Kann Schwindel wirklich psychisch sein? - 09.10.2001, 14:48:08

Sehr geehrter Herr Doktor!

Erst einmal möchte ich Ihnen danken, das sie so ein Forum hier eröffnet haben, welch eine Hilfe! Endlich fühlt man sich verstanden und kann sich austauschen mit jemandem der wirklich Ahnung hat.
Ich bin 28 Jahre alt und leide seit 3 Jahren an einer starken Angststörung mit vielerlei Gesichtern, ausgelöst wurde die Krankheit bei mir durch meinen Beruf als Erzieherin, wo ich mich gar nicht zu Hause gefühlt habe und auch Schwierigkeiten hatte mit meinen Kollegen.
Dazu muss ich sagen, das ich als diese Erkrankung schon einmal hatte, als ich 17 war, meine Mutter erkrankte an Brustkrebs, da fing es bei mir mit der Angst an. Ich machte 2 Jahre Therapie und mit mir ging es besser. Meine Mutter starb 1993. Das war sehr grausam für mich, da ich soviel erlebte, was sie aushalten musste.
Aber ich bekam mein Leben soweit in den Griff.
Ich begann 1996 eine Ausbildung zur Erzieherin und schaffte auch die schulische Ausbildung wunderbar.
Aber im Annerkennungsjahr 1999-2000 fing es wieder an mit meiner Angst.
Ich habe Angst vor Krankheiten, Angst vorm Sterben, Angst hinauszugehen, Angst vor allem Möglichem, ich bin auch wieder seit 1999 bei einem wie ich finde sehr guten Therapeuten in Behandlung und ich merke auch die Fortschritte die ich mache.
Allerdings beko
mme ich jetzt wieder herbe Rückschläge zu spüren.
Was mir am meisten Angst macht, ist der Schwindel, den ich habe.
Es ist auch alles so kompliziert und schwierig zu beschreiben, denn ich kann ja nicht meine ganze Geschichte hier ausführlich beschreiben.
Also als ich damals in der Ausbildung zur Erzieherin war, bekam ich in Abschnitten von Monaten so komische Schwindelanfälle, die sich so 3 Tage hinzogen und ich nur im Bett liegen konnte, weil es mir todschwindelig wurde, wenn ich mich versuchte aufzurichten. Bewegungen des Kopfes waren der Horror für mich.
Ich war bei einem Gleichgewichtstest, beim EEG (mehrmals), beim Orthopäden, beim Hausarzt ja sogar bei einem Herzspezialisten, es wurde nichts gefunden.
Also fand ich mich damit ab. Ich dachte auch damals nicht, das es schon wieder Anzeichen für eine Angststörung sein könnte. Was ich aber heute sehr wohl denke.
Naja, die Angst wurde immer schlimmer, schließlich gab ich die Ausbildung auf.
Seitdem bin ich krankgeschrieben, bekam Krankengeld, jetzt auch nicht mehr und muss nun sehen wie ich mich finanziere, habe viel Ämter Rennerei hinter und vor mir und bin auch sehr gestresst.
Was mich aufwühlt, ich leide jetzt außer meiner Angst und Panikstörung an Schwindelanfällen, die mich zwar nicht niederwerfen, also nicht bettlägerig machen, aber die mich jetzt andauernd begleiten nicht nur akut in einem Angstanfall oder einer Panikattacke, und zwar tritt der Schwindel immer auf wenn ich mich bewege oder den Kopf ruckartig bewege (zum Beispiel beim Autofahren) oder nach links oder rechts oder nach unten gucken muss. Auch sind meine Augen so komisch. Ich kann das kaum beschreiben was das für ein seltsamer Zustand ist.
Nun denke ich wieder ich habe was körperliches, eine Gehirnstörung oder eine Augenstörung usw. und das dieser Schwindel doch nicht psychisch sein kann, wie kann das denn sein? Das man schwindelig wird und es ist körperlich nichts zu finden. Ich war bei meinem Hausarzt und er machte einen Test mit einem Stift, den er vor den Augen hin- und herbewegte und er sagte ich hätte kein Augenflimmern, also auch keine Störung des Gleichgewichtsorganes.
Ich kann das nicht glauben.
Die letzten Untersuchungen die ich gemacht habe liegen ca. anderthalb Jahre zurück, vielleicht hab ich doch was körperliches jetzt? Und muss ins Krankenhaus und werde dahinvegetieren mit ständigem Schwindel und krepiere dann? Das geht besti
mmt nie mehr weg. Ich habe echt Angst, können Sie mir helfen? Bitte ich habe echt schlimme Ängste was ganz seltenes und niemandem bekanntes zu haben.
Vielen Dank im voraus, ich hoffe meine Geschichte ist nicht zu wirr, aber Schreiben ist sehr anstrengend für mich.

 

Hans Morschitzky - 12.10.2001, 13:21:57

Hallo!

Ich habe darüber einen eigenen Artikel verfasst:

panikattacken.at/schwindel/schwind.htm

Um Ihre Krankheitsängste wissen Sie ja, lesen Sie aber auch noch:

panikattacken.at/hypochondrie/hypocho.htm

So etwas wird oft sehr verschärft durch tragische Todesfälle wie bei Ihnen.

Mit besten Grüßen!

Hans Morschitzky

 

Beavie  14.10.2001, 14:05:49

Lieber Herr Doktor!!!

Ich habe Ihre Artikel gelesen. Doch ich habe trotzdem Angst bzw. kann es irgendwie nicht glauben, das so extremer Schwindel echt psychisch sein kann. Weil er so extrem ist, das ich nur noch liegen kann und selbst wenn ich mich im Liegen drehe wird es mir schwindelig.
Ich habe bevor der Schwindel ganz schlimm wird ca. eine Woche vorher schon Probleme beim Drehen des Kopfes und bei Augenbewegungen, da weiß ich schon meistens *Aha, jetzt kommt bald der schlimme Schwindelanfall* Es ist wirklich wie ein Anfall, denn nach dieser einen Woche ist es so das an einem Tag sich der Schwindel urplötzlich verschlimmert, zuerst bekomme ich dann Herzrasen und Klopfen und mir wird es wirklich todschwindelig und das bleibt dann für 3 Tage so extrem, das ich halt mich kaum bewegen kann.
Ich habe dann auch Angst, das der Schwindel nie mehr weg geht und ich ihn in diesem extremen Zustand behalten muss, das mir keiner helfen kann.
Ich hatte jetzt den letzten Anfall vorigen Donnerstag, mittlerweile kann ich wieder aufstehen, aber mir ist immer noch leicht schwindelig.
Ich war auch schon wieder beim Ohrenarzt und der meinte ich hätte eine leichte Gleichgewichtsorganschwäche?! Dann hab ich das ja jetzt immer? Wenn ich nun für immer schwindelig sein muss, dann kann ich doch nicht mehr leben damit.
Davor habe ich Angst!!
Ich lasse jetzt auch mal eine Computertomografie machen, auch davor habe ich Angst, was kommt raus dabei? Halte ich es überhaupt in der Röhre aus und so.
Ich bin so verzweifelt!!!
Vielleicht habe ich doch irgendwas was noch keiner kennt oder was meinen Sie?
Alle sagen mir zwar immer das wäre psychisch also alle aus meiner Familie aber ich habe Angst, das sie nur noch meine Angst- und Panikstörung sehen und das Körperliche vergessen.
Bitte antworten Sie mir noch mal, ich bitte sie sehr darum, denn es hilft mir, wenn ich mit einem Experten reden kann.
Vielen Dank im voraus,
Viele Grüße
Beavie

Hans Morschitzky 14.10.2001, 20:12:29

Hallo Beavie!

Wie ich sehe, können die Inhalte der beiden angegebenen Links Sie einfach nicht beruhigen. Ich habe auch jetzt nicht vor, Sie in diesem Mail zu beruhigen, denn ich halte überhaupt nichts von oberflächlichen Beruhigungen, wie sie in Angstforen oft zu finden sind, und zwar aus folgenden Gründen, soweit es mich betrifft:

Erstens kenne ich Sie ja gar nicht und kann daher gar nichts Seriöses sagen, zweitens bin ich nicht Arzt, um mögliche organische Ursachen ausschließen zu können, und drittens glauben Sie mir derzeit ohnehin überhaupt nichts, sonst würden Sie nicht neuerliche organische Untersuchungen (HNO, CT) machen.

Wenn Sie nach der organischen Durchuntersuchung überzeugt sind, dass Ihr Schwindel keine organischen Ursachen hat, bin ich gerne bereit, mit Ihnen aufgrund ausführlicherer Infos, die von Ihnen noch kommen müssten, zu überlegen, wie Sie auf nicht-medizinischem Weg mit Ihrer Symptomatik umgehen können.

Haben Sie mit Ihrem Therapeuten schon darüber gesprochen und die möglichen Zusammenhänge analysiert? Wenn nein, dann sollten Sie dies tun. Wenn ja, dann hat er Ihnen aufgrund der Kenntnis Ihrer Person bestimmt schon geholfen, Ihre Symptomatik zu verstehen. Wenn Sie ihm nicht glauben, dann möchte ich Sie hier als einer, der Sie gar nicht näher kennt, nicht oberflächlich beruhigen, denn Sie fragen alle zur Beruhigung und glauben derzeit doch keinem, wie Sie ja selbst geschrieben haben.

Ihre Krankheitsängste sind so, wie wenn Sie einen Kontrollzwang bezüglich des Ofens hätten. Sie müssten dann z.B. x-mal den Ofen kontrollieren, und wenn Sie einmal auf Urlaub fahren müssten, müsste Ihr Partner nach all Ihren Kontrollen nochmals kontrollieren. Ich habe derzeit so eine Patientin. Danach fragt sie ihn noch, ob er wirklich gut genug kontrolliert hat. Wenn er Ja sagt, dann bezweifelt sie dies, weil er für eine ordentlich Kontrolle viel zu schnell war.

So machen es auch Leute mit Krankheitsängsten. Solange Sie immer andere zur Beruhigung brauchen, bleiben Sie von diesen Menschen abhängig.

Mit besten Grüßen!

Hans Morschitzky

 

Beavie 15.10.2001, 18:17:37

Sehr geehrter Herr Doktor,
vielen Dank für die schnelle Antwort.

Ich finde es selber schlimm, das ich zur Zeit anderen Menschen in Bezug auf meinen Schwindel nicht vertrauen bzw. glauben kann. Ich täte es gerne und will auch lernen dies zu tun. Ich denke, bei mir hat es viel damit zu tun, das ich Ärzten und Krankenhäusern und den ganzen medizinischen Dingen nicht vertrauen kann, da ich so viele negative Dinge erlebt habe.
Meine Mutter hatte Krebs und ist nach langer Leidenszeit im Krankenhaus verstorben, ich hatte schon viele Krankenhausaufenthalte, meine Schwester litt unter Schilddrüsenkrebs, etc...

In meiner Kindheit bin ich zum Beispiel aufgrund einer Augenfehlstellung operiert worden und war im Krankenhaus, ich hatte damals auch Angst und wollte zu meiner Mutter, und weinte viel, eine Krankenschwester sagte zu mir, ich dürfte nicht weinen, denn dann würde mein Auge nur noch kränker werden und ich müsste noch lange da bleiben und so hielt ich das Weinen zurück unter größter Kraftanstrengung und es gibt noch mehr Sachen, die mir das Vertrauen raubten... Ich habe mit Medizinischem schon so viel erlebt und der Tod meiner Mutter hat mich halt umgehauen.

Ich habe irgendwie Angst mich und meinen Körper anderen anzuvertrauen, denke das sie nicht das richtige für mich tun, habe Angst anderen ausgeliefert zu sein. Was daher rühren könnte, das ich als Kind sexuell belästigt wurde, eingesperrt war und ausgeliefert.
Ich habe auch kein Vertrauen in meinen Körper, denke das ich schwach bin, mein Körper kaputt; das auch ich so etwas Schlimmes wie meine Mutter hatte und erlebte auch erleben muss.
Ziemlich verquer, ich weiß.

Ich möchte so gerne etwas gegen diese Krankheitsängste und gegen die Schwindelängste tun, denn ich habe jetzt schon Angst vor einem erneuten Anfall, auch das ist mir bewusst, das dies blöde ist, weil ich mir so mein Leben kaputt mache und gar nicht mehr das Hier und Jetzt genieße, nur im *Was ist Morgen* und *Es könnte sein, dass* lebe. Ich will daran arbeiten, von Herzen, denn eigentlich liebe ich das Leben, aber ich finde den Schalter im Kopf nicht, den ich umlegen muss, damit es mir besser geht.

Ich hoffe nach den Untersuchungen werde ich rationaler und normaler denken können und nicht mehr so komisch und ich würde sehr froh sein, wenn sie mir dann Ratschläge geben könnten. Und mir helfen würden.

Mich würde es halt brennend interessieren, ob diese Schwindelanfälle die ich habe, in dieser extremen Form, ob sie so etwas schon mal in ihrer Praxis beschrieben bekommen haben oder ob sie von solchen Extremfällen gehört haben, damit wäre mir wirklich schon mal geholfen.

Bei mir schickt dieser Extrem-Schwindel ja auch ca. eine Woche im voraus einen Vorboten, halt diesen Schwindel wenn ich den Kopf ruckartig bewege und meine Augen bewege, dieser noch zu ertragende Schwindel steigert sich dann plötzlich an einem Tag von einer Minute zur anderen in diesen Extrem-Schwindel, bei dem ich dann wirklich nur noch liegen kann, weil ich Brechreize bekomme, nicht mehr selbstständig auf die Toilette gehen kann und selbst im Liegen wenn ich mich von einer auf die andere Seite lege Schwindel habe, als ob ich auf der Achterbahn bin. Runtersehen ist ganz unmöglich. Und da würde es mich halt interessieren ob die Psyche derart schlimme Körperreaktionen hervorrufen kann.

Es würde mich auch brennend interessieren ob sie schon einmal von einem Fall gehört haben, wo dieser Schwindel ein Leben lang angedauert hat und nie mehr weg geht und man immer daliegen muss und nichts mehr selbstständig machen kann, nicht mal trinken oder so (Das ist meine größte Sorge), ich meine nicht den Angstschwindel (den ich auch kenne, wenn ich rausgehe oder irgendwo bin wo ich mich nicht wohl fühle oder beim Einkaufen etc...) sondern diese extremen Schwindelzustände. Dies ist ein anderer Schwindel und das macht mir halt Sorgen, verstehen Sie was ich meine? Ich wäre eigentlich sehr froh, wenn mir eine Koriphäe sagen würde *Beavie dieser Schwindel, auch wenn er so extrem ist wie bei Dir, er ist psychisch!!!!*

Aber ich will gesund werden, ich will wieder raus ins Leben, das Leben genießen, all seine schönen Dinge. Und ich will auch nicht mehr so abhängig von anderen Menschen sein, ich will mir selber und meinem Körper wieder vertrauen können.

Jetzt beim letzten extremen *TodesSchwindelanfallfürimmer*(mein Name für ihn) habe ich viele Sachen gemerkt, ich merkte, das ich z.B. unbedingt mehr ausprobieren will, mir mehr zutrauen möchte, mehr rausgehen möchte, zumindest viel mehr versuchen zu unternehmen, ich habe so viel bereut als ich dalag und dachte jetzt kommst du nie mehr hier raus aus dem Schwindel, jetzt hast du so viel noch nicht wieder ausprobiert. Denn ich vermeide allzu viel, das ist mir klar geworden.
Daran will ich jetzt auch arbeiten.

Ich kann mir ja nicht jede Sekunde meines Lebens darüber den Kopf zerbrechen was ist wenn und über Krankheiten und so. Das will ich auch nicht mehr! Das ist ja unerträglich, nicht nur für mich. Das ist mir sehr klar! Ich will wieder gesund werden!
Ich freue mich auf eine Antwort von Ihnen.


Viele liebe Grüße
Beavie

 

Hans Morschitzky  16.10.2001, 00:32:58

Hallo!

Meine Antwort erfolgt nach der organischen Abklärung, von dessen Ergebnis ich Sie bitte, hier zu berichten.

Tragische Erlebnisse, wie sie bei vielen Menschen mit Krankheitsängsten festzustellen sind, lassen Sie offensichtlich nicht ruhen, auch bei Ihnen organische Ursachen zu suchen. Na, warten wir ab.

Mit besten Grüßen einstweilen!

Hans Morschitzky

 

Beavie  16.10.2001, 19:08:20

Lieber Herr Doktor,

ich werde auf jeden Fall berichten was mit mir los ist.
Allerdings dauern die Termine noch etwas und ich hoffe Sie sind nicht böse wenn ich trotzdem weiterhin hier schreiben wuerde, weil es mir sehr hilft, das alles niederzulegen und zu verarbeiten.
Das nimmt mir etwas die Panik, das Gefühl jemand hört zu ist gut.


Viele liebe Grüsse
Beavie

 

Beavie  18.10.2001, 09:40:43

Lieber Herr Doktor!
Heute ist der erste Termin beim HNO, ich werde den Gleichgewichtstest gemacht bekommen und habe ziemlichen Bammel davor, da ich ja weiß dort wird mir auf jeden Fall schwindelig, das ist ja bei dieser Untersuchung so, man reizt das Gleichgewichtsorgan ja so.
Ich hoffe ich stehe das durch und hoffe es kommt nichts Schlechtes bei raus.
Auf jeden Fall habe ich jetzt schon wieder körperliche Symptome, Durchfall, Herzklopfen, Schwitzen etc. halt die Aufregung, aber das kenne ich ja und weiß woher es kommt und weiß auch das es nichts Schlimmes ist.
Ich versuche mich zu beruhigen und mit guten Gedanken (ich halte das aus, es wird alles gut...) zu stärken anstatt mit schlechten (der Schwindel den Du da bekommst geht auch nicht mehr weg, Du kommst nicht mehr nach Hause...) Aber es ist sehr schwer ich habe halt auch eine wahnsinnige Angst vor Ärzten und Untersuchungen, medizinischem Gerät, Medikamenten...
Schlimm.
Ich wüsste gerne wie ich mich weiterhin beruhigen könnte.


Viele liebe Grüße
Beavie

 

Beavie  18.10.2001, 18:51:15

Lieber Herr Doktor,
heute war ich zum Gleichgewichtstest (Kalorik nannten die das), mir wurde Wasser ins Ohr gegeben.
Ich hatte bei der Untersuchung zwei extreme Panikattacken, weil ich den Schwindel, der dort auftrat als so schlimm empfand, aber ich musste ja da durch weil ich ja wissen wollte was los ist.
Gott se iDank war mein Freund bei mir und versuchte mich zu beruhigen.

Das Ergebnis ist folgendes, mein linkes Gleichgewichtsorgan sei nicht erregbar sagte mir die Arzthelferin, die die Untersuchung durchführte.
Der Arzt, der dann zu mir kam sagte mein linkes Gleichgewichtsorgan wäre schwach, was durch Durchblutungsstörungen entstanden sein könnte.
Er meinte es könnte durchaus psychosomatischer Natur sein, da ich eventuell mich so stark in der Hals-Nackenregion verkrampfen könnte, das Gefäße zusammengedrückt werden könnten, die den Schwindel bewirken. Er sagte aber auch ich solle in die Röhre meinen Kopf röntgen lassen. (Was mich wieder in Angst versetzt, wer weiß was er denkt was ich habe, was nur auf einer CT zu sehen ist) er sagte aber sonst nichts dazu.

Ich fragte was ich tun soll oder kann gegen diese Schwäche, er sagte ich solle die Tabletten (Betavert) gegen den Schwindel nicht mehr einnehmen und hat mir auch sonst keine Therapievorschläge gemacht, "da der schlimme Schwindel ja jetzt weg sei". Infusionen will er auch nicht ambulant machen, da er meinte im Krankenhaus sei ich wenn ich das machen will besser aufgehoben, weil man mich dort mehr umsorgen könnte. Ich sagte ihm das ich nicht in ein Krankenhaus gehen will, da es mir dort nur schlecht gehen würde, weil ich ja dann von meinen Lieben getrennt wäre und ich das sehr schlecht verkraften kann. (Mein Therapeut sagt auch ich wäre trennungsunverträglich)
Aber er sagte er mache Infusionstherapie nur höchst selten in seiner Praxis, und ich müsste auch nicht unbedingt Infusionen bekommen.
Er meinte der Schwindel gehe auch ohne Medikamente oder Infusionen wieder weg. Komisch!?

Er meinte auch es wäre heilbar (Gott sei Dank)
Er sagte ich solle mich von meinem Freund massieren lassen.
Ich habe auch keinen weiteren Termin von ihm bekommen. Er ließ es dabei.
Er sagte mir auch nicht woher die Durchblutungsstörungen des weiteren kommen könnten.

Jetzt frage ich sie, da sie in ihrem Artikel geschrieben haben auch durch Verspannungen könnte Schwindel auftreten, meinen Sie das bei mir die Verkrampfungen und Verspannungen so extrem sind, das sie dadurch das mit meinem Gleichgewichtsorgan machen können? Das es von der Angst her rührt? Das ich mich so sehr verkrampfe? Ist das möglich das die Angst so auf das Gleichgewichtsorgan wirkt bzw. auf die Durchblutung und dann auf das Gleichgewichtsorgan? Man sagte mir, das Gleichgewichtsorgan wird von Blut gesteuert?

Ich habe Probleme in der Hals/Nackenregion, das stimmt, andauernd habe ich das Gefühl ich ziehe die Schultern hoch und habe ein angespanntes Gefühl dort, auch nachts kann ich mich nicht entspannen, ich versuche es mit Heizdecken und Rotlicht, die Partie zu entspannen und durch kleine gymnastische Übungen oder auch Entspannungsübungen aber irgendwie klappt es nicht. Ich habe auch oft Kopfschmerzen und halt immer so ein verkrampftes Gefühl, ich kann nicht loslassen, will es aber, nur weiß ich nicht wie.
Oft presse ich auch die Zähne aufeinander. Dann habe ich auch dort ein angespanntes Gefühl, also im Gesicht Auch schlafen mir oft die Arme oder Beine ein.
Ich denke diese Sachen kommen von der Verspannung.

Der Schwindel auch? Oder meinen Sie die Durchblutungsstörungen rühren von irgendeiner verstopften Ader im Gehirn oder einem Tumor oder woher sonst?

Komisch finde ich das ich damals (1998) als ich die Schwindelanfälle so schon einmal hatte nichts an meinem Gleichgewichtsorgan in Unordnung war.
Meine Schwester meinte als ich sie deswegen fragte, es kann sein, das ich damals vielleicht schon wieder entspannter war und die Durchblutung nicht mehr so gestört war und das deswegen nichts zu sehen war. Das würde mir einleuchten.
Ich habe das den Arzt danach nicht gefragt, weil ich sowieso die Hälfte vergessen hatte, als ich ihm gegenüber saß, weil ich so aufgeregt war.
Das geht mir leider immer so, ich schreibe mir zwar immer alles auf was ich fragen will, aber es tauchen halt immer neue Fragen auch auf, wenn ich bei den Doktoren bin und die haben ja auch nicht immer soviel Zeit für einen.

Der HNO meinte auch ich solle die Untersuchung auch mal wieder in 2 oder 3 Monaten machen um zu sehen, ob das Gleichgewichtsorgan sich wieder erholt hätte.
Ich hoffe sehr auf eine Antwort von Ihnen und danke schon mal recht herzlich!


Viele liebe Grüße
Beavie

 

Beavie  18.10.2001, 19:05:32

Lieber Herr Doktor, noch ein Nachtrag, ich habe bei meinen Extrem-Schwindelanfällen nicht die Angst umzukippen (wie bei dem "normalen" Angstschwindel den ich auch kenne und sonst so habe zum Beispiel beim Einkaufen) sondern da steht die Angst hinter für mein Leben schwindelig zu bleiben, so das ich nur noch liegen kann und muss, ein Pflegefall zu werden, nichts mehr selbständig machen zu können, dauerhaft diese ekelige Gefühl zu haben von dem Schwindel und irgendwann elendig zu krepieren! (Entschuldigung für den Ausdruck)
Und niemand kann wirklich etwas tun.
Ich denke das hängt irgendwie mit dem Sterben meiner Mutter zusammen, sie litt sehr und war im Krankenhaus als sie starb und konnte auch nichts mehr.


Liebe Grüße
Beavie

 

Hans Morschitzky  19.10.2001, 09:18:07

Hallo Beavie!

Vorerst nur kurz Folgendes. Ohne Sie zu kennen, würde ich aufgrund meiner Erfahrung meinen, dass Sie weder einen Schwindel durch den Kreislauf noch durch das Innenohr (Drehschwindel) haben, sondern einen Schwankschwindel, der durch chronische Muskelverspannungen ausgelöst wird.

Dieser Verspannungsschwindel führt zu so genannten "Koordinationsproblemen". Das oberste Gleichgesichtsorgan befindet sich im Kopf, und zwar im Hirnstamm. Dorthin wird die chronische Verspannung der Körpers gemeldet, weshalb Schwindel als Alarmsignal ausgelöst wird. Diese Schwindelform hat nichts zu tun mit einer Erkrankung des Gehirns. Alles zu lesen auf meiner Homepage. Wer ständig Magenprobleme hat, hat auch nicht gleich ein Magengeschwür oder Magenkrebs.

Das Weitere erst nach kompletter organischer Durchuntersuchung. Denn ich will Sie nicht beruhigen, wenn Sie sich aus organischen Gründen doch noch beunruhigt fühlen. Sonst könnten Sie alles weitere ja gleich bleiben lassen.


Mit besten Grüßen einstweilen!

Hans Morschitzky

 

Beavie  20.10.2001, 10:58:42

Lieber Herr Doktor, danke für die Antwort.
Sie haben recht mit meinem Kreislauf ist alles in Ordnung, ich habe einen guten Blutdruck und meinen Schwindel erlebe ich nicht als drehenden Schwindel sondern ich empfinde ihn tatsächlich als total schwankend. Ich fühle mich in diesen Schwindelphasen wie auf hoher See, hin- und hergeworfen.
Diese Schwäche des Gleichgewichtsorgans, die bei mir festgestellt wurde, wird ja auf Durchblutungsstörungen zurückgeführt. Kann dies denn durch chronische Verspannung geschehen?
Es wurde ja etwas festgestellt, bei dieser Kalorik, mein linkes Gleichgewichtsorgan ist nicht erregbar, die Kurve hatte nicht ausgeschlagen.
Momentan habe ich ziemliche Probleme mit der Hals-Nacken- und Schulterregion, mir kribbeln die Arme oft so und nachts schläft mir hinten am Hals immer eine Stelle ein oder auch schon mal der ganze Arm, morgens fühle ich mich oft gar nicht erholt sondern total verkrampft und verspannt, wenn ich versuche locker zu lassen, fängt auch mein hinterer Hals/Nackenbereich an zu kribbeln.
Noch eine Erklärung zu meinem Schwindel, wenn ich ihn in diesen Attacken bekomme, habe ich hinten am Hals, an der Kopfwurzel (weiss nicht wie ich es ausdrücken soll) so ein seltsames Gefühl, so als würde dort etwas nicht richtig *festsitzen* oder so.
Kann man sagen *Die Angst sitzt mir im Nacken*?

Ich versuche jetzt immer mich zu entspannen auch mit Wärme (Rotlicht, Heizdecke, Entspannungsversuchen, locker lassen) aber noch hilft das alles nicht.

Viele Grüße
Beavie

Hans Morschitzky  21.10.2001, 13:29:38

Liebe Beavie!

Mensch, müssen Sie viel leiden bei Untersuchungen, um am Ende (hoffentlich) schriftlich zu haben, dass Ihr Schwindel nicht mit dem zusammenhängt, was man bei Ihnen organisch gefunden hat.

Ich kenne diese Situation von vielen Betroffenen: je länger man durchuntersucht wird, umso eher findet man etwas, von dem dann jedoch festgestellt wird, dass es nicht bzw. nicht ausschließlich die Ursache der Beschwerden ist.

Wenn aus der organische Durchuntersuchung eine medizinische Behandlung erfolgt, durch die Ihre Beschwerden vollständig verschwinden, ist es ja okay. Ich lasse mich überraschen. Wenn der HNO-Arzt etwas findet, sollte dieser Befund doch zu einer Behandlung führen, die alle Beschwerden beseitigt. Das ist doch der Sinn von Untersuchungen, oder? Wie steht es damit?

Schön langsam entdecken Sie also selbst, wovon der Schwindel ausgeht. Von der Angst im Nacken? Muss es gleich die Angst sein? Es reicht, dass dort die ganze Verspannung sitzt, die Ihnen beim Gehen und Stehen Angst macht.

Manchen Schwindel-Patienten in meiner Praxis sage ich: "Wenn ich mir Ihre Lebenssituation anschaue, wird mir auch ganz schwindlig. Da wundert mich nichts mehr."

Bei Ihnen kann ich dies nicht sagen, denn ich kenne Sie ja nicht. Ich glaube aber, dass wir am Ende zum selben Ergebnis kommen werden.

Sie geben durch Ihre Darstellung ein Beispiel für andere, wie man sich durchkämpfen kann, um am Ende festzustellen, dass man sich mit der rein organischen Behandlung auf dem Holzweg befindet. Erst dann fühle ich mich zuständig. Wenn Ihre Symptomatik primär organisch bedingt ist, dann fällt Ihre Symptomatik nicht in meinen Kompetenzbereich, weshalb ich Sie vorher als Psychologe auch nicht oberflächlich beruhigen will.

Lesen Sie doch einmal durch, wie sich z.B. Pepsi entwickelt hat. Ich traue Ihnen dieselbe Entwicklung zu.


Liebe Grüße einstweilen!

Hans Morschitzky

 

Beavie  21.10.2001, 19:28:17

Lieber Herr Doktor,
erstmal vielen lieben Dank das Sie mir trotzdem antworten (obwohl ich noch nicht alle Untersuchungen durchgeführt habe). Das hilft mir.

Haben Sie meinen Beitrag vom 18.10.2001 um 18Uhr51Minuten gelesen? Dort stand drin, was der Arzt (HNO) bei mir feststellte. Es wurde ja eine Kalorik gemacht und er sagte mir ich hätte auf dem linken Ohr eine Gleichgewichtsschwäche!? Das linke Gleichgewichtsorgan ist nicht erregbar, leider hat er mir nicht erklärt was das genau bedeutet. Viel mehr sagte er nicht, er sagte es wäre heilbar und würde sowohl mit Behandlung (Tabletten, Infusionen, Akupunktur) als auch ohne Behandlung weg gehen. Ich sollte keine Tabletten mehr gegen Schwindel einnehmen. Er sagte es könnte durchaus von psychosomatischer Natur sein (aber hundertprozentig hat er das auch nicht gesagt), da ich eventuell durch Verspannungen die Gefäße verengt hätte und somit das auf das Gleichgewicht wirken könnte, mehr sagte er dazu nicht. Er sagte allerdings auch ich solle zum CT, um sicherzugehen das nichts sonst ist.

Allerdings glaube ich eigentlich nicht das auf dem CT was zu sehen ist, ehrlich gesagt.
Damals vor 3 Jahren habe ich zwar kein CT machen lassen aber sonst alle möglichen Untersuchungen die nichts zu Tage brachten. Damals war wohl auch noch mein Gleichgewichtsorgan noch in Ordnung.
Obwohl ich vor 3 Jahren mehrmals sporadisch die gleichen Schwindelattacken hatte, wie den jetzt vor einer Woche und nichts kam raus, also denke ich wenn ich etwas im Hirn hätte, hätte ich nicht 3 Jahre absolute Ruhe gehabt vor diesem EXTREM-Schwindel.
In den 3 Jahren hatte ich eigentlich nur den *normalen Angstschwindel* beim Einkaufen oder so.

Wissen Sie ich bin so verunsichert, niemand von den Ärzten gibt mir eine klare Antwort, es ist so als ob sie es selber nicht so genau wüssten. Und ich vergesse immer die Hälfte zu fragen, weil ich immer so verunsichert von den Ärzten bin und die auch nie so viel Zeit haben und man sich gehetzt fühlt und so dann immer nur die Hälfte erfährt.

Der HNO empfahl mir ayurvedische Massagen von meinem Partner. Aber so richtig schlau bin ich bei dem HNO-Arzt nicht geworden. Allerdings wenn ich was Schlimmes hätte, so hätte er wohl irgendeine Behandlung angeordnet und das macht mich halt stutzig. Denn das hat er nicht.
Ich verstehe das irgendwie nicht, denn nach seiner Aussage habe ich doch was organisches, nämlich die Gleichgewichtsorganschwäche. Er sagte nur, wenn ich das noch einmal hätte könnte ich gerne zu ihm in die Praxis kommen.
Vielleicht habe ich ja auch einen seltsamen Arzt.

Oh, Herr Doktor, Sie können sich gar nicht vorstellen wie zuwider mir diese ganzen Untersuchungen sind, am liebsten würde ich nie mehr zu irgendeiner Untersuchung hingehen.
Ich hasse das alles.
Ich kann es halt nur nicht lassen, denn ich will ja wissen woher diese Schwindelattacken kommen.
Wissen Sie auf Ihrer Homepage steht ja viel über den Schwindel und Sie hatten auch geschrieben, wenn vestibuläre und neurologische Untersuchungen nichts ergeben, dann ist es der phobische Schwankschwindel.
Aber bei mir wurde ja offensichtlich was Organisches am Gleichgewicht gefunden. Das ist es was mich verunsichert. Ich war echt baff. Eigentlich hatte ich auch nicht damit gerechnet.

Ich wäre echt froh, wenn ich hundertprozentig wüsste, das auch so extreme Attacken, die mich für 3 Tage außer Gefecht setzen und es mir so hundsmiserabel geht, das ich nichts mehr alleine kann, psychisch wären, denn dann könnte ich effektiv etwas dagegen unternehmen.
Ich würde es so gerne wissen.
Ich weiß auch eigentlich nicht mehr was ich noch untersuchen lassen soll, außer CT.
Das komische ist auch die Schwindelattacken vor 3 Jahren, die sporadisch alle 1 oder 2 Monate auftauchten gleichen sich wie ein Ei dem anderen mit dem von voriger Woche.
Erst eine Woche leichten Schwindel bei Augen- bzw. Kopfbewegungen.
Dann plötzliche Verschlimmerung innerhalb weniger Minuten, so dass ich nur noch liegen kann für 3 Tage, dann langsame Verbesserung und dann ist er plötzlich weg.
Wie jetzt, ich habe gar nichts mehr, außer dem *normalen* Angstschwindel, wenn ich rausgehe, aber von dem weiß ich hundertprozent, dass er von meiner Angst- und Panikstörung kommt. Ich mache auch so viel wie möglich, ich bin heute zum Beispiel fast über einen gesamten Flohmarkt spazieren gegangen, ich fahre Auto, gehe aus, gehe einkaufen etc.

Was Sie von der Lebenssituation sagten könnte auch auf mich passen.
Ich hatte in den letzten Monaten viel um die Ohren. Durch meine Arbeitsunfähigkeit bin ich leider ein Sozialhilfeempfänger geworden. Das alleine macht mir schon irre zu schaffen.
Außerdem hat man so jede Menge Papierkram zu erledigen und das war so anstrengend teilweise für mich das mir oft der Kopf raste, viele Amtsgänge waren auch noch zu machen und dazwischen ist mein Partner für 2 Wochen auf Exkursion gewesen und das war sehr schwer für mich zu verkraften, da er quasi mein Fels in der Brandung ist.
Von daher hatte ich wirklich eine schwindelerregende Zeit, allerdings kam die Schwindelattacke bei mir zu einem Zeitpunkt als es etwas ruhiger wurde.
Aber dann hat es mich umgehauen.

Lieber Herr Doktor, ich hoffe ich nerve Sie nicht allzu sehr, aber mir hilft es ungemein, das alles hier niederzuschreiben.
Ich bin sehr dankbar für dieses Forum.

Ich wüsste auch sehr gerne wie ich die Angst vor einer neuen Schwindelattacke abbauen könnte, denn ich denke jetzt schon darüber nach. Falsch ich weiß. Ich versuche es immer mit Stopp-Denken und Ablenkung der Aufmerksamkeit auf etwas anderes.
Tagsüber gelingt es mir da ich so viel wie möglich unternehme, im Garten arbeite, künstlerisch und kreativ tätig bin und liebe Menschen um mich habe, aber nachts ist es schlimm. Und besonders nach dem Aufwachen. Direkt die Bange Frage:*Kommt der Schwindel wieder?* *Dann geht er nie mehr weg* etc.
Widerlich diese Gedanken.
Manchmal wünsche ich mir ich könne mich selber mal von außen beobachten und sehen wie ich von so seltsamen Sachen erzähle, wie zum Beispiel:*Der Schwindel geht nie mehr weg* *Ich habe was ganz Seltenes*etc.
Ich glaube ich würde über mich selber den Kopf schütteln und sagen: * So ein Blödsinn* *Die spinnt*
Naja, ich muss jetzt erstmal die CT hinter mich bringen und sehen, was die erbringt. Ich hoffe natürlich auch nichts Schlimmes.
Und bitte seien Sie nicht böse, wenn ich schon wieder Romane geschrieben habe!
Ich wünsche Ihnen und allen anderen noch einen schönen ruhigen und glücklichen Sonntagabend!
 

Viele liebe Grüße
Beavie
 

Hans Morschitzky  22.10.2001, 23:58:44

Hallo Beavie!

Ihre Gedanken und Erfahrungen sind mir von vielen meiner Patientinnen sehr vertraut. Sie können sicher sein, dass es viele Menschen mit derartigen Schwindelzuständen gibt wie Sie. Sie sind bestimmt nicht allein. Es freut mich im Interesse der Betroffenen, dass Sie den Mut finden, Ihre Empfindungen so offen darzustellen.

Sie sehen ja: der HNO-Arzt findet etwas, und schon sind Sie beunruhigt. Und was hilft es Ihnen, wenn Sie keine spezielle Therapie dafür erhalten? Diagnostik ohne Therapie ist entmutigend statt aufbauend.
Doch das Ganze hat meiner Meinung nach nichts mit Ihrem ständigen Schwindel zu tun. Wie wäre es dann möglich, dass Ihr Schwindel so derart schwanken kann, wenn Ihr Ohr immer den gleichen Zustand aufweist?

Wenn Sie sich schon jetzt schon fragen wollen, was der Schwindel in Zusammenhang mit Ihrer Lebenssituation zu tun hat (vor allem wenn Sie die Korrespondenz mit Pepsi gelesen haben, und zwar beide Threads von ihr), dann sollten Sie vorerst einmal nicht nur nach Problemen, sondern nach Zielen suchen:

Wenn Sie ab morgen keinerlei Schwindel mehr hätten,

- was würden Sie da tun in Ihrem Privatleben, d.h. was verändern?
- was würden Sie da unternehmen bezüglich eines Berufs?
- was würde dies für Ihre Partnerbeziehung bedeuten?

Mit besten Grüßen!

Hans Morschitzky

Beavie  24.10.2001, 19:52:58

Lieber Herr Doktor,

ich weiß ja gar nicht ob mein Ohr immer den gleichen Zustand aufweist.
Damals als ich die schlimmen Schwindelattacken hatte und ein Kalorik machte, wies mein Ohr gar nichts auf. Es war alles in Ordnung.
Und bei diesem Mal kam halt das oben beschriebenen heraus.

Ich bin heute sehr verzweifelt und weiß auch gar nicht ob ich noch zur Computertomografie gehen soll, ich habe zwar heute einen Termin gemacht, aber die Dame am Telefon sagte mir ich müsste eine Spritze bekommen mit Kontrastmittel, davor habe ich Angst, wenn ich davon etwas bekomme!? Ich will am liebsten gar nicht da hin, nachher sterbe ich daran.

Oh Mann, irgendwie komme ich mir verloren vor.

Sie fragten nach meinen Zielen, die ich hätte wenn ich keinerlei Schwindel mehr hätte.

Beruflich würde ich versuchen meine künstlerische und kreative Ader herauszulassen, ich würde versuchen mich selbständig zu machen. Denn ich liebe das Kreative und habe auch wohl Begabung, denn die Dinge die ich fertige kommen bei Mitmenschen eigentlich sehr gut an.

Mit meinem Partner würde es natürlich noch besser funktionieren, ich könnte mal wieder mit ihm in Urlaub fahren oder sonst mehr unternehmen und unsere Beziehung wäre nicht dauernd von Schwindel und Angst thematisch geprägt.

Ich könnte das Leben wieder genießen.
Könnte all das machen, woran ich Spaß hätte, weil wenn der Schwindel nicht mehr auftreten würde, hätte ich keine Angst mehr.

Lieber Herr Doktor, sie schreiben oben etwas von ständigem Schwindel, aber ich habe ihn ja gar nicht ständig, nur sporadisch in Abständen, aber dann halt höchst bedrohlich und extrem, wie ich zuvor schon öfters ausgeführt habe.

Was meinen Sie mit Diagnostik ohne Therapie ist entmutigend? Sollte ich den Arzt wechseln? Denken Sie er ist nicht fähig?
Ich weiß auch nicht wieso er mir keine Behandlung gibt, wo ich doch offensichtlich einen Defekt am Ohr habe?
Aber der Arzt meinte auch ich solle die Kalorik in einiger Zeit wiederholen um zu sehen ob das Ohr sich wieder erholt hat.
Vielleicht hab ich ja sporadische Gleichgewichtsausfälle? Ich weiß es nicht und irgendwie kriege ich auch keine Antworten auf meine Fragen von meinem HNO.
Was soll ich nur tun?


Liebe Grüße
von Beavie

 

Hans Morschitzky  26.10.2001, 10:13:22

Hallo Beavie!

Ich kann es als Psychotherapeut durchaus akzeptieren, dass jemand keine psychischen und psychosozialen Probleme für seine somatoformen Symptome sehen will. Ich fühle mich, wie ich Ihnen ja schon geschrieben habe, immer erst dann zuständig, wenn jemand bereit ist, darüber nachzudenken, ob ihm der organmedizinische Weg wirklich zu jener Heilung verhelfen wird, die er sich lange Zeit nur auf diesem Weg erwartet hat.

Aus Enttäuschung an der traditionellen Medizin wenden sich viele Leidende dann alternativen Methoden zu, bevor sie - gleichsam als allerletzten Behandlungsversuch - in sehr skeptischer Weise einen Psychotherapeuten aufsuchen.

Es kommt bei uns in Österreich immer wieder vor, dass verschiedene Patienten nach der Enttäuschung über ihre behandelnden Ärzte nach Deutschland zur Behandlung fahren - zu Heilpraktikern, die nach dem Ärztegesetz in Österreich allesamt als "Kurpfuscher" gelten, d.h. so etwas gibt es bei uns in Österreich nicht. Erst wenn die Betroffenen auch darüber enttäuscht sind, wird von einer Psychotherapie voller Ungeduld gleichsam als letztes Mittel die rasche Rettung erwartet.

Also klären Sie alle Ihnen noch wichtig erscheinenden Fragen bezüglich möglicher körperlicher Ursachen und deren Behandlungsmöglichkeiten mit den dafür zuständigen Ärzten. Wenn dies erfolgt ist, unterhalten wir uns, was Sie tun können, wenn sich Ihre Probleme nicht auf organmedizinischem Weg lösen lassen.

Beste Grüße!

Hans Morschitzky



Beavie  26.10.2001, 10:34:18

Lieber Herr Doktor,
vielen Dank für die Antwort.
Ich würde liebend gerne glauben das diese Schwindelattacken in dieser extremsten Art auch psychosomatisch sind.
Ich war noch einmal bei meinem HNO und habe ihn verschiedenes gefragt, ich hatte mir einen Merkzettel gemacht, damit ich keine Fragen vergesse.
Also, er weiß im Prinzip überhaupt woher das mit meiner Schwächung des linken Gleichgewichtsorganes und meinem Schwindel herkommt.
Denn er sagte die Erforschung dieser Thematik wäre nicht sehr weit.
Man geht zwar von einer Durchblutungsstörung aus, aber hundertprozentig ist das auch nicht.
Im Prinzip stehe ich da wie zuvor.
Der HNO kann mir keine richtige Diagnose stellen. Dann muss es ja von der Psyche kommen, woher denn sonst?
Er meint es könnte psychosomatisch sein aber muss nicht.
Er meinte auch es wäre mit dem Ei und dem Huhn, was war zuerst da.
Der Schwindel und dann die Angst oder die Angst und dann der Schwindel.
Zu meiner eigenen Absicherung sollte ich eine Computertomografie machen, damit ich wüsste das nichts in meinem Kopf ist.
Er sagte aus medizinischer Sicht (seiner) sei das eigentlich nicht nötig, aber zu meiner Beruhigung.
Er sagte auch, er könne sich vorstellen, das ich seelisch aus dem Gleichgewicht geraten bin.
Und an dieser Schwächung des Gleichgewichtsorgans könnte man nichts tun, nur warten, bis sich das wieder beruhigt.
Deswegen auch keine Medikamente oder sonstige Behandlung.
Nur wenn er total unerträglich ist, solle ich ins Krankenhaus zur Infusion, aber das will ich nicht. Ich habe doch totalen Horror vor Krankenhäusern, sie wissen ja.
Also im Prinzip hätte ich auch gar nicht zu ihm gehen brauche. Denn ich bin so schlau wie zuvor.
Ich denke ich mache die CT aber ich denke auch es wird nichts rauskommen.

Ich glaube schon auf irgendeine Art und Weise, das es seelisch bedingt ist.
Es haut mich halt um, ich brauche dann wohl eine Auszeit, das muss ich wohl so akzeptieren.
Mein Therapeut geht ja auch davon aus, ich habe mit ihm auch über den Schwindel geredet (natürlich) er kennt mich ja auch schon und meine Problematik.
Er sagt auch es ist absolut psychosomatisch.
Wenn ich was am Kopf hätte, hätte ich nicht 3 Jahre Ruhe vor dem schlimmen Schwindel gehabt, nicht wahr.
Das leuchtet mir ein.
Es ist halt nur so erschreckend wenn man diese Anfälle bekommt. Man kann es nicht glauben, das die Psyche so stark ist, das sie einen zum Pflegefall machen kann, denn das bin ich ja in dieser Zeit des starken Schwindels.

Bitte, Herr Doktor, hatten Sie denn in ihrer Praxis wirklich schon mal jemanden da oder haben Sie von jemanden gehört der körperlich so stark reagiert hat? Mit
ähnlichen Symptomen?
Wenn ich das wüsste ginge es mir schon wesentlich besser.
Ich werde weiter berichten.
Aber langsam denke ich auch es muss psychisch bedingt sein, auch wenn es so stark ist.
Dann hab ich halt eine starke Psyche, ist ja irgendwie auch ganz gut, oder?
Wenn sie so stark ist, das sie mich so schwindelig und lebensunfähig macht, das ich für 3 Tage nur liegen kann, dann muss sie auch so stark sein, das sie mich wieder gesund macht.


Mit lieben Grüßen
bis zum nächsten Mal
Beavie

 

Beavie  30.10.2001, 18:36:00

Lieber Herr Doktor,
heute war ich beim Neurologen, ich erzählte ihm meine Geschichte und er machte diverse neurologische Untersuchungen mit mir, das Ergebnis: Alles prima, er macht mit mir noch ein EEG, aber ich denke dort kommt auch nichts bei rum.
Auch er meinte der Schwindel auch in dieser extremen Art könnte durchaus aus Angst- und Panik hervorgerufen werden. Ich glaube langsam auch daran und denke auch die CT wird nichts erbringen.
Haben Sie meinen letzten Bericht schon gelesen? Vom 26.10.01 um 10.34 Uhr? Ich hoffe schon.
Ich möchte so gerne wissen was ich tun kann, denn ich habe jetzt leider die Angst vor dem Schwindel, das er wiederkommt und mich wieder in einen Abgrund von Verzweiflung wirft.
In den letzten Tagen habe ich aber für mich mit der Angst- und Panikstörung viele kleine Erfolge gehabt, ich bin mal wieder aus gewesen in einer Teestube, habe dort gemütlich Tee trinken können und mich mit meinem Freund erholen können.
Auch Einkaufen war ich wieder mehrmals und das fast ohne Angst, ich freue mich darüber so sehr. Das können Sie gar nicht glauben!!!


Viele liebe Grüße
Beavie

 

Hans Morschitzky  31.10.2001, 10:26:49

Hallo Beavie!

Natürlich habe ich Ihren früheren Beitrag schon längst gelesen. Zu medizinischen Themen gebe ich - wie Sie wissen - als Psychologe weiterhin keine Auskunft. Was Ärzte sagen, werde ich daher als Psychologe nicht kommentieren. Mit mir können Sie nur diskutieren, wie Sie weiter vorgehen können, wenn Sie selbst glauben, dass auf der "organischen Schiene" nichts mehr zu holen ist.

Folgende Fragen sollen zu einer weiteren Klärung anregen:

1. Zu wie viel Prozent können Sie am Tag der Beantwortung dieser Frage glauben, dass Ihr Schwindel nicht organisch bedingt ist, zu wie viel Prozent glauben Sie nach wie vor, dass er Ausdruck einer noch unbekannten körperlichen Erkrankung ist? (Beides zusammen ergibt also 100 %).

2. Wenn Sie alleine irgendwo gehen und Sie bekommen mit Sicherheit ein extremes Schwindelgefühl, was fürchten Sie dann für den schlimmsten Fall, wenn Sie daran glauben, dass Ihr Schwindel auf keinen primär krankhaften körperlichen Ursachen beruht?

3. Malen Sie sich hier im nächsten Beitrag ganz öffentlich aus, wie Sie a l l e i n irgendwo hingehen möchten und dann alles so richtig losgeht: zu Hause, auf dem Weg zum Ziel, am Ziel usw. Was passiert als Schlimmstes, wenn Sie dabei nicht tot umfallen? Schreiben Sie hier auf (Sie sind ja eine mutige Frau, die Ihren Schwindel weg haben will), welche Gedanken Ihnen da durch den Kopf gehen, wissend, dass es Ihnen bei dieser mentalen und realen Übung zwar nicht gut gehen wird, Ihnen aber immerhin nichts Lebensgefährliches passieren wird.

4. Wenn Sie meinen, Sie könnten eine derartige Übung nicht allein machen, sondern nur in Begleitung, wozu brauchen Sie eine Begleitung, wenn Sie ohnehin überzeugt sind, dass Sie nicht körperlich krank sind? Wozu genau ist da eine Begleitung gut?

Super, dass Sie schon viele Erfolge haben, aber Sie sollten sich ja genau auch dem stellen, wie es wäre, wenn plötzlich der große Schwindel bei einer Übung allein über Sie kommen würde.


Mit besten Grüßen!

Hans Morschitzky

 

Beavie  02.11.2001, 09:56:48

Lieber Herr Doktor, vielen Dank für die Antwort.

Eine Sache möchte ich vorab noch einmal fragen, ich weiß nicht ob ich es klar formuliert habe, so das sie mich verstehen, ab und an kommt mir mein Geschriebenes etwas verwirrend vor, weil es so viele Informationen sind und ich eigentlich noch mehr schreiben könnte.
Der Schwindel vor dem ich am meisten Angst habe, das ist nicht der Angstschwindel, den ich habe wenn ich Einkaufen gehe oder so, den kann ich mittlerweile gut verkraften (größtenteils).

Es sind diese extremen Schwindelattacken, die mich tatsächlich hilflos machen, ich kann dann wirklich nichts alleine und das ist auch nicht eingebildet, diese Attacken treten sporadisch ab und an auf. Ist das aus meinen Berichten herausgekommen? Vor diesem Schwindel habe ich solche Angst, weil er wirklich so beängstigend schlimm ist, das man es kaum aushalten kann. Körperlich wie auch seelisch. Diese komischen Attacken, die eine Woche vorher Vorboten senden (leichter Schwindel bei Kopf- oder Augenbewegungen) und der sich dann urplötzlich wahnsinnig verschlimmert innerhalb von Minuten, dieser Zustand hält dann so ca. 3 Tage an und schleicht sich dann wieder aus.
Das ist mir sehr wichtig, das ich das richtig verständlich erkläre, damit Sie genau Bescheid wissen, es geht mir nicht um den *normalen* Angstschwindel, den leichten, beim Ausgehen oder in neuen Situationen. Damit wie gesagt kann ich mittlerweile umgehen und weiß auch, das dieser leichte Schwindel von der Angst- und Panikstörung ausgelöst wird.
Ich hoffe ich konnte es noch einmal definitiv erklären, verstehen Sie den Unterschied? Ich habe irgendwie Angst mich nicht richtig verständlich zu machen und es ist mir so extrem wichtig, das jeder mit dem ich darüber rede es richtig versteht.

Zu Ihren Fragen:
Am Tag der Beantwortung der organischen Seite nach CT und EEG denke ich, das ich zu 95% glauben kann, das er psychisch bedingt ist, und zu 5% das es doch noch eine Erkrankung sein könnte, die niemand kennt. Ein Zweifel wird immer noch bleiben und ich weiß nicht wie ich den aus meinem Kopf räumen kann. Immer noch nicht. Leider. Weil ich bisher auch noch niemanden gefunden oder getroffen habe, der exakt so schlimme Schwindelattacken hat wie ich, sondern die andere Art des Schwindels, den Angstschwindel. Ich glaube, wenn mir jemand hundertprozentig schildern würde, dasselbe hätte er auch schon so gehabt und nichts ist gefunden worden, wäre es anders. Ich weiß ich mache mich wieder abhängig von anderen Meinungen oder Erfahrungen. Das ist ein großes Defizit bei mir. Woran ich auch arbeite und es mir in anderen Dingen auch gelingt, nur in der Schwindelsachen nicht.

Ich denke das rührt auch daher, das ich bis zu meinem 17.Lebensjahr absolut behütet wurde, meine Mutter war mein Fels in der Brandung, sie war immer für mich da und hat mich wahrscheinlich auch viel zu behütet und umsorgt und mir zuviel abgenommen, als sie dann krank wurde (1990 da war ich 17) musste ich mehr und mehr die Rolle meiner Mutter übernehmen, damals fingen auch meine Angst- und Panikzustände an, ich fuhr mit dem Bus und war auf dem Weg zu meiner Cousine als ich die erste Attacke bekam (Luftnot, Herzrasen, weiche Knie, Schwitzen, Todesgedanken, absolute Panik und Not) ich stieg an der nächsten Haltestelle aus, war total verwirrt und hatte Angst, rief mir dann ein Taxi und fuhr zu meiner Cousine, ich vergaß den Vorfall dann erstmal, dachte ich hätte Calciummangel und hätte hyperventiliert.
(Hyperventilation hatte ich schon oft, seit ich 12 Jahre alt war, ich bin damals auch mehrmals ins Krankenhaus gefahren, weil ich schon damals dachte mit dir stimmt was nicht. Ich bekam immer so Kribbeln in Armen und Gesicht verbunden mit Taubheitsgefühlen und Schwarzem Flackern vor Augen, so das ich nichts mehr sehen konnte. Die Ärzte sagten immer ich hätte wohl hyperventiliert, denn sonst ist nichts gefunden worden.)
Also dachte ich auch in dieser Situation, das ich hyperventiliert habe und habe es beiseite geschoben.
Aber diese Anfälle kamen immer wieder, mal in der Schule, dann zuhause, irgendwo und urplötzlich, damals wusste ich noch nicht, das es Angst- und Panikstörungen gibt und dachte ich werde verrückt.
Ich habe dann erstmal niemanden was erzählt, weil ich dachte ich muss in eine *Irrenanstalt*. Ich schwänzte die Schule, war praktisch fast nie mehr dort und hielt mich immer in der Nähe unserer Wohnung auf.
Irgendwann konnte ich auch das nicht mehr, weil ich schon nach 5 Metern Entfernung von unserm Haus
Angst und Panik in solchen Ausmaßen bekam, also erzählte ich es meiner Mutter und meiner Familie.
Danach kamen erstmal diverse Arztbesuche, bis dann klar war, das ich psychisch krank war und meine Mutter meldete mich zu einer Therapie an.
Die machte ich 2 Jahre lang, Gott sei Dank war ich auch noch in Therapie als meine Mutter verstarb.
Als meine Mutter starb und auch schon eine geraume Zeit davor hatte ich die Angst- und Panik ganz gut im Griff, ich ging 15 Stunden arbeiten in einem Büro, kümmerte mich um meine Mutter, meinen Papa und den Haushalt und ging auch ab und an aus mit Freunden. Ich musste ja alles soweit machen, denn meine Mutter konnte es doch nicht mehr, meine Mutter starb als ich 19 war.(1993)

3 Monate vor ihrem Tod ging es ihr total schlecht, sie konnte nicht mehr richtig essen, war total schlaff und hilflos, erbrach jeden Morgen Lungenstückchen (ich weiß nicht wie ich es sonst beschreiben soll), konnte nur noch liegen, war immer traurig und man sah zusehends den Verfall.
Ich wollte es aber nicht wahrhaben, das sie stirbt. Ich fand es so schrecklich, ich war so hilflos und verzweifelt, ich fing an zu beten und sprach zu Gott, aber er erhörte mich nicht und seitdem meine Mutter tot ist habe ich auch den Glauben an Gott verloren. Ich glaube an gar nichts mehr, das finde ich auch furchtbar, denn sonst könnte ich mir auch irgendwie Kraft daraus holen.
Aber meine Mutter war voller Metastasen, das habe ich aber erst nachher erfahren, eine Woche vor ihrem Tod musste ich sie ins Krankenhaus bringen lassen, ich war alleine mit ihr zuhause, sie war plötzlich ganz gelb und apathisch, sagte nichts mehr und ich bekam totale Panik, ich rief den Krankenwagen uns sie kam ins Krankenhaus, wo sie noch eine Woche dahinvegetierte und litt, sie bekam keine richtige Luft mehr und musste immer die Lunge abgesaugt bekommen, dieses Geräusch habe ich immer noch in meinem Kopf, schrecklich.
Ich war auch dabei als sie starb, sie holte noch einmal Luft und die Luft kam nicht mehr raus.
Ich konnte es nicht fassen. Ich konnte nicht mehr mit ihr reden vorher. Sie war nicht mehr bei Bewusstsein. Grausam Ich mache mir auch Vorwürfe, das sie im Krankenhaus starb und nicht zuhause. Denn das war ein schrecklicher Tod.
Daher rührt auch meine Angst vor Tod und Sterben, Krankenhäusern und Medizinern und Krankheiten.

Dazusagen muss ich vielleicht noch, das mein Papa eine zeitlang stark alkoholabhängig war, darunter hatte ich auch sehr stark zu leiden, weil ich immer Angst hatte, das ihm auch was passiert, denn er ist und war auch nicht der jüngste. Mittlerweile ist er 71 und trinkt nicht mehr, was ich ihm hoch anrechne, das er es in seinem Alter geschafft hat, davon loszukommen.
Ich habe auch mittlerweile ein sehr schönes und gutes und herzliches Verhältnis zu ihm, das hatte ich vorher nie. Das kam erst so eine Zeitlang nach dem Tod meiner Mutter.

Nach dem Tod meiner Mutter ging meine Angst eigentlich mehr und mehr zurück, komisch eigentlich, ich hatte gedacht es würde dann noch schlimmer werden, aber so war es nicht. Ich ging weiterhin arbeiten, kümmerte mich um meinen Vater, der zwischenzeitlich immer mal wieder Alkoholexzesse bis zum Umfallen hatte und lebte irgendwie mein Leben.

Ein Jahr nach dem Tod meiner Mutter erkrankte meine Schwester an Schilddrüsenkrebs und musste operiert werden und zu Bestrahlungen (Radio-Jod-Therapie), das war auch sehr schlimm, denn ich dachte nun stirbt auch sie, aber sie besiegte den Krebs und ist mittlerweile geheilt.
Bei mir ist übrigens auch ein Schilddrüsenknoten festgestellt worden, der ist allerdings so klein, das man nicht sagen kann ob es ein guter oder böser Knoten ist, davor habe ich auch immer Angst, ich muss halbjährlich zu einer Untersuchung um zu sehen, ob er wächst, dann steht mir auch eine OP bevor, davor habe ich auch solche Angst, dann zu sterben oder Schlimmes zu erleben.
Wenn es etwas Böses ist.
Bald muss ich wieder zur Untersuchung, diesen Monat.
Eigentlich will ich auch dort nicht hin, denn ich hasse alles Medizinische. Außerdem muss ich dann auch in eine Großstadt fahren und das macht mir zusätzlich Angst, auf der Autobahn und so.
(Ich habe auch oft Probleme mit Durchfall durch die Angst und habe dann Angst es ist kein Klo in der Nähe) etc.

Man kann sagen von 1994 bis 1999 hatte ich keine Angst- und Panik mehr.
1996 fing ich meine Ausbildung als Erzieherin an und 1999 im Annerkennungsjahr kam die Angst und Panikstörung urplötzlich wieder. Bis ich im Endeffekt ab Januar 2000 krankgeschrieben wurde, und bis jetzt bin ich immer noch krank.
Zuerst hatte ich noch während der schulischen Ausbildung zur Erzieherin mehrmals plötzlich diese komischen Schwindelattacken, (so ca.1998/1999, in diesen Zeiträumen, sie traten sporadisch auf) ich brachte sie aber nicht mit Angst- und Panik in Verbindung. Ließ mich untersuchen (EEG, Neurologe, HNO, Herz-Kreislauf, Augen, Orthopädie) und nichts wurde gefunden. Also dachte ich vielleicht hatte ich zuviel Stress etc. Ich schloss trotzdem die schulische Ausbildung sehr gut ab. Ich bin also staatlich geprüfte Erzieherin.
Dann fing das Annerkennungsjahr an, das ich in einem integrativem Kindergarten machte, mit behinderten Kindern also und ca. 3/4 Monate nach Eintritt in das Berufsleben bekam ich auf der Arbeit und auf dem Weg zur Arbeit wieder unerträgliche Angst- und Panik, diesmal mit Schwerpunkt auf Umfallangst und Kreislaufversagen etc. Bei meiner ersten Erkrankung lag der Schwerpunkt auf Luftnot und Ersticken.
Ich arbeitete weiter bis ich halt nicht mehr konnte, weil mein Zustand so unerträglich wurde. Schwindelattacken hatte ich aber nicht mehr, also den schlimmen Schwindel, nur den Angstschwindel bei sonstigen Aktivitäten.
1999 noch während meines Anerkennungsjahres fing ich wieder eine Therapie an, in der ich noch heute bin und wo ich mich auch sehr gut aufgehoben fühle
Mein Annerkennungsjahr konnte ich leider nicht zu Ende führen. Aber was heißt leider, eigentlich habe ich mich in dem Beruf nicht wohl gefühlt, ich konnte es nicht ertragen soviel beobachtet zu werden, und das wird man in der Ausbildung, ständig kommen Lehrer und sehen einem beim Umgang mit den Kindern zu oder die Vorgesetzten oder die Eltern und ich hatte auch starke Zweifel ob ich das überhaupt könnte, obwohl mir meine Lehrer immer sehr gute Noten gaben und so, ich hatte starke Selbstzweifel und auch mit meiner Anleiterin kam ich nicht gut zurecht, sie war mal nett zu mir und bestärkte mich und im anderen Moment verunsicherte sie mich. Es war sehr ambivalent.
Ich war froh, sehr froh, als ich nicht mehr dort hinmusste und krankgeschrieben wurde.
Seit ich in Therapie war (1999 fing ich an) habe ich auch gedacht, die schlimmen Schwindelattacken kämen von der Psyche und ich hatte ja auch ab Mitte 1999 Ruhe vor dem Schwindel.
Ich dachte auch gar nicht mehr so oft an den Schwindel.

Bis jetzt halt, wo ich vor 3/4 Wochen wieder so eine schlimme Attacke hatte, ich habe ja erzählt, das hat mich wieder total verunsichert, weil ich dachte ich bekomme diese Schwindelanfälle nie mehr, mir ging es ja auch weitestgehend gut.
Ich habe nicht verstanden wieso er wieder da ist, weil ich ja auch meine Angst- und Panik zunehmend mehr in den Griff bekam und meine Depressionen, die ich auch anfangs stark hatte gut abgebaut hatte und wieder Spaß am Leben bekam. Deswegen verstehe ich nicht wieso ich wieder schwindelig wurde und wieder für 3 Tage dalag unfähig was machen zu können.
Ich kann dann wirklich nichts tun, weil es mir so schwindelig ist und jede Bewegung in so einem Anfall unerträglich ist und mir so hundsübel und schlecht ist, das ich denke jetzt ist wirklich Dein letztes Stündlein gekommen. Bitte verstehen Sie mich richtig. Es ist dann wirklich so schlimm, das ist keine Einbildung. Mir ist dann so als ob ich hin und hergeschaukelt würde. Ganz schrecklich und beängstigend. Nur im absolut ruhigen Liegen ohne jegliche Bewegung kann man es aushalten.

Gut, ich habe mich nicht unterkriegen lassen als der schlimme Schwindel wieder weg war ich gehe trotzdem weiterhin aus, probiere soviel wie möglich, aber diese Gedanken das der Schwindel wiederkommen kann und keiner kann mir dann helfen sind so schlimm, ich kann auch momentan nicht mehr gut schlafen, wache ich auf sind sofort die Gedanken an Schwindel und Krankheit da. Ich weiß nicht was ich machen soll, diesbezüglich.
Ich weiß ich muss mich ablenken und schöne Dinge machen, ich versuche es auch, aber die Gedanken schleichen sich halt trotzdem immer wieder ein und nachts ist es halt am allerschlimmsten.
Ich will das gar nicht. Aber es kommt so.

Zu Ihrer 2. Frage, wenn ich alleine irgendwohin gehe und ich bekomme extremen Schwindel was fürchte ich im schlimmsten Fall, wenn ich denke das der Schwindel primär nicht auf einer körperlichen Ursache beruht.
Im schlimmsten Fall muss ich mich anderen Menschen anvertrauen und sie bitten mir zu helfen, mich nach Hause zu bringen, denn in den schlimmen Schwindelattacken, kann ich nicht mehr alleine gerade ausgehen. Ich würde stark weinen müssen, wäre wahrscheinlich ziemlich hysterisch und hätte eine Wahnsinnspanik, denn auch wenn ich wüsste es ist psychisch, sind die Gefühlsregungen die ich bekomme so horror schlimm, Todesängste müsste ich ausstehen. Ich hätte Angst nie mehr nach Hause zu kommen, es nicht zu schaffen.
Ich hätte auch Angst andere Menschen zu bitten mir zu helfen, weil es mir peinlich wäre so öffentlich die Fassung zu verlieren, weil sie auch nicht verstehen würden was mit mir ist, das können nur Menschen die mir nahestehen, denen ich vertraue, am meisten mein Freund oder meine Schwester.
Ich hätte in dieser Situation wahnsinnige Angst meine geliebten Menschen nie mehr wiederzusehen, meine Katzen, ich hätte Angst in ein Krankenhaus zu kommen, wo man mich nicht versteht, wo ich ausgeliefert bin, wo man komische und schreckliche Dinge mit mir macht, wo ich auf fremde Hilfe angewiesen wäre, denen ich komplett und bis auf den Tod ausgeliefert wäre.
Wo ich Schmerzen und Leid alleine ertragen müsste, weil niemand weiß wo ich bin oder niemand zu mir darf.
Ich hätte Angst, das mir niemand glaubt oder das sie mich einfach in eine Nervenheilanstalt einweisen, weil sie denken würden ich wäre verrückt.
Das ich nichts mehr entscheiden kann, weil ich ja hilflos bin in solchen Situationen.
Ich hätte Angst nie mehr nach Hause in meine gemütlichte kleine Wohnung zu kommen zu all den Sachen, die mir was bedeuten, nie mehr kreativ sein zu können.
Das sind so meine Horrorvorstellungen, die in den schlimmen Schwindelattacken in meinem Kopf ablaufen. Ich denke das würde es, auch wenn ich wüsste es ist psychisch, denn wenn ich Angst- und Panikattacken bekomme läuft es ja auch so ähnlich ab, obwohl ich weiß Du hast jetzt eine Angst- und Panikattacke. Das ist irrational, ich weiß.
Paradox.

Frage 3 ist eigentlich so ähnlich zu beantworten, zu Hause hätte ich schon Angst vor dem was mir bevorsteht, tausend Fragen gingen mir durch den Kopf (sie fangen alle mit *was ist wenn* an, das sind so typische Sätze von mir), was ist wenn ich schwindelig werde, was ist wenn ich nicht mehr alleine nach hause komme, was ist wenn niemand mir helfen kann, was ist wenn ich ins Krankenhaus muss, was ist wenn ich dann nie wieder gesund werde, was ist wenn mich die Ärzte falsch behandeln und ich würde denken o Gott du bist ganz alleine, niemand ist bei dir um dich zu beruhigen wenn was ist du bist ausgeliefert, kannst dich doch nicht verständlich machen, niemand ist da der auf dich aufpasst etc. Mit diesen Fragen im Kopf würde ich schon ängstlich und hyperaufmerksam auf meine körperlichen Symptomatik mit einem schlechten Gefühl und hoch aufgeregt das Haus verlassen.
Ich würde losfahren (wenn ich es ausprobieren würde, würde ich eher mit dem Auto fahren, anstatt zu Fuß zu gehen, denn dann fühle ich mich noch unsicherer, im Auto sitze ich wenigstens.)
Ich säße also im Auto und wäre wahrscheinlich ziemlich am zittern, mir wäre übel und vielleicht hätte ich auch Würgereize, mir wäre kalt und die Gedankenkette wäre die gleiche, immer dieselben Fragen, was ist wenn und wenn dann und immer läuft es auf das Schlimmste hinaus. Ich hätte keine Angst tot umzufallen, das ist es bei mir gar nicht so sehr, ich habe mehr Angst vor dem Leidensweg vorher, verstehen Sie. Tod umzufallen plötzlich, das ist nicht das was mir so Angst macht. Das ist für mich eher unwahrscheinlich.
Ich würde also unter totaler Anspannung losfahren (übrigens bin ich selber schon mal wieder alleine ganz kleine Strecken gefahren allerdings nur unter der Voraussetzung, das jemand mir nachkommt, den ich kenne, damit wenn was passiert ich nicht alleine und hilflos bin.)
Und ich würde wohl auch ankommen unter größter Anstrengung.
Ich wäre dann zum Beispiel an meinem Ziel (Supermarkt) angekommen und würde hineingehen, auch hier wieder hätte ich nur die Gedankenkette im Kopf und wenn es mir dann so schwindelig würde, das ich nicht mehr alleine und ohne Hilfe weiterkomme würden mir die Gedanken wie unter Frage 2 beantwortet durch den Kopf gehen und ich würde panisch und hysterisch reagieren, wenn ich könnte würde ich noch versuchen alleine wegzukommen, zu rennen aber wenn es nicht ginge würde ich zusammenbrechen vor Angst, alles würde auf mich einstürzen, totale Reizüberflutung, etc.
Als Schlimmstes könnte passieren, das mich die Leute in ein Krankenhaus bringen lassen und ich da bleiben müsste, weil ich entweder für verrückt erklärt würde oder weil sie etwas Schlimmes bei mir finden könnten und ich dort verrecken (Entschuldigung) müsste. Das ich gezwungen werde dort zu bleiben und sie mir Schreckliches antun und ich alleine bin mit meinen Gedanken und Ängsten etc. Der blanke Horror!!!!
Es könnte natürlich ebenso gut sein, das gar nichts passiert und ich zwar unter Angst und Anspannung das alles durchstehe und wieder alleine nach Hause fahren könnte und nichts passieren würde, aber irgendwie gehe ich immer von der anderen Version aus, die kriege ich nicht aus dem Kopf und deswegen traue ich mich nicht.

Zu Frage 4: Die Begleitung muss mich beruhigen, mir helfen, mit den Ärzten reden, weil ich es nicht richtig kann, ich kann mich nicht richtig ausdrücken habe ich oft das Gefühl, das ich zu wirr und konfus daherrede und mich niemand richtig versteht, die Begleitung müsste mir da helfen und schauen, das mit mir nichts Schlimmes gemacht wird.
Sie muss auf mich aufpassen, da sein, ich brauche eine Hand die ich drücken kann, jemanden dem ich mich anvertrauen kann, an dem ich mich festhalten kann, ich will nicht alleine sein mit all dem ganzen Horror. Ich glaube ich habe Angst alleine nicht zurecht zu kommen, es ist unerträglich für mich der Gedanke so etwas alleine durchstehen zu müssen, verstehen Sie?
Auch wenn ich wüsste das ist alles psychisch bedingt und geht auch wieder weg und es passiert im Grunde nichts, aber diese Gefühle!!!!!!!!
Die sind so schrecklich, so Horror, alleine wenn ich jetzt darüber nachdenke könnte ich weinen und fühle mich schlimm

Lieber Herr Doktor, es tut so gut, sich das alles so von der Seele zu schreiben und ich möchte Ihnen danken, das sie zuhören und sich immer soviel Zeit nehmen um anderen zu helfen, das finde ich klasse von Ihnen. Denn ich kann mir denken, das sie so schon genug zu tun haben und ich finde es toll, das Sie sich trotzdem noch die Zeit nehmen und hier Fragen beantworten.

Ach so, was ich noch kurz erwähnen möchte, ist das ich schon als Säugling kurz nach der Geburt in ein Krankenhaus musste, für 6 Wochen, weil ich einen Magenpförtnerkrampf hatte, meine Eltern durften damals nur am Wochenende vorbeikommen und mich sehen und im Arm halten.
Ich weiß nicht ob das auch noch was damit zu tun hat, aber man nimmt ja auch als so kleiner Mensch schon alles wahr.
Ich bin sehr gespannt auf Ihre Mitteilung.


Viele liebe Grüße
Beavie

Hans Morschitzky  03.11.2001, 07:43:10

Liebe Beavie!

Ich kann mir Ihre Situation und auch Ihren Schwindel bzw. die verschiedenen Schwindelarten ganz gut vorstellen, denn ich habe viele Patientinnen wie Sie. Meistens handelt es sich dabei um jüngere Frauen, derzeit habe ich aber auch einen älteren männlichen Patienten, und zwar einen, der sein ganzes Leben hauptberuflich dem Sport gewidmet hat.

Die Mehrzahl der chronifizierten Schwindelpatienten hat meiner Erfahrung nach eine generalisierte Angststörung, nicht selten in Verbindung mit Krankheitsängsten, was derzeit leider noch i
mmer als hypochondrische Störung diagnostiziert werden muss (besser wäre „Gesundheitsangst“). Sie haben sich selbst auch so diagnostiziert.

Sie haben in verschiedenen Beiträgen, vor allem jedoch im letzten, Ihre Lebenssituation sehr offen und anschaulich beschrieben. Ich möchte im Moment bewusst noch nicht näher darauf eingehen, sondern primär bei der Schwindel-Symptomatik bleiben, denn diese fürchten Sie ja im Moment. Ich vertrete als Verhaltenstherapeut die Auffassung, dass man sich auch als Psychologe und Psychotherapeut mehr mit den Symptomen befassen muss als vielen Therapeuten lieb ist, die gerne am Hintergrund ansetzen.

18 Jahre Tätigkeit in der Psychiatrie haben mich insofern geprägt, als ich gesehen habe, dass die Betroffenen gerade wegen ihrer Symptome jede Menge Tabletten schlucken, im Krankenhaus bzw. im Krankenstand sind oder gar eine Berufsunfähigkeitspension haben.

Das berühmte „Aufarbeiten der Vergangenheit“ (und bei Ihnen findet man da jede Menge!) hilft meiner Erfahrung nach bei Schwindel recht wenig. Das kann man noch i
mmer tun, wenn man mit dem Schwindel besser umgehen kann. Akute Symptome sind immer Gegenwart. Schwindel hat zu tun mit der unmittelbaren Zukunft: „Was wird gleich passieren, wenn es mich dreht, wenn ich umfalle usw.?“ Die Ursachen Ihres Problems liegen in der nahen und weiteren Zukunft! In der Vergangenheit haben Ihre Probleme nur angefangen. Es wird das Ziel sein, dass Sie lernen, sich so ausreichend gesund vorzustellen und entsprechend zu handeln, dass Sie das Stadium der chronisch kranken jungen Frau verlassen können. Denn ich gehe davon aus, dass Sie lieber gesund wären und nicht vom berühmten „sekundären Krankheitsgewinn“ leben wollen (d.h. den Betroffenen wird unterstellt, dass sie gerne krank seien, weil sie verschiedene Vorteile hätten).

Schwindel ist die Angst, auf eigenen Füßen zu stehen – wie immer man dies auch verstehen mag, aber es ist so! Man kann sich immer dann am besten fallen lassen, wenn man weiß, dass man gut fällt, dass man aufgefangen wird, dass man geborgen ist.

Sie mussten sich leider allzu früh aus traurigen Gründen von der Geborgenheit des Elternhauses verabschieden, dann hatten Sie auch noch die Angst durchzustehen, die Schwester zu verlieren, deren Heilung auch Ihnen bei der Bewältigung Ihrer Symptome Ermutigung sein kann. An den Vater anlehnen war offensichtlich auch nicht möglich, denn der wankte selbst zu viel, bedingt durch jahrelangen Alkoholmissbrauch.

Ist es zufällig, dass Sie gerade nach der Erzieher-Ausbildung bzw. im Anerkennungsjahr plötzlich wieder mit Angst und Panik zu tun hatten? Oder soll man es so nennen, dass Sie jetzt hätten auf eigenen Füßen stehen sollen, in beruflicher Hinsicht wenigstens? Zuerst viel Krankheit in der Familie erlebt, dann den ganzen Tag tätig gewesen bei behinderten Kindern, wo Leid, Krankheit und Hilflosigkeit an der Tagesordnung sind? Diesen behinderten Kindern so viel geben müssen, wo Sie doch selbst noch so viel gebraucht hätten?

Durch Krankheit der beschriebenen Berufstätigkeit ausgekommen, stellt sich natürlich die Frage, wie es weitergehen soll, wenn Sie wieder gesund sind.

Ihr Schwindel macht Sie abhängig von anderen Leuten, denen Sie sich völlig ausgeliefert erleben. Sie leben durch Ihren Schwindel ständig in der Angst umzufallen und haben doch noch mehr Angst davor, wie die anderen Menschen auf Sie reagieren würden. Sie erleben sich innerlich als sehr schwach und wollen äußerlich überhaupt nicht schwach wirken. Nur auf keinen Menschen angewiesen sein, trotz aller Bedürftigkeit nach Zuwendung, die lebensgeschichtlich verständlich wäre. Ja, so leben viele Angstpatienten: real völlig abhängig, vom Idealbild her dagegen unabhängiger sein wollen, als normal ist (normal wäre es doch, auf andere zu vertrauen, sich auf andere einzulassen, sich von anderen helfen zu lassen, darauf zu vertrauen, dass anderen einen auffangen, wenn man fallen sollte, oder?).

Sie haben mit Ih
rem Schwindel eine rein körperlich erlebte Symptomatik, und doch fürchten Sie sich offensichtlich, dass andere Sie für geistig abnormal beurteilen könnten. Wie kommt das? Wie verhalten Sie sich denn bei massivem und akutem Schwindel, dass andere Sie für verrückt halten könnten? Die Angst, für immer in der Psychiatrie zu landen, haben nicht wenige Angstpatienten.

Ist das nicht interessant: Sie diskutieren mit mir von Anfang an die Möglichkeit, ob Ihr Schwindel nicht doch organisch sein könnte und haben noch viel mehr Angst davor, in der Psychiatrie zu landen. Ihr Schwindel scheint Sie also handlungsunfähig zu machen und anderen Menschen die Macht über Sie zu geben, Sie in die Psychiatrie einzuliefern, weil Sie sich wegen Ihres Schwindels auffällig verhalten. Auf diese Idee käme kaum jemand, der einen organisch bedingten Schwindel hat. Diese Personen wären froh, wenn sie wirklich eingeliefert würden (auf die Neurologie allerdings). Sie dagegen erwarten in der Psychiatrie nicht Heilung, sondern fürchten ewiges Gefangensein, nie mehr Entlassenwerden. Das ist eine typische Angst vieler Menschen mit generalisierter Angststörung: Endstation Psychiatrie!

Gleichzeitig erwarten Sie von den Ärzten keine Hilfe, sondern fürchten eine falsche Behandlung. Ist das nicht sehr eigenartig: die Ärzte ständig aufsuchen und sich dann doch vor ihnen fürchten. Dies zeigt doch wieder dieselbe Ambivalenz wie gegenüber allen anderen Menschen: einerseits auf andere Menschen hoffen, sie andererseits aber doch zugleich auch fürchten. „Nähe-Distanz-Problem“ pflegen Psychologen dieses Verhalten zu nennen: Wunsch nach Nähe und Hilfe und zugleich auch Angst davor, denn dadurch kann man sich ja auch ausgeliefert und abhängig fühlen!

Durch Ihren letzten Beitrag zieht sich immer die Angst durch, alles bewusst erleben zu müssen, eben gerade nicht zu sterben, wenn es Ihnen schlecht geht. Sie haben es richtig erkannt: der Gedanke an den Tod ist doch eigentlich nicht das wirklich Arge, wenn man weiß, dass man gar nicht so schnell sterben kann, qualvoller ist es dagegen, „bei lebendigem Leib“ mitansehen zu müssen, was die anderen mit einem machen könnten. Sie würden sich so zusa
mmenreißen, dass Sie auf keinen Fall auffallen, denn dies wäre das Schlimmste, das passieren könnte. Auffallen ist so etwas wie eine „Psychiatrische“ zu sein, eben wie eine Aussätzige halt in früheren Zeiten, ausgestoßen aus der Gesellschaft, keine Chance auf einen Platz in der Gemeinschaft.

Schon als Kleinkind wurden Sie offensichtlich so behandelt aus medizinischen Gründen, die ein kleines Kind halt nicht verstehen kann: Sie mussten zu Ihrer körperlichen Heilung im Spital sein – und dort viel leiden, verlassen von den Eltern.

Abschließend noch etwas ganz kurz: Wenn jemand (wirklich „nur“ und primär) eine generalisierte Angststörung hat, dann ist es mein Bestreben, jemand so schnell wie möglich zu helfen, bald wieder aus der Psychiatrie hinauszukommen, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Betroffenen in der Psychiatrie eher „hineinsteigern“ als dass sie den Aufenthalt als Hilfe erleben würden. Oft werden die Betroffenen unnötig stark sediert und für depressiver erklärt als nötig.

Ich habe Ihnen in diesem Schreiben noch keine Tipps gegeben. Ich will jetzt nur mal sehen, ob ich Sie richtig verstanden habe und Ihre Worte richtig zusammengefasst habe.

Mit besten Grüßen!

Hans Morschitzky

 

Beavie  06.11.2001, 09:46:52

Lieber Herr Doktor,
ich habe Ihre Antwort mehrmals aufmerksam gelesen und sie mir gut durch den Kopf gehen lassen, ich habe darüber sehr nachgedacht und antworte deswegen auch erst jetzt ich finde mich in Ihren Ausführungen wieder.
Außer in einem Punkt und zwar habe ich ab und an zwar auch die Horrorvorstellung in einer Psychiatrie zu landen aber bei mir ist es doch eher die Angst irgendwo in einem Krankenhaus zu landen, egal welcher Richtung, es ist die Angst nur noch als Pflegefall schrecklich dahinzuvegetieren, egal in welchem Krankenhaus, todschwindelig, einfach alleine, ausgeliefert mit Schmerzen, Ängsten, angeschlossen an Apparaturen, elendig lange bis zum Tod.
Die Psychiatrie ist sicherlich auch für mich ein Schreckgespinst aber ich hoffe und glaube auch eigentlich das ich dort nie hinkomme, da sind die anderen Krankenhäuser schon wahrscheinlicher.

Ansonsten finde ich haben Sie mich ganz gut verstanden und ich weiß auch das dies hier kein Therapieersatz oder eine Konkurrenz zu meiner Therapie sein soll oder kann und das ist auch in Ordnung so. Aber ich bin sehr froh und erleichert mit Ihnen meine Thematik besprechen zu können.
Manchmal braucht man noch jemanden der einen unterstützt und der wieder andere Anregungen weitergibt.
Sie haben völlig recht, wenn Sie sagen das Sie sich vorstellen können das ich nicht als die chronisch kranke Frau weiterleben möchte, ich will das wirklich nicht, ich will mein Leben leben, mich verwirklichen. Ich wäre lieber gesund, am liebsten sofort, wenn es nur ein Wundermittel geben würde, was einen von einer Sekunde auf die andere heilt, aber das gibt es nicht.
Es muss wohl von mir selber, von mir drinnen kommen, nicht wahr.
Ich finde nur den Weg nicht.

Sie haben recht damit wenn Sie sagen man hat Angst auf eigenen Füßen zu stehen, das trifft es bei mir 100%!!!
Ich habe davor Angst, ich würde am liebsten immer beschützt sein von anderen und gehütet und so weiter, manchmal wünsche ich mir ich wäre noch klein, ein Kind, das keine Verantwortung tragen muss, das behütet wird, dem Unangenehme Dinge abgenommen werden.
Ich habe Zukunftsängste, was soll ich machen? Zum Beispiel auch beruflich? Ich kann mich nicht in einem 8 Stunden Job sehen, ich könnte das zur Zeit immer noch nicht durchstehen und ich will das eigentlich auch nicht, ich will nicht jemandem anderen 8 Stunden zur Verfügung stehen, ich will was für mich machen!!
Ich hatte schon erwähnt, das ich künstlerisch/kreativ sehr begabt und engagiert bin und ich wenn ich etwas mit meinen Händen mache und etwas entsteht, was man anfassen und betrachten kann und woran sich andere Menschen dran erfreuen gehe ich total darin auf!! Das erfüllt mich, es erfüllt mich mit großer Freude und Zufriedenheit, ich würde mich gerne selbständig machen mit Dekorationen aller Art und einem kleinen Gewerbe, ich denke darüber oft nach, nur denke ich dann manchmal auf der anderen Seite *Ach so gut bist Du auch nicht und das klappt eh nicht und so weiter)
Ich habe oft kein Selbstvertrauen, das ist sehr minimal bei mir. Ich halte mich zum Beispiel auch manchmal für nicht liebenswert, hässlich, ekelig.
Ich will auch immer alles perfekt machen. Mit anderen Menschen zu reden fällt mir schwer, vor allem meine Meinung zu vertreten oder mal was Negatives oder Nein zu sagen. Das liegt alles bei mir im Argen. Ich schäme mich manchmal meiner selbst und dann kann ich auch nicht flüssig reden mit anderen (zum Beispiel Ärzten oder anderen Respektspersonen, dann wird alles verwirrend und ich komme mir wieder blöd vor. Total. Und dann bin ich noch mehr verunsichert über mich und denke alleine schaffst Du das nicht. Ich kann meine Interessen nicht durchgreifend genug rüberbringen.
So unselbständig bin ich irgendwo immer noch, obwohl ich damals doch alles managen musste, als meine Mutter starb.
Ich möchte gerne so vieles ändern aber schaffe es nicht.
Ich traue mich nicht.
Ich hasse mich in den Momenten wo ich zum Beispiel vor einem Arzt sitze und ihm meine Situation erklären muss, was ich habe und was ich von ihm will und wenn er dann ein bisschen komisch guckt, bin ich total verunsichert davon und denke *er denkt jetzt ich rede nicht die Wahrheit, er glaubt mir nicht, er denkt ich bin nicht krank, verstelle mich etc.*
Das ist nicht nur bei Ärzten so, sondern allgemein bei Menschen, immer denke ich das interessiert die eh nicht oder was ich rede ist Müll oder was ich darstelle ist Müll.
Ich bin eine Kranke, nichts wert.
Im Moment habe ich sehr viel zu regeln, was meine finanzielle Regelung betrifft, ich bin aus dem Krankengeldbezug ausgesteuert und arbeitslos kann ich mich nicht melden.
Ich musste zum Sozialamt gehen und mich sozialhilfebedürtig melden, was für eine Schmach!!!
Dieser ganze Papierberg, das Durchleuchten, das Offenbaren, schrecklich, ich habe mich so mies gefühlt, mit dem Gedanken Sozialhilfeempfänger zu sein.
Zudem kam, das der Betrag den ich vom Sozialamt bekam wirklich ein Witz war, da mein Vater als kleiner Rentner verpflichtet wurde einen Riesenbatzen Unterhalt zu zahlen, so das das Sozialamt praktisch nur noch den Betrag zu meiner Krankenversicherung zahlen musste und dafür der ganze Mist, die ganze Aufregung. Nein, das wollte ich nicht. Also habe ich ab November wieder freiwillig auf die Sozialhilfe verzichtet, weil ich es hirnrissig finde, wenn mein Vater das Geld erst an die Stadt und dann die Stadt an mich zahlt.
Für die paar Mark die mir das Sozialamt zahlte wollte ich nicht mit dem Gefühl leben ein Sozialhilfeempfänger zu sein.
Im Endeffekt war ich nur 2 Monate Sozialhilfeempfänger.
Jetzt muss ich halt schauen wie es weitergeht, aber ich bin wenigstens sehr erleichert diesem Gefühl *Ich bin ein Sozialhilfeempfänger* entronnen zu sein.

Ich würde so gerne mit meinen Händen meinen Lebensunterhalt bestreiten. Aber ich weiß nicht ob ich es hinbekomme, ob ich gut genug bin.

Wissen Sie ich hatte auch immer Angst als ich noch ganztägig arbeiten war, das mein Papa nicht mehr das wäre, wenn ich nach Hause käme, das er gestorben wäre.
Ich bin nicht gerne getrennt von meiner Familie und meinen Lieben. Ich kann das ganz schlecht verkraften. Ich hätte am liebsten immer alle Menschen, die ich liebe um mich, ich weiß das das nicht geht, aber das wäre mein Traum.
Ich finde es auf der einen Seite auch wunderschön jetzt so viel Zeit auch noch mit meinem Papa zu verbringen, denn er ist jetzt schon 71 Jahre alt und ich genieße jeden Augenblick mit ihm.
Ich habe furchtbare Angst ihn zu verlieren, wenn er stirbt. Er ist doch das Einzige was mir von meinen Eltern geblieben ist und als Kind hatte ich nicht viel von ihm, da er sehr viel gearbeitet hat. Ich versorge ihn auch mit.
Wir wohnen in einem Mietshaus, er hat unten eine Wohnung und ich mit meinem Freund zusammen oben im Haus.

Ich finde Sie haben mich sehr gut verstanden und haben meine Worte richtig zusammengefasst.
Ich weiß nur nicht wieso mich dieser Schwindel heimsucht und mich jetzt nach fast 3 Jahren Ruhe wieder heimsucht.
Ich denke damals als ich in der Ausbildung war hatte es ganz schön was damit zu tun auf eigenen Beinen stehen zu müssen. Ich habe mich nie sehr wohl dabei gefühlt.
Damals konnte ich den Schwindel auch noch als etwas psychisches verstehen, weil ich mit der ganzen Situation nicht zufrieden war, aber wieso hat mich der Schwindel jetzt wieder so umgehauen? Wieso ist er wieder gekommen? Ich verstehe das nicht.
Zur Zeit kann ich nur noch sehr schlecht durchschlafen, andauernd wache ich auf und muss an Schwindel denken, tagsüber geht es noch, da kann ich mich noch weitestgehend ablenken aber nachts!! Da kommt es wie angeflogen diese ganzen Gedanken, diese Horrorgedanken:
Schwindel, Ängste, Krankheitsängste, schlechte Gefühle, etc. Ich weiß nicht wie ich es abbauen kann.
Meinen Sie das ich irgendwann einmall wieder normal leben kann? Ich weißes nicht, ich hoffe es und will hart daran arbeiten, denn ich will es wieder können.
Vielen Dank erst einmall fürs Zuhören und ich bin gespannt auf Ihre Antwort!!


Viele liebe Grüße
Beavie

 

Beavie  09.11.2001, 08:26:14

Lieber Doktor!

Haben Sie meinen letzten Bericht vom 06.11.2001 schon gelesen?

Am gestrigen Donnerstag war ich beim EEG, es muss jetzt noch ausgewertet werden, nächste Woche Freitag kriege ich das Ergebnis. Davor habe ich schon arge Angst. Ich hatte auch bei der Untersuchung Angst, als ich 3 Minuten heftig atmen sollte. Da habe ich der Arzthelferin Bescheid gesagt.
Am liebsten würde ich gar nicht mehr zu Ärzten und Untersuchungen gehen, irgendwie fühle ich mich auf der einen Seite immer nur noch kränker wenn ich zu Untersuchungen muss aber andererseits ist es wie ein Zwang, alles noch mal untersuchen zu lassen.
Ich habe noch so viele Termine!!! Beim Orthopäden, beim Augenarzt, bei der Radiologie (CT), beim Hausarzt, zur Schilddrüsenkontrolle.... Schrecklich, da mache ich mir auch schon so viel Angst und Sorgen, vor den Untersuchungen, den Ergebnissen... Ich weiß nicht wie ich das alles gelassener sehen und empfinden soll.

Ich mache mir immer noch so viele Sorgen und Gedanken, über den Schwindel, ich habe solche Angst vor einem neuen Anfall, obwohl es mir zur Zeit schwindelmäßig gut geht, ich habe nur den Angstschwindel, nicht die schlimme Attacke, aber ich habe vor einer neuen Attacke wahnsinnig Panik. Nachts kann ich nicht mehr durchschlafen, ich wache andauernd geplagt von Sorgen und Ängsten auf und habe Angst mich zu bewegen also mich umzudrehen im Bett, weil ich denke der Schwindel könnte wieder da sein. Schrecklich ist das, was kann ich dagegen tun? Vorm Einschlafen versuche ich mich immer zu entspannen, mache eine Art Meditation, versuche die Muskeln zu entspannen und zu denken Loslassen! Aber wenn ich dann aufwache ist meine Gefühlslage für mich sehr schlimm. Auch mein Hals/Nacken ist immer so verkrampft wenn ich zwischendurch aufwache.

Können Sie mich verstehen? Und sagen Sie mir bitte mal aus Ihrer Sicht, ob Sie auch denken, so wie sie mich bisher kennen und was sie so von meinen Untersuchungsergebnissen wissen, ob sie tatsächlich davon ausgehen können, das der Schwindel psychisch ist, obwohl er so extrem ist.
Ich möchte nicht, das sich der Schwindel manifestiert, wissen Sie? Ich möchte dagegen angehen. Ich finde es halt so komisch, das ich diese schlimmen Schwindelattacken immer in so Abständen bekomme, das es dann ganz schlimm ist für ca.3 Tage, so das ich wirklich eine Art Pflegfall bin und das er dann sich wieder ausschleicht. Das Schema ist immer das Gleiche, damals vor 2einhalb Jahren war es auch immer so. In Abständen von Monaten immer diese Anfälle, die für ca. 3 Tage anhielten und dann war es irgendwann wieder weg. Ich verstehe das nicht. Nur das damals mein Ohr und Gleichgewichtsorgan noch in Ordnung war.

Außerdem habe ich Angst, das diese Anfälle nie mehr weg gehen. Das der schlimme Schwindel irgendwann für immer anhält, das ich nie mehr was machen kann, immer liegen muss. Haben Sie schon einmal von so etwas gehört? Das jemand für immer starken Schwindel hat, das er sein Leben lang nur noch liegen konnte?
Ich habe auch meinen HNO-Arzt dazu befragt und er verunsicherte mich, indem er sagte, das er schon mal von solchen Fällen gehört hätte, diese Personen aber an Diabetes oder Bauchspeichelerkrankungen litten oder sich vergiftet hätten durch Antibiotika!!!!
Auf Diabetes habe ich mich noch nie untersuchen lassen.

Gestern habe ich auch ein Diagnosebrief von meinem HNO-Arzt geschickt bekommen. Darin steht: Kein Spontannystagmus, wohl Kopfschüttelnystagmus nach rechts. Rhomberg und Unterbergertretversuch unsicher. Experimentell ist das linke Labyrinth weniger gut erregbar als das Rechte. Diagnose: Neuropathia vestibularis links, HWS-Syndrom, Angstpsychose
Therapieempfehlung: Kernspin des Schädels, Therapie mit Ginkopret und Akupunktur.

Ich weiß gar nicht was das alles heißt, mein Arzt hat mir das so gar nicht erklärt. Und Ginkopret hat er mir auch nicht verschrieben, das solle ich mir selber holen. Ich finde die Diagnose hört sich so schrecklich krank an!!!!
Schlimm, je mehr ich mich auch untersuchen lassen, desto kränker fühle ich mich auch. Was halten Sie von der oben beschriebenen Diagnose?

Ich probiere neuerdings auch ein bisschen die Ayurveda aus, ich hoffe, das wird mir ein bisschen helfen.
Was soll ich bloss machen?
Ich hab so schreckliche Angst in ein Krankenhaus zu müssen und schreckliche Dinge erleben zu müssen. Wie komme ich aus diesen Gedankengängen raus?

Und zu meinen Gesundheitsängsten wollte ich auch noch wissen, ob man durch so negative Gedanken, wirklich Krankheiten produzieren kann? Zum Beispiel Krebs oder andere schlimme Dinge? Ich kann diese dummen Gedanken nicht abschalten, ich möchte es so gerne aber es klappt nicht!!!!!!
Ich glaube ich habe auch diese somatoformen Störungen! Ich hatte in der letzten Zeit vor dem letzen Schwindel, andauernd was anderes, mal Schmerzen in Armen und Beinen, oder sogar Taubheits- bzw. Kribbelgefühle in Armen und Beinen (ohne Befund) schreckliche Nervenschmerzen in einer Schulter (ohne Befund), Bauchschmerzen mit starken Blähungen, Durchfall mit Krämpfen, ach alles mögliche Körperliche habe ich schon gehabt und immer gedacht, das ist was Schlimmes, an dem Du stirbst und dann war ich bei Ärzten und es wurde nie was gefunden.

Ich habe manchmal auch Angst, das ich nie wieder *normal* leben kann und mich immer damit rumschlagen muss, das ich keine Kinder kriegen darf, wegen der Angst bzw. wegen dem Schwindel. Das es mir meine ganze Zukunft und mein ganzes Leben zerstört.

Ich freue mich auf eine Antwort von Ihnen, schon mal vielen Dank im voraus dafür!!
Liebe Grüße
Beavie

Hans Morschitzky  09.11.2001, 22:55:07

Liebe Beavie!

Danke für Ihre große Offenheit in den beiden letzten Beiträgen. Wenn Sie so weiter machen, kann ich Ihnen schon jetzt voraussagen, dass Ihre Beiträge zu den in diesem Forum am meisten aufgerufenen Beiträgen gehören wird.

In ihrem vorletzten Beitrag haben Sie mir bestätigt, dass ich Sie richtig verstanden habe, und Sie haben mir weitere einfühlbare Hintergründe für Ihre somatoformen Beschwerden dargestellt.

In Ihrem letzten Beitrag haben Sie dagegen für alle, die keine derartige Störung wie Sie aufweisen, dargelegt, wie man gleichzeitig dennoch weiterhin auf der organischen Schiene weiter fahren kann. Ich würde diesen Beitrag sogar unter das Motto stellen: "Anleitung zur Hypochondrie unter Mitwirkung der gesamten High-Tech-Medizin".


> Am liebsten würde ich gar nicht mehr zu Ärzten und Untersuchungen gehen, irgendwie fühle ich mich auf der einen Seite immer nur noch kränker wenn ich zu Untersuchungen muss aber andererseits ist es wie ein Zwang, alles noch mal untersuchen zu lassen.
Ich habe noch so viele Termine!!! Beim Orthopäden, beim Augenarzt, bei der Radiologie (CT), beim Hausarzt, zur Schilddrüsenkontrolle.... Schrecklich, da mache ich mir auch schon so viel Angst und Sorgen, vor den Untersuchungen, den Ergebnissen... Ich weiß nicht wie ich das alles gelassener sehen und empfinden soll.

Diese Ambivalenz ist typisch: einerseits am liebsten zu keinem Arzt mehr, andererseits am besten täglich ein neuer Doktor.

> Kein Spontannystagmus, wohl Kopfschüttelnystagmus nach rechts. Rhomberg und Unterbergertretversuch unsicher. Experimentell ist das linke Labyrinth weniger gut erregbar als das Rechte. Diagnose: Neuropathia vestibularis links, HWS-Syndrom, Angstpsychose Therapieempfehlung: Kernspin des Schädels, Therapie mit Ginkopret und Akkupunktur.

Nach der HNO-Untersuchung erhalten Sie nun also die gesamten Diagnosen, die Sie nicht einmal verstehen und die ich Ihnen als Psychologe erklären soll. Ist das ein "gesundes" Medizinsystem, wo Leute, die ihren Körper nicht verstehen, sich untersuchen lassen, und dann Diagnosen erhalten, die sie ebenfalls nicht verstehen?

Also eine Angstpsychose gibt es nicht! Sie haben vielmehr eine somatoforme Störung mit Hypochondrie, iatrogen verstärkt (d.h. die Doktoren sind nicht ganz unschuldig). HWS-Syndrom heißt Hals-Wirbelsäulen-Syndrom.

> Und zu meinen Gesundheitsängsten wollte ich auch noch wissen, ob man durch so negative Gedanken, wirklich Krankheiten produzieren kann? Zum Beispiel Krebs oder andere schlimme Dinge?

Leider gibt es genug Schwachsinnige, die Ihnen diese Fragen durchaus bejahen und dadurch bei Ihnen alles noch viel schlimmer machen. Solche Märchen finden Sie leider gar nicht selten unter Psychotherapeuten oder Möchte-Gern-Psychotherapeuten. Jedenfalls verstärkt dies dann von der Psychoseite erst recht die Entwicklung zur Hypochondrie.

> Ich glaube ich habe auch diese somatoformen Störungen! Ich hatte in der letzten Zeit vor dem letzen Schwindel, andauernd was anderes, mal Schmerzen in Armen und Beinen, oder sogar Taubheits- bzw. Kribbelgefühle in Armen und Beinen (ohne Befund) schreckliche Nervenschmerzen in einer Schulter (ohne Befund), Bauchschmerzen mit starken Blähungen, Durchfall mit Krämpfen, ach alles mögliche Körperliche habe ich schon gehabt und immer gedacht, das ist was Schlimmes, an dem Du stirbst und dann war ich bei Ärzten und es wurde nie was gefunden.

Hier beschreiben Sie, wie es zur Kostensteigerung im Medizinsystem kommt. Es war zwar alles unnötig, aber die Ärzte leben ganz gut davon.

Alle Symptome, die Sie mir geschrieben haben, kenne ich von vielen meiner Patientinnen.

Ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen einmal so geht wie Pepsi. Sie fühlt sich dauerhaft geheilt und hat sich von allen Foren verabschiedet, weil Sie gesund leben möchte.


Mit besten Grüßen einstweilen!

Hans Morschitzky

Beavie  12.11.2001, 12:39:46

Lieber Herr Doktor!

Also erstmal muss ich Ihnen sagen ich musste doch mal schmunzeln, als sie in Ihrer letzten Antwort geschrieben haben:

Ich würde diesen Beitrag sogar unter das Motto stellen: "Anleitung zur Hypochondrie unter Mitwirkung der gesamten High-Tech-Medizin".

Es ist wirklich so, manchmal kann ich das rational auch so sehen, aber in Angst und Panikmomenten kann ich nicht mehr rational denken, bzw. auch in den Schwindelattacken, da ist mein rationaler Geist völlig außer Kontrolle und ich reagiere nur noch absolut emotional, rationales Denken ist da nicht mehr drin, nur Panikgedanken.

Und zu meiner Diagnose vom HNO haben Sie ja in ihrem letzen Beitrag nicht geschrieben:
"Um Gottes Willen, gehen Sie sofort zu einem Krankenhaus, mit Ihrer Neuropathia vestibularis, das ist nichts Seelisches, das muss stationär behandelt werden..."

Sie haben konkret dazu nichts gesagt, also ich gehe davon aus, da Sie sich ja mit Diagnosen auskennen, das Sie davon ausgehen, dass die Störung meines Gleichgewichts von meiner demolierten Psyche herrührt und es wirklich so sein kann, liege ich da richtig? Bitte beantworten Sie mir diese Frage.

Wissen Sie, ich versuche wirklich diese seltsamen Schwindelstörungen als psychisch anzusehen. Nur denke ich halt manchmal, es kann doch nicht sein, das meine Psyche so extrem stark ist, das es mich regelrecht so umhaut und unfähig macht. Ich bilde mir ja diese Symptomatik nicht ein, ich fühle dann ja wirklich so, mir geht es dann so extrem schlecht, das können sich nur wenige vorstellen.
Ich habe manchmal auch Angst mir glaubt keiner, das es wirklich so schlimm ist, das andere denken, die bildet sich das nur ein, verstehen Sie das?

Ich bin beruhigt, das man sich nach Ihrer Aussage keine schlimmen Krankheiten "andenken" kann, aber wie kommt es dann, das man sich den Schwindel so herbeiführen kann durch die Ängste, die man hat?

Ich würde auch so gerne wieder ein gesundes Leben führen können wie Pepsi, ich bewundere und beneide sie, das sie es geschafft hat, ich möchte es auch so gerne, aber manchmal zweifle ich an mir, ob ich es wirklich schaffe, da wieder raus zu kommen. An guten Tagen denke ich allerdings oft, das ich es schaffe.
Dort ist auch wieder so eine Ambivalenz bei mir zu sehen.
Irgendwie habe ich überall Ambivalenz, meinen Sie auch?

Was für konkrete Tipps könne Sie mir zur Veränderung meiner Denkstrukturen geben? Was kann ich aktiv tun? Wie bekomme ich diese schlechten Gedanken aus meinem Kopf raus, ich habe manchmal das Gefühl das hat sich alles so reingefreseen in meine Seele, das sitzt so tief, das ´man es kaum wegbekommt.
Es hat sich festgehakt!!!!

Wie gesagt ich versuche Dinge zu tun die mir gut tun, die mir Freude machen, aus denen ich Lebenskraft ziehe, aber manchmal kann ich nicht mehr, dann bin ich so traurig und schlapp und erschöpft und auch mutlos und nachts ist es halt besonders schlimm. Immer diese ekligen Gedanken beim Aufwachen, sie sind einfach da.

Jetzt am Wochenende habe ich wieder für mich viel unternommen, ich war auf einem Geburtstag für 2 Stunden
(vor einiger Zeit noch unmöglich für mich, ruhig dazusitzen, mich mit anderen zu unterhalten etc.) Und auf einem schönen Martinsmarkt, wo unheimliches Gedränge und Geschiebe und Menschenmengen waren.
Mir war zwar nicht sehr wohl dabei und ich hatte auch den Angstschwindel und weitere Erscheinungen (Unsicherheit auf den Beinen, Reizüberflutung der Sinnesorgane (Ohren/Augen) aber ich bin über den gesamten Markt gegangen und habe auch verschiedene Stände besichtigt. (Auch vor einiger Zeit überhaupt nicht möglich!!)
Darüber bin ich sehr stolz und ich freue mich darüber wie ein Spatz! Mein Freund und mein Papa auch, die waren mit und haben sich auch wahnsinnig gefreut!!!!

Was ich Ihnen auch noch erzählen möchte ist noch etwas zu meinen starken Schwindelattacken.
Ich weiß, ich nerve, weil ich immer wiederhole, aber das ist bei mir auch schon so ein Zwang geworden, ich denke das derjenige dem ich das erzähle versteht es nicht richtig, verrückt oder? Oder das ich was Wichtiges vergessen habe.

Also ich habe ja bevor der Schwindel so richtig todesmässig turbodrehend losgeht diese eine Woche Vorboten, wo mir nur in bestimmten Kopfbewegungen und Augenbewegungen schwindelig ist und dann irgendwann urplötzlich verschlimmert sich das Ganze und es fängt an irre zu drehen und mich ganz schwindelig zu machen, so das ich nicht mehr geradeaus gehen kann, nicht mehr nach unten sehen kann, nicht mehr zur Seite, noch nicht mal den Kopf liegenderweise bewegen kann, weil es mir so unglaublich schwindelig wird, das ich denke ich sitze in so einer Maschine wo Astronauten getestet werden.

Wenn das plötzlich auftaucht bekomme ich wohl auch eine Panik/Angstattacke dazu, ich habe mal genau darüber nachgedacht wie es das letzte Mal war.
Als ich nämlich merkte das mir ganz komisch schwindelig wurde, das der Schwindel also immer extremer wurde, bekam ich auch furchtbares Herzklopfen, das dachte, mir zerspringt das Herz im Leib, ich bekam schrecklich schlechte Luft, übelste Übelkeit überfiel mich, Zittern wie als ob ich bei 100Grad minus schockgefrostet werde, absolutes schwammiges zittriges schwaches Gefühl in den Beinen, Horrorgedanken rasten durch den Kopf, kalte Hände und Füße, totales unwirkliches Gefühle "Das kann Dir doch nicht schon wieder passieren, das bist jetzt nicht Du, das kann nicht sein" alles zusammen. Danach bleibt der Schwindel aber stetig da für bis zu 3 Tagen. Diese extremem körperlichen anderen Symptome gehen nach 1 oder 2 Stunden wieder zurück, aber der extreme Schwindelzustand bleibt, er ist so unglaublich bedrohend wissen Sie, ich bin dann auch total aufgelöst und habe so Angst vor diesem sch..Schwindel, ich weiß dann auch nicht mehr was ich tun soll, ich kann dann nichts tun, nur bewegungslos liegen und hoffen, das es wieder weg geht.
Das paradoxe ist das ich am liebsten in diesen schlimmen Tagen aufstehen will, aber es ist wirklich nicht möglich, mir wird es so drehend schlimm, das ich nur mit Mühe und Not zur Toilette gehen kann und das nur mit Hilfe.

Was kann ich bloß tun, damit ich diese Anfälle nicht mehr bekomme? Und wenn ich sie noch einmal bekomme, wie soll ich mich verhalten, was tun? Wie kann ich mir da helfen? Wie kann ich Gedanken vermeiden, die mich dann überfallen "Wann kommt er wieder, geht er dann wieder weg, was mache ich dann bloß, wie halte ich diese Gefühle wieder aus...?"
Wie kann ich die Angst vor dem Schwindel, die mich jetzt andauernd in ihrem Griff hält bekämpfen?

Wissen Sie wenn ich jetzt über den Schwindel schreibe, bekomme ich auch unangenehme Gefühle, die Angst davor. Es sind so schlimme Gefühle, die man dann aushalten muss. Verstehen Sie?

Können Sie mir denn auch mal bitte sagen, ob sie in ihrer langen Laufbahn schon mal jemanden als Patienten hatten oder von jemandem anderen gehört haben, das es Menschen gibt, die für immer schwindelig dalagen und dahinvegetierten mussten bis an ihr Ende? Das kein Arzt auf der Welt helfen konnte?
Egal jetzt ob der Schwindel primär psychisch oder primär körperlich bedingt war, das jemand absolut lebensunfähig wurde und nur noch litt? Wissen Sie ich habe Angst davor, das der schlimme starke Schwindel nie mehr weg geht eines Tages, das ich ihn bekomme und dann noch vielleicht 50 Jahre (jetzt bin ich 28, wenn ich Glück oder Pech habe, wie man es nimmt, könnte ich ja 78 werden) nur noch liegen kann mit den Schwindelgefühlen. Gibt es so etwas?

Gehen Sie bei mir auch primär davon aus, das es psychisch bedingt ist?

Lieber Herr Doktor, ich möchte Ihnen auch mal meinen Dank aussprechen, das sie sich so hier in diesem Forum einsetzten. Das finde ich fast unglaublich, das es noch Menschen gibt, die einem helfen ohne das sie eine Gegenleistung fordern. Das finde ich ganz bewundernswert, wo gibt es das noch in unserer kalten herzlosen Gesellschaft. Und es gibt mir ein Stück Glauben an die Menschheit und an Ärzte zurück.

Ich bin wieder gespannt auf Ihre Antwort!

Liebe Grüße
Beavie

Hans Morschitzky  13.11.2001, 00:15:04

Liebe Beavie!

Eine Neuropathia vestibularis ist eine gewöhnlich einseitige, akute Funktionsstörung des vestibulären Anteils des Nervus vestibulocochlearis (Hirnnerv VIII) und besteht klinisch in folgenden Symptomen: akut einsetzender, heftiger Drehschwindel, Fallneigung zum betroffenen Ohr, vegetative Symptome mit Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüchen, gegebenenfalls Geh- und Stehunfähigkeit.

Im akuten Stadium hat man eine Fallneigung in Richtung des erkrankten Ohres. Ein akuter, plötzlicher Drehschwindel geht mit Übelkeit und Erbrechen einher. Haben Sie das in diesem Zustand? Nach dem akuten Zustand folgt ein weniger ausgeprägter Dauerschwindel mit Gangunsicherheit, die mehrere Wochen anhalten kann. Typischerweise fehlen daher weitere Innenohrsymptome (Tinnitus, Hörminderung).

Die Ursache ist noch nicht geklärt. Im Einzelfall kann z.B. ein Virusinfekt zu einer akuten Mikrozirkulationsstörung im Bereich des Labyrinths (des Gleichgewichtsorgans) vorliegen. Schnelle Drehbewegungen des Kopfes lösen einen Drehschwindel aus.

Ich habe nicht gesagt, dass diese Störung psychisch bedingt ist. Wenn Sie wirklich diesen Schwindel haben/hätten, wäre keine psychische Verursachung anzunehmen. Die Frage ist, ob Sie überhaupt eine Neuropathia vestibularis haben. Ein HNO-Arzt wird es natürlich so sehen.

Wenn Sie diese Schwindelform haben/hätten, ist eine organische Behandlung angebracht: bestimmte Medikamente (je nach vermuteter Ursache), Physiotherapie u.a. Man kann übrigens auch körperliche Funktionsstörungen haben, ohne dass man deswegen schwer krank ist, und zwar weder körperlich noch psychisch.

> also ich gehe davon aus, da Sie sich ja mit Diagnosen auskennen, das Sie davon ausgehen, dasdie Störung meines Gleichgewichts von meiner demolierten Psyche herrührt und es wirklich so sein kann, liege ich da richtig? Bitte beantworten Sie mir diese Frage.

Eine Neuropathia vestibularis ist nicht psychisch bedingt. Ich rede nur von psychisch bedingtem Schwindel. Ich bin nicht Arzt und ich kenne Sie nicht, ich würde jedoch vermuten, dass Sie gar nicht diese Schwindelform haben. Es gibt – je nach Zählung – 25-100 verschiedene Schwindelarten.

> Wissen Sie, ich versuche wirklich diese seltsamen Schwindelstörungen als psychisch anzusehen.

Tun Sie dies nur, wenn Sie keine Neuropathia vestibularis haben. Ich glaube, Sie haben einen phobischen Attackenschwindel, wie dies auf meiner Homepage beschrieben ist. Der Angstschwindel ist kein Drehschwindel, der vom Innenohr ausgeht, und auch kein Blutdruckschwindel, sondern vielmehr ein Schwankschwindel.

Sie bewundern Pepsi. Dann sollten Sie es auch so machen wie sie. Sie krempelt ihr Leben total um und denkt nach vor und nicht zurück. Es geht darum, wie es im Leben weitergehen soll. Pepsi stammt als dem Osten, ist arbeitslos geworden, hat eine unpassende Beziehung beendet und wird sich jetzt vielleicht räumlich völlig verändern, wie sie mir geschrieben hat.

Ich kenne niemand, der wegen nichtorganischem Schwindel jahrzehntelang pflegebedürftig geworden ist. Ich weiß jedoch, dass viele Betroffene jahrelang damit zu tun haben. Das Schlechteste ist die Schonung (siehe meine Homepage unter „Schwindel“).

Sie sind sehr aktiv und mutig, trotz Ihres Schwindels. Gratuliere! Sie werden es schaffen.

Sie stellen ganz ungeduldig viele Fragen, was Sie tun können. Wir werden im Laufe der Zeit auf alles eingehen. Nur nicht stressen!

Beavie, Sie fühlen sich schwach, und können doch so schlecht mit Schwäche umgehen! Lassen Sie das Schlimmste zu, kämpfen Sie nicht dagegen. Wer dies kann, kommt bald mit Schwindel und Panikattacken zurecht.


Zum Thema Schwindelprovokation ein Auszug aus dem Manuskript der 2. Auflage meines Buches „Angststörungen“:

Provokation von Schwindel und Fallangst

Lernen Sie, besser mit Schwindel und Fallangst umzugehen! Die bei Menschen mit Agoraphobie bzw. Panikattacken so häufige Angst vor Schwindel ist oft bedingt durch unzureichende Sauerstoffzufuhr zum Gehirn infolge von niedrigem Blutdruck, Blutdruckabfall, Hyperventilation, Schulter- und Nackenverspannungen, nur selten durch ein übersensibles Gleichgewichtsorgan im Ohr oder durch Verschwommensehen.

Der medizinisch meist nicht klärbare und behandelbare Schwindel hängt häufig mit falscher Körperhaltung im Stehen bzw. mit mangelndem Kontakt der Füße zum Boden zusammen, was von der Bioenergetik sehr betont wird. Deswegen sind Bewegungsübungen und keine Liege- und Entspannungsübungen angezeigt.

Bei Angstpatienten ist die Schwindelsymptomatik gewöhnlich durch eine Störung im sensiblen System begründet (Störung in der Körperwahrnehmung). Empfehlenswert sich Übungen bei geschlossenen Augen, die diese Störung provozieren und bewältigen helfen.

Der bekannte Schwankschwindel drückt oft eine durch Angst und Verspannung bedingte Unsicherheit im Stehen aus:
- Die Fußsohlen liegen nicht voll und entspannt auf dem Boden auf.
- Die Beine sind angespannt, ohne federndes Sich-Durchbeugen und Ausbalancieren.
- Das Rückgrat ist steif und unelastisch (wie wenn ein „Stock im Kreuz“ wäre).
- Aus Angst vor dem Fallen wird der Schwerpunkt gehoben statt gesenkt.

Viele Panikpatienten haben Angst umzufallen, insbesondere bei Schwindel durch niedrigen Blutdruck, verhalten sich daher ruhig und beobachten ständig ihre körperlichen Symptome. Infolge der Bewegungslosigkeit muss bei einem Blutdruckabfall intensives Herzrasen einsetzen, um den Blutdruck wieder zu heben, was das Wesen vieler Panikattacken ausmacht. Jede Form von Bewegung würde den Blutdruck schneller und einfacher heben als das Herzrasen im Ruhezustand. Aus Angst vor dem Fallen spannen die Betroffenen weiters die Beine an, drücken ihre Knie fest zusammen und stehen mit steif durchgestreckten Beinen da, was die Unsicherheit im Stehen verstärkt und den Blutrückfluss zum Herzen reduziert.

Die Beine elastisch etwas durchzubeugen und den Körperschwerpunkt zu senken (wie beim Schifahren), gibt Sicherheit vor dem Fall. Beobachten Sie Kinder und Erwachsene, die gerade das Schifahren lernen! Wie elegant fahren doch Kinder den Hang hinunter, mit tiefer Hocke bzw. Rückenlage, ohne in den Schnee zu fallen. Kinder haben meist keine Angst vor dem Fall und verspannen sich daher auch nicht. Wie steif stehen dagegen viele Erwachsene auf den Brettern. Aus Angst vor dem Fall strecken sie ihre Beine zu stark durch und heben den Körper zu hoch. Je höher der Körperschwerpunkt, desto leichter fällt man bei einer kleinen Unebenheit hin.

Menschen mit Fallängsten sind wie unsichere Schifahrer. Aus Angst vor dem Fallen strecken sie die Beine durch und heben den Körperschwerpunkt. Sie sind dadurch unelastisch und fühlen sich unsicher auf den Beinen.

Wenn Sie zu wenig Bodenkontakt und Erdverbundenheit spüren, verlieren Sie den „Boden unter den Füßen“ und das Gefühl für Ihren Körperschwerpunkt. Sie geraten dann aus dem Gleichgewicht und bekommen Angst vor dem Fallen.
Beim Schifahren kommt es gerade dann zu Knochenbrüchen, wenn man die Beinmuskeln anspannt und sich gegen den Fall wehrt (trifft auf über 90% der Brüche zu). Die Knie durchzubeugen, mit dem Fall mitzugehen und sich dann wieder aufzurichten, verhindert dagegen einen Sturz.

Die psychotherapeutische Technik des „Erdens“ (besserer Kontakt mit dem Boden unter den Füßen) ist eine nützliche Hilfe. Das Verständnis für den bedeutsamen Vorgang des Kontaktnehmens zum Boden lässt sich auch über die „Fußreflexzonen“ noch vertiefen. Im Fuß haben alle Organe ihre zugeordneten Stellen, die sogenannten Reflexzonen. Durch Druck auf Zehen-, Ballen-, mittleren oder Fersenbereich des Fußes belebt sich analog der Zuordnung der „Reflexzonen“ des Fußes die Atmung im oberen, mittleren oder unteren Körperbereich. Durch Lockern, Massieren und Bewegen der Füße kann dieser Kontakt zum Boden verstärkt werden.

Bei akuten Schwindelbeschwerden schützt Hinlegen vor unkontrollierten Reaktionen. Langfristig hemmt die mit der ständigen Bettruhe verbundene Inaktivität die Koordinationszentren des Gleichgewichtssystems und beeinträchtigt so die körperlichen Erholungsmöglichkeiten. Wissenschafter der NASA konnten zeigen, dass bei Gesunden schon allein durch eine siebentägige Bettruhe das Koordinationssystem des Gleichgewichts empfindlich gestört werden kann.

Ein Trainingsprogramm gegen Schwindel ist sehr hilfreich:
- Bestimmte sportliche Aktivitäten wie Waldlauf oder Tischtennisspielen haben eine positive Wirkung auf das Gleichgewichtssystem.
- Fixationsübungen benutzen die von Tänzern bekannte Erfahrung, dass man beim Drehen des Körpers durch Fixieren eines festen Punktes während einer Halbkreisdrehung den Schwindel weitgehend unterdrücken kann.
- Augenfolgeübungen (mit den Augen einen sich langsam bewegenden Gegenstand verfolgen) fördern einen besseren Umgang mit Bewegungsreizen.
- Rasche Dreh- und Bewegungsübungen sind gut geeignet zur Behandlung des Lagerungsschwindels. Bestimmte Ringelspiele auf dem Rummelplatz stellen eine ideale Schwindelprovokation dar.
- Balancierungsübungen fördern einen besseren Gleichgewichtssinn.
- Das Fixieren von Mustern, die sich bei längerem Hinschauen zu bewegen beginnen, provoziert einen Schwindelreiz und führt im Laufe der Zeit zur Gewöhnung.

Übungen zum Balancieren, Fallen und Pendeln
- fördern den ausgewogenen Einsatz der Schwer- und Muskelkraft,
- verhindern Verspannungen und Verkrampfungen,
- verbessern das Gefühl für den Körperschwerpunkt, der mit dem Organ-, Muskel- sowie Atemzentrum im Unterleib zusammenfällt,
- bewirken eine Spannungsbalance beim Stehen, Atmen, Singen und Sprechen,
- fördern die Fähigkeit, sich fallen lassen zu können, und stärken dadurch das Selbstvertrauen und (bei Partnerübungen) das Vertrauen anderen gegenüber.

Klinische Untersuchungsverfahren, wie sie von Neurologen regelmäßig vorgenommen werden, können im Selbstversuch erprobt werden:

1. Romberg-Stehversuch. Stellen Sie sich aufrecht so hin, dass sich die Füße innen berühren, und halten Sie beide Hände waagrecht ausgestreckt, während die Augen geschlossen sind. Bei Gleichgewichtsstörungen kommt es dabei zu auffälligen Körperschwankungen, manchmal auch mit Fallneigung in eine bestimmte Richtung.

2. Unterberger-Tretversuch. Treten Sie mit geschlossenen Augen und waagrecht erhobenen Armen kräftig auf der Stelle.

3. Blindgang. Gehen bzw. laufen Sie mit geschlossenen Augen und waagrecht ausgestreckten Armen auf einer gedachten Linie.

Einige der folgenden Gleichgewichtsübungen stellen Variationen der Übungen aus dem Buch „Atme richtig“ von Hiltrud Lodes dar und können nach Belieben abgewandelt werden, um Schwindelzustände auszulösen und das Vertrauen in die Körperfunktionen Gleichgewicht, Stehen und Gehen wiederzuerlangen (bei vielen Angst- und Panikpatienten löst allein bereits Schwindel eine Panikattacke oder Ohnmachtsangst aus):

1. Balancieren. Balancieren Sie auf Baumstämmen, Balken usw. Spannen Sie dabei plötzlich Ihren rechten Arm an und machen Sie mit der Hand eine Faust, um das Gleichgewicht halten zu müssen.

2. Kontaktnehmen zum Boden. Stehen Sie mit den Füßen fest am Boden, strecken Sie die Zehen aus und achten Sie auf einen guten Kontakt zum Boden. Spüren Sie den Boden unter Ihren Füßen und die Teile Ihrer Fußsohlen, die den Boden berühren. Gehen Sie dann mit gutem Kontakt Ihrer Füße zum Boden durch den Raum.

3. Atmung als Bewegung. Atmen Sie im Stehen bei geschlossenen Augen tief ein, achten Sie dabei auf eine gute Zwerchfellatmung und beobachten Sie, wie Ihre Atmung Ihren Körper in leichtem Ausmaß schwanken lässt.

4. Pendeln und Kreisen über den Füßen. Stellen Sie Ihre Füße knapp nebeneinander und kreisen Sie mit Ihrem Oberkörper. Stellen Sie sich vor, auf Ihrem Kopf einen Teller zu jonglieren. Bemerken Sie einen Unterschied bei geschlossenen Augen?

5. Verlagern des Körperschwerpunkts nach vor und zurück. Verlagern Sie den Körperschwerpunkt möglichst weit vor auf die Zehen und anschließend möglichst weit zurück auf die Fersen. Spüren Sie dabei die Atemanregung.

6. Über den Füßen vor- und zurückschaukeln. Schaukeln Sie in leichtem Grätschstand auf Ihren Füßen vor und zurück, indem Sie beim Einatmen Ihre Fersen anheben und dabei das Körpergewicht auf die Vorderfüße verlagern, beim Ausatmen die Fersen wieder sinken lassen und dabei das Körpergewicht bei gutem Bodenkontakt auf die Fersen verlagern. Die Kniegelenke bleiben dabei immer in lockerer Bereitschaftsstellung.

7. Verlagern des Körperschwerpunkts nach rechts und links im Wechsel. Verlagern Sie Ihr Körpergewicht abwechselnd auf die rechte und die linke Fußsohle. Vom belasteten Fuß aus soll der Körper durchgehend bis zum Kopf gestreckt sein. Heben Sie dabei den nicht belasteten Fuß ein wenig vom Boden ab. Zur Unterstützung der Bewegung heben Sie die Arme etwas an und balancieren Sie Ihren Körper, während das ganze Gewicht auf einem Fuß ruht.

8. Wippen aus dem Stand. Stehen Sie mit den Händen in den Hüften aufrecht da und heben Sie schwunghaft beide Fersen, und zwar so hoch wie möglich. Nach 3 Sekunden stellen Sie Ihre Füße wieder flach auf den Boden. Wiederholen Sie diese Übung 20-mal. Diese Übung bewirkt auch eine Kräftigung der Waden.

9. In die Hocke gehen. Stehen Sie mit den Händen in den Hüften aufrecht da und gehen Sie langsam in die Knie. Wenn die Oberschenkel parallel zum Boden sind, halten Sie diese Position 3 Sekunden lang. Kehren Sie dann langsam in die Ausgangsposition zurück und wiederholen Sie die Übung 10-mal. Diese Übung kräftigt den Quadrizeps, den Muskel an der Vorderseite des Oberschenkels.

10. Anspannung des Körpers. Spannen Sie Ihren ganzen Körper eine Minute lang an, in dem Sie im Stehen Ihre Arm-, Bein-, Bauch-, Rücken-, Schulter- und Gesichtsmuskeln anspannen und beobachten Sie, welche Gefühle dies in Ihnen auslöst.

11. Gehen mit einem Krug oder Buch auf dem Kopf. Gehen Sie mit einem Krug, Buch oder ähnlichem Gegenstand auf dem Kopf durch den Raum. Halten Sie dabei nicht den Atem an vor lauter Konzentration! In Sammlung auf die zu lösende Aufgabe belebt sich die Atmung. Der Atemraum weitet sich durch das Aufrichten der Wirbelsäule. Lassen Sie beim Gehen die Beine locker aus der Hüfte schwingen, wobei die Leiste gestreckt ist. Die Füße spüren den Boden und rollen bei jedem Schritt auf den Fußsohlen ab. Um den Gegenstand gut auszubalancieren, richten Sie sich unwillkürlich auf, die Haltung korrigiert sich von selbst. Sobald Sie den Nacken einknicken oder ins Hohlkreuz gehen, fällt der Gegenstand vom Kopf.

Bestimmte Augenübungen können leicht eine Schwindelsymptomatik auslösen:

1. Augenkreisen. Lassen Sie Ihre offenen Augen Kreisbewegungen ausführen und betrachten Sie dabei Ihre Umgebung ganz genau. Dann führen Sie das gleiche mit geschlossenen Augenlidern aus und entspannen sich wieder.

2. Spirale. Machen Sie mit geschlossenen Augen die Bewegungen einer Spirale, die sich vom Mittelpunkt nach außen hin erweitert. Dann gehen Sie wieder den umgekehrten Weg von außen nach innen bis zum Mittelpunkt zurück. Beobachten Sie dabei Ihre Atmung. Die Atembewegung folgt der Augenbewegung, indem sie sich einmal erweitert, dann wieder sammelt.

3. Die Atembewegung folgt den Augen. Schauen Sie mit geschlossenen Augen nacheinander eine Weile nach unten, nach oben, nach rechts und nach links, wobei Sie zwischendurch immer wieder zur Mitte zurückkehren. Beobachten Sie dabei, wo Ihre Atembewegung jeweils spürbar wird. Sie werden feststellen, dass Ihr Atem dahin geht, wohin Ihre Augen schauen: in den unteren, in den oberen Raum, in den Flankenbereich rechts und links.

4. Fixieren eines Punktes. Wenn Sie längere Zeit einen bestimmten Punkt fixieren, beginnt dieser zu verschwimmen bzw. sich zu bewegen, weil Sie rundherum auf keinen Bezugspunkt achten.

5. Fixieren konzentrischer Kreise, paralleler Linien oder auf einen Mittelpunkt zusammenlaufender Streifen. Die Vorlagen scheinen bald in Bewegung zu geraten.

6. Bilder mit sich bewegenden Mustern betrachten. Schauen Sie bestimmte Bilder (z.B. des Malers Escher) bzw. Muster so lange an, bis sich diese scheinbar bewegen.

7. Nachbilder erzeugen. Schauen Sie für 30 Sekunden in eine Lichtquelle und richten Sie anschließend Ihren Blick auf eine weiße Wand. Dies erzeugt ein Bild auf dem Augenhintergrund bzw. auf der Netzhaut.

8. Betrachten dahinziehender Wolken. Wenn Sie im Stehen auf sich relativ rasch bewegende Wolken blicken, entsteht die Illusion, in die entgegengesetzte Richtung zu kippen, doch erst die vermeintliche Ausgleichsbewegung führt zum Sturz.

Drehen bzw. schnelles Bewegen des Kopfes kann rasch einen Schwindelzustand („Lagerungsschwindel“) und Benommenheit herbeiführen. Längeres Üben bewirkt eine Gewöhnung an den Schwindel, sodass er nicht mehr so belastend ist (diese Übungen sollten Sie nur machen, wenn Sie keine neurologischen Probleme haben):

1. Drehen Sie den Kopf für 30 Sekunden hin und her.
2. Legen Sie den Kopf für 30 Sekunden zwischen die Beine und bewegen Sie dann den Kopf ganz schnell wieder nach oben.
3. Drehen Sie sich bei geschlossenen Augen längere Zeit stehend im Kreis, bis Sie schwindlig werden.
4. Setzen Sie sich in einen Drehstuhl, drehen Sie sich eine Minute lang und halten Sie dann plötzlich an.

Schwindel hängt mit der Angst zu fallen zusammen. Die Fallangst lässt sich nicht einfach nur durch körperliche Übungen wegtrainieren, weil es sich dabei oft um ein ganz zentrales Persönlichkeitsmerkmal handelt. Die Betroffenen können sich häufig nicht fallen lassen, weil ihnen das Vertrauen fehlt, dass sie aufgefangen werden, was oft durch die Lebensgeschichte verständlich ist.
Gibt es reale Auslöser für Ihre Fallangst? Haben Sie Ohnmacht bei sich oder anderen erlebt? Ist ein Verwandter oder Bekannter umgefallen und gestorben? Spiegelt sich in Ihrer Fallangst eine ganz reale Überforderung durch die Lebenssituation wider?

In der Fallangst äußert sich oft der beharrliche Wunsch, stets die Standfestigkeit und Kontrolle über sich selbst zu behalten, was gerade angesichts der Erfahrung, dass man – bildlich gesehen – nur ungenügend auf seinen eigenen Füßen stehen kann, ein besonderes Bedürfnis ist. In der Fallangst zeigt sich neben der Angst vor Kontrollverlust und hilflosem Ausgeliefertsein auch die mangelnde Bereitschaft, von anderen im Bedarfsfall Hilfe annehmen zu wollen.

Übungen des Fallens können als Übungen des Vertrauens gegenüber anderen, aber auch des Loslassens gegenüber sich selbst verstanden werden. Wenn Sie Angst haben, in der Öffentlichkeit umzufallen, trainieren Sie zu Hause, wie Sie fallen möchten, sollten Sie tatsächlich einmal umfallen.

Machen Sie ein Falltraining mit sich selbst, indem Sie 5 Minuten lang bei geschlossenen Augen stehen bleiben, in der ständigen Erwartung bzw. in der fixen Absicht, danach umzufallen. Stellen Sie die Füße eng nebeneinander, strecken Sie die Beine durch, schwanken Sie mit dem Oberkörper leicht hin und her und sagen Sie sich: „Ich falle gleich um, gleich falle ich um“, verstärken Sie das Schwanken des Körpers, beobachten Sie Ihre Atmung, Ihren Herzschlag, die Spannung der Muskulatur in Ihren Beinen, achten Sie auf die momentanen Empfindungen und lernen Sie, die dabei auftretenden Gefühle besser auszuhalten. Stellen Sie sich möglichst konkret vor, wie Sie fallen werden, wenn Sie umfallen.

Üben Sie danach, sich auf verschiedene Arten fallen zu lassen: rasch und plötzlich, langsam zusammensinkend, seitlich hinfallend auf der Suche nach einem Halt. Bleiben Sie dann einige Zeit liegen und lassen Sie alle Gedanken und Gefühle aufkommen bei der Vorstellung, andere Menschen würden miterleben, wie Sie umgefallen sind und nun daliegen. Wie geht es Ihnen da? Was sind Ihre stärksten Eindrücke? Warum wehren Sie sich so gegen den Fall? Was kann im schlimmsten Fall passieren, wenn Sie nicht bewusstlos werden und sich beim Fallen auch nicht verletzen? Üben Sie anschließend das Aufstehen, um die Erfahrung zu verstärken, dass Sie jederzeit wieder von allein auf Ihre Füße kommen.

Lowen, der Begründer der Bioenergetik, setzt Fallübungen therapeutisch ein, um die Hemmungen aufzudecken, die einen Menschen verkrampfen, ihm den Boden unter den Füßen wegziehen und dadurch eine Fallangst auslösen:

„Dann fordere ich den Patienten auf, sein ganzes Gewicht auf ein Bein zu verlagern und dessen Knie vollständig zu beugen. Der Fuß des anderen Beins darf den Boden leicht berühren, dient aber nur zur Balance. Die Anweisungen sind sehr einfach. Der Patient soll so lange in dieser Lage verharren, bis er hinfällt; er darf sich jedoch nicht mit Absicht fallen lassen. Wenn man sich bewusst löst oder lockert, fällt man nicht richtig, weil man den Sturz kontrolliert. Ein ‚wirksamer’ Fall muß ungesteuert und unwillkürlich sein. Wenn man seinen Geist darauf konzentriert, die eingenommene Position zu halten, stellt der Fall die Loslösung des Körpers von der bewussten Kontrolle dar. Da sich die meisten Menschen davor fürchten, die Kontrolle über ihren Körper zu verlieren, erzeugt schon dieser Vorgang Angst.“

Viele Menschen haben nach Lowen Angst, dass sie nicht mehr aufstehen könnten, wenn sie fallen würden. Hilflos am Boden liegen zu müssen, ist oft ein unerträglicher Gedanke. Lowen verweist in Anlehnung an Reich auf den Zusammenhang von Fallangst und falscher Atmung. Der Abfluss von Energie aus Füßen und Beinen, der durch die fehlende Zwerchfellatmung und die Blockade der unteren Körperhälfte bewirkt wird, führt nach Lowen zu einem Verlust des Bodenkontakts.

Sich buchstäblich fallen lassen zu können, stellt auch eine Vertrauensübung gegenüber anderen Menschen dar. Ersuchen Sie eine Person, sich einen Meter hinter Ihnen aufzustellen und lassen Sie sich steif durchgestreckt zurückfallen. Wie viel Vertrauen haben Sie wirklich, dass Sie der andere auffängt?

(Ende des Zitats)

Mit besten Grüßen einstweilen!

Hans Morschitzky

 

Beavie  13.11.2001, 11:26:36

Lieber Doktor!
Ich weiß eben nicht ob ich diese Neuropathia Vestibularis habe, mein HNO sagte es mir, er sagte ich hätte eine leichte Schwächung des linken Gleichgewichtsorgans.

Das ist ja der Punkt woran ich verzweifle, dass ich nicht weiß ob ich das wirklich habe.
Der Neurologe sagte die neurologischen Untersuchungen wären okay.

Das komische ist, mein HNO hat ja in seiner Diagnose was von Romberg und Unterberg Versuchen geschrieben aber die hat er meines Wissens gar nicht bei mir gemacht. Nur der Neurologe!!!!

Ich musste weinen als ich gelesen habe das es so eine Krankheit wirklich gibt und wie schlimm die ist und so. Ich habe Angst, so furchtbare Angst, das es nie mehr bei mir weg geht.

Außerdem hat mir mein HNO keinerlei Medikamente verschrieben, er hat gesagt, das geht auch von alleine wieder weg, alles sehr komisch.
Ich bekomme bei ihm nur Akupunktur!!

Wer kann mir denn um Gottes Willen sagen ob ich Neuropathia Vestibularis habe oder nicht??? Ich weiß nicht mehr ein noch aus.
Ich muss schon wieder weinen. Ich habe so eine verdammte Angst vor dem Schwindel.

Ich weiß nicht wie ich den Schwindel genau beschreiben soll/kann. Wie kann ich das richtig machen?
Also erbrochen habe ich mich beim letzten Mal der Attacke nicht. Übel war mir, wenn ich mich bewegen musste. Es ist so ein komisches Gefühl im Kopf gewesen, als ob etwas nicht mehr feste im Kopf sitzen würde (kann ich nicht anders beschreiben). Nur wenn ich lag und den Kopf absolut nicht bewegte ging es. Ich weiß nicht ob ich den Schwindel als drehend oder schwankend empfand, eher schwankig, halt immer wenn ich den Kopf bewegte oder meinen ganzen Körper bewegen musste, zum Beispiel auf Toilette gehen.
Ich zittere jetzt gerade bei der Beschreibung der Symptome und mir wird schon wieder angst und bange.
Ich war gangunsicher und stehunsicher. Musste mich immer festhalten an jemandem oder an irgendwas, versuchte mich steif zu halten, bloß nicht zu viel zu bewegen, war total verkrampft dann auch, im Nacken und so.
Ich bin auch heute oft verkrampft, so das ich mich fühle als ob ich einen Stock im Rücken hätte, kann mich einfach nicht locker lassen, weil ich dann wieder Angst vor Schwindel bekomme.

Habe auch versucht in diesem schlimmen Schwindelzustand die Augen immer auf einen Punkt zu fixieren und nur den Punkt anzusehen, und dann den ganzen Kopf gedreht, aber alles nur ganz langsam und angespannt, weil bei schnellen Bewegungen der Schwindel schlimmer wird.
Ich weiss wirklich nicht mehr was ich noch tun soll bzw. zu welchem Arzt ich gehen soll und überhaupt, ich bin sehr verzweifelt.
Wenn ich das mein Leben lang haben werde, dann kann ich nicht mehr glücklich sein, so kann man doch nicht leben.
Ich bewege mich auch jetzt wo ich keine aktute Schwindelsymptomatik habe wie ein Stock! Aus Angst!
Ich habe nicht so die Angst vorm Umfallen sondern vor dem Schwindel und den Gefühlen dabei.

Lieber Herr Doktor, was würden Sie denn an meiner Stelle noch tun, untersuchen oder zu welchem Arzt würden Sie denn gehen?
Ich weiß echt nicht mehr weiter, und ich habe solche Angst.

Und dann habe ich auch noch was wo es noch keine genauen Ursachen gibt, das ist ja genau das was ich befürchte, das keiner genau weiß woher es kommt und keiner helfen kann.
"Die Ursache ist noch nicht geklärt. Im Einzelfall kann z.B. ein Virusinfekt zu einer akuten Mikrozirkulationsstörung im Bereich des Labyrinths (des Gleichgewichtsorgans) vorliegen. Schnelle Drehbewegungen des Kopfes lösen einen Drehschwindel aus."
Ich kann mich nicht schnell bewegen mit dem Kopf, dann wird mir schwindelig, wenn ich den akuten Zustand habe. Jetz im Moment nicht, aber ich habe auch Angst es überhaupt auszuprobieren.

Ich weiß einfach nicht mehr weiter, wie soll ich weiterleben damit? Ich kann doch dann auch gar keine Kinder mehr bekommen, wenn ich so etwas habe, nicht mehr in Urlaub fahren, gar nichts.

Mich überkommen beim Schreiben im Moment auch heftige Weinattacken.

Gestern als ich im Bett lag bekam ich auch schreckliche Angstzustände und ab und an so komische Schwindelattacken, ganz kurze so als ob sich alles dreht für eine Sekunde.

Ich habe auch Angst die Übungen auszuprobieren, weil ich ja wirklich nicht weiß ob ich den Schwindel durch diese Neuropathia Vestibularis habe oder wegen der Psyche oder sonst woher.

Übrigens kann ich fast an nichts mehr anderes denken, ich denke nur noch über Schwindel und die ganze Horrorgeschichte nach und bin total gefangen.

Ich wäre sehr froh, wenn Sie mir schnell antworten könnten.
Liebe Grüße
Beavie

P.S. Wieso ist eigentlich der Name, dem Sie meinen Beitrag gegeben haben wieder weg und der Thread heisst jetzt wieder "Kann Schwindel wirklich psychisch sein?"
- Editiert von Beavie am 13.11.2001, 11:35 -

Und ich habe noch eine Frage wenn das bei mir Neuropathia Vestibularis ist, wie oft bekommt man das denn hintereinander? Geht das denn irgendwann wieder weg oder hat man das für immer oder bekommt man das mehrmals im Leben bzw. mehrmals in sporadischen Monatsabständen?
Weil damals vor 2einhalb Jahren habe ich das auch mehrmals hintereinander gehabt.
Das erste Mal als die Oma von meinem Freund starb, auf der Beerdigung fing es an und steigerte sich nachher ganz dolle. Das war am 20.August 1998(Donnerstags) und hielt bis 23.11.1998 Sonntags an.
Das nächste Mal hatte ich den starken Schwindel am 08.November 1998 (Sonntags) bis 10.11.1998 (Dienstags), dann noch einmal am 08.Januar 1999 (Freitags) bis 11.01.1999 (Montags). Danach nie mehr bis jetzt dieses Jahr!!!!
Sie wundern sich vielleicht woher ich das noch weiß, ich hatte das in mein Tagebuch eingetragen und weiß jetzt noch genau wann das war und wie lange!! Damals hatte ich das auch so schlimm wie letztens und war damals auch beim HNO, damals hatte er mir keine Diagnose gestellt, Kalorik war ok.

Nach diesen Anfällen habe ich nicht wochenlang noch Drehschwindel, nach den 3-4Tagen schlimmen Schwindelns geht es wieder weg.
Was kann nur los sein mir mir.?

 

Hans Morschitzky  14.11.2001, 22:49:44

Hallo Beavie!

Ich wollte Sie nur informieren über Neuropathia vestibularis. Sie machen – ganz typisch! – eine schwere und unheilbare Störung daraus, was nicht die Absicht meiner Information war. Sie sehen, Sie haben eine ganz besondere Gabe, durch jede neue Information noch mehr beunruhigt zu werden und zeigen damit allen unseren Lesern, welche Dynamik entsteht, wenn man psychische Probleme immer nur mit organmedizinischen Mitteln heilen will.

Wenn Sie wieder auf der organischen Ebene weitersuchen möchten, muss ich Sie bitten mit Ihrem HNO-Arzt ausführlicher darüber zu sprechen, denn schließlich behandelt er Sie ja auch mit Akupunktur, was ich nicht wusste.

Als Psychologe und Psychotherapeut möchte ich jetzt nicht meine medizinischen Fachbücher abschreiben, um Sie noch mehr über Schwindelformen zu informieren, die gar nicht in meinen Bereich gehören, ich halte mich lieber an den Spruch „Schuster, bleib bei deinem Leisten“. Wofür bekommt denn Ihr Arzt sein Geld, wenn er Ihnen nicht einmal diese Ihre Fragen beantworten würde? Wenn er keine Zeit dazu hat, dann sieht man wieder, wie schlecht es um das Gespräch in der medizinischen Versorgung steht.

Fragen Sie also vertrauensvoll und mit Ihrem ganzen Mut Ihren HNO-Arzt über alles, was Sie wissen möchten. Es wäre schön, wenn Sie unseren LeserInnen mit ähnlichen Problemen die Antworten des HNO-Arztes hier berichten würden.

> Lieber Herr Doktor, was würden Sie denn an meiner Stelle noch tun, untersuchen oder zu welchem Arzt würden Sie denn gehen?

Ich würde wegen des Schwindels zu gar keinem Arzt mehr gehen, sondern endlich einmal eine Psychotherapie machen, und zwar einfach nicht nur wegen des Schwindels, sondern mit dem Ziel, ein glücklicheres Leben zu fühlen. Aber ich habe leicht reden, ich bin ja Psychotherapeut und nicht Betroffener.

Sie müssen z.B. in Ihrer beruflichen Situation in einer ganz schönen Sackgasse sein, dass Sie sich lieber mit Krankheiten beschäftigen als mit der Umsetzung eines konkreten Berufswunsches.

Wie ich lese, bekommen Sie Schwindel, wenn Sie emotional etwas trifft (z.B. Tod der Großmutter). Haben Sie Ihren HNO-Arzt gefragt, ob dies bei jenem Schwindel, den er da bei Ihnen behandelt, auch so ist?

Wenn Sie die organische Ebene wirklich einmal hinter sich lassen können, werden wir uns mehr damit auseinandersetzen. Wir haben ja Zeit.

Gehen wir langsamer vor, denn warten Sie vorerst einmal die Wirkung der Akupunktur-Behandlung ab, denn man soll nicht zu viele Sachen gleichzeitig machen, sonst zeigt man sich und anderen letztlich, dass man nichts und niemand mehr glaubt und vertraut.

Mit besten Grüßen einstweilen!

Hans Morschitzky

 

Beavie  16.11.2001, 12:31:44

Lieber Herr Doktor,

Mein HNO macht bei mir Akupunktur, das ich richtig, einmal die Woche, es wird zur Entspannung gemacht, damit ich ruhiger werde. Und wegen Migräne und auch ein bisschen wegen dem Schwindel, so hat es mir mein HNO erklärt.

Die Akupunktur macht mich etwas ruhiger, das muss ich zugeben, während der Behandlung und den ganzen Tag danach bin ich entspannter wie sonst.

Ich frage meinen HNO-Arzt andauernd nach Sachen, die mit meinem Schwindel in Zusammenhang stehen, ich bekomme auch Auskunft, aber irgendwie immer so etwas schwammige Auskünfte.
Ich war beim letzten Akupunkturtermin sehr weinerlich und hatte vorher schon ziemliche Angst und Panikgefühle, nicht wegen der Akupunktur, sondern weil ich in den Tagen zuvor soviel über den Schwindel und diese Krankheit Neuropathia vestibularis überlegt habe und mich hundsmiserabel fühlte.
Das erzählte ich dem HNO-Doktor.
Ich sagte ihm das ich mich todkrank fühlen würde wegen der Diagnose.
Er sagte ich sei nicht todkrank.
Er sage man müsste bei mir den Zusammenhang wohl sehen zwischen der Neuropathia Vestibularis und meiner Angststörung.
Ich sei wohl sehr sensibel in meinem Gleichgewicht, das wären aber viele Menschen, er führte bei sich ein Beispiel an, das er ein Problem mit Schaukeln oder Achterbahn habe. Aber auf der anderen Seite sagte er halt auch, das ich diese Neuropathia Vestibularis habe?! Ich weiß nicht einmal sagt er so dann wieder so. Woher soll ich denn wissen was richtig oder falsch ist, ich bin ja kein Arzt. Er macht irgendwie keine konkreten Aussagen, da kann ich fragen soviel ich will.
Er sagte bei mir wäre die Prognose aber gut, das sich meine Gleichgewichtsschwäche wieder beruhigen würde, er möchte das in 2 oder 3 Monaten wieder testen (neue Kalorik).

Ich habe ja auch im Moment keinerlei Schwindel, mir geht's ganz normal, das sind ja immer Anfälle die ich bekomme.
Im Moment kann ich alles machen, also mich normal körperlich bewegen und habe keinen Schwindel.

So, heute war ich beim Neurologen, das EEG besprechen, soweit alles in Ordnung bis auf irgendwelche Muskelspannungen die man sehen könnte auf dem EEG, die aber wohl auf zu wenig Entspannung bei der Messung geschoben werden könnten.
Der Neurologe rät mir aber auch zu einem MRT, damit man 100% ausschließen kann, das ich irgendwas am Kopf habe. Denn der Neurologe meinte es könnte immer mal sein, das EEG gemacht würde und es nichts anzeigen würde, aber das dann doch was im Kopf ist.
Der Neurologe meinte zudem wiederum Neuropathia Vestibularis würde er nicht so als Diagnose bei mir sehen, obwohl ich bei seinem Unterberger Tretversuch und bei seinem Rhomberg Stehversuch wohl auch leicht geschwankt hätte
Er sagte ich hätte ja keine Anfälle, die kommen und gehen würden, da habe ich aber schnell eingeworfen "Doch, die habe ich, erst die Vorboten ca. eine Woche Schwindel bei schnellen Kopf- oder Augenbewegungen, dann plötzliche Verschlimmerung der Syptomatik, so daß ich nur noch liegen kann, weil mir so dermassen schwindelig wird bei jeglichen Bewegungen und noch nicht mal alleine zur Toilette gehen kann und für 2 bis 3 Tage kann ich dann nur noch liegen."
Also habe ich ihm auch nochmal genau erklärt wie es bei mir abläuft, aber er meinte trotzdem das es nicht Neuropathia Vestibularis sei, weil man bei mir ja die andere Geschichte (Angst/Panik) dazuzählen müsste.
Das man ja alles bei mir im Zusammenhang mit der Angst/Panikstörung sehen soll.
Ich fragte ihn dann noch einmal ob er meint das es bei mir seelisch zu solchen Schwindelattacken kommen könnte und er nickte.

Fragt man 10 Ärzte bekommt man wohl auch 10 völlig verschiedene Diagnosen.

Ich finde das echt schlimm und unmöglich.
Was soll ich von dem Ganzen noch halten, das ist nervenaufreibend, echt.
Manchmal denke ich auch ich bin wohl zu blöd, den Ärzten richtig wiederzugeben was ich habe, weil jeder was anderes sagt.
Drücke ich mich denn so unverständlich aus, ich weiß es nicht.

>>>Wie ich lese, bekommen Sie Schwindel, wenn Sie emotional etwas trifft (z.B. Tod der Großmutter). Haben Sie Ihren HNO-Arzt gefragt, ob dies bei jenem Schwindel, den er da bei Ihnen behandelt, auch so ist?<<<<

Diese Frage verstehe ich nicht so ganz? Was meinen Sie genau damit? Das ich den Arzt fragen soll, ob das bei Ereignissen die ich erlebe und die mich emotional treffen schwindelig werde? Also das der Schwindel emotional bedingt ist?
Bitte erklären Sie mir noch einmal diese Frage.

So, das ist das aktuellste zu meinem Stand.
Alles ganz schön verfahren.

>>>>>>Sie müssen z.B. in Ihrer beruflichen Situation in einer ganz schönen Sackgasse sein, dass Sie sich lieber mit Krankheiten beschäftigen als mit der Umsetzung eines konkreten Berufswunsches. <<<<

Da haben Sie vollkommen recht, ich bin in einer Sackgasse.
Ich weiß was ich machen möchte und zwar etwas Kreatives, etwas Kunsthandwerkliches/Künstlerisches, etwas mit meinen Händen, etwas woran sich andere erfreuen, wo ich das Gefühl habe "Das hast du gut gemacht, es gefällt anderen.". Das würde mir Selbstvertrauen und auch eine gewisse Zufriedenheit geben.
Ich gehe in solchen Sachen regelrecht auf, es erfüllt mich mit ganz viel Glück, wenn ich kreativ sein kann.
Ich weiß nur auch noch nicht wie ich das konkret umsetzen soll.
Ich überlege ob ich ein Gewerbe anmelden soll und so kleine Schritte zu unternehmen.
Aber ich habe auch Angst davor, das es schief gehen könnte, ich nachher noch Schulden habe, das es nicht läuft, ich doch nicht gut genug bin etc...
Aber irgendwas muss ich ja auch machen, ich will ja wieder für meinen eigenen Lebensunterhalt sorgen und etwas Kreativ/Künstlerisches wäre mein Lebenstraum.

Das wärs erstmal, herzlichen Dank fürs Zuhören.
Bis zum nächsten Beitrag!
Liebe Grüße
Beavie

 

Hans Morschitzky  17.11.2001, 07:52:54

Liebe Beavie!

> Ich habe ja auch im Moment keinerlei Schwindel, mir geht´s ganz normal, das sind ja immer Anfälle die ich bekomme.
Im Moment kann ich alles machen, also mich normal körperlich bewegen und habe keinen Schwindel.

Wenn es besser geht, dann kann Sie das ja schon einmal freuen. Wie soll etwas, das angeblich rein organisch bedingt ist, einmal besser und einmal schlechter werden? So etwas kommt gerade bei psychisch bedingten Störungen häufig vor.

> Fragt man 10 Ärzte bekommt man wohl auch 10 völlig verschiedene Diagnosen.

Sie sagen es! Unter diesem Titel können Sie einen Artikel schreiben mit dem Untertitel: „Eine somatoforme Störung mit Hypochondrie hört nur auf, wenn man sein Verhalten und Denken ändert“ oder „Das positive Beispiel Pepsi“. Und Sie werden es auch schaffen! Denn Sie sind es, die zu 10 Ärzten geht, um 10 verschiedene Antworten zu erhalten, weil Sie keine einzige glauben können. Ich sehe, sie glauben weder Ihrem HNO-Arzt noch Ihrem Neurologen, sondern wollen selbst noch immer mehr Untersuchungen.

> Manchmal denke ich auch ich bin wohl zu blöd, den Ärzten richtig wiederzugeben was ich habe, weil jeder was anderes sagt.
Drücke ich mich denn so unverständlich aus, ich weiß es nicht.

Sie drücken sich ganz klar aus. Sie beschäftigen sich halt noch immer lieber mit den Ärzten und der Organmedizin als mit der Fragestellung, wie Sie ganz konkret so berufstätig werden können, dass Sie davon leben können.

>>>Wie ich lese, bekommen Sie Schwindel, wenn Sie emotional etwas trifft (z.B. Tod der Großmutter). Haben Sie Ihren HNO-Arzt gefragt, ob dies bei jenem Schwindel, den er da bei Ihnen behandelt, auch so ist?<<<<

Diese Frage verstehe ich nicht so ganz? Was meinen Sie genau damit? Das ich den Arzt fragen soll, ob das bei Ereignissen die ich erlebe und die mich emotional treffen schwindelig werde? Also das der Schwindel emotional bedingt ist?
Bitte erklären Sie mir noch einmal diese Frage.

Sie haben hier selbst ein Beispiel gegeben, wie das mit dem Verstehen und Nicht-Verstehen bei Ihnen funktioniert. Was ist an meiner Aussage so unklar, wenn aus Ihrem Kommentar dazu hervorgeht, dass Sie meine Meinung 100% verstanden haben? Sie zweifeln sogar an Ihrer richtigen Interpretation! „Emotional bedingt“ heißt ja nichts anderes als „psychisch bedingt“. Glauben Sie, dass genau beim Tod Ihrer Großmutter wieder einmal eine unbekannte Ursache Ihrer „Neuropathia vestibularis“ zugeschlagen hat? Oder haben Sie da nicht vielmehr völlig normale Gefühle gehabt, die sich bei Ihnen halt auch in Schwindel geäußert haben?

>>>>>>Sie müssen z.B. in Ihrer beruflichen Situation in einer ganz schönen Sackgasse sein, dass Sie sich lieber mit Krankheiten beschäftigen als mit der Umsetzung eines konkreten Berufswunsches. <<<<
Da haben Sie vollkommen recht, ich bin in einer Sackgasse.
Ich weiß was ich machen möchte und zwar etwas Kreatives, etwas Kunsthandwerkliches/Künstlerisches, etwas mit meinen Händen, etwas woran sich andere erfreuen, wo ich das Gefühl habe "Das hast du gut gemacht, es gefällt anderen.". Das würde mir Selbstvertrauen und auch eine gewisse Zufriedenheit geben.

Wenn Sie das ohnehin wissen, dann sollten Sie sich lieber damit beschäftigen, wie Sie durch eigene Taten Selbstvertrauen und Zuversicht aufbauen können und nicht ständig damit, dass es Ihnen gar nicht schlecht gehen kann, weil Sie organisch eh nichts wirklich Bedenkliches haben. Warum planen Sie das nicht einmal ganz konkret so durch, dass Sie es nur umzusetzen brauchen, wenn Sie sich entsprechend gesund fühlen.

Wenn ich Psychoanalytiker wäre (was ich aber jetzt auch als Verhaltenstherapeut eben tue), würde ich Ihnen sagen, dass Sie sich zur Ablenkung von Ihren wahren Problemen ständig lieber mit medizinischen Problemen und Ärzten beschäftigen, wo Sie selbst nichts zur Lösung Ihrer Probleme beitragen können, als damit, was Sie selbst zur Verbesserung Ihrer Lebenssituation beitragen können. Denn kein Arzt kann Ihr Berufsproblem lösen. Es wird auch dann noch alles völlig ungelöst sein, wenn Sie für organisch völlig gesund erklärt werden.

Doch auch eine Psychotherapie mit Ursachenfindung für alle möglichen psychischen Probleme löst nicht Ihr Berufsproblem. Daher würde ich Ihnen, wären Sie bei mir in Therapie die Aufgabe stellen: „Entwickeln sie einen ganz konkreten Plan, wie Sie ganz konkret vor Ihrer eigenen Hände Arbeit sind selbst erhalten können. Wenn Ihnen dann wieder schwindlig wird, dann werden wir uns darüber unterhalten, wie Sie Ihr Ziel trotz Angst und Unsicherheit erreichen können und nicht darüber, welche sonstigen psychischen Probleme Sie vielleicht auch noch haben. Das können wir dann noch immer tun, wenn Sie sich einmal selbst erhalten können. So verstehe ich Psychotherapie: lernen, sich selbst zu erhalten, autonom, selbständig und unabhängig werden. Ich weiß um die Bedeutung der Arbeit für die psychische Gesundheit (ich habe übrigens vor 20 Jahren am Arbeitsamt in der Berufsberatung bei Abiturienten tätig).

Diese Aufgabe stelle ich Ihnen nun auch: Entwickeln Sie – unabhängig von allen medizinischen Untersuchungen – einmal einen Plan, wie Sie glauben, sich anhaltend selbst erhalten zu können.

Wenn Sie zu mir zur psychologischen Untersuchung bei Antrag auf eine Berufsunfähigkeitspension kommen würden, würde ich Sie glatt so begutachten, dass Ihr Antrag mit Sicherheit abgelehnt würde, wenn Sie mir nicht ein realisierbares Rehabilitationsprogramm vorlegen könnten (Motto: Rehabilitation statt Pension“).

Ich glaube nämlich, dass eine vorübergehende Pensionierung Sie in Ihrem „Krankheitsstatus“ fixieren würde. Ich würde der Pensionsversicherung vorschlagen, Ihnen eher eine ganz konkrete Berufsausbildung zu finanzieren als Sie sinnlos zu pensionieren und vom Staat abhängig zu machen.

Wenn Sie mir nur sagen würden (wie dies leider viele tun), Sie möchten jetzt einmal zwei Jahre Pension, um „in Ruhe gesund werden zu können“, dann würde ich dieses Ihr Begehren ganz bestimmt nicht gut finden, weil Sie damit eine staatlich sanktionierte Vermeidungsstrategie betreiben würden.

Da könnten Sie (wie dies in der Praxis leider üblich ist) mit noch so vielen Bestätigungen von Fachärzten und Psychotherapeuten kommen, dass Ihnen eine vorübergehende Pensionierung gut tun würde. Meine Gegenantwort wäre: Wenn Erholung und Nichts-Tun gesund machen würde, hätte dies in den vergangenen Monaten (und oft Jahren) bei Ihnen schon längst wirken müssen.

Mit besten Grüßen!

Hans Morschitzky

Beavie  17.11.2001, 20:07:43

Lieber Herr Doktor,
danke für Ihre Antwort beim Diskussionsforum auf meine Frage nach der Kernspintomografie.
Das Beispiel war sehr erschreckend, wirklich.
Ich möchte aber am liebsten trotzdem die Untersuchung ohne Kontrastmittel machen, ich habe solch eine Angst davor, das können Sie vielleicht nicht nachvollziehen.
Ich habe auch ein großes Problem mit jeglichen Medikamenten und denke immer sie schaden mir nur und wenn ich Nebenwirkungen lese, bekomme ich sie. Ich denke ich kann mich leider so reinsteigern, das ich Auswirkungen zu spüren bekomme.
Ich weiß noch nicht was ich tun werde.
Und auch schon mal vielen herzlichen Dank für die schnelle Antwort auf meinen letzten Bericht!!
Die Antworten darauf folgen später, denn ich muss erst mal in Ruhe darüber nachdenken, was sie geschrieben haben und was ich dazu denke!!

Ganz liebe Grüße
Beavie

 

Beavie  20.11.2001, 16:41:09

Lieber Herr Doktor,
ich weiß das sie im Moment wenig Zeit haben und nicht so schnell antworten können, ich möchte aber trotzdem schreiben.
Gestern war ich bei meinem Hausarzt, dem ich die Diagnose meines HNO vorlegte.
Er sagte mir noch mal, das man bei einer Neuropathia Vestibularis nicht feststellen könnte woher sie kommt, das würde man noch nicht wissen, er sagte aber auch das es nicht organisch bedingt ist sondern quasi eine Funktionsstörung des Körpers sei und wohl auch immer wieder weg gehe, er hätte zumindest noch nie gehört, das jemand das lebenslänglich hat. Aber woher es kommt, das kann mir bisher kein Arzt sagen, sie sagen immer das wäre zu wenig erforscht.
Er nannte das was ich habe jetzt auch wieder Lagenschwindel?!
Ich habe echt bald keine Lust mehr zu irgendeinem Arzt zu gehen, mir jedes Mal fast in die Hose zu machen vor Angst und wie ein Häuflein Elend dann dort im Behandlungsraum zu sitzen, es geht mir so auf den Geist!!!
Morgen muss ich dann leider zur Kernspintomografie, welche ich am liebsten auch absagen würde, aber da alle meine Ärzte das für gut halten, wenn ich das noch mache "um 100%sicherzugehen, dass bei Ihnen nichts im Gehirn ist" werde ich das wohl oder übel über mich ergehen lassen, obwohl es mir deswegen schon seit Tagen ziemlich bescheiden geht, psychisch und physisch.
Ich habe Würgereize, mir ist übel, ich habe Durchfall, Migräneanfälle bekommen, habe ständig Angst vor Morgen und der schlimmen Spritze.
Und der Röhre, dem Tunnel, dem ich morgen hilflos ausgeliefert bin, aus dem ich nicht alleine rauskomme. Und Angst vor dem absolutem Stillliegen, weil man ja dann besonders auf seinen Körper achten kann
Vor allem aber vor dieser Spritze, das sie mich irgendwie im Gehirn lähmt oder den Kreislauf aussetzt und ich dann doch noch ins Krankenhaus komme.
Und auch vor dem Medizinpersonal, wie sie reagieren auf mich und meine Angststörung, ob sie mich für voll nehmen, ob sie einfach etwas mit mir machen was ich nicht will zum Beispiel einfach ohne meine Zustimmung eine Beruhigungsspritze geben.
Ich bin so froh, wenn und falls ich das morgen überstehe und dann will ich nichts mehr mit Ärzten zu tun haben, eigentlich.
Ich hoffe ich kann das dann durchhalten.


Liebe Grüße
Beavie

Beavie  23.11.2001, 13:38:56

Lieber Doktor,

nachdem ich vorhin schon einmal einen Bericht geschrieben habe, an dem ich ca. 2einhalb Stunden saß und ihn dann senden wollte und er einfach verschwand und nicht mehr aufzufinden war, versuche ich es jetzt noch einmal. Ich hoffe es klappt diesmal.

Ich lebe noch ! Kaum zu fassen, aber wahr, die Kernspintomografie habe ich am Mittwoch hinter mich gebracht und das ist gut so.
Ich habe nichts in meinem Kopf was dort nicht hingehört.

Die Untersuchung an sich war sehr schlimm für mich, wegen meiner Angst, schon auf dem Weg zur Praxis (wir mussten ein Stück zu Fuß gehen) bekam ich Luftnot und mir war schwindelig (Angstschwindel)
Davor ging es mir auch tagelang bescheiden, das hatte ich ja schon in meinem anderen Post ausgedrückt.

Als ich in die Praxis hineinkam, wurde es mir noch schrecklicher zumute, am liebsten wäre ich sofort wieder hinausgegangen, aber mein Freund, der mich begleitete (Gott sei Dank) "zwang" mich zum Dableiben, er wollte "das alles mal zu einem Abschluss bringen", denn noch einmal das Theater mit mir, wäre wohl auch für ihn zuviel gewesen.
Widerstrebend habe ich mich an der Rezeption angemeldet und die Dame dort war nicht sehr freundlich, ich erklärte ihr mein Problem und sie war nur sehr unfreundlich und meinte das müssen Sie den anderen erzählen.
Das war für mich natürlich wieder blöd, weil ich ja auf Verständnis gehofft hatte.
Ich musste noch ca. 10 Minuten warten und diese Zeit kam mir ewig lange vor.
Nun kam ich dran und ich musste in den Raum hinein, indem ich in die Röhre musste, als ich das Ding sah, wurde es mir noch elender.
Die Röhre kam mir vor wie ein Sarg, ich erzählte der Schwester von meiner Angststörung und sie war erst auch nicht ganz so nett, aber im Laufe der Untersuchung und des Gesprächs mit mir, entwickelte sich doch eine gewisse Herzlichkeit ihrerseits, da sie meine Ängste dann doch ernst nahm.

Ich weinte Rotz und Wasser als ich mich auf die Liege legen musste, die später in die Röhre reinfährt und konnte mich gar nicht beruhigen, ich fragte andauernd was denn sei, wenn mir was passiert und ob das Kontrastmittel irgendwas in meinem Körper bewirkt.
Die Helferin und mein Freund der Gott sei Dank mit rein durfte redeten auf mich ein und versuchten mich zu überzeugen, ich ließ mich dann erstmal in die Röhre einfahren, den Kopf fest eingepackt in Halterungen und über mir wurde noch so eine Art Käfig runtergeklappt. Dann fuhr ich in die Röhre mit offenen Augen und bekam dermaßen Angst- und Platzangst, das ich sofort wieder dort rauswollte, denn ich empfand das als so schlimm, diese Enge.
Die Schwester holte dann den Arzt, der auch noch mal mit mir sprach und sagte, dass die Kontrastspritze absolut keine Auswirkungen hätte, ich würde davon nichts merken und die Untersuchung wäre ja gut um einen Tumor auszuschließen.
Ich liess mich dann schweren Herzens überreden und machte diesmal beim Reinfahren in die Röhre die Augen zu und öffnetet sie auch nicht mehr.
Erstmal 10 Minuten musste ich dort liegen und ich muss sagen, diese Maschine macht einen Höllenlärm, von dem einem auch noch mal Angst und Bange wurde, ich durfte mich keinen Millimeter bewegen und das war das Schlimmste.
Mein Freund streichelte immer meine Füße, die aus der Röhre rausguckten und ich versuchte mich darauf zu konzentrieren, nach diesen 10 Minuten wurde ich rausgefahren, bekam die Kontrastspritze und bin auch davor wieder total in Panik geraten, die sich aber legte nachdem mir die Schwester die Spritze gab und ich merkte, das mir nichts passierte. Ich merkte absolut nichts von der Spritze.
Dann musste ich weiter 10 Minuten dort liegen, dabei hatte ich eine ganz seltsame Körperwahrnehmung und zwar fühlte es sich so an, als ob meine Hände zu riesigen Pranken werden würden, ganz seltsam, ich musste ja jedoch aushalten und durfte mich nicht bewegen und zählte jede Sekunde.
Ohne meinen Freund hätte ich es sicherlich nicht geschafft durchzuhalten, aber ich habs mit ihm gemeistert.
Ich dachte mir, das musst Du jetzt zu Ende bringen, sonst war die tagelange Angst davor und jetzt umsonst, also hielt ich es irgendwie aus.

Dann war es endlich vorbei und ich musste nur noch auf die Besprechung mit dem Arzt warten, was auch noch mal eine halbe Stunde dauerte und mir wie eine Ewigkeit vorkam, zumal dort noch Patienten warteten, die sich über Gehirntumore unterhielten und über die Verstorbenen redeten und darüber dass manche ja bei einer Gehirnoperation nicht mehr aufwachen würden etc..
Das steigerte meine Angst schon wieder, am liebsten hätte ich diese Personen angeschrien, das sie den Mund halten sollten!!!

Endlich kam ich zum Arzt rein und der meinte alles wäre in Ordnung!
Mir fiel ein riesen Brocken vom Herzen, das können sie sich vorstellen, ich fühlte mich wie neugeboren.
Ich habe mich so sehr gefreut!!!

Ich möchte jedem sagen, der hier mitliest und vielleicht ähnliches vor sich hat, das man es aushalten kann, ich habe es auch ausgehalten, sogar ohne Beruhigungsspritze, obwohl ich wohl der größte Angsthase unter der Sonne bin. Und die Spritze merkt man keineswegs, noch nicht mal den Einstich habe ich gemerkt. Gar nichts.

So, ich muss leider hier erst mal Schluss machen, weil ich momentan keine Zeit mehr habe, möchte nachher aber auf Ihren letzten Post antworten. Da ist mir nämlich auch viel zu eingefallen.

Erstmal Danke fürs Zuhören/Lesen
viele liebe Grüße
Beavie

 

Beavie  23.11.2001, 21:12:07

Lieber Herr Doktor,

zu Ihrem letzten Post möchte ich folgendes sagen:

Ich möchte keine Rente beantragen müssen, ich will das nicht.
Nur muss ich doch akut sehen, wie ich irgendwie meine finanzielle Situation regeln soll, ich will nicht mit 28 schon Rentnerin sein und mich aufgeben oder mich auf meiner Krankheit ausruhen. Ganz und gar nicht, ich möchte so gerne wieder ein unbeschwertes Leben leben.

Ich weiß nur konkret nicht wie ich das machen soll, was ich tun kann.
Und momentan fühle ich mich noch nicht soweit als das ich arbeiten gehen kann.
Ich habe mir schon so viele Gedanken gemacht und mache sie mir auch permanent weiterhin, wie ich mich selber finanzieren könnte.
Erst habe ich nach Heimarbeit im ganzen Internet gesucht, ich weiß das ist auch keine Lösung auf Dauer und außerdem findet man dort sowieso nur Unseriöses und ich will mich auch nicht zu Hause verschanzen.
Das tue ich ja sowieso nicht, ich gehe einkaufen, gehe spazieren, gehe aus, ins Kino, in die Kneipe, zu Freunden etc. Ich versuche mich auch immer wieder der Angst und Panik zu stellen und das auszuhalten.

Es geht mir momentan konkret um meine akute Situation, die ich ja erst mal absichern muss ansonsten mache ich mir darüber ja auch Sorgen ohne Ende und komme wieder in einen Teufelskreis der Gedanken.

Ich würde so gerne mit meiner Kreativität was anfangen, denn ich weiß auch das ich das kann. Momentan hole ich mir sehr viele Infos zu Selbständigkeit und Gewerbe. Ich möchte das nämlich verwirklichen.
Ich brauche nicht das viele Geld, mir wäre es recht wenn ich von dem was ich verdiene tatsächlich nur Wohnung und Nebenkosten und Essen und meine Auslagen für die Dekorationen rausbekomme.

Wissen Sie ich bin auch kein Luxusweibchen, ich brauche nicht so viel zum Leben, außer meinem Freund, der Familie, einem Dach über dem Kopf und was zu essen und die Möglichkeit mit meinen Händen kreativ sein zu können.

Ich habe gehört das in unserem Haus eine Werkstatt frei wird, in dem momentan noch eine Firma sitzt und diese Werkstatt möchte ich versuchen zu bekommen, ich werde demnächst meinen Vermieter nach der Höhe der Miete dieses Raumes befragen und mich mit den rechtlichen und finanziellen Dingen eines Gewerbetreibenden auseinandersetzen, man muss ja Bescheid wissen.
Und dann kann ich dort arbeiten und auch ausstellen, weiterhin möchte ich mir über Mundpropaganda, Flyer, die ich auslege und dem Verkauf über mögliche Kunsthandwerkermärkte und Weihnachtsmärkte bzw. der Nachfrage in Geschäften, ob sie meine Sachen ausstellen würden, einen Namen machen.
Ich weiß nicht ob es sie interessiert, aber ich möchte mal aufzählen was ich so machen kann, ich mache kunsthandwerkliche Glaskreationen, nähe besondere Kissen, nähe demnächst auch mittelalterliche Kleidung, stelle Mosaiktischen her, Blumenübertöpfe, Dinge aus Ton, alle möglichen Weihnachtskränze und Deko, alle möglichen Osterdeko, Schmuck, sonstige Deko wie Tischdecken, Dosen, Schieferplatten etc....
Ach, wenn ich nur über diese Möglichkeit nachdenke, geht mir das Herz auf, ich weiß, das es das in meinem Leben ist, was ich machen will. Da tritt bei mir richtige Freude auf.

Ich will nicht in irgendeinem Job arbeiten, den ich nicht machen will, das habe ich ja mit Erzieherin schon mal getan und es hat mir absolut nicht gut getan. Ich habe das gehasst, andauernd diese Supervisionen, das Beobachten von Lehrern und Anleiterinnen, ich habe mich total unwohl gefühlt.

Es klingt vielleicht egoistisch, weil viel Menschen in einem Beruf arbeiten müssen, den sie nicht wollen, aber ich bin darüber krank geworden, so ist es nun mal, etwas in mir hat sich so sehr gesträubt. Das war nicht die richtige Entscheidung damals, muss ich sagen und ich lebe voraussichtlich nur einmal, warum soll ich da nicht etwas machen mit meinem Leben, was mir gefällt?

Und ich fand mich auch immer unfähig in diesem Beruf, obwohl ich sehr gute Noten hatte und meine Lehrer mit mir zufrieden waren, aber ich fand mich immer nicht gut genug. Ich war nie zufrieden mit mir und meiner Arbeit.
Wenn ich nur an diese Zeit denke wird mir schon wieder schlecht und ich bekomme ein absolut ekliges Gefühl!!

Ich sehe mein Heil auch darin das ich meine Kreativität ausleben sollte und kann.

Natürlich habe ich auch vor diesem Schritt Angst, das gebe ich zu, am meisten Angst habe ich vor der ganzen Regelei mit den Ämtern, den ganzen Papierkram, die Bürokratie und auch Angst davor etwas falsch zu machen in dieser Angelegenheit.Aber es gibt auch das Sprichwort."Wer nicht wagt der nicht gewinnt" oder?
Also Motivation habe ich eigentlich genug.

Nur ist da halt mein blöder Schwindel, bzw. die massiven Attacken, die mich manchmal für Tage zum absoluten Pflegefall machen.
Ich weiß es ist nichts an meinem Gehirn, aber das wusste ich eigentlich schon vorher, ich hätte von mir aus die Untersuchung gar nicht gemacht, habe es nur getan, weil mir die Ärzte Angst gemacht haben, von wegen "damit wir ausschließen können, das dort ein Tumor ist"
Jeder meiner Ärzte hat mir das gesagt. Und deshalb habe ich das auch machen lassen, gut nun weiß ich das nichts dort ist, aber die Sache mit meinem Schwindel kann mir trotzdem keiner erklären.

Der eine sagt "es ist ein Lagenschwindel, keine psychische Sache", der andere sagt "es ist Neuropathia Vestibularis teils vielleicht durch die psychische Sachlage bedingt aber auch nicht ganz" der andere wiederum sagt:" es ist psychisch" Was soll man da noch glauben oder wissen?
Das ist es halt was mich so aufwühlt und womit ich absolut nicht klar komme.

Ich habe kein Zutrauen in meinen Körper, denke er ist schwach und kommt mit den einfachsten Dingen nicht zurecht, ist krankheitsanfällig etc. Ich weiß nicht woher das kommt und ich weiß nicht wie ich wieder Vertrauen in meinen Körper bekommen kann.
Ich weiß nicht einmal wie ich diese Fokussierung meiner Wahrnehmung auf meinen Körper und mögliche kleine Fehlfunktionen, die ich direkt als etwas Schlimmes interpretiere wieder richtig rücken kann.
Und ich weiß nicht wie ich dem Schwindel entgegentreten kann, das es mich nicht wieder umhaut.
Ich denke seit dem letzten Anfall eigentlich permanent an den Schwindel und was es sein kann und wo er herkommt und ob er wieder weggeht und was ich tun kann und und und...
Diese Gedanken kriege ich nicht aus meinem Kopf heraus und das quält mich und regt mich auf, ich will das eigentlich nicht, aber diese Gedanken schleichen sich in alles rein. Ekelhaft!!!!!!!!!

Vor allem weiß ich das diese Gedanken absolut nicht förderlich für mich sind, das sie meiner Angst und Panik nur Nahrung geben und dem Schwindel wohl auch, wenn er psychisch ist.
Ich kann das leider immer noch nicht 100% glauben, weil ich halt diese Diagnose von meinem HNO bekommen habe, hätte ich diese Diagnose (Neuropathia Vestibularis) nicht bekommen, dann wäre ich jetzt zu 100% überzeugt, das er psychisch bedingt ist.
Vielleicht bin ich auch ein hoffnungsloser Fall? Ich meine damit, das ich nicht jetzt glauben kann, das er 100% psychisch bedingt ist.
Wie stelle ich das bloß an?
Meinen Angstschwindel den ich sonst so habe, den kann ich als 100% psychisch ansehen, die Attacken des massiven Schwindels nicht.
Und das ist mein Problem, sonst könnte ich jetzt schon besser an mir arbeiten. Dann hätte ich das aus dem Kopf.
Was würden Sie mir raten? Was würden Sie an meiner Stelle tun oder was wäre, wenn eines Ihrer Kinder an so etwas leiden würde, was würden sie ihm raten oder was machen lassen?
Zu Ärzten will ich nicht mehr gehen, ich war jetzt genug bei Ärzten, das ist immer alles so nervenaufreibend für mich und auch für meine Familie, das kann man keinem mehr zumuten.
Außerdem bringt es ja nichts, wie man sieht.

Ich will leben und das glücklich und ohne diese permanenten Gedanken an den Schwindel, ich hoffe irgendwann wird es mir gelingen. Ich will nicht mehr so unglücklich sein und mich so todkrank fühlen.

Danke fürs Zuhören/lesen
Viele liebe Grüße
Beavie

 

Hans Morschitzky  23.11.2001, 21:36:10

Liebe Beavie!

Hinweis: dieser Beitrag bezieht sich auf Ihren vorletzten Beitrag.

Danke für Ihre ausführliche Schilderung, die zeigt, dass man sich der Angst erfolgreich stellen kann. Wäre ich Neurologe, hätte ich Sie zu dieser Untersuchung mit Kontrastmittel auch dann geschickt, wenn ich mir absolut sicher gewesen wäre, dass Sie "nichts" (außer Angst und chronische Verspannung aufgrund der Lebenssituation) haben.

Mein Motto lautet: Man soll sich seiner Angst stellen. Wenn dies Ihre Angst ist, dass Sie etwas im Kopf haben, dann ist eine CT-Untersuchung auch eine angemessene Konfrontation mit Ihrer Angst.

Es ist dasselbe wie wenn Sie bei einer Herzphobie ein Belastungs- oder ein 24-Stunden-EKG machen sollen, aber aus Angst dies vermeiden wollen. Ich wäre der erste, der im Sinne einer Psychotherapie auf einer derartige Untersuchung bestehen würde.

Man soll sich immer der Realität und nicht nur seinen Fantasien über die angebliche Realität stellen!

Wenn Sie nach einiger Zeit "verdaut" haben, dass Sie gesund sind, lasse ich mich überraschen, was jetzt als nächstes kommen wird. Ich könnte Sie verstehen, wenn Sie trotz "Kopfgesundheit" nun anfangen würden, all jene Organe untersuchen zu lassen, die von der Krebskrankheit Ihrer Mutter erfasst wurden, sodass Sie letztendlich gestorben ist.

Ich kann Sie gut verstehen, was es bedeutet, die Krebserkrankung Ihrer Mutter zu verarbeiten. Meine Schwiegermutter ist (das habe ich schon anderswo geschrieben) 1977 gestorben - an meinem geplanten Hochzeitstag, sodass wir die Hochzeit absagen mussten und ein halbes Jahr später geheiratet haben. Es ging alles so schnell, die Ärzte haben uns nicht die volle Wahrheit gesagt. Nur eine Krankenschwester hat uns geraten, einigermaßen bald zu heiraten, wenn wir wünschen, dass die Mutter meiner Gattin die Hochzeit noch erleben wollen. Als Studenten hatte wir nicht vor, schon zu heiraten. So wollten wir da doch die Hochzeit wegen meiner Schwiegermutter "vorziehen" wollen, doch leider ging das dann alles furchtbar schnell. Die Ärzte wollten nett zu uns sein, sie wollten uns nicht beunruhigen, d.h. nicht belasten und uns das Ganze ersparen. Doch wieder sagte uns die Krankenschwester, die meine Gattin mochte: "Heute Nacht wird Ihre Mutter sterben". Wir bestanden bei den Ärzten auf ein Einzelzimmer und verblieben bis spät in die Nacht bei meiner Schwiegermutter, um bei deren schrecklichen Todeskampf dabei zu sein. Ich werde das niemals vergessen. Dennoch habe ich niemals eine Krebsangst entwickelt. Meine Mutter und deren Bruder sind an den Folgen von Diabetes II gestorben. Ich habe das alles über Jahre mitangeschaut. Dennoch habe ich niemals eine Krankheitsangst entwickelt. Ich gehe eher (wie viele Männer laut einer neuen Studien) eher zu wenig als zu viel zum Arzt.

Mein zweiter Sohn wäre vor 5 Jahren fast verstorben, als er 3 Tage lang mit einem Blinddarmdurchbruch zu Hause war. Einige Tage vorher hatte mein dritter Sohn eine Bauchgrippe. Wir holten den Notarzt, der dies dann diagnostizierte und mich bat, sofort in die nächste Apotheke zu fahren, um all meinen 5 Kindern sofort bestimmte Tropen zu verabreichen, die anderen würden mit Sicherheit auch diese Bauchgrippe bekommen. Niemand sonst bekam eine Bauchgrippe, dafür aber leider mein zweiter Sohn einen Blinddarmdurchbruch, dessen Schmerzen wir mit diesen Tropfen offensichtlich gemildert hatten. Mein Sohn ging selbst im Kinderkrankenhaus noch einen halben Tag aufrecht durch die Gegend - bis er plötzlich nach der Durchuntersuchung sofort notoperiert wurde, weil sein Inneres schon voller Eiter war. Die Aufklärung folgte derart: es war eben völlig untypisch, dass er nicht die typischen Schmerzen hatte.

Typisch war dagegen wieder Folgendes: alle anderen Kinder, die in seinem Zimmer wegen Verdacht auf Blinddarm eingeliefert wurden, wurden immer wieder entlassen mit der Diagnose "Psychisch" bedingte Magenschmerzen - nur der Sohn von zwei PsychologInnen hatte einen Blinddarmdurchbruch. So ist das Leben!

Also kommt es schon auch noch auf andere Faktoren an, ob man nach derartigen Erfahrungen selbst Krankheitsängste wie Sie entwickelt. Wichtig ist das Leben-Können mit einem Restrisiko und die Konzentration auf das Machbare. Können Sie das jetzt schon so plötzlich? Und müssen Sie sich jetzt noch viele, viele andere Sorgen machen, bis Sie daran gehen können, etwas von Ihren Ideen umzusetzen?

Mit besten Grüßen!

Hans Morschitzky

 

Beavie  24.11.2001, 15:39:52

Lieber Herr Doktor,

ich glaube ich kann noch nicht so richtig leben mit dem Restrisiko, das muss ich noch lernen. Und das ist so schwer. Ich weiß das man nie 100% sicher vor irgendwelchen Krankheiten ist und das muss ich erstmal in meinen Kopf bekommen.

Das Machbare, beziehen Sie das auf meine berufliche Situation? Ich möchte mich darauf konzentrieren können, aber immer funkt mir die Gedankenspirale des schlimmen Schwindels dazwischen.
Ich pack das irgendwie nicht.

Heute morgen bin ich aufgewacht und habe wieder furchtbar geweint, denn meine Augen sind wieder so komisch, dick geschwollen und machen mir wieder Probleme beim Gucken und Kopfdrehen, ich sehe das als Anzeichen von erneutem schlimmen Schwindel, denn so fängt es immer wieder an.
Ich habe jetzt solche Angst, das mir wieder eine erneute schlimme Schwindelphase bevorsteht und das er diesmal dann wirklich nicht mehr weg geht. Das ich die ganze Sache auch nicht mehr verkrafte und darüber zerbreche, das ich das nicht noch einmal aushalte.
Verstehen Sie?

Ich habe eigentlich nicht so sehr mehr Angst Krebs zu bekommen, da kann man ja auch gegebenenfalls was machen, aber bei meinem Schwindel, da kann mir irgendwie keiner helfen.

Wenn man Neuropathia Vestibularis hat, bekommt man dann denn andauernd solche Attacken? Wissen Sie das zufällig? Oder kommt das nur alle paar Jahre vor? Ich würde so gerne ausschließen, das ich das habe, dieser Gedanke ist so beängstigend.
Ich werde dadurch immer unsicherer auch in meinen Bewegungsabläufen.
Kann denn das Gleichgewicht sporadisch immer wieder ausfallen?
Oder ist es doch psychisch so, das mein Gleichgewicht so sensibel ist, das es bei Stressstituationen einfach schlapp macht und mich umhaut, so das mein Körper Ruhe fordert?
Ich würde es so gerne glauben.
Bitte Herr Doktor, wenn ich zu Ihnen in die Praxis kommen würde, und Ihnen meinen Fall und meinen Schwindel und die Diagnose des HNO vorlegen würde, was würden Sie dann über mich denken?
Ich kann ja die Diagnose des HNO nicht einfach vergessen Wenn er mir sagt, das ich eine Gleichgewichtsstörung bzw. diese Neuropathia Vestibularis oder Lagenschwindel etc. habe.
Wie würden Sie damit umgehen?
Was kann ich bloß tun, auch jetzt wo ich merke, das der schlimme Schwindel wieder im Anflug ist?
Ich hoffe ich auch noch wieder hier schreiben und das ist nicht mein letzter Post, den ich an sie richte, weil dann wieder der Schwindel da ist.
Das ist bei mir der Knackpunkt, ich habe so eine Angst das ich immer diesen totalen Schwindel haben werde irgendwann und nie mehr aufstehen kann ohne den Schwindel und das niemand mir in dieser Situation helfen kann, weil es eben zu wenig erforscht ist, diese Neuropathia Vestibularis.
Das ich für immer ein Pflegefall werde und immer diese schrecklichen Gefühle haben werde.


Wissen Sie ich habe das Gefühl, alle Leute die hier über Schwindel etc. schreiben, einen anderen Schwindel haben und zwar diesen Angstschwindel, den ich ja auch gut kenne.
Weil niemand dann 2 bis 3 Tage im Bett liegen muss und noch nicht mal alleine zur Toilette gehen kann. Und alle die auch schon eine Kalorik hinter sich haben und vom HNO untersucht wurden, bei denen wurde ja nichts gefunden, aber bei mir, die Kurve hat ja nicht ausgeschlagen am rechten Ohr.
Das ist halt das woran ich dann verzweifle.

Ich will mir nicht mehr so viele Gedanken machen müssen, sondern einfach leben. Ich will meine Ideen umsetzten und mich lieber darauf konzentrieren, das müssen sie mir glauben. Nur wie stelle ich das an?
Ich schaffe es nur nicht den Schalter umzuschalten.

Sie meinen sicher ich solle es trotzdem versuchen, trotz aller Gedanken und Ängste, das ich mich dran mache meine Ideen umzusetzen.
Das ich versuche meine Wahrnehmung auf etwas anderes zu lenken.

Trotz Schwindel und Angst und Gedanken, das sehe ich auch so. Ich kann und will nicht mein ganzes Leben damit vergeuden in Angst und Schrecken zu leben und mit diesen schrecklichen Schwindelattacken.
Was ist das für ein Leben?
Das weiß ich ganz genau, es ist kein glückliches Leben.
Ich will es versuchen.

"Man muss sich seinen Ängsten stellen" das ist richtig und rational sehe ich das 100% auch so, nur emotional ist es immer anders, da rauschen die Gefühle durch einen durch und machen einen total irre. Das durchzusetzen kostet Kraft, aber ich weiß woher ich Kraft bekomme, das immer wieder auszuprobieren, durch meine Liebe zu meinem Freund und zu meiner Familie und meinen zwei Katzen und dadurch, das ich etwas schaffen will.


Vielen lieben Dank erstmal für Ihre Antwort und ihre persönlichen Schilderrungen.
und viele liebe Grüße
Beavie

 

Hans Morschitzky  24.11.2001, 16:56:58

Liebe Beavie!

Zur Neuropathia vestibulis bekommen Sie von mir als Psychologe keine hilfreiche Antwort, weil dies nicht in das Feld der Psychotherapie gehört. Höchstens dies: was auch immer man körperlich haben kann, kann durch psychische und psychosoziale Stressfaktoren verstärkt werden, dennoch wird dies deswegen nicht zu einer "psychogenen" Störung.

Wegen Ihres anhaltenden Schwindels denke ich mir von Ihnen jetzt nichts anderes als vorher. Sie haben einfach verschiedene Probleme, die Sie lösen müssen, egal, ob Sie nun schwindlig sind oder nicht. Psychoanalytiker würden sagen, dass Schwindel ein Angstäquivalent sein kann. Schwindel heißt auch, die Orientierung und den Halt verloren zu haben. Sie müssen sich auf jeden Fall neu orientieren, wie Sie ja selbst schreiben. Das braucht eben Zeit.

Schwindel wird verstärkt durch die Zuwendung darauf. Ablenkung ist also eine vorübergehende Möglichkeit, jedoch nicht die Dauerlösung. Leute mit viel Schwindel haben meiner Erfahrung nach Schwierigkeiten, Schwäche echt anzunehmen, obwohl sie sich ständig als sehr schwach erleben. Sie wehren sich verzweifelt - wie Sie - gegen diesen Zustand.

Mein Motto ist: "Man kann etwas nur dann verändern, wenn man es angenommen hat."

Können Sie es vorerst einmal annehmen, dass Sie eben schwindlig sind und dennoch vorerst einmal mental daran arbeiten, wie es beruflich und sozial weitergehen soll? Das wäre das Machbare. Oder wird Ihnen gerade dann besonders schwindlig? Das würde ich in der von Ihnen beschriebenen Lebenssituation für verständlich halten.


Mit besten Grüßen!

Hans Morschitzky

 

Beavie  24.11.2001, 18:30:39

Lieber Herr Doktor,

ich glaube ich kann Ihnen darauf keine eindeutige Antwort geben.
Ich kann den Schwindel nicht annehmen, ich weiß nicht wie ich das fabrizieren soll. Können Sie mir raten wie ich das machen soll?
Andererseits will ich ja darüber nachdenken wie es beruflich und sozial weitergehen soll, es ist eine Spirale.
Manchmal habe ich das Gefühl, das mein Kopf rast bei den ganzem Papierkram und Erledigungen, die ich machen musste damals für die Sozialhilfe, da wusste ich manchmal nicht mehr wo oben und unten ist.

Meinen Sie ich komme da irgendwann wieder raus? Aus diesem Schwindeldilemma oder ist bei mir Hopfen und Malz verloren? Manchmal denke ich das, aber meistens regt sich bei mir dann der Kampfeswille und ich mache weiter.

Das einzige was ich weiß ist, das ich meinen Körper nicht verlassen kann und ich es ja irgendwie annehmen muss, irgendwann, denn sonst mache ich mich ja noch mehr kaputt.
Ich habe ja nun mal diesen Körper und keinen anderen und wenn er nicht ganz in Ordnung ist, dann muss ich das ja irgendwann akzeptieren, oder? Ich kann ja nicht raus aus ihm.
Es ist der einzige Körper, der mir zur Verfügung steht. Mit Schwindel oder ohne.

Liebe Grüße
Beavie

 

Beavie  25.11.2001, 22:57:56

Lieber Herr Doktor,

Ich habe zur Zeit ganz schlimme Angst, ich weiß gar nicht mehr wohin mit mir, bitte sagen Sie mir, denken Sie ich werde mit der Zeit verrückt?
Oder das ich es nicht mehr aushalten kann?
Ich habe eben mal im Internet nach Schwindel gesucht und es gibt eine Seite wo alle möglichen Schwindelarten aufgelistet sind.
Ich habe es nicht gelesen, aber ich mache mir trotzdem Gedanken, das es ja auch irgendein Schwindel von dieser Seite sein kann, den ich habe und ich weiß es nicht.
Meinen Sie bei mir geht der Schwindel wieder weg? Oder bleibt er für immer?
Bitte beantworten Sie mir diese Frage.
Ich bin wirklich in Panik, das ich langsam verrückt werde, wenn ich nicht aufhöre mit diesen Schwindelgedanken.
Zur Zeit ist bei mir der Schwindel auch wieder schlimmer, zwar noch nicht der ganz schlimme, wo ich liegen muss, aber bei Kopfbewegungen wird mir schwindelig und ich habe ab und an das Gefühl nach hinten oder zur Seite gezogen zu werden.
Ich kann mich kaum noch ablenken.
Bitte helfen Sie mir.
Beavie

 

Hans Morschitzky  29.11.2001, 18:25:39

Hallo Beavie!

Sie sind nun so durchuntersucht, wie Sie es sich gewünscht haben. Hat sich dadurch für Sie etwas verändert? Offensichtlich nicht wirklich, denn trotz Ausschluss einer organischen Erkrankung im Kopf suchen Sie nun doch in typisch krankheitsängstlicher Manier nach körperlichen und seelischen Problemen anstelle von psychosozialen Lösungen für Ihre Lebenssituation. Ich habe übrigens auch Ihre Beträge im allgemeinen Forum gelesen.

Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich einmal jenseits Ihrer körperlichen und seelischen Probleme:

- Was genau werden Sie in einem Jahr tun?
- Was genau möchten Sie in 3 Jahren tun?
- Wo genau möchten Sie in 5 Jahren stehen?

Sie suchen ständig nach immer neuen Problemen statt nach Lösungen für die alten und bekannten Probleme.

Wenn ich Ihnen helfen soll, dann geht dies nur dadurch, dass ich Ihnen Mut mache, Ihr Leben in die Hand zu nehmen und es zu meistern - zumindest einmal in Gedanken. Das ist die Aufgabe von Psychotherapeuten.

Ärzte beruhigen Sie durch Untersuchungen, dass Sie gesund sind. Ich sage Ihnen daher nichts zu körperlichen Sachen, für die ich nicht zuständig bin. Wenn Ärzte Sie nicht beruhigen können, halte ich nichts davon, Ihnen durch billigen Trost und oberflächliche Beruhigung ein Gefühl der Sicherheit zu geben, ohne Sie überhaupt zu kennen.

Schreiben Sie mir doch ganz konkret, wie Sie innerhalb eines Jahres beruflich aus sich selbst heraus existieren können und was Sie schon jetzt tun können, obwohl Sie sich noch nicht gesund fühlen. Machen wir doch einen ganz konkreten Plan, wie es umsetzbar ist, dass Sie - wann auch immer - einmal im wahrsten Sinn des Wortes "auf eigenen Füßen stehen" können.


Mit besten Grüßen!

Hans Morschitzky

 

Beavie  30.11.2001, 14:35:45

Lieber Herr Doktor,

>>>Sie suchen ständig nach immer neuen Problemen statt nach Lösungen für die alten und bekannten Probleme.

Da muss ich Ihnen sagen, das Sie völlig recht damit haben, ich glaube bei mir ist das wirklich so, ich kann mich ja gar nicht auf was anderes konzentrieren, als auf mich und meinen Schwindel und suche und suche nach irgendwelchen Dingen, die der Auslöser meines Schwindels sein können.

Sie müssen mir glauben, das ich mein Leben meistern will, auf eigenen Füssen stehen möchte, deshalb bin ich ja derzeit auch so verzweifelt, weil ich wieder eine mittlerweile schon einwöchige akute Schwindelphase habe, ich das aber nicht mehr aushalten kann und will, und nicht weiß ob ich es noch weiter aushalten kann.
Ich würde so gerne momentan auf die Weihnachtsmärkte gehen, aber es geht nicht, da es mir körperlich und natürlich auch seelisch wieder total bescheiden geht.
Verstehen Sie, man ist ja total verängstigt in dieser Situation, ich will da raus und kann es nicht weil es mich bei jeder Kopfbewegung bzw. bei Körpererschütterungen (ganz besonders schlimm beim Autofahren und Treppen rauf- oder runtersteigen) schwankt wie auf einem Schiff mit hohem Seegang. Überhaupt beim Gehen, fühle ich mich als ob ich auf hoher See bin. Meine Augen sind nicht fest, verstehen Sie wie ich das meine.
Dadurch reiße ich auch immer die Augen so auf, und halte sie starr.
Und meine Augen sind auch nicht normal zu gebrauchen im Moment. Ganz seltsames Gefühl, als ob sie geschwollen oder so sind und gleich rausfallen wollen oder schielen, das eine nach oben das andere nach unten. Dazu kommen Brechgefühle.

Das verängstigt mich total.
Ich habe Angst.

Mittlerweile bin ich zu 99% überzeugt, das der starke Schwindel seelisch ist, ich habe auch noch einmal mit meinem HNO gesprochen und er erklärte mir, das mein Innenohr in Ordnung ist, nur das Gleichgewichtsorgan sehr sensibel ist und das man alles bei mir im Zusammenhang mit der Angst sehen muss.
Das also Stress auf mein Gleichgewicht wirken könnte und mich dann niederwirft.

Ich glaube also daran, das es seelisch bedingt ist, denn wo will ich sonst noch suchen? EEG in Ordnung, MTR in Ordnung, Neurologische Untersuchung in Ordnung, wo will ich noch suchen. Nirgends

O.K. mein Hals/Nackenregion ist auch total im Eimer, tut weh, ist angespannt und ich fühle auch Knötchen auf der Wirbelsäule zwischen den Bandscheiben und so, aber ich denke, das kommt auch durch die Angst, denn momentan versuche ich auch alle möglichen Bewegungen zu vermeiden und starr und steif alles zu regeln , bewege also nicht nur den Kopf zum Beispiel, sondern gleich den ganzen Hals mit. Aus Angst. Weil sonst der Schwindel zu stark wird. Der Neurologe, mit dem ich auch noch mal gesprochen habe, sagte, das er auch den Hals/Nacken untersucht hätte, zwar nicht so gründlich wie ein Orthopäde, aber es wäre ihm wohl aufgefallen, wenn was dort wäre, sagte er und das glaube ich auch.

Was ich nicht so toll von ihm fand, war, das er mir Betablocker verschreiben wollte, um mich insgesamt ruhiger zu machen. Was halten Sie davon? Ich nicht viel, da ich es ohne Medikamente schaffen will und auch um nichts in der Welt zu Tabletten greifen möchte. Dann käme ich mir auch schwach und nicht mehr wie ich selbst vor. Außerdem hätte ich eine wahnsinnige Angst vor Nebenwirkungen oder Abhängigkeit.
Ich will das nicht. Kann man mich zwingen?

Eine Frage an Sie habe ich aber die mich total beschäftigt, ich habe Angst, das dieser Schwindel, seelisch ausgelöst bei mir nie wieder weggeht und ich ihn für den Rest meines Lebens haben werde, niemals Kinder bekommen kann, ein Pflegefall werde, nur noch im Bett liegen kann. Sagen Sie mir, ist das so?
Ich habe ihn jetzt wieder seit über einer Woche und kann größtenteils nur liegen. Weil es mir körperlich wirklich so schlecht geht, das ich nicht anders kann.
Ich bin so verzweifelt. Und denke, das mir nun ein Arzt sagen wird, da der Schwindel seelisch ist müssen Sie Psychopharmaka nehmen,s onst wird das nichts mehr mit ihnen. Oder das er mich in die Psychiatrie einweist und ich dort vollgepumpt werde und hilflos bin.
Was können Sie mir dazu sagen?

Zu Ihren Fragen:

- Was genau werden Sie in einem Jahr tun?

Ich möchte meine Angst und meinen Schwindel besiegt haben.
Ich werde mein Gewerbe angemeldet haben und selbstständig kreativ tätig sein, wenn es geht in einer kleinen Werkstatt arbeiten, oder halt bei mir in der Wohnung im Arbeitszimmer, werde auf verschiedenen Märkte gehen um meine Sachen anzubieten.
Ich möchte mal wieder an die Ostsee fahren, nach Lübeck um mal Urlaub zu machen und was anderes zu sehen.
Werde mit meinen Freund wieder mehr das Leben genießen.

Wissen Sie, das etwas komisch an den Schwindelphasen ist? Immer wenn es mir so furchtbar schlecht geht, bereue ich, das ich mich nicht noch mehr getraut habe, das ich mein Leben gar nicht mehr gelebt habe, noch mehr probiert habe oder Sport betrieben habe, nicht mal schwimmen gegangen bin oder mal in eine Disco, das ich das Leben an mir habe vorbeiziehen lassen.
Das ich mir soviel von der Angst habe kaputt machen lassen, und dann will ich auch raus aus meiner Wohnung, will unbedingt dann was machen und kann es nicht mehr, wegen dem Schwindel.

Kurios oder? Dann merke ich auch immer was wirklich im Leben zählt und was mir wichtig ist. Nur habe ich dann die Angst, die Erkenntnis kommt zu spät und ich kann das alles nicht mehr ausprobieren. Verstehen Sie?

Ich habe meinem Freund versprochen, in die Hand, das ich wenn diese Attacke noch mal vorbei gehen sollte und ich nicht zum Pflegefall werde und ich noch einmal die Chance habe was zu ändern und zu tun, das ich dann mit ihm feiern gehen werde, in eine Disco hier bei uns in der Nähe. Und das ich noch viel mehr ausprobieren, mich trauen will.
Ich habe das Leben mit der Angst so satt, das können Sie mir glauben.


- Was genau möchten Sie in 3 Jahren tun?

Gesund sein, ein Kind bekommen, nebenbei weiterarbeiten, ein Fachwerkhäuschen kaufen, es renovieren, mich für andere einsetzten, denen es schlecht geht (Besuche im Krankenhaus machen, wo Leute niemanden mehr haben), also ich würde gerne in ein Ehrenamt treten

- Wo genau möchten Sie in 5 Jahren stehen?

Im Leben und nicht mehr in der Angst oder im Schwindel.

Wie kann ich auf eigenen Füssen stehen?
In dem ich anfange was zu tun und nicht immer nur denke und das auch noch immer in den schwärzesten Farben, ich weiß.
Ich hatte schon in anderen Beiträgen erwähnt, das ich ein Gewerbe anmelden will und mich schlau mache und schon zur Zeit produziere.
Ich habe trotz des Schwindels einige Auftragsarbeiten für Weihnachtsdeko und Adventskränze und Schmuck angenommen und auch erledigt, was mich allerdings eine Menge Kraft gekostet hat und ich momentan völlig fertig bin, noch zusätzlich zum Schwindel und den schlimmen Gedanken, die ich habe.
Ich möchte das zu gerne umsetzen.

Nur momentan bin ich halt wieder von meinem Schwindel dermaßen vereinnahmt, das es mir auch keinen Spaß macht und nur anstrengend ist, weil ich körperlich und seelisch leide, sehr leide.
Wie bekomme ich den Schwindel denn in den Griff?
Ich versuche zwischendurch aufzustehen und was zu machen, zum Beispiel auch hier zu schreiben, was sehr anstrengend ist und aufzuräumen, zu basteln oder einfach nur zu sitzen. Aber ich kann das nie lange durchhalten und bekomme auch depressive Einbrüche, weil sich an meinem Zustand absolut nichts ändert.
Es wird nicht besser.
Ich habe halt die Horrorvorstellung, das es nie mehr besser wird und ich mein Lebtag nur noch mit diesem Schwindel agieren kann, das halte ich aber nicht aus, das will ich auch nicht aushalten.

Wenn ich zum Beispiel den Unterberg- und den Stellbergversuch mache, meint mein Freund keine argen Schwankungen zu sehen, also ist mein Gleichgewicht in Ordnung.
Allerdings wenn ich mich in meinen Arbeitsstuhl setze und ich mich in ihm drehe (es ist ein Drehstuhl), bekomme ich ein ganz komisches Gefühl im Nacken, als ob es losgelöst wäre, oder so wie wenn man in der Achterbahn nach unten fährt.
Dieses Gefühl habe ich auch wenn ich mich selber schnell bewege, mich um mich selbst drehe oder so. Verstehen Sie? Und dann immer diese Schwankenden Attacken bei Kopfdrehungen oder beim Raufsehen oder zur Seite sehen oder beim Sich Hinlegen, ekelig.

Ich hoffe Sie können meine Beschwerden verstehen.

Was kann ich nur tun, damit sich das nicht manifestiert, bitte helfen Sie mir dabei. Ich möchte diesen Zustand loswerden und auch meine Angst. Ich habe genug davon, will endlich wieder am Leben teilhaben.

Vielen Dank fürs Zuhören.
Liebe Grüße
Beavie

 

Hans Morschitzky  07.12.2001, 10:00:22

Hallo Beavie!

Wenn etwas wie Schwindel nicht organisch bedingt ist, ist noch immer nicht alles einfach „psychisch bedingt“. Akzeptieren Sie doch, dass Sie aufgrund der Unsicherheit chronisch muskulär verspannt sind (vor allem Schulter-Nacken-Verspannung). Damit müssen Sie umgehen lernen, denn dies ist eine körperliche Erfahrung. Nur darüber reden in einer Psychotherapie ist nicht die einzige Lösung. Sie müssen auch körperlich etwas tun, trotz des Schwindels, und zwar ganz langsam, wie wenn Sie nach einem schweren Unfall eine REHA-Patientin wären.

Betablocker lösen Ihr Problem wirklich nicht. Ich finde es gut, dass Sie es ohne Medikamente schaffen wollen.

Ihr Schwindel wird immer erträglicher, je mehr Sie „auf eigenen Füßen stehen“ können. Der Schwindel wird nicht ewig bleiben. Vor der Psychiatrie brauchen Sie sich nicht zu fürchten. Wegen Schwindel allein wird man Sie dort kaum aufnehmen.

Wissen Sie, was der Unterschied zwischen einer Angstpatientin wie Ihnen und einem Todgeweihtem wie einem schweren Krebspatienten ist? Der Schwerkranke, der angeblich nur mehr 2-3 Jahre Lebenszeit hat, nutzt die verbleibende Zeit, um noch intensiv zu leben, sich seiner Familie zu widmen, die Welt kennen zu lernen. Und was tun Sie? Ihre Lebens- und Berufsplanung in den nächsten Jahren klingen ja sehr konkret. Es fehlt nur die Umsetzung.

Eine Angstpatientin wie Sie tut aus Angst, die Zukunft zu versäumen, nichts in der Gegenwart, das sie aufbauen könnte, weil sie ständig darüber nachgrübelt, dass doch alles sinnlos sein wird – und versäumt die Möglichkeiten des Lebens, die jetzt gegeben sind.

Ich zitiere gerne den Spruch von Gorbatschow: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Wie lange wollen Sie noch alles aufschieben, was Sie gerne tun wollen?

Ein organisch Kranker tut trotz seiner Erkrankung das, was ihm möglich ist. Viele psychisch Kranke tun nichts, weil sie auf bessere Zeiten hoffen. Erkundigen Sie sich einmal, was Sie tun müssten, wenn Sie einen organisch bedingten Schwindel hätten, z.B. welche heilgymnastischen Übungen es da gibt. So etwas sollten Sie auch machen! Oder machen Sie eine der chinesischen Körpertherapien, wie ich dies vielen meiner PatientInnen empfehle.

Ich habe jetzt einen 18-jährigen Patienten, der im Juli 2001 bei der Reparatur eines LKW eine Explosion eines Kessels mit einem Druck von 13 bar erlebt hat, wo er durch den Druck so zu Boden geschleudert wurde, dass er danach lange Zeit heftige Schwindelattacken erlebt hat und jetzt aufgrund seiner Angst umzufallen im Rollstuhl sitzt und auch so zu mir gebracht wird. Die Diagnose hieß: „Psychogene Gangstörung“. Weil seine Eltern die Störung angeblich verstärkten und ihn dabei zusätzlich krank machen würden, wurde gleich eine Familientherapie empfohlen, was ein absoluter Schwachsinn ist.

Neben der Verhaltenstherapie bei mir habe ich unbedingt eine Physiotherapie empfohlen, wie wenn er körperlich krank wäre. Er hat nun eine super Physiotherapeutin, die ihm schon geholfen hat, phasenweise zu stehen und mit Gehhilfe kurz zu gehen. Auch wenn dies „psychisch“ bedingt ist, muss das Gehirn nach dem druckbedingten Fall wieder lernen, dass man – außer in bestimmten Situationen – nicht so einfach umfällt.

In der Psychotherapie machen wir übrigens auch etwas anderes als „nur reden“. Durch den Schock hatte der Patient nämlich alles vergessen. Er hatte kein Gedächtnis mehr, konnte nicht mehr rechnen und schreiben. Vieles davon hat er bereits vor der Therapie bei mir wieder gelernt. Den Rest trainieren wir zusammen im Rahmen eines kognitiven Trainings. Ich glaube also nicht, dass seine kognitive Störung, auch wenn sie „psychisch“ bedingt ist, durch Darüber-Reden so einfach vergeht. Man muss etwas tun. Und das gilt auch für Sie!

Alles, was Ihren Gleichgewichtssinn im Kopf (im Hirnstamm, und nicht bloß im Ohr) trainiert, ist gut für Sie.

Ich unterrichte als Psychologe seit 10 Jahren in der Akademie für Ergotherapie. Daher weiß ich, wie wichtig alle Handbetätigungen für das Gehirn sind. Sie brauchen keine Ergotherapeutin, Sie wollen ja selbst eine gewerbliche Künstlerin werden. Also dann fangen Sie auch damit an, künstlerische Arbeiten zu erstellen, damit dies möglich wird. Das ist auch gut für Ihre Psyche.

Kümmern Sie sich weniger um Ihre Psyche, weniger um Ihre Ängste und weniger um Ihre Zukunft, sondern tun Sie hier und jetzt etwas!

Mit besten Grüßen!

Hans Morschitzky

 

Beavie  20.12.2001, 16:42:28

Lieber Herr Doktor, vielen Dank für Ihre Nachricht!

>>>>>Wissen Sie, was der Unterschied zwischen einer Angstpatientin wie Ihnen und einem Todgeweihtem wie einem schweren Krebspatienten ist? Der Schwerkranke, der angeblich nur mehr 2-3 Jahre Lebenszeit hat, nutzt die verbleibende Zeit, um noch intensiv zu leben, sich seiner Familie zu widmen, die Welt kennen zu lernen. Und was tun Sie? Ihre Lebens- und Berufsplanung in den nächsten Jahren klingen ja sehr konkret. Es fehlt nur die Umsetzung

Ich stimme Ihnen voll und ganz zu, das ist mir in den letzten Wochen auch so oft in meine Gedanken gekommen, das ich nicht jetzt und hier lebe und nicht immer nur denke und denke.
Ich bin dabei mich kreativ zu entfalten. Ich produziere und werde im neuen Jahr ein Gewerbe anmelden.


>>>>Erkundigen Sie sich einmal, was Sie tun müssten, wenn Sie einen organisch bedingten Schwindel hätten, z.B. welche heilgymnastischen Übungen es da gibt. So etwas sollten Sie auch machen! Oder machen Sie eine der chinesischen Körpertherapien, wie ich dies vielen meiner PatientInnen empfehle.

Bei wem soll ich mich dazu erkundigen, wo bekomme ich diesbezüglich gute Informationen her? Und welche chinesischen Körpertherapien meinen Sie? Können Sie mir einige empfehlen? Ich würde so etwas wirklich sehr gerne machen, auch um meinen Körper wieder richtig kennenzulernen und richtig zu verstehen und ihn zu akzeptieren.

>>>>>Alles, was Ihren Gleichgewichtssinn im Kopf (im Hirnstamm, und nicht bloß im Ohr) trainiert, ist gut für Sie.

Bitte, was trainiert denn den Gleichgewichtssinn im Kopf? Ich weiß darüber nichts, können Sie mir auch hierfür bitte Tipps geben?

>>>Kümmern Sie sich weniger um Ihre Psyche, weniger um Ihre Ängste und weniger um Ihre Zukunft, sondern tun Sie hier und jetzt etwas!

Das möchte ich gerne, jedoch weiß ich oft nicht wie ich diese blöden Gedanken aus meinem Hirn bekomme, wie stellt man so Gedanken ab? Sie schleichen sich doch einfach ein.?!

Und was kann ich konkret tun, damit diese Schwindelgrippe gar nicht erst wieder auftaucht? Das sie mich nicht wieder einschüchtert und verängstigt?


Ich bin sehr gespannt auf Ihre Antwort!

P.S. Gestern war ich auf dem Weihnachtsmarkt in unserer Stadt und hatte fast keine Probleme dabei, ich konnt ihn sogar richtig genießen und mich ablenken, als ich all die schönen Dinge betrachtete.

 

Hans Morschitzky  21.12.2001, 12:50:23

Liebe Beavie!

Es freut mich, dass es Ihnen bereits besser geht. Alles Gute weiterhin!

Mit chinesischen Körpertherapien habe ich z.B. Tai Chi und Chi Gong gemeint.

Schauen Sie sich im Programm der Volkshochschulen um, wo es bestimmt noch mehr gut, das auch nicht viel kostet, z.B. sehr gut wäre die Feldenkrais-Technik.

Dabei finde ich auch gut, dass diese Angebote in Gruppenform stattfinden. Es ist auch ein ausgezeichnetes Modelllernen zu sehen, wie andere mit ihrem Körper umgehen, es kann aber auch beruhigen zu sehen, dass andere auch Probleme haben.

Ein Training des Gleichgewichtssinns ist ebenfalls durch diese Körpertherapieformen möglich.

Auf meiner Homepage panikattacken.at/panikattacken/panik.htm finden Sie verschiedenen Übungen und Anregungen zur Schwindel- und Gleichgewichtsthematik unter dem Titel "Provokation von Schwindel und Fallangst".

Helfen können Ihnen auch die Ideen unter "Körperliche Schonung bei Angst - Ein sicherer Weg zur Angstverstärkung" auf panikattacken.at/schwindel/schwind.htm

Sie müssen nichts gegen den Schwindel tun, sondern nur lernen, sich richtig zu bewegen und fortzubewegen ohne sich dabei zu schonen.

Mit besten Grüßen und Weihnachtswünschen!

Hans Morschitzky

 

Beavie  22.01.2002, 18:31:37
 

Lieber Herr Doktor,

erst einmal noch ein gutes und gesundes neues Jahr.

ich würde gerne chinesische Körpertherapien erlernen, doch selbst auf der Volkshochschule ist es für mich leider zu teuer. Ich kann das leider nicht aufbringen. Ich habe mir von der Mutter meines Freundes eine Kassette ausgeliehen über die Feldenkrais-Methode, meinen Sie das könnte auch etwas Gutes bewirken?
Ich wollte auch über Tele-Gym mir Qui Gong mal anschauen, meinen Sie es hilft mir auch wenn ich es hier zuhause trainiere? Und nicht in einer Gruppe?

Und dann habe ich noch ein anderes Problem, mit dem Schwindel hatte ich bisher Gott sei Dank Ruhe und habe viele positive Schritte nach vorne getan, bin zum Beispiel zu Fuß in unseren Ort gegangen, was ich bestimmt jetzt ein Jahr nicht mehr gemacht habe!!
Aber ich hab nun ein neues körperliches sehr unangenehmes Problem.

Seit ein paar Tagen habe ich ständig ein hohes Piepen oder Fiepsen (wie von einem Computer) in den Ohren, ich kann nicht definieren ob es nur in einem Ohr hörbar ist oder in beiden.
Konzentriere ich mich darauf ist es stärker da, lenke ich mich ab, nehme ich es nicht mehr so stark wahr.
Ich habe nun wahnsinnige Angst einen Hörsturz zu bekommen oder Tinnitus, der dann nie mehr weg geht und ich immer dieses nervenaufreibende Geräusch in den Ohren habe, dann werde ich wahnsinnig.
Mein Freund sagt er hätte das auch wenn er sich auf seine Ohren konzentrieren würde, er würde auch ein hohes durchgehendes Piepsen wahrnehmen, aber nur wenn er sich darauf konzentriert.
Ich weiß nicht ob ich jetzt durchdrehe oder sonst etwas und ich weiß nicht ob ich dieses Geräusch nicht schon immer in den Ohren hatte und mich nun so darauf konzentriere, das ich es so stark wahrnehme? Weil sich meine Aufmerksamkeit so darauf konzentriert, ich höre nur noch auf meine Ohrgeräusche, die ich so habe, kann mich wieder auf nichts anderes konzentrieren.
Ist es denn möglich, sich so in etwas hineinzusteigern?
Sind solche Ohrgeräusche denn normal?
Wenn ich still bin, wird es auch immer schlimmer und ich habe das Gefühl es wird immer lauter.
Kennen Sie so etwas eventuell auch aus ihrer Praxis? Kann das irgendwie mit meiner Angststörung und meiner Krankheitsangst zusammen hängen?
Ich hoffe sehr auf Ihre Antwort
vielen Dank erst einmal
liebe Grüße
Beavie

Hans Morschitzky  24.01.2002, 10:42:58

Hallo Beavie!

Super, dass Sie mit der Schwindelsymptomatik so gut umgehen können. Wäre alles organisch gewesen, könnte der Schwindel jetzt nicht plötzlich verschwunden sein. Sie haben also wesentlichen Anteil daran, wenn es jetzt besser geht.

Aber wie Sie sehen, verlagert Sie jetzt Ihre ängstliche Körperbeobachtung. Sie machen nun mit den Ohrgeräuschen dasselbe wie mit dem Schwindel oder anderen Symptomen. Dies zeigt doch, dass das Grundproblem bei Ihnen nicht primär die Symptome sind, sondern die grundlegende Angst, irgend etwas Krankhaftes in sich zu haben. Dies ist nicht das Typische einer Angst- und Panikstörung, sondern einer Krankheitsangst (Hypochondrie) mit zwanghafter Selbstbeobachtung und ständigem Kontrollieren des Körpers.

Eine Grundstrategie zur Lösung derartiger Probleme lautet: die äußeren Reize (Aktivitäten, Umgang mit anderen usw.) müssen wichtiger werden als die inneren Reize (Körpersymptome, ängstliche Bewertungen des Körpers).

Sie können alles tun mit Ohrgeräuschen und müssen sich nicht von Ihrem Weg abbringen lassen, den Sie eingeschlagen haben.

Ein wichtiger Punkt ist auch, dass Sie durch ständige gut gemeinte Beruhigungsversuche von Seiten anderer eher unsicherer als sicherer werden. Daher füge ich Ihrem bisherigen Wissen (Sie waren lange genug bei einem kompetenten HNO-Arzt) nichts hinzu, wozu Sie auch noch die Meinung eines Psychologen bräuchten, ob dies organisch sein kann oder nicht.

Ich erinnere Sie nochmals daran: Ihr Problem ist nicht, dass Sie ein Problem/Symptom haben, sondern wie Sie mit diesem Problem/Symptom umgehen.

Die ständige Beschäftigung mit diesen Symptomen lenkt Sie nur davon ab, den Weg weiterzugehen, den Sie beschreiten möchten.

Wie schaut jetzt Ihre Berufsplanung genau aus? Schreiben Sie uns doch, was Sie bisher getan haben, um Ihre Ziele umzusetzen. Es baut doch jeden, egal was er hat, auf, wenn es neben den Problemen/Symptomen auch etwas Positives zu erleben und zu berichten gibt.

Zu Körperübungen: allein trainieren ist auch sehr wichtig. Es geht nicht darum, ob Sie etwas richtig oder falsch machen, sondern es geht darum, dass Sie sich Erfahrungen zu machen trauen mit Ihrem Körper, auch wenn dies "nur" zu Hause sein sollte.

Mit besten Grüßen und Wünschen!

Hans Morschitzky

 

Beavie  24.01.2002, 12:26:05

Lieber Herr Doktor,

vielen Dank für die sehr rasche Antwort!!!!

>>>Eine Grundstrategie zur Lösung derartiger Probleme lautet: die äußeren Reize (Aktivitäten, Umgang mit anderen usw.) müssen wichtiger werden als die inneren Reize (Körpersymptome, ängstliche Bewertungen des Körpers.

Sie haben genau ins Schwarze getroffen, das ist mein Problem, ich bin so fixiert auf mich und meine Körperwahrnehmung!!!
Ständig beobachte ich mich und horche in mich hinein, ob noch alles in Ordnung ist.
Ich bin mir dieser Problematik auch sehr bewusst, ich würde es auch zu gerne abstellen und beneide andere Menschen, z.B. die Freunde von uns, die nicht so fixiert auf ihre Körperwahrnehmungen sind und frage mich immer wieder, wie können die Leute das bloß ausblenden aus ihrem Kopf?
Ich bekomme das irgendwie nicht hin, selbst wenn ich Sachen mache, die mir Spaß machen, höre und sehe ich doch mit einem inneren Ohr und Auge in mich hinein.
Da bräuchte ich noch eine guten Tipp, wie ich damit umgehen soll.

>>>>>Sie können alles tun mit Ohrgeräuschen und müssen sich nicht von Ihrem Weg abbringen lassen, den Sie eingeschlagen haben.

Sehen Sie das ist mein Problem, ich denke dann wenn ich irgendwelche Symptome habe, nun ist alles aus, dein Weg ist hier zu Ende, Du wirst nur leiden müssen, niemals mehr genießen, und das ist mein Fehler!!!
Auch dessen bin ich mir so bewusst und es stört mich so das ich so zwanghaft denken muss, aber ich kann nicht richtig damit umgehen, kann dann nicht sagen, auch mit den Symptomen kannst du noch so viel machen.
Allerdings versuche ich es, manchmal (sehr selten) gelingt es auch, dann sage ich mir, so obwohl du jetzt den Schwindel oder die Ohrgeräusche oder sonst etwas hast, machst Du mit Deinem Leben weiter, das geht aber meistens nur, wenn an diesem Tag meine Grundstimmung gut ist, wenn ich auch noch depressiv bin, dann ist Hopfen und Malz verloren, dann gebe ich so schnell auf.

>>>Zu Körperübungen: allein trainieren ist auch sehr wichtig. Es geht nicht darum, ob Sie etwas richtig oder falsch machen, sondern es geht darum, dass Sie sich Erfahrungen zu machen trauen mit Ihrem Körper, auch wenn dies "nur" zu Hause sein sollte.

Auch hier muss ich zustimmen, ich traue mich nicht mit meinem Körper Erfahrungen zu machen, traue meinem Körper nichts ´Gutes zu nur Schlechtes, Krankheit und so weiter.
Ich habe absolut kein Körpervertrauen, lehne meinen Körper auch teilweise ab und mag mich zum Beispiel auch nicht gerne eincremen, nach dem Duschen, denn ich könnte ja was finden, was nicht dort hingehört, zum Beispiel kleine Knoten.
Wie schaffe ich es bloß da wieder ein gesundes Körpergefühl zu bekommen, zu sagen, Mensch Dein Körper ist stark, er schafft so vieles, was Du ihm nicht zugetraut hättest!!!!???

Ein sehr gutes Gefühl ist es für mich, wenn ich tanze, das ist mir aufgefallen, wenn ich zum Beispiel Bauchtanzmusik auflege, bekomme ich sehr viel Lust zu tanzen, mache ich das dann, fängt mein Gesicht automatisch an zu lächeln und ich fühle mich besser, vielleicht sollte ich mehr tanzen in meinem Leben.
Zur Zeit schneidere ich viel, ich habe meinem Freund eine mittelalterliche Tunika geschneidert und mir nähe ich ein Burgfräulein-Kleid, das macht mir sehr viel Freude. Auch das will ich in mein Angebot nehmen, wenn ich demnächst in die Selbstständigkeit gehe.
Beim Zuschneiden der Schnittmuster und Stoffe musste ich auf dem Boden arbeiten, sehr viele Stunden in Hocke gehen und mich ziemlich verrenken, da ich nicht so einen großen Tisch habe am nächsten Tag hatte ich ziemlichen Muskelkater in Beinen und Po, da ich nichts mehr gewöhnt bin und es tat gut, seine Muskeln zu spüren, ich fand das richtig großartig.
Also ich glaube ein Großteil meiner Gesundung liegt auch in körperlichen Aktivitäten, wie sehen Sie das?

Alles Liebe
Viele Grüße
Beavie

 

Hans Morschitzky  24.01.2002, 20:57:12

Hallo Beavie!

> ich traue mich nicht mit meinem Körper Erfahrungen zu machen, traue meinem Körper nichts ´Gutes zu nur Schlechtes, Krankheit und so weiter.
Ich habe absolut kein Körpervertrauen, lehne meinen Körper auch teilweise ab und mag mich zum Beispiel auch nicht gerne eincremen, nach dem Duschen, denn ich könnte ja was finden, was nicht dort hingehört, zum Beispiel kleine Knoten.

Wie Sie sehen, können Sie mit sich selbst gar nicht liebevoll-fürsorglich, sondern nur kontrollierend umgehen. Wenn Ihr Freund Sie streichelt, erleben Sie dies auch als ständiges Prüfen Ihrer Haut und Ihres Körpers?

Wenn ja, dann sind selbst die schönsten Sachen der Welt plötzlich zu einem Problem geworden.

> Da bräuchte ich noch eine guten Tipp, wie ich damit umgehen soll.

Lassen Sie vorerst einmal Ihr bisheriges Verhalten zu, ohne sich zu stressen, so und so sein zu müssen, weil es psychologisch besser wäre.

Verdrängen Sie nichts, auch nicht Ihre Ängste und Ihr Kontrollbedürfnis.

Sagen Sie sich, Sie fühlen sich im Moment eben so und so, aber dies soll nicht Ihr Verhalten bestimmen. Denn Sie wollen eben dies und jenes tun - ähnlich wie ein Agoraphobiker wieder mit Angst z.B. Geschäfte betreten soll, denn wenn er wartet, bis er es ohne Angst tut, wird er heuer kein Geschäft mehr aufsuchen und warten auf bessere Zeiten - und klagen, dass sich nichts ändert und depressiv werden!

Grüße!

Hans Morschitzky

Beavie  25.01.2002, 11:52:15

Lieber Herr Doktor,

>>>>>Wie Sie sehen, können Sie mit sich selbst gar nicht liebevoll-fürsorglich, sondern nur kontrollierend umgehen. Wenn Ihr Freund Sie streichelt, erleben Sie dies auch als ständiges Prüfen Ihrer Haut und Ihres Körpers?

Nein ich empfinde das Streicheln meines Freundes nicht als Prüfen meines Körpers, jedoch kann ich es auch nicht genießen, selbst wenn wir uns zusammen kuscheln, denke ich an Symptome und Krankheiten, also irgendwie ist auch das Kuscheln mit meinem Freund nicht mehr so entspannend und schön und für mich nicht mehr so genießbar wie früher, darüber bin ich auch sehr traurig, aber auch da kann ich meine Gedanken nicht abschalten.
Ich versuche dann immer krampfhaft nicht daran zu denken und so wird es nur schlimmer.


Noch eine Frage zu meinem vorletzten Post, da schrieb ich:
>>>>Ich weiß nicht ob ich jetzt durchdrehe oder sonst etwas und ich weiß nicht ob ich dieses Geräusch nicht schon immer in den Ohren hatte und mich nun so darauf konzentriere, das ich es so stark wahrnehme? Weil sich meine Aufmerksamkeit so darauf konzentriert, ich höre nur noch auf meine Ohrgeräusche, die ich so habe, kann mich wieder auf nichts anderes konzentrieren.
Ist es denn möglich, sich so in etwas hineinzusteigern?
Sind solche Ohrgeräusche denn normal?

Sie antworteten darauf:
>>>>Ein wichtiger Punkt ist auch, dass Sie durch ständige gut gemeinte Beruhigungsversuche von Seiten anderer eher unsicherer als sicherer werden. Daher füge ich Ihrem bisherigen Wissen (Sie waren lange genug bei einem kompetenten HNO-Arzt) nichts hinzu, wozu Sie auch noch die Meinung eines Psychologen bräuchten, ob dies organisch sein kann oder nicht.

Ich finde es aber immer sehr beruhigend zu wissen, ob so etwas auch durch die Psyche so verstärkt werden kann, denn dann kann ich mir immer sagen, wenn es auch psychisch sein kann, dann wird es auch wieder weggehen, wenn Du Dich nicht mehr so darauf konzentrierst. Verstehen Sie? Ich sage mir dann immer, es ist nicht nur körperlich, dann bleibt es auch nicht für immer. Bei der Diagnose Tinnitus muss ich ja denken, das es für immer bleibt, denn da kann man ja wohl nichts mehr tun.
Verstehen Sie, wenn Sie mir sagen könnten ob es möglich ist, das man seine Aufmerksamkeit so auf etwas lenken kann, das man Ohrgeräusche wahrnimmt, die normal sind, die vom Gehirn nur weggerechnet werden bei normalen Menschen und ich nun diese Geräusche höre, weil ich so extrem aufmerksam bin, dann wäre ich zu 100Prozent beruhigter.
Mein Ohrenarzt hat bei mir einen Hörtest gemacht, einen Hörsturz habe ich nicht, aber er sagte auch nicht das ich keinen Tinnitus habe, da ich das auswertende Gespräch nicht mit ihm, sondern einer Arzthelferin machte, das beunruhigt mich so, ich habe nicht mit ihm persönlich gesprochen.
Ich bekomme von diesen Geräuschen halt immense Angstzustände, die treiben mich fast in den Wahnsinn, die Ohrgeräusche und die Angstzustände, die daraus resultieren.

Vielleicht können Sie mir ja doch das ein oder andere dazu sagen?
Viele liebe Grüße
Beavie

 

Hans Morschitzky  31.01.2002, 21:34:15

Hallo!

Ohrgeräusche haben viele. Nicht jedes Ohrgeräusch ist ein echter Tinnitus. Das wird wohl auch bei Ihnen so sein.

Somatoforme Störungen leben genau davon, dass man sich ständig sehr ängstlich beobachtet. Als Mann habe ich gelernt, dass Frauen ihre Brust und ihren Unterleib so intensiv beobachten können, dass Sie aus der daraus resultierenden Verspannung überzeugt sind, an diesen Stellen Krebs zu haben, wie eine gute Bekannte oder Verwandte.

Man kann sich aber auch so auf seine Atmung konzentrieren, dass man glaubt, keine Luft zu bekommen, oder so stark auf seine Kehle, dass man glaubt zu ersticken.

Mit besten Grüßen!

Hans Morschitzky

 

Beavie  01.02.2002, 21:32:00

Lieber Doktor,
vielen Dank für Ihre Antwort!! Sie hat mir sehr geholfen, mit dem Ohr geht es auch besser, ich habe mich abgelenkt, habe die ganze Woche über geschneidert und habe auch ein tolles Kleid fertig bekommen.
Eigentlich ging es mir dabei die ganze Zeit sehr gut, nun ist gestern das Kleid fertig geworden.
Und heute geht es mir total schlecht.
Schon seit heute morgen.
Ich wachte auf mit ganz starkem Schwindel im Bett!!!! Richtig beängstigend und furchtbar.
Ich dachte mein Kopf ist in einer Zentrifuge und wird total beschleunigt.
Ich hatte dann auch den ganzen Tag Angst vor diesem Zustand und habe ihn auch mehrmals am Tag bekommen?
Dabei ging es mir doch so gut bis gestern, ich verstehe das nicht und bin heute wieder total in Panik und kann mich auf nichts anderes mehr konzentrieren, als auf diesen Zentrifugenschwindel.
Ich bekam auch Herzklopfen und totales Schwitzen und immense Angstgefühle.
Auch bin ich total unruhig, kann nicht fünf Minuten still sitzen, musste heute die ganze Zeit in Action sein, habe die ganze Wohnung aufgeräumt und geputzt.
Ach Herr Doktor, was ist bloß mit mir los?
Ich kann das einfach nicht verstehen, wieso ich jetzt wieder so am Boden bin, von der Angst und dem Schwindel.
Bitte helfen Sie mir
Viele Grüße
Beavie

 

Beavie  06.02.2002, 17:39:41

Hallo Herr Doktor,
ich weiss bald nicht mehr ein noch aus. Ich habe gerade ganz gemütlich und gut gelaunt und mit innerer Ruhe (ich hatte mich gerade nach den im letzten Thread beschriebenen Schwindel beruhigt) an einem Kleidungsstück gearbeitet und da passierte es wieder.
Ich wollte gerade einräumen, als ich einen extremen Sekundenschwindel hatte, einen ganz schlimmen. Es war als ob jemand vor meinen Kopf hauen würde wie ein Schlag und danach konnte ich nicht mehr gerade aussehen, alles drehte sich. Ich habe dann auch so ein komisches Gefühl im Kopf. Das hielt ein paar Sekunden an und war dann weg.
Begleitend bekam ich natürlich auch wieder extreme Angst, weiche Knie, ich hatte das Gefühl alles Blut ist aus mir raus, Übelkeit, schweres Atmen.
Richtige Panik.
Lieber Herr Doktor, sind solche Sekundenschwindel auch Angstschwindel? Ich bin so verwirrt, der Schwindel bei mir variiert so.
Andauernd habe ich was Neues, was aber alles mit Schwindel zu tun hat.
Das ist ja auch meine größte Angst, irgendwann einmal einen totalen Gleichgewichtsorgankollaps zu bekommen und keine Hilfe zu bekommen und für immer dieses Gefühl in mir zu haben.
Diese letzte Schwindelattacke bekam ich zu Hause, als es mir gut ging. Ich verstehe das nicht. Es ging mir doch gut, ich habe an nichts Böses gedacht. Wieso kann das passieren? Ich denke man bekommt Schwindel nur in Belastungssituationen und nicht einfach aus heiterem Himmel so?
Ich bin echt mal wieder verzweifelt, es tut mir leid das ich das wieder schreiben muss, aber leider ist es so.
Ich dachte auch es geht aufwärts, aber leider habe ich mich getäuscht.
Vielleicht bin ich auch ein schlechter Mensch, der bestraft werden muss für irgendwas. Ich wei´ß es nicht.
Ich verstehe nur nicht diesen komischen Sekundenschwindel.
Jetzt habe ich wieder permanent Angst vor einem neuen Anfall und bin hypernervös und weiß nicht wohin mit mir.
Ich verstehe immer noch nicht was mit mir los ist.
Wären diese komischen Attacken nicht, könnte ich ein gutes Leben führen. Nur diese Attacken reißen mich immer wieder in Depressionen und Angst.
Ich kapier einfach nicht wieso so etwas bei mir auftaucht, wo es mir so gut ging und ich echt dachte nun geht´s bergauf.
Verstehen Sie mein Problem?
Diesmal ist es wieder ein völlig anderer Schwindel, der sekundenmäßig aufflackert und extrem unheimliche Körperreaktionen hervorruft.
Kann das denn auch eine Art von Angstschwindel sein? Bitte beantworten Sie mir diese Frage, ich habe auch noch einmal auf ihrer Homepage nachgelesen, aber ich meine diese Art von Schwindel nicht aufgelistet zu finden.
Wieso kann ich nicht einfach normal sein? Es ekelt mich echt an. Vor allem weil dieser Schwindel immer so hinterhältig ist und plötzlich in den schönsten Situationen auftaucht, gar nicht mal in schrecklichen Situationen, sondern immer in schönen.
Manchmal muss man ja denken man verliert den Verstand, weil es so absurd ist, alles.
Ich weiss halt nicht was ich machen soll, wenn ich in solch einer Situation bin. Ich kann ja dann auch gar nicht flüchten. Ich bin ja gefangen in meinem Körper, für immer.
Was kann man denn machen, wenn das Gleichgewichtsorgan einmal komplett ausfällt, bestimmt gar nichts. Was will man dort auch groß machen. Man kann nichts tun. Vielleicht ist es bei mir jetzt soweit und das sind die Vorboten für einen kompletten Gleichgewichtsausfall.
Leider ist mein HNO im Urlaub für 2 Wochen und ich kann ihn nichts dazu befragen, das habe ich nämlich bisher nicht getan. Ich würde gerne von ihm wissen, wie oft das Gleichgewichtsorgan denn ausfallen kann, ob man das immer wieder bekommt, wenn es einmal passiert ist und ob man überhaupt was dagegen tun kann oder ob man das nie mehr heilen kann.
Ob dieser Sekundenschwindel ein Ausfall meines Gleichgewichtsorganes war? Oder ob es psychisch bedingt war, allerdings ging es mir wie gesagt wieder ganz gut, nach der letzten Woche, wo ich wieder eine andere Schwindelsymptomatik hatte.
Da bekam ich so komischen Schwindel beim Hinlegen!!! Und beim Aufstehen und beim Liegen, nur wenn ich in Action war ging es gut.
Ich weiß nicht ich verliere bestimmt doch bald den Verstand, das ist doch alles so unnormal mit mir, zum Verzweifeln.
Wie gesagt ich verstehe nicht wieso ich so komische Schwindelattacken bekomme wenn es mir gut geht und ich mich nicht in einer Ausnahmesituation befinde oder Angst habe oder draußen bin, sondern wenn ich mich wohl fühle, das kapiere ich nicht, bringe ich nicht in meinen Kopf hinein.
Dann zweifle ich an meinem Verstand und denke auch wieder das das doch nicht sein kann.

Vielen Dank fürs Zuhören,
liebe Grüße
Beavie

 

Hans Morschitzky  06.02.2002, 20:55:40

Hallo Beavie!

In Bewegung spürt man die Verspannung nicht, sondern arbeitet sie buchstäblich ab - wenn man es wagt sich zu bewegen und nicht aus Angst vor dem Fall erst recht erstarrt.

Es ist nicht wahr, dass man derartige Symptome wie Sie nur in Belastungssituationen bekommt. Oft treten die Symptome vielmehr einige Zeit danach auf, eben in der Ruhephase. Dies ist so bei vielen Panikattacken.

In Ruhe kann man einerseits die Verspannung spüren, andererseits auch einen Spannungsabfall. Zahlreiche Panikattacken und somatoforme Störungen treten bevorzugt in Phasen des Übergangs von Anspannung zu Entspannung auf.

Ich glaube es Ihnen gerne, dass Sie eigentlich ganz gut drauf sind, wenn Sie einen Schwindelzustand bekommen. Es könnte sich ja auch um eine kurzfristige Kontrollverlusterfahrung bei plötzlicher Entspannung handeln, ähnlich wie Leute bei beginnender Hypnose öfter nervös aufschrecken, wenn alles los lässt, oder wie viele angespannte Angstpatienten, die beim Einschlafen plötzliche Zuckungen am Körper verspüren, was nichts anderes ist als eine elektrische Entladung der Muskulatur als Folge der einsetzenden Entspannung.

Das Problem sind nicht die Symptome an sich, sondern deren Bewertung als gefährlich. Dies ist das Wesen einer hypochondrischen Störung.

Mit besten Grüßen!

Hans Morschitzky

 

Beavie  25.04.2002, 12:41:25
 

Lieber Herr Doktor,
nach längerer Abwesenheit aus diesem Forum, bin ich nun wieder da.
Ich habe mich bewusst einmal nicht mit den ganzen Themen hier auseinandergesetzt, weil ich eine zeitlang versuchen wollte, mich mit anderen Themen zu beschäftigen und versuchen wollte nicht mehr an den Schwindel und dergleichen zu denken.
Ich habe es probiert und es hat auch ganz gut geklappt.
Nur der Schwindel ist trotzdem wiedergekommen. Ich hatte die Schwindelkrankheit im Februar das letzte Mal und er dauerte 2!!! Wochen an. So lange hatte ich ihn noch nie.
Bei jeder Bewegung, jedem Ruckeln, jeder Lageveränderung.
Ich war damals wieder ganz unten durch den Schwindel und habe sehr viel geweint. Ich habe auch wieder gedacht es ist diesmal für immer, das ich den Schwindel nicht mehr los werde.
Er ging aber wieder weg. Seit März bin ich schwindelmäßig beschwerdefrei. Aber er kann jederzeit wiederkommen.
Mein Hausarzt hat es als gutartigen Lagenschwindel diagnostiziert und als nicht gefährlich.
Jedoch kann man bei dieser Krankheit nicht sagen woher sie kommt, also was die Ursache ist, wann es wiederkommt und wie lange es bleibt.
Ich habe Betavert verschrieben bekommen, das ich in der Krankheit nehmen soll.
Mit meiner Angst werde ich eigentlich immer besser fertig, muss ich sagen, wenn ich nicht gerade die Schwindelkrankheit habe, denn dann bricht auch die Angst in vollem Maßen wieder aus. Verstehen Sie?
Ich war sogar mal wieder in einer Disco in einer anderen Stadt und fahre kleine Stücke mit dem Auto alleine, gehe größere Strecken spazieren, kann wieder relativ ohne Angst in ein Restaurant gehen und dort essen oder meine Schwiegereltern in spe besuchen. Da habe ich echt gute Fortschritte gemacht. Ich habe immer weniger Angst diese Sachen zu machen, was jetzt neu hinzugekommen ist, ist das ich jetzt immer Angst habe Durchfall zu bekommen, denn immer wenn ich wohin soll, bekomme ich Durchfall, ich habe wohl einen nervösen Magen/Darmtrakt. Ich muss dann auch immer die Gewissheit haben, eine Toilette in der Nähe zu haben, da ich Angst bekomme in die Hose zu machen, was ein sehr traumatisches Ereignis für mich wäre, ich weiß nicht, ob das auch irgendwie mit meiner Angsterkrankung zu tun hat?
Das schlimmste was jetzt noch da ist, ist die Angst vor diesem Lagenschwindel. Er ist für mich unfassbar und ich frage mich oft, wieso ich ihn bekomme.
Ob das eine Strafe ist?
Ich weiß nicht wie ich das in den Griff bekommen soll. Das macht mir echt zu schaffen.
Liebe Grüße
Beavie


Hans Morschitzky 27.04.2002, 20:29:25

Hallo Beavie!

Super, wenn Sie Fortschritte gemacht haben. Ständige Durchfallangst ist ein häufiger Anlass, den Bewegungsradius einzuschränken und ist oft ein Angst- oder Stresssymptom.

Ich glaube nicht, dass Symptome eine Strafe sind. Wenn Sie dies jedoch glauben, dann wird Sie das Ganze noch mehr belasten. Früher hat man geglaubt, dass Krankheiten eine Strafe Gottes sind.

Wenn Sie wirklich einen gutartigen Lageschwindel haben, dann ist dies keine psychische Störung. Da fühle ich mich nicht zuständig, weil es in den ärztlichen Bereich fällt. Doch wie erklären Sie sich dann die ausgeprägten Schwankungen? Wenn der Schwindel in typischen Angstsituationen sofort massiv zunimmt, dann glaube ich nicht, dass Sie "nur" den genannten Schwindel haben.

Mit besten Grüßen!

Hans Morschitzky