die Betroffenen müssen klären, wie unabhängig und selbstständig sie nach der
Überwindung ihrer Platzangst leben möchten bzw. können und benötigen
diesbezüglich eine weitere Therapie.
Psychologische Behandlung bei chronischen Rückenschmerzen
Ich leide seit 15 Jahren unter chronischen Rückenschmerzen und habe medizinisch schon alles versucht. Kann eine psychologische Behandlung helfen?
Jeder Fünfte leidet heute
unter chronischen Schmerzen. Eine psychologische Behandlung, vor allem mit den Methoden
einer verhaltenstherapeutischen Psychotherapie hat sich in vielen
Spezialkliniken als unverzichtbarer Bestandteil einer umfassenden
Schmerzbehandlung erwiesen und ist nach neuesten Studien so wirksam wie eine
medikamentöse Behandlung. Unleugbares Faktum ist und bleibt jedoch: Chronische
Schmerzen verschwinden nicht, man kann jedoch lernen, besser damit zurecht zu
kommen, sodass man weniger darunter leidet. 80-90 % der chronischen
Rückenschmerzen sind unspezifisch, d.h. ein operativer Eingriff wird mangels
spezieller Ursachen keinen Erfolg bringen. Psychosomatisch orientierte
Behandlungskonzepte umfassen ein Entspannungstraining zum Abbau körperlicher
und psychischer Verspannungen, einen gestuften Aktivitätsaufbau zur Vermeidung
von schädlicher Schonung, ein Training zur Lenkung der Aufmerksamkeit
(Abwendung vom schmerzenden Körper und Hinwendung auf anregende
Umweltsituationen bzw. Zuwendung auf den Körper in Verbindung mit positiven
Vorstellungen) sowie eine Änderung negativer Denkmuster und belastender
Lebensbedingungen in Familie, Partnerschaft und Beruf.
Entspannung
Ich bin immer so angespannt. Wie kann ich mich am besten entspannen lernen?
Häufige
Antworten auf diese Frage sind: Lernen Sie eine der bekannten Entspannungsmethoden
wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, bestimmte
Atemtechniken, verschiedene Meditationsformen, Yoga, Tai Chi, Qi Gong u.a. Es
handelt sich dabei sicherlich um einige der besten Techniken, doch es gibt auch
viele andere Möglichkeiten, innerlich abzuschalten und eine erholsame
Abgrenzung gegenüber der Umwelt und verschiedenen Belastungen des Lebens zu
erreichen. Jede Entspannung beruht eigentlich auf einem ganz einfachen
Grundprinzip: Engen Sie Ihre Aufmerksamkeit auf einen ganz bestimmten Punkt ein
– auf einen aufbauenden Gedanken, ein beruhigendes Bild, einen angenehmen Ton,
ein faszinierendes Musikstück, ein gutes Buch, einen unterhaltsamen Film, eine
kreative Betätigung, eine sportliche Aktivität, die momentane Art der Atmung.
Kämpfen Sie dabei nicht gegen einströmende „Störgeräusche“ wie Ihre negative
Gedanken, Gefühle und Vorstellungen, weil Sie diese damit erst recht
festhalten, sondern konzentrieren Sie sich immer wieder neu auf das, was Sie
gerade tun bzw. tun möchten. Je besser Ihnen dies gelingt, umso mehr schalten
Sie inneren und äußeren Stress aus ohne besondere Anstrengung.
Psychosomatische Krankheiten
Was
sind "psychosomatische Krankheiten"?
