Klinischer und Gesundheitspsychologe
Psychotherapeut (Verhaltenstherapie und Systemische Familientherapie)
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Phobien
Eine Phobie ist eine gerichtete Angst, eine krankhafte Furcht vor etwas ganz Bestimmtem. Phobien sind Ängste vor bestimmten Orten, Situationen, Menschen, Tieren und Objekten, die man mangels Bewältigungsstrategien am liebsten vermeiden möchte. Phobien haben äußere Reize als Auslöser, während bei der anderen Gruppe der Angststörungen (Panikstörungen und generalisierten Angststörungen) innere Auslöser (Gedanken und Körpersymptome) vorhanden sind.
Man unterscheidet drei Arten von Phobien:
1. Soziale Phobien: soziale Beurteilungsängste, Angst kritischer Beurteilung durch andere.
2. Agoraphobie (Platzangst): „multiple Situationsphobien“ mit Einschränkung der Bewegungsfähigkeit aus Angst, in eine Angstsituation zu kommen, wo man nicht jederzeit weg kann bzw. wo nicht jederzeit Hilfe da ist.
3. Spezifische Phobien: eng umschriebene Angst vor bestimmten, an sich ungefährlichen Objekten und Situationen.
Spezifische Phobien werden in folgende Typen eingeteilt:
· Tier-Typ: z.B. Insekten (Spinnen, Käfer, Schnecken), Schlangen, Mäuse, Hunde,
· Naturgewalten-Typ: z.B. Gewitter, Donner, Blitz, Feuer, Wasser (Meer)
· Blut-Spritzen-Verletzungstyp: Angst vor Blut, Spritzen, Verletzung, medizinischer Behandlung (Zahnarzt)
· Situativer Typ: z.B. Fahrstuhl, Tunnel, Fliegen, Dunkelheit – also nur einzelne (spezifische) Phobien im Gegensatz zur Agoraphobie, die verschiedene Ängste umfasst
· Anderer Typ: z.B. Angst vor spitzen Gegenständen, Bakterien, Schmutz, öffentlichem Wasserlassen (bei Männern)
Viele spezifische Phobien haben ihre Wurzeln
· in der Kindheit und spiegeln die falsche Einschätzung von bestimmten Objekten und Situationen als gefährlich wider (80 % der Tierphobien beginnen in der Kindheit),
· in traumatischen Ursachen (z.B. Hundebiss, Wespenstich, Steckenbleiben des Lifts),
· in einer biologischen Vorgeformtheit durch die Evolution, z.B. sind viele Tier-, Gewitter-, Dunkel- und Höhenängste nicht erlernt, sondern vererbt und müssen im Rahmen der kindlichen Entwicklung bewältigt werden,
· in zunehmender Vermeidung Furcht einflößender Objekte und Situationen, sodass mangels Lernerfahrungen die entsprechenden Ängste zunehmen.
Spezifische Phobien werden therapiert, in leichteren Fällen selbst behandelt, durch
· Konfrontation in der Vorstellung: bewusste mentale Auseinandersetzung und bildhafte Vorstellung, bei Insekten (z.B. Spinnen) etwa auch Betrachten von Bildern, Filmen.
· Gestufte Konfrontation in der Realität: langsame Annäherung an die gefürchteten Objekte und Situationen (früher unter Entspannungsbedingungen, heute meist ohne Entspannungsbedingungen, um die Angst bewusst erleben und überwinden zu lernen).
Eine Spinnenphobie beruht oft einem Ekelgefühl (grauslich sind diese Viecher einfach für viele Menschen!) und weniger auf einer bestimmten Angst, die letztlich nur die Vermeidungstendenz widerspiegelt. Bei einer Spinnenphobie kann es – ebenso wenig wie bei anderen Phobien – nicht das Ziel sein, kein Gefühl (z.B. Angst oder Ekel) mehr zu haben, sondern dieses Gefühl einfach besser ertragen zu lernen, ohne dadurch im Leben erheblich beeinträchtigt zu sein.
In der Durchschnittsbevölkerung haben 5 % eine Agoraphobie, 8-13 % eine soziale Phobie und 11 % eine spezifische Phobie.
Historische Aspekte der spezifischen Phobie
Aus früheren Zeiten stammen Klassifikationen nach dem Inhalt spezifischer Phobien mit einer beeindruckenden Vielfalt von Bezeichnungen, die zumeist nur mehr historische Bedeutung und keinerlei Erklärungswert haben. Es wurden über 250 spezifische Phobien beschrieben, die auf altgriechischen Wortwurzeln beruhen. Derartige Aufzählungen sind nicht an klinisch unterscheidbaren Syndromen orientiert.
Die neuere Diagnostik ist auf meiner Homepage unter "Spezifische Phobien" angeführt.
Auswahl spezifischer Phobien
|
Agoraphobie |
Angst vor dem Überqueren eines freien Platzes (ursprüngliche Bedeutung) |
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Aichmophobie |
Angst vor spitzen Gegenständen |
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Ailurophobie |
Angst vor Katzen |
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Aiktiophobie |
Angst vor scharfen, spitzen Instrumenten |
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Akrophobie |
Angst vor Höhen |
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Algophobie |
Angst vor Schmerz |
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Androphobie |
Angst vor Männern |
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Aquaphobie |
Angst vor Wasser |
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Arachnophobie |
Angst vor Spinnen |
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Astraphobie |
Angst vor Blitzen |
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Aviophobie |
Angst vor dem Fliegen |
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Bakteriophobie |
Angst vor Schmutz und Bakterien |
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Blaptophobie |
Angst vor Verletzung anderer mit einem Messer oder spitzen Gegenstand |
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Brontophobie |
Angst vor Donner |
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Carcinophobie |
Angst vor Krebs |
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Dromosiderophobie |
Angst vor Eisenbahnen |
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Dysmorphophobie |
Angst vor körperlicher Entstellung |
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Emetophobie |
Angst vor Erbrechen |
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Entophobie |
Angst vor Insekten |
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Equinophobie |
Angst vor Pferden |
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Erythrophobie |
Angst vor Erröten |
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Gephyrophobie |
Angst vor Brücken |
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Gynophobie |
Angst vor Frauen |
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Gymnophobie |
Angst vor Nacktheit |
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Herpetophobie |
Angst vor Eidechsen, Reptilien, kriechenden, krabbelnden Tieren |
|
Karzinophobie |
Angst vor Krebserkrankung |
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Keraunophobie |
Angst vor Gewittern |
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Klaustrophobie |
Angst vor engen Räumen |
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Kynophobie |
Angst vor Hunden |
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Melissophobie |
Angst vor Bienen |
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Mysophobie |
Angst vor Berührung, Schmutz, Bazillen, Ansteckung |
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Nyctophobie |
Angst vor der Nacht |
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Ökophobie |
Angst vor Umweltgiften |
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Ophidiophobie |
Angst vor Schlangen |
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Phobophobie |
Angst vor der Angst |
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Photophobie |
Angst vor Licht |
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Pyrophobie |
Angst vor Feuer |
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Skotophobie |
Angst vor Dunkelheit |
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Thanatophobie |
Angst vor dem Tod |
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Trypanphobie |
Angst vor Blut und/oder Injektionen |
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Xenophobie |
Angst vor Fremden |
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Zoophobie |
Angst vor Tieren |
Zeitgeschichtliche Faktoren beeinflussen die Art der spezifischen Phobien:
l Unter den Krankheitsängsten war früher oft die Angst vor Syphilis und Seuchen anzutreffen, gegenwärtig dominieren Ängste vor Krebs, AIDS oder Umweltgiften.
l Unter den körperbezogenen Ängsten war früher aufgrund des puritanischen Zeitalters die Angst vor Nacktheit (Gymnophobie) weit verbreitet, heutzutage besteht eher die Angst vor mangelnder körperlicher Attraktivität des nackten Körpers.
l Unter den Technikängsten dominierte früher die Angst vor Eisenbahnen, in unserer Zeit ist die Angst vor dem Fliegen weit verbreitet (bei 30% der Bevölkerung).
Dieser Text stammt aus meinem Buch „Angststörungen“. Wenn Ihnen dieser Text gefallen hat, empfehle ich Ihnen den Kauf des ganzen Buches (Bestellung durch Anklicken des Buchtitels):
Morschitzky, H. (2009). Angststörungen. Diagnostik, Konzepte, Therapie, Selbsthilfe. Wien: Springer. 731 S. € 69,90.