Als
psychosomatische Krankheiten bezeichnet man körperliche Krankheiten, die durch
psychische und soziale Faktoren ausgelöst, aufrecht erhalten und verstärkt,
d.h. verschlimmert werden. Es bestehen krankhafte körperliche Veränderungen,
deren Auftreten, Ausmaß und Verlauf durch innere Zustände (ständige Anspannung,
Stress, Sorgen, Ängste, Depressionen u.a.) und äußere Umstände (starke
Belastungen durch Partnerschaft, Familie, Beruf, finanzielle Situation u.a.)
negativ beeinflusst werden. Es handelt sich dabei nicht – wie manchmal noch
immer behauptet wird – um körperliche Erkrankungen, die allein durch seelische
Faktoren verursacht werden. Ohne organisches Entgegenkommen durch eine
bestimmte körperliche Erkrankungsbereitschaft (z.B. im Herz-, Magen- oder
Darmbereich durch konstitutionelle oder erworbene Gegebenheiten) entwickelt
sich bei noch so viel familiärem und beruflichem Stress keine körperliche
Erkrankung, zumindest nicht genau jene, die dann tatsächlich ausbricht.
Einseitig psychogene Erklärungen sind für die Heilung psychosomatischer
Krankheiten ebenso schädlich wie rein organische Theorien. Fachleute vertreten
heute allgemein ein bio-psycho-soziales Krankheitsverständnis, wo biologische,
psychologische und soziale Faktoren gleichermaßen berücksichtigt werden.
Klinisch-psychologische Behandlung und Psychotherapie
Was ist der Unterschied
zwischen klinisch-psychologischer Behandlung und Psychotherapie?
Beide
Behandlungsformen sind zwar einander ähnliche psychosoziale Dienstleistungen,
weisen jedoch feine Unterschiede auf, die für Nicht-Fachleute nicht gleich
verständlich sind. Klinisch-psychologische Behandlung wird von Klinischen
Psychologen ausgeübt, die zuerst das Studium der Psychologie und danach das
Curriculum zum Klinischen Psychologen absolviert haben, das aus einer
speziellen theoretischen und praktischen Ausbildung besteht. Die Behandlung
beruht auf der Anwendung der verschiedenen Teilgebiete der Psychologie, wobei
auch Elemente bestimmter Psychotherapiemethoden (oft Verhaltenstherapie)
verwendet werden. Psychotherapie wird von Vertretern verschiedener
Berufsgruppen (z.B. Ärzten, Lehrern, Sozialarbeitern, medizinisch-technischen
Berufen, aber auch Psychologen) ausgeübt, die eine der derzeit 22 staatlich
anerkannten Psychotherapiemethoden in einer mehrjährigen Ausbildung erlernt
haben. In freier Praxis übernehmen die Krankenkassen für Psychotherapie einen
bescheidenen Kostenzuschuss (mehrheitlich leider nur € 21,80 pro Stunde),
während für die klinisch-psychologische Behandlung leider keinerlei
Kassenleistungen bestehen. Paradoxerweise gibt es jedoch – im Gegensatz zur
Psychotherapie – Kassenverträge für klinisch-psychologische Diagnostik, der
dann keine kassenfinanzierte klinisch-psychologische Behandlung folgt.
Herzphobie
Vor Jahren hatte ich Panikattacken, jetzt fürchte ich als 51-Jähriger fast
täglich, einen Herzinfarkt zu bekommen, obwohl ich gesund bin.
Nach
Ausschluss körperlicher Erkrankungen, aber auch schwerer psychischer Störungen
wie Depression oder Alkoholmissbrauch haben Sie wahrscheinlich eine Herzphobie,
wenn sich Ihre Ängste nur auf das Herz-Kreislaufsystem beziehen. Messen Sie
trotz normalem Blutdruck diesen auch ständig aus Angst vor einem Schlaganfall?
Dahinter stecken Krankheitsängste, die gegenwärtig leider noch immer etwas
abwertend als „hypochondrische Störung“ bezeichnet werden. Die Betroffenen
haben Angst um ihre Gesundheit, entweder weil sie älter werden oder weil sie
entsprechende Erkrankungen in der Familie, Verwandtschaft oder Bekanntschaft
noch nicht verarbeitet haben und nun auch für sich selbst fürchten. Setzen Sie
sich körperlichen und sportlichen Belastungen weiterhin ohne übertriebene
Schonung aus. Messen Sie Ihren Blutdruck nur zu fixen Zeiten im ärztlich
verordneten Ausmaß. Stellen Sie sich Ihren ständigen „Was wäre, wenn“-Ängsten.
Was genau fürchten Sie am meisten, wenn Ihr Körper nicht mehr so wie bisher
funktionieren würde? Haben Sie mehr Angst vor dem Tod oder vor einer
körperlichen bzw. geistigen Behinderung? Oder machen Sie sich große Sorgen um
Ihre Familie? Wenn Sie damit nicht alleine zurechtkommen, ist eine
Psychotherapie empfehlenswert.
Errötungsangst
Ich habe Angst vor Erröten. Was kann ich dagegen tun?
Erröten entsteht in Überraschungssituationen und ist Ausdruck einer emotionalen
Erregung. Dabei wird das sympathische Nervensystem aktiviert, was mit subjektiv
unangenehmen Körperempfindungen verbunden ist. Die Erhöhung der Hauttemperatur
um kaum einen Grad wird von den Betroffenen als belastende Hitzewelle erlebt.
Die Angst vor dem Rotwerden – von Fachleuten „Erythrophobie“ genannt –
verstärkt die Erregung und damit die Angst, unangenehm aufzufallen bzw. in
peinlicher Weise im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Häufig ist die
Symptomatik Ausdruck einer sozialen Phobie. Jeder zweite Mensch wird rot, nicht
nur Schüchterne. Das Hauptproblem ist nicht das Erröten an sich, sondern dessen
Bewertung als „psychisch auffällig“. Halten Sie sich vor Augen: So wie Sie rot
werden, werden andere Menschen in denselben Situationen leichenblass. Sie
können nichts dafür, Ihr Körper reagiert einfach so in unerwarteten bzw.
gefürchteten Situationen. Machen Sie kein großes Psycho-Problem daraus, kämpfen
Sie nicht dagegen, dann vergeht die Symptomatik viel schneller. Vermeiden Sie
keine Situation aus Angst vor Erröten, weil Sie dadurch alles nur noch
schlimmer machen. Ändern Sie Ihre Einstellung: Vorübergehendes Rotwerden darf
sein, weil Sie gefühlsmäßig bewegt sind.
Gesundheit
Wann ist man eigentlich körperlich und psychisch gesund?
Gesundheit und Krankheit wird selbst von Fachleuten unterschiedlich definiert. Nach der gut gemeinten, sehr weiten Definition der Weltgesundheitsorganisation im Jahr 1946 ist Gesundheit „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“ Zurecht wird hier der Begriff der Gesundheit nicht auf den körperlichen Zustand eingeengt, sondern auch auf das geistig-psychische Wohlbefinden ausgedehnt, doch durch die Ausweitung auf das soziale Wohlbefinden können sich auch Menschen in Beziehungskrisen, Arbeitskonflikten oder ökonomisch angespannten Situationen krank fühlen. Wer von uns würde sich demnach als „völlig gesund“ bezeichnen? Im Sozialrecht wird Krankheit dagegen sehr eng definiert als regelwidriger Körper- oder Geisteszustand, der eine Krankenbehandlung erfordert. Im Gegensatz zum Gebrechen, das einen nicht mehr beeinflussbaren gänzlichen oder teilweisen Ausfall normaler Körperfunktionen darstellt, ist Krankheit ein Zustand, der durch therapeutische Mittel positiv beeinflussbar ist. Eine sozialrechtliche Definition von Krankheit ist notwendig, um den Leistungsbereich der Krankenkassen einzugrenzen. Körperliche Befindlichkeitsstörungen ohne erheblichen organischen Befund und psychisches Unwohlsein wie Angst, Traurigkeit oder Burn-out gelten erst dann als krankheitswertig, wenn die Betroffenen erheblich darunter leiden, in ihrer beruflichen, sozialen oder sonstigen Funktionsfähigkeit beeinträchtigt sind und deswegen einen Krankenstand benötigen